Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 20 (15.5.1896)
- Date
- 1896-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bwrh's WochrnsttzrM. Seile 399 erstens für seine Bestimmung vorzüglich geeignet, dabei zweitens gänzt hat, beschlossen, eine weitgreisende und Erfolg verheißende Action einzuleiien, um die fehlenden Fonds zur Verwirklichung des löblichen Borhabens anfzubringeu. Die Idee des Tempelbaues wurde denn auch von unseren Brigittenauer Glaubensgenossen mit großer Genngthuung ausgenommen, und da dieselben voll Opserwilligkeit bereit sind, das Werk kräftigst zu fördern, so hatte die Generalversammlung das erfreuliche Resultat, daß der Antrag des Borstandes e i n st i m m i g und mit lebhaftem Beifall angenommen und demgemäß beschlossen wurde, den Baugrund in der Klnckygasse zu erwerben, gleichzeitig aber auch die erforderlichen Schritte einzuleiten, das Gotteshaus möglichst bald herzustellen. — Als Delegirter der Cultusgemeinde wohnte Herr Landesschulrath Dr. Gustav Ko h n der Versammlung bei. Derselbe, bei seinem Erscheinen vom Vorsitzenden freundlichst begrüßt und von sämmtlichen Anwesenden lebhaft acclamirt, ergriff zweimal das Wort. Die Aufklärung des Herrn Delegirten, welcher dem Vereine auch die materielle Unterstützung der Gemeinde in Allsficht stellte, rief eine begeisterte Beifallssalve hervor. 8—ä. Wien. Am 1ü. Mal d. I. werden 40 Jahre verflossen >eur. seit Adolf Sonnenthal dem Bnrgtheater angehort. Was er diesem Kunstinstitnte durch all die Jahre gewesui, was er ihm heute noch ist, wem mühte dies erst gesagt werden? So wird denn auch die eben erschienene Biographie Sonnenthal's, von L.Elsenberg, Alleneine hochwillkommene Gabe biloen, Alle werden mit Interesse und warmer Theilnahme den Lebenslaus des genialen Künstlers verfolgen, der als Schneidergeselle nach W>en kam und hier die Höhen der dramatischen Kunst erstieg, dem Niemand den Titel des ersten Schauspielers Deutschlands streitig macht, der aber auch als Mensch sich der allgemeinsten Sympathien erfreut, der vom Kaiser durch Erhebung in den Ritterstand ausgezeichnet wurde und dem auch Ercherzog Carl Ludwig seit langer Zeit wohlgesinnt ist, der darum auch die Widmung des angeführten Buches angenommen hat. — An dieser Stelle ziemt es sich wohl auch, besonders bervorzuheben, daß Sonnenthal se>ne Treue zum angestammten Jndenthnin stets bethätigt hat, daß er ein eifriger Hörer der Reden des sel. Jellinek war und erst vor Kurzem die Stelle eines Bicepräsrdenten in der neugegründeten „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" übernahm. Sind wir recht berichtet, so besitzt Sonuenthal selbst eine ansehnliche Zahl von interessanten, das Judenthnm betreffenden Kunstwerken. Aus der Armee. Das Mai-Verordnungsblatt ist diesmal für die jüdischen Officiere recht günstig ausgefallen, indem zahlreiche Glaubensgenossen theils in höhere Chargen befördert, theils mit Ocdensauszeichnungen bedacht wurden. Se. Majestät der Kaiser ernannte unter Anoerem: Den Oberstabsarzt I. Classe Dr. Eduard Porias zum Sanitätschef des 7. Corps; zu Majoren die Hauptleute Salomon Strauß des 58. Infanterie-Regimentes und Samuel Alt des 88. Infanterie-Regimentes und verlieh dem Letzteren zugleich das Militär-Brdienstkreuz; ferner Mm Oberstabsarzt II. Classe den Stabsarzt Dr. Josef Epstein, zu Stabsärzten die Regimentsärzte erster Classe Dr. Clemens Moretzky and Dr. Adolf Siegel. Das goldene Berdienstkreuz mit der Krone erhielten die Regimentschefärzte Doctor Widrich, Dr. Kurzweil, Dr. Kolischer, Dr. Ritter und Dr. Segel. Außerdem enthält die Liste eine große Zahl jüdischer Officiere, Militärärzte, Trupven-Rechnungsführer, Militärbeamte, die innerhalb der IX., X. und XI. Rangsclaffe befördert wurden. J. ß. Wien. (Jüdisches Museu m.) Die Sammlungen der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judeuthums haben in den letzten Wochen zahlreiche werthvolle Bereicherungen erhalten. So hat die Gesellschaft 2 gro„e Lederschüsseln aus italienischer Majolica erworben, von welche eine mit 700 m/m Durchmesser von Jakob Azulai in Padua 1532, mit prachtvollen figuralen und ornamentalen Darstellungen in Haut-Relief versehen, die zweite in Pezaro im Jahre 1730 angesertigt wurde; ferner einen Fayenceteller von Isaak Azulai aus Faenza 1575 angefertigt. Unter den zahlreichen Geschenken, welche der genannten Gesellschaft in der letzten Zeit zugegangen sind, nimmt den ersten Platz ein hebräisches Gebetbuch (Amsterdam 1714) mit -reich verziertem in Silber-Filigram gearbeiteten Einband ein. Dieser, in künstlerisch vollendeter Weise dnrchgeführt, ist mit zahlreichen Figuren, Mittelschildern und Ornamenten in vergoldetem Silber geziert. Dieses sebr werthvolle Geschenk verdankt die Gesellschaft der Munifenz des Industriellen, Herrn Herrn Leopold Wolf in Wien. Es wäre zu wünschen, daß dieses hochherzige Beispiel häufige Nachahmung finden möge. Sola,z, 8. Mai. Es ist bereits ein alter Erfahrungssatz: die A'.itisennteu, ihre Wortlind Schriftführer, lernt inan nach ihrem wahren Wertste erst im Gerichtssaale schätzen. Gleichviel, ob sie dort als Kläger oder als Angeklagte erscheinen: das grelle Licht, das im Gerichtssaale auf sie fällt, vertragen sie nicht. Einen neuen Beleg hiefür bietet die Gerichtsverhandlung, in welcher der Herausgeber und Redactenr des hiesigen antisemitischen Blattes ^Nationale Zeitung," Edmund Pnmmer, sich als würdiger Genosse und Schüler des Bergani, Ahlwardt :c. :c. erwies. In Folge der Angriffe, welche er gegen zahlreiche hiesige Personen und Vereine im Lause der Zeit gerichtet hatte, sind gegen denselben zahlreiche Ehrenbeleidignngsklagen bei dem k. t. Preisgerichte in Brüx überreicht worden. Von diesen gelangten gestern zwei, und zwar die der hiesigen Firma H. L v h r und Sohn, welche Pnmmer der Anwendung schlechten Maßes in ihrem Geschäfte beschuldigt hatte, und die des Saazer Militär-Vereraneavereines, welchen Pnmmer in der heftigsten Weise deshalb angegriffen hatte, weil er ein die jüdischen und Ehrenmitglieder des Vereines beschimpfendes Mitglied ans seinen Reihen ausgeschlossen hatte, vor dem Brüxer Schwnrgerichrshof zur Verhandlung. Rach Eröffnung der Verhandlung, bei welcher Herr Landesgerichtsrath M ü l l e r den Vorsitz führte, die Firma H. Lohr und Sohn durch den hiesigen Advvcaten Dr. Ronbitschek und der Milttärveteranenverein durch den hiesigen Advocaren Dr. Franz B e r n d t vertreten waren, während die Bertheidigung Pummer's der Brüxer Advocat Dr. H e r v l d inneharte, gelangten zunächst die beiden A n k l a g e s ch r i f t e n zur Verlesung, in welchen auch das äußerst bewegte Vorleben des Angeklagten geschildert und darauf hingewiesen wurde, daß Pnmmer am wenigsten berufen erscheint, die Ehre Anderer anzugreifen. Ans den requirirten Verhörsprotokollen, welche mit den geschädigten Personen anläßlich der gegen Pnmmer bei dem Laudesgerichte Klagenfurt wegen des Verbrechens des B e t r tt g e s eingeleiteten Untersuchung ausgenommen wurden, erfährt man die merkwürdigsten Dinge über dieseir Kämvfer für arische Sitte und christliche Moral ... Es war nur zu begreiflich, daß der Vertreter des Angeklagten die krampfhaftesten Versuche machte, einen gütigen Ausgleich des Proeesses herbeizuführen, der nach langen Verhandlungen denn auch zu Stande kam. Pnmmer verpflichtete sich zu ttachstehender A b b i t t e n n d E h r e ne r k l ä r u n g, die er an der Spitze seines nächsterscheinenden Blattes veröffentlichen mußte: „Ich Endesgefertigrer Eduard Pnmmer, Redactenr der „Saazer nationalen Zeitung", erkläre hiemit, daß nach dem Ergebnisse der heutigen Hauptverhandlung vor den Geschworenen kein G rund v o r h a n d e n ist, die Firma H. Lohr und Sohn und deren Inhaber Alberr Lohr des Betruges zu beschuldigen, begangen dadurch, daß in deren Geschäfte ein zu kurzes Metermaß verwendet worden sein soll. Ich erkläre ferner, daß ich an der Ehrenhaftigkeit dieser Firma und deren Inhaber nicht zweifle, ich widerrufe hiemit