Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 20 (15.5.1896)
- Date
- 1896-05-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 400 Dr Blvih's Wochenschrift „Das Garam Kis Salloer Geheimnitz". Unter diesem Titel brachte das Organ der antisemitischen Vvlkspartei „Alkotmanv" am. 7. April einen Artikel, in welchen, unter Hinweis ans die stattgefuudene Schwurgerichtsverhandlung des Bluttnärchen- Processes die Moralitätszeugen des verstorbenen Ignaz Adler geschmäht wurden. Diese Zeugen, namentlich Richter Stefan Takats, Ortsrichter Johann Nagy und Ortsnotär Andreas Fuchs betrauten den Advocaten Dr. Soma Gnthi, gegen das genannte Blatt einen Preßproceß anzustrengen, lieber Takats schrieb „Alkotmany", er habe Heu gestohlen, über die Anderen äußerte sich das Blatt nicht minder anerkennungsvoll. Ein Hetzcaplan. Der gewesene Caplan in Raczkove, Joses V. Knezits, hat während der zwei Jahre, die er dort zugebracht, das Volk gegen die liberalen Kirchengesetze ausgehetzt und als der Stuhlrichter nicht gestatten wollte, daß das zweijährige (!> Caplan-Jubiläum Knezits' in Demonstrationen ausarte, da ries der hochwürdige Herr die versammelte Menge in die Kirche, bestieg dort die Kanzel und wetterte in recht unheiligen Worten gegen die Civilehe und Juden los. Der Hetzcaplan wurde vom königlichen Gerichtshöfe fiir den Pester Landbezirk tvegen Aufreizung gegen das Gesetz und wegen Vergehens gegen die Religion zu sechs Monaten Gefängnis; und zu 250 fl. Geldstrafe verurtheilt. Die königliche Tafel, die sich vorige Woche mit dieser Angelegenheit befaßte, erhöhte die S t r a f e K n ezits' auf ein Jahr Gefängniß und 200,fl. Geldstrafe. Budapest. (F e st g o t t e s d i e n st e anläßlich der M i l l e n n i u m s f e i e r.) Im großen Tempel in d e r T a b a k s g a s s e vollzog sich der Festgottesdienst in besonders feierlicher Weise. Demselben wohnten sämmtliche Vorstandsmitglieder, mehrere Abgeordnete und ein sehr distinguirtes Publicum bei. In Vertretung der Regierung erschien Handelsminister Ernst v. Daniel, der ungarische Gala trug, in Begleitung des Ministerialsecretärs Dr. Ludwig B a l l a y. Der Minister wurde vom gesammteu Gemeindevorstand mit Sigmund K o h n c r an der Spitze beim Eingang des Tempels empfangen. Seitens der Behörden waren erschienen: Bürgermeister Karl G e r l o c z y, Bezirksvorstand Johann V a z i l i e v i c s, Magistratsnotär Mza A m t m a it n, ferner Scnatspräsident sigmund D >- c s e y, die Abgeordneten C h o r i n, M e z e i, Rose n b e r g, Tr. V i s v u t a i, Pmrl M a n d l, Dr. Nag y, Dr. N e m e n y i, Dr. Armin N e u m a n n, königl. Tafelrichter Johann T a r u a y, Ministerialrath Michael 3 z ä n t ö, Magnatenhausmitglied Karl 3 u & 13, königl. Rath Ludwig von Krau ß, Paul T e n c e r, Alexander v. Deuts ch, Tirector Sigmund K o r n f e l d, Dr. Alexander U l l m a n n, Jakob Deutsch, Martin Schweiger, Julius Adler, Jakob S i m o n, Max G r ü n b a u m. Obercantor Lazarus brachte mehrere Psalmen zum Borttag, worauf Oberrabiner Samuel K o h n eine patriotische Festpredigt hielt. Nach einem kurzen Gebete trug der Obercantor Kölcsey's Hymnus vor, in welchen das Publicum miteinstimmte. Nach dem Gottesdienste sprach Minister D ä n i e l dem Oberrabbiner seinen Dank dafür aus, daß er am Schlüsse seiner schwungvollen Predigt auch der Regierung in einem Segensspruche gedachte. In der festlich decorirten und hell erleuchteten Synagoge der B u d a p e st e r aut. orthodox-israelitischen Gemeinde (Orczy'sches Haus) fand in Anwesenheit der Ge-. fammwertretung der Gemeinde und unter Theilnahure sämmtlicher Gemeindemitglieder ein erhebender Festgottesdienst statt. Derselbe wurde vom Obercantor S ch e ch t e r mit dem Vortrage eines Gebetes und mehrerer Psalmen eröffnet, worauf Oberrabbiner Reich die Kanzel bestieg, um die nationale Feier eingehend zu würdigen und der göttlichen Vorsehung zu danken für den Schutz, den sie stets dem Baterlande angedeihen ließ. Redner gedachte der Freiheiten, die das Judenthum zu allen Zeiten in Ungarn genossen, und forderte die Gläubigen auf, auch in der Zukunft die nationalen Bestrebungen zu fördern und an dem Erstarken des ungarischen Staates mitzuwirken. Nach Schluß der Rede sprach der Oberrabbiner noch, umgeben von zwei durch Cultusvorsteher A. I. Strauß und Tempelcurator Moriz Tauber getragenen heiligen Gesetzrollen, ein aus Anlaß des Millenniums seitens der orthodoxen Landesvertretung verfaßtes hebräisches Gebet für König und Vaterland. Das visuelle Königsgebet, die Absingung mehrerer Psalmen und des ungarischen Nationälhymnus, vorgetragen durch den Obercantor mit Chorbegleitung, bildeten den Schluß der würdigen Feier. Nr. 20 Im A l t o f n e r israelitischen Tempel hielt der Kunfölegyhäzaer Oberrabbiner Elias Adle r eine Festpredigt. Der Gottesdienst begann mit der Absingung von Psalmen, worauf ein Gebet für das Vaterland und das Herrscherhaus gesprochen wurde. Hierauf wurde voni versammelten Publicum das „Szözäi." stehend gesungen. Dem Gottesdienste wohnten bei: Staatssecretär Ladislaus Vörö s, Bezirksvorstand-Stellvertreter Dr. Julius Komlödy k. Im B u d a p e st e r Tal m u d i st e n v e r e i n fand der Festgottesdienst um 7 Uhr Früh statt. Tie Festpredigt hielt Rabbiner Sigmund S z 6 f e r. Berlin, den 7. Mau Auch den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hat Herr Moritz Manheimer bei seinem 70. Geburtstage durch ein größeres Geldgeschenk für den Schwesternfond bedacht und außerdem beit Vereinsschwestern, für bereit Thätigkeit er ein großes Interesse an den Tag legt, einen Festabend' bereitet, an welchem die Schwestern des edlen Stifters und seiner Gemahlin frohen Sinnes gedachten. Der Verein zählt jetzt vierzehn ansgebildete Schwestern und elf Schülerinnen. Die Elfteren sind erfreulicherweise in der Privatpflege so begehrt, daß den Anforderungen an dieselben nicht genügt werden kann, vielmehr häufig Anfragen unberücksichtigt bleiben müssen. Es ist dies das beste Zeichen fiir die tüchtige Ausbildung und guten Leistungen der Schwestern und die gute Leitung der Oberin, Fräulein Blau, welche nun bereits über ein Jahr ihres Amtes waltet. Nachdem die erste und zweite Etage des Schwesternheims Auguststraße 17 demnächst voll belegt sein iverden, wird im October d. I. mit dem Umbau der dritten Etage vorgegangen werden, in welcher Raum für weitere zwanzig Schwestern vorhanden sein wird. Bon den Ufern der Newa. Petersburg, den 8. Mai 1896. Was nicht alles den unglückseligen Juden zur Schuld gelegt wird! — Vor ein paar Monaten hat die hiesige Abtheilung der Gesellschaft des „Rothen Kreuzes" beschlossen, eine gewisse Anzahl Samaritaner (Aerzte, Barmherzige Schwestern u. s. w.) nach Abessynien behufs Hilfeleistung für die dortigen Kriegsverwundeten zu schicken. Den auf solche Weise entsandten Samaritanern wurde von der italienischen Negierung keine freie Passage durch Italien gewährt, weshalb ein Theil derselben, namentlich die Barmherzigen Schwestern, nach Rußland zurückzukehren sich gezwungen sahen, die anderen aber auf Umwegen ihren Bestimmungsort erreichten. — Nun erwägen jetzt die russischen Zeitungen den Grund einer solchen unerhörten Unfreundlichkeit seitens der italienischen Regierung und kommen zum Schlüsse, daß dieser den Begriffen des internationalen Rechts zuwiderlaufende Schritt einzig und allein die Folge lügenhafter, über alle Maßen übertriebener Nachrichten von der in Rußland wegen der Niederlage der Italiener hervorgerufenen Freude war, Nachrichten, welche jüdische Correspondenten an italienische Blätter zu übermitteln suchten. „Der größte Theil der italienischen Tagespresse — schreibt unter anderen die hiesige „NvwojeWremja" — befindet sich, leider, in Händen der Juden, die sich gar kein Gewissen daraus machen, aller Art Unsinn über Rußland unverschämt zu verfassen, oder aber, was auch oft passirt, ähnlichen Unsinn aus gleichfalls jüdischen Zeittmgen Wiens, Pests und Berlins zu schöpfen". Eine andere augenscheinlich auch auf die Leichtgläubigkeit des Publicums berechnete Nachricht bringt dieselbe „N o w o j e W r e m j a". Es wird da erzählt, die ans Moskau ausgewieseneu und in Warschau ansässig gewordenen russischen Juden hätten viele Millionen Rubel mitgebracht und beabsichtigten, daselbst zahlreiche, große Häuser anzukanfen, um „Warschau in ein zweites Jerusalem zu verwandeln". Indem ich obige zwei Jnsinnationen ohne Commentar anführe, kann ich nicht umhin, noch einer Aeußerung über Juden hier Erwähimng zu thun, zumal da dieselbe unseren Glauliensgenossen günsttg ist und aus einer höchst unparteiischen Quelle herrührt. Ein Mitarbeiter, nämlich der hier erscheinenden „B i rs h e w y j a W j e d o m o st i" (Börsennachrichten), hat neulich Gelegenheit gehabt, mit Herrn N. Levitsky, dem bekannten Gründer der südrussischen Ackerbaugenossenschasten (Arteli), Rücksprache zu nehmen und von ihm manches Gute über jüdische Landleute zu erfahren. „Wenn Juden — schloß seine Unterredung N. Levitsky — die Möglichkeit gegeben wäre, Ackerbau zu betteiben, würden sie ohne Zweifel viele ehrliche und nützliche Arbeiter liefern und auf solche Weise die berüchtigte jüdische Frage atlmälig ihrer Lösung zufiihren".