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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-22 · 21 (22.5.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 420 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 21 Prag. Der jüngst ins Leben gerufene czechische „K a t h olische Volksverein für Prag und Umgebung" hielt gestern Nachmittags im Convictsale feine erste Versammlung ab. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt, zumeist von Gewerbetreibenden, während auf der Galerie zahlreiche Damen zu sehen waren. Unter den Erschienenen befand sich auch Se. Erlaucht der LAB. Graf Adalbert Sch ö n b o r n, welchem die Versammelten eine kleine Ovation darbrachten. Auf der Tagesordnung befand sich ein Programmpunkt: Ziele und Zwecke des neuen Volksvereines. Als erster Redner trat der Kreuzherren-Ordenspriester und Caplan bei St. Peter, P. Simo n auf, welcher den Lesern unseres Blattes bereits von feinem Debüt auf der Sophieninsel her bekannt ist und bei der letzten Reichsrathswahl für die Neustadt Zählcandidat der Christlich- Socialen war. In Vielem den „Meister Lueger" copirend, wies er zunächst darauf hin, daß es überall in der Gesellschaft krisle und daß unhaltbare Zustände eingetreten feien, woran einzig und allein der capitalistische Liberalismus die Schuld trage. (Beifall.) Der Redner ließ darauf an den Liberalen kein gutes Haar, nannte den Liberalismus einen scheußlichen Affen, wetterte gegen die Socialdemokratie und den Anarchismus und sprach dann ein vernichtendes Urtheil über Ungarn und „Judapest" aus. (Stürmische Hanb?4Rüfe.) F. Simon machte weiter für das bekannte „Sv»i k svenm" Propaganda und ging sodann auf das eigentliche Thema, die Juden, über, ohne indeß den Ausdruck „Jude" auch nur einmal zu gebrauchen. „Emanicipirt Euch," rief er mit Pathos, „von Denjenigen, welche nicht Euere Sprache, Euere Sitten und Eueren Glauben kennen, legt Euere slavische Taubennatur ab! Der katholische Volksverein wird die Sturmglocke läuten, weil er ein Recht dazu hat und es höchste Zeit ist, denn der Hannibal des Liberalismus, der Socialdemokratie und des Anarchismus steht aut-« jiortas. (Frenetischer Beifall.) Ihr Männer, haltet zu Hause Eueren Weibern Moralpredigten, auf daß sie nicht mehr bei Fremdländern kaufen, sondern zu unseren czechifchen, christlichen Gewerbetreibenden gehen. Denkt an die Schmach, daß in Prag der Fremdländer überall die erste Stelle einnimmt und das Volk aussaugt, während der Herr dieses Landes, der czechische, christliche Mann, in Kellerräumen oder kleinen Stübchen verkümmert. (Händeklatschen.) Organisirt Euch und der Erfolg kann nicht ausbleiben." — Noch schärfer ging der Schneidermeister P rüsa vor, welcher sagte, daß es heute keinen ehrlichen Czechen gebe, der nicht Antisemit wäre, weil der Antisemitismus berechtigt sei. Wien sei mit gutem Beispiele vorangegangen und der frische Wiener Wind werde wohl auch in Prag wirken. (Beifall.) Das czechische Volk könne sich gratuliren, daß sich das eingewanderte Plebejervolk der Juden nicht an seine Fersen geheftet habe, wenigstens können die Czechen diesem Volke den Fußtritt geben. (Stürmischer Beifall.) — In ähnlichem Simie sprachen auch noch andere Redner. — Graf Adalbert S ch ö n b o r n hatte gleich nach der ersten Rede den Saal verlassen. « Marienbad. 17. Mai. Die neue Saison hat ihren Anfang genommen, obwohl die Anzahl der Curgäste noch eine geringe ist. Ganz besonders fehlt es an jüdischen Curgästen, welche sonst um diese Zeit zahlreicher anwesend zu sein pflegen. Etwas Aussehen erregt hier folgendes, obwohl nicht sehr wesentliches Ereigniß, welches an jedem anderen Orte als an einem zu großem Ruse gelangten Curorte von der Bedeutung Marienbads kaum erwähnenswerth wäre; hier jedoch frägt man sich verwundert, wohin ein solch thörichtes Beginnen führen soll. Bekanntlich besteht hier ein jüdisches Hospital, welches vor 35 Jahren von Curgästen Marienbads zu dem Zwecke gegründet wurde, um in demselben arme jüdische Curgäste unentgeltlich zu verpflegen. Neben dem Gebäude des Hospitals besteht noch ein fteier Platz, welcher seit Jahr und Tag zur Wahrung des Eigenthumsrechtes durch einen sogenannten Stachelzaun eingeftiedet wurde. Um jedoch auch hier, wo sonst ganz besonders während der Saison eine gewisse gemüthliche Ruhe vorwaltet und Ausschreitungen jeder Art mit dem Auswande von Polizeiwachmannschast hintangehalten werden, um also trotz und trotz all dessen ein klein wenig moderne Lumperei zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, fand sich ein Hallunke zur Ausführung eines Schurkenstreiches der niederträchtigsten Art. In der Nacht zum 14. Mai wurde von verruchter Hand der erst kurz vorher neu hergerichtete Stachelzaun mit vandalischer Zerstörungswuth vollkommen vernichtet. Man weiß und kennt den Anstifter, sowie auch das schlechte Individuum, welches zur Ausführung dieses nächtlichen Attentates