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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-15 · 20 (15.5.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
20 (15.5.1896)
Date
1896-05-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 404 Dr. Vloch's Wochenschrift. i* 20 laffen zu müssen aus Mangel an erforderlichen namhaften Geldmitteln, welche die Bespeisung von über 60 Kranken täglich dreimal erheischt, und daß wir es nur den verehrten Herren David Rappaport, Dr. Holzer und dem Damen-Comilä, sowie der Frau Sali Mayer verdanken, wenn wir dieser Gefahr schon des Oefteren entronnen sind. Aus dem vom Schriftführer Samuel Schaff verlesenen Rechen sch aftsberichte ist ersichtlich, daß der Verein vom 1. April 1894 bis Ende 1895 an milden Beiträgen und Spenden, darunter von Edlen v. Horowitz 100 fl., Dr. Arnold Rappaport aus Wien 100 fl., Sigmund Reizes aus Wien 200 fl., Heinrich Reumann 50 fl-, von David Rappaport — zusammen fl. 4253 09 eingenommen und so verausgabt worden sind. Nachdem dem Ausschüsse von der Generalversammlung das Absolutorium ertheilt und gleichzeitig dem Damencomitß der Dank votirt wurde, wurden die Herren Rabbiner Isaak Schmelkes als Ehrenpräsident, Dr. Wilhelm Holzer als Präsident, David Rappaport als Bicepräsident und im DamencomitS Rabbinerin Augusta Schmelkes als Ehrenpräsidentin, Frau Lea Mosel als Präsidentin, Frau Celostine Schonblum als Vicepräsidentin und als Comitsmitglieder Frau Sabine Adler, Rabbinerin Anna Brande, Feige Lewin, Sali Mayer, Mali Menkes, Sara Rosenzweig, Rosenfeld, Fany Stroh und als Spitalverwalter Leon Rosenthal gewählt und mit einem Dankesvolum an Se. Excellenz Grafen Stanislaus Badeni und an alle Spender die Sitzung geschlossen. Floridsdorf. In der am 6. d. M. stattgefundenen Cultus- Ausschußsitzung widmete der Präsident Herr Dr. König dem dahingeschiedenen Herrn Baron Moritz Hirsch folgenden warmen Nachruf: „Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, obliegt mir die traurige Pflicht, Ihnen bekannt zu geben, daß der größte Philantrop. der beste Jude und der wohlthätigste Mensch, Herr Baron Moritz Hirsch vor wenigen Wochen das Zeitliche gesegnet hat. Es würde den Rahmen eines Nachrufes weit überschreiten, wollte ich all den Wohlthätigkeitssinn beleuchten, deu der Verblichene während seines Lebens bethätigt, und wollte ich alle Wohlthätigkeitsanstalten aufzählen, die er gegründet hat. Doch eines muß ich dankend hervorheben, und dos sind die Wohlthaten, die er an armen Glaubensgenossen unserer Gemeinde geübt hat, und hieiür wollen wir ihm ein gutes Andenken bewahren. Ich bitte, durch Erheben von den Sitzen das Andenken dieses edlen Menschen ru ehren " (Geschieht.) Berlin, 3. Mai. Dem XIV. Jahresbericht der „Lehransta lt für die Wissenschaft des Judenthums" geht eine Abhandlung des Herrn Prof. Steinthal über „Die psychologischen Grundlagen der Unterrichtslehre" und die Trauerrede, welche Herr Rabbiner Dr. Maybaum an der Bahre des Herrn Dr. Joel Müller gehalten, voran. Die Zahl der Hörer betrug im vorigen Sommersemester 29, im Wintersemester 31, von denen 1 die Rabbinatsprüfung abgelegt hat, 5 ohne dieselbe in Stellungen berufen wurden. Die Einnahmen beliefen sich auf 30.124-85 Mk., die Ausgaben auf 16.186-85 Mk.; dem eisernen Fond wurden 6900 Mark zugeführt. London. Die Herren N. M. Rothschild und Söhne haben dem Royal Ehest Hospital 50 Guineas gespendet. Bombay. Mr. S. Abraham ist zum Friedensrichter der Stadt Bombay ernannt worden. Transvaal. In Germiston, einem kleinen Städtchen im Transvaal, hat sich eine jüdische Gemeinde gebildet. Es wird soeben eine kleine eiserne Synagoge errichtet. Herr I. Michel ist zum Präsidenten, Herr Samuel de Lola zum Secretär ernannt worden. Mafeking. Dem lvohlbekannten Herrn Julius Werl ist die Ehre zutheil worden, die Stadt Mafeking im Reichsrathe der Cap Cvlonie (Cap Legislative Assembly) zu vertreten. Es ist dies derselbe Herr Weil, der sich vor einiger Zeit erbot, aus Bulawayo alle bicjeiiigeit Frauen und Kinder, welche das belagerte Stadtgebiet verlassen wollten, kostenfrei an einen sicheren Ort zu bringen. Gras Grey nahm das großmüthige Anerbieten an und sprach Herrn Weil für dessen patriotische Gesinnung seine Anerkennung aus. Paris. Die Bewegung, einen besonderen Sonmagsgottesdienst in Paris einzuführen, ist im Keime erstickt worden. Das Consistoire Israel ite hat nach vorangegangener Berathung mit dem Grand-Rabbin Zadoc-Kahn einfach Vorträge über religiöse Gegenstände an Sonntagen gestattet. Doch werden diese Vorlesungen nicht in der Synagoge, sondern in der Rathsstube abgehalten werden, so daß sie dadurch jeder religiösen Bedeutung entbehren. Cardiff. Mr. Louis Samuel ist zum Richter ernannt worden. New Jork, 18. April.- Ein amerikanisch-jüdisches Blatt läßt sich aus Jerusalem schreiben: „Neben zahlreichen Handwerkerschulen bestehen hier 59 Knabenschulen (!) der Alliance mit 5900 Schülern (!) und 20 Mädchenschulen mit 2000 Schülerinnen!" Schade, daß diese interessante Mittheilung nicht wahr ist. Tunis, 25. April. In der hiesigen A u s st e l l u n g f ü r Kunst und Industrie wurde eine große Anzahl von Glaubensgenossen ausgezeichnet, was umso bemcrkenswerther ist, da es sich fast ausnahmslos um eingeborene Juden handelt, welche bis vor wenigen Jahren mit dem Weltverkehr in keinerlei Berührung standen. Es erhielten in der Jndustrie-Abtheilung 4 Juden Ehrendiplome, 6 Medaillen II. Classe und 3 die gleiche Auszeichnung in der Kunst- Ausstellung. Bei der Preisvertheilung decorirte der Bey von Tunis zwei der Diplomirten mit dem Niham-Jftika-Orden. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zaugwill.) (Nachdruck verboten.) „Ja, aber daun würdest Du ihn noch weniger versteheil", jagte Esther mit einem traurigen Lächeln. „Ich sage Dir, es ist traurig! Denk' nur, wie lange Vater schon in England ist — gerade so lange wie wir." Benjamin erkannte das Humoristische dieser Bemerkung und lachte. „Er ist wohl wieder postenlos, wie gewöhnlich?" fügte er hinzu. Moses spitzte bei dem Wort „postenlos", das ihm bekannt war, die Ohren. „Ja", bestätigte er. „Aber wenn ich nur ein paar Pfund zum Anfang hätte, könnte ich ein großartiges Geschäft machen." „Er soll nur warten, er wird schon ein Geschäft bekonnnen", sagte Benjamin, als Esther verdolmetscht hatte. Mittlerweile hatte Isaak der klemen Sarah Benjamins Stellung zur Familie erklärt und ihr dessen Bestätigung seiner Ansichten über Geburtstage nlitgetheilt. Das erklärt Esther's nächste Bemerkung „Nein, Kinder, heute wird nicht gerauft! Wir müssell Benjys Besuch feiern. Eigentlich sotlteil wir ein fettes Kalb schlachten — wie der Mann in der Bibel." „Was sagst Du da Esther?" fragte Benjamin argwöhnisch. „Ach nichts — nur Dummheiten", wich Esther aus. „Wir müssen wirklich etwas thnn, um den Tag zu feiern. Ach, ich weiß jetzt schon — wir werden Thee trinken, ehe Du fortgehst, statt bis ziun Abend lvarten. Vielleicht kommt Rachel bis dahin aus dem Park zurück. Du hast sie noch nicht gesehen." „Nein, ich kann nicht solange bleiben", meinte Benjanrin. „Ich brauche dreiviertel Stunden, bis ich zur Station komme. Und dann hast Du ja auch kein Feuer zum Thee." „Unsinn, Benjy! Du hast, scheint's, Alles vergessen. Wir haben einen Laib Brot und ein Bischen Thee im Hause. Salomon, hol' für einen Penny kochendes Wasser von der Witwe Finkelstein". Bei d n Worten „Witwe Finkelstein" erwachte die Großmutter und setzte sich im Bett auf. „Nein, ich bin müde", sagte Salomon. „Isaak soll gehen!" „Nein", rief Isaak. „Esther soll gehen!" Esther griff nach dem Krug und schritt der Thür zu. „Morsche", ließ sich nun die Großmutter vernehmen, „geh' Du zur Witwe Finkelstein!" „Esther kann ja gehen", meinte Moses. „Ich gehe schon", rief Esther. „Morsche", wiederholte die Babe unerbittlich, „geh' Du zur Witwe Finkelstein." Moses ging. Fünfzehntes Capitel. Die Palästina-Liga. „Oh, diese englischen Juden!" sagte Melchisedek Pinkas aus Deutsch. „Was haben sie Ihnen schon wieder gethan?" fragte Gedaljah, der Grünzeughändler, im Jargon. „Ich habe Allen ein Exemplar meines Buches zugeschickt, aber sie gaben mir kaum soviel, daß ich dafür Gift für sie kaufen könnte", erwiderte der kleine Dichter zornig. Die Backenknochen standen ihm spitz unter der dunklen, gebräunten Haut hervor, das schwarze Haar war zerzaust und ebenso ungekämmt wie der Bart; die Augen sprühten Gift. „Einer — Gideon, der Deputtrte, der Bankier — engagirte mich, damit ich seinen Sohn zur Bar- Mizwah vorbereiten solle. Aber der Bub ist so dumm — so dumm! Gerade so wie sein Vater. Ich unterrichtete ihn, ich singe ihm die Worte mit wunderschöner Sttmme vor, aber er hat

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