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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-15 · 20 (15.5.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
20 (15.5.1896)
Date
1896-05-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Vloch's Wochenschrift Die angetretene Summer- und Cur-Saison rückt wieder eine Frage in den Vordergrund, über die schon sehr viel vergebens gesprochen worden ist, nämlich das jüdischen Kranken gegeniiber obligatorische Verbot, sich in den Badeorten der Krim und des Kaukasus aufzuhalten. Was auch dem Verbote zu Grunde liegen mag, das steht fest, daß es schon viele Verluste der in den betreffenden Ortschaften wohnenden nichtjüdischen Bevölkerung eingebracht hat. So z. B. berechnet ein Correspondent des „W o s ch o d" aus Jalta (in der Krim), daß, da daselbst bis zum Verbot ungefähr 500 jüdische Patienten jährlich sich einfanden und die Ausgaben eines Jeden während der Saison auf circa 120 Rubel angenonimen werden können, die genannte Bevölkerung rund 60.000 Rubel jährlich verliere. Ob ähnliche Calculationen irgendwie zur Aufhebung des Verbotes beitragen werden? — Gott gebe es, wenn auch nur aus Rücksicht für die vielen Leidenden, denen es versagt ist, die Wohlthaten des milden südlichen Klimas einzuathmen nur deshalb weil sie — Juden sind. G. M a r. Paris. Das Urtheil des Cassationshofes in der Angelegenheit der israelitischen Wühler in Algier, hat den französischen Antisemiten und ihren Bundesgenossen in Algier eine herbe Enttäuschung bereitet. Außer den Urtheilen des obersten Gerichtshofes in der vorigen Woche, in denen einige dieser Fälle in ihrer Mehrzahl zu Gunsten der Juden entschieden worden waren, sind am 22. April weitere llrtheile in nahezu tausend Fällen erfolgt, und zwar ebenfalls zu Gunsten der jüdischen Appellanten. Der oberste Gerichtshof hat ein für alle Mal die vorhandenen Gesetze dahin erklärt, daß nicht der Wähler die Pflicht hat seine Zugehörigkeit zu dem französischen Staate nachzuweisen, sondern vielmehr ihm nachgewiesen werden muß, daß er seine Pflicht als französischer Staatsbürger durch Leistung des Militärdienstes nicht in vorschriftsmäßiger Weise erfüllt hat. Erst wenn diese Thatsache nachgewiesen ist, darf der Betreffende aus den Wählerlisten gestrichen werden. Das endgiltige Urtheil stößt hiernach alle früheren Entscheidungen der Gerichtsbehörden in Algier um. Es ist auch thatsächlich eine Depesche aus Constantine eingelaufen, wonach mehr als 1000 Israeliten, die aus den Wählerlisten gestrichen waren, wieder eingetragen wurden. Unzweifelhaft werden auch in anderen Bezirken Algiers, ähnliche Eintragungen neu vorgenommen werden müssen. Im Ganzen bestätigte der oberste Gerichtshof nur achtzig Streichungen, sv daß die Antisemiten sagen können, viel Geschrei und wenig Wolle. Paris. (H o ch z e i t d e r B a r v n e s s e I e a n n e de Rothschild n n d des B a r o n L e o n i n o.) Mittwoch hat in der Synagoge in der Rue de la Bictoire die Trauung der Baronesse Rothschild mit Baron Leonino aus Mailand stattgefunden. Das Brautpaar erschien kurz vor 2 Uhr, die Braut am Arme ihres Bruders, Baron Henri de Rothschild. Die vereinigten Chöre aller Tempel begannen in dem Augenblicke „Tehilath" zu siugen. Dann folgte „Eil Eilim", das der Tenor der Oper, Ban Brock, sang, worauf der Grand Rabbin eine glänzende Rede hielt, in der er von der Bedeutung der Rothschild'schen Frauen, von ihren Tugenden und ihrer Wohlthätigkeit sprach. Noch einmal ertönte schöner Chvrgesang, diesmal „Hodou"; deutlich hörte man die mächtigen Stimmen der beiden Künstler, Ban Brock und Auguez heraus. Während dieses Gesanges veranstalteten die rosa gekleideten Brautjungfern und Pagen eine Sammlung zu wohlthätigem Zwecke unter den distingnirten Gästen. Der große Tempel war gesteckt voll, und es ist unmöglich, die Namen aller deren zu nennen, die an dem Feste theilnahmen. Wir erwähnen nur den britischen Gesandten und Prinzessin Mathilde, das einzige Mitglied der Napoleonischen Dynastie, dem der Aufenthalt in Paris gestattet ist. Nachdem das Neuvermählte Paar die zahlreichen Glückwünsche der Anwesenden entgegengenommen hatte, verfügten sich die Geladenen in das Palais der Avenue Friedland, wo Baronin James de Rothschild einen Empfang abhielt. London. Der Herzog von Cambridge führte den Vorsitz bei'dem Bankett, das am Mittwoch im Holborn Restaurant zu Gunsten des „University College Hospital“ abgehalten wurde. Unter den Gästen waren Mr. B. L. Cohen (Parlamentsmitglied), Mr. Istwert Joseph, Capitün H. M. Jessel, Mr. Henry Lucas und -Mr. Claude G. Montefiore. Der königliche Präsident sagte im Laufe des Abends viel Schönes von dem verstorbenen Sir Julian Goldsmid. Derselbe sei, rühmte