benützt wurde. Doch geschieht nach bekannten Mustern gar nichts, um für die Zukunft derartige Frevel hintanzuhalten. Ich bringe diese nackte Thatsache in die Oeffentlichkeit, um damit anzudeuten, daß ich bei etwaigen weiteren Ausschreitungen gegen das Eigenthum des israelitischen Hospitales am hiesigeil Orte keine zarte Rücksicht walten lassen werde. Die Polizei, welche mit dem Gelde des Curfondes bezahlt wird, thue ihre Schuldigkeit. äixi. Budapest, 8. Mai. Gestern hat K a i s e r i n Elisabeth mit ihrem Hofstaate auch die in der Millenniums-Ausstellung befindliche Sammlung von kirchlichen Antiquitäten und Reliquien aus dem Königreiche Ungarn und seinen Nebenländern besichtigt. Zu diesen kirchlichen Gegenständen gehören auch die von jüdischen Gemeinden und Privaten ausgestellten kostbaren Gold- und Silbergeräthe fiir den synagogalen und häuslichen Gebrauch. Die hohe Frau ließ sich von ihren Führern genau erklären, zu welchen Zwecken die Israeliten eigentlich alle diese Gegenstände brauchen, da fast die meisten derselben ihr ganz unbekannt waren. Da gibt es z. B. silberne Becken mit Kannen zum Waschen der Kohanim, goldene und silberne Kidduschbecher, Gewürzbüchsen (Bessamimbüchsen), Becher für den Propheten Elias bestimmt, und dann die verschiedenen Schmucksachen zum Schmücken der Thora, Vorhänge (Parvcheth) und Oberdeckel für die Bundeslade rc. Die hohe Frau war ganz erstaunt, als sie hörte, was für ein wichtiger Factor die Synagoge für die Förderung der Gold- und Silberschmiedekunst ist. Pretzburg. (Millenniumsfeier im israelitischen Altersversorgungshause.) Gleichsam den Schlußaccord zur vielstimmigen Symphonie des Vaterlandsfestes bildete die im Gartenhofe des ehemaligen städtischen Kinderasyls in der Maria-Theresienstraße in Anwesenheit des Magistratsraths Kumlik abgehaltene Millenniumbaumpslanzung, verbunden mit einem Festbankett der Pfleglinge. In dem mit Reisig und Fahnen decorirten Hausgarten hatte sich um 5 Uhr Nachmittag die aus zirka 300 Güsten (Damen und Herren) bestehende Gönnerschaft dieser jüngsten Preßburger Wohlthätigkeitsanstalt eingesunden. NachdemObercantor Schwartz das Abendgebet zelebrirt hatte, begrüßte Primarius Dr. I. Fischer als Präses des Verwaltungsausschusses die Erschienenen in schwungvoller, mit patriotischer Wärme vorgetragener, erst ungarischer, dann dentscher..Ansprache,..jn.welcher.>ev die Hohe Bedeutung der Millennarseier für jeden einzelnen Bürger des Vaterlandes betonend, die im Altenheim untergebrachten Greise glücklich pries, daß es ihnen gegönnt war, dies seltene Fest zu erleben, mit dem sie sich ebenso wie die mitten im Kampfe des Lebens stehende patriotische Jugend freuen sollen. Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Die Pfleglinge (13 an der Zahl, Frauen und Männer) wurden hierauf um den bereits gepflanzten Baum gestellt; der Schriftführer des Berwaltungsausschusses, Buchhändler H. Steiner, verlas die aus das Millennium und das Haus bezügliche ungarisch-deutsche Pergamenturkuude, worauf dieselbe, in einer Messingkapsel wohl verschlossen, durch den Stifter Joel Wolf unterhalb des Baumes in der. Erde versenkt wurde. Der Synagogenchor begleitete diese feierliche Handlung mit dem vorzüglichen Vortrage des „Szözai" und des „Hymmis". Hierauf beleuchtete Buchhändler Steiner in längerer, von vielem Beifall unterbrochener Rede die Bedeutung des patriotischen Festes vom specifisch-israelitischen Standpunkte: Schon der Prophet Jeremias (Cap. 29, Vers 4— 7) habe den in die babylonische Gefangenschaft geführten Glaubensbrüdern die größte Anhänglichkeit und Liebe zum neuen Vaterland eingeschärst. Die Juden waren immer und überall, selbst unter dem größten Drucke, gute Patrioten. Ungarn sei von jeher das Land der religiösen Duldung gewesen; die ungarische Nation, ausgezeichnet durch echte Religiosität, welche frei ist von jedem Fanatismus, sebst leidend unter mehrhundertjähriger, drückender Fremdherrschaft, habe fremdes Leid mitzuempfinden gelernt und ihr makelloses Wappen niemals mit Judenverfolgungen befleckt. Das Millennium finde nicht nur die bürgerliche Emancipation der israelitischen Bewohner dieses Landes, sondern auch die Reception der jüdischen Religion durch eine erleuchtete Gesetzgebung ausgesprochen, durch die Gnade des Königs sanctionirt. Hierin sei in erster Linie die hochsinnige Anerkennung ihrer Vaterlandsliebe zu erblicken. Redner verweist auf bie_ hervorragenden Leistungen der ungarischen Glaubensgenossen auf allen Culturgebieten und fordert schließlich die Versammlung aus, nach wie vor mit der unverbrüchlichen Treue zur Urreligion der Väter die innigste Liebe zum Vaterlande zu verbinden, da nur in dem Wohle des letzteren das eigene Glück seine dauernde Begründung finde. Hierauf wurden die Pfleglinge im Freien mit einem vortrefflichen Abendmahle bewirlhet, in dessen Verlauf auf

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