er, sein persönlicher Freund gewesen, und er habe Seite 401 nie einen Mann gekannt, der eifriger gewesen sei, Gutes zu thun, als der Verewigte. Durch seinen Tod yabe auch das „University College Hospital“ einen seiner besten Freunde und Förderer verloren, er sei stets eines der unermüdlichsten Mitglieder des^Comites gewesen und habe bis zn seinem Tode :-'»o(H> Pfund Sterling für das Hospital gespendet. Seine königliche Hvheck versicherte ferner, er freue sich ganz besonders, unter den 'Anwesenden einen der Schwiegersöhne seines verstorbenen Freundes, Capitän Jessel, begriißen zu können, der ein Mitglied des Comites geworden sei und so den Beweis gegeben habe, daß die Familie des Verstorbenen dem Hospital ihr Interesse bewahre. Die Geberliste, welche, nachdem der Herzog von Cambridge seine Rede beendet hatte, vorgelegt wurde, wies Beiträge in der Höhe von 1440 Pfund auf; von Nathaniel Montefiore (200 Pfund), Louisa Lady Goldsmid, Mrs. Lionel Lucas, Mr. 'Arthur Lncas, Mr. Henry Lucas, Mr. F. T. Mocatta, dem Fränlein Goldsmid und den Herren N. M. Rothschild und Söhne. London Großes Aufsehen und aufrichtiges Bedauern erregt die Nachricht, daß das Rabbinerseminar in RamSgate am 11. Juni geschlossen wird und daß an diesem Tage sowohl der Director Dr. M. Gaster, als auch die anderen Lehrkräfte ihre Entlassung erhalten. Das Cnratorium hat sich nur^ schwer und nach langen Untersuchungen zu diesem traurigen Schritte entschlossen, dem folgende Ereignisse vorangegangen sind: Im November 1895 hatte Dr. M. Gaster den beiden Seminaristen Dr. Barnstein und Dr. Greenbnrg das Rabbinerdiplom verliehen. Ein Herr Schewzik, Mitglied des Lehrkörpers am Montesiore-Cvllege in Ramsgate, machte hieraus dem Cnratorium die Anzeige, daß die genannten Seminaristen weder das nöthige Wissen, noch auch die moralische Eignung hätten, um ein Rabbinerdiplom zu erhalten. Das Cnratorium aber erklärte sein unbebedingtes Vertrauen zu Dr. Gaster und lehnte es ab, sich mit den von Schewzik erhobenen Anklagen zu befassen. Hierauf wurde Schewzik von Dr. Gaster seines Lehramtes entsetzt. Schewzik trat nun abermals an das Cnratorium heran, erbrachte Beweise für seine Behauptungen, so daß eine strenge Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet wurde. Das Ergebniß dieser langwierigen Untersuchung ist nun — die Schließung des Seminars. Hochzeit der Baronesse Worms. Montag Nachmittags fand in der Synagoge in der Bertheley-Street die Trauung der einzigen Tochter des Baron Worms, Henrietta, mit Herrn George Landauer ans Wien statt. Tie Synagoge war prächtig geschmückt mit riesigen Palmen und seltenen weißen Blüthen. Der Brautzug war außerordentlich hübsch. Zuerst kam die hübsche, sehr mädchenhafte Gestalt der Braut am Arme ihres Vaters. Zwei kleine, weißgekleidete Kinder, Lora Keil und Eric Waley, trugen der Braut die Schleppe. Dann folgten die Brautjungfern, Baronesse Emmy von Schey, Baronesse Gisela von Schey, die drei Schwestern Bland, Jda und JNorah de Bahl, Fräulein Bertha Walley und Fräulein Ethel^ Flversheim, alle ganz gleich in creme Seide gekleidet, die <strvhhüte mit rosa Rosen und Straußsedern geputzt. Das Geschenk des Bräutigams an die Brautjungfern bestand in einer prachtvollen Broche mit den Anfangsbuchstaben der 'Namen von Braut und Bräutigam in Diamanten und Rubinen und in einem reizenden Bouquet aus Hellrosa Rosen und Maiblümcheu. 'Als Bräntigamsführer < best man! fungirte Herr Victor d'Ephrussi aus Wien. Unter den Gästen befanden sich Herr und Frau 'Arthur D. Sassvon, Herr und Frau Leopold de Rothschild, General D'Ogley, Lord und Lady Thring, Sir William Rüssel, Lady Cooper, Herr und Frau Edmund Sebag Montefiore u. s. w. Nach der Trauung fand ein Empfang bei Baron und Baronin De Worms statt, worauf das junge Paar sich^ über Dover nach den italienischen Seen begab, wo es seine Flitterwochen verleben wird. San Francisco. Gelegentlich des 'Ahlwardt-Rummels hat die hiesige „Jewish Times" eilte Umftage bei einigen Gouverneuren von Staaten der Union ergehen lassen, um ihre Meirmng bezüglich der Judensrage zu ermitteln. Bon beit interessanten Antworten wollen wir die Folgenden wiedergeben: Gouverneur Staue von Missouri erklärte: „Ich biit überzeugt, die Wahrheit zu treffen, ivenn ich erkläre, daß die Juden im Staate Missouri ein kluges, fortschrittlich gesinntes, die Gesetze achtendes Volk bilden. Sie stehen über dem allgemeinen Durchschnitt der Bürger dieses Staates in der Leistung aller Pflichten, die mit dem Bürgerrecht verbunden sind, dennoch dürste es kaum möglich sein, abgesehen von dem religiösen Unterschied, die Juden als eine besondere Classe der Bevölkerung zu bezeichlten, sie sind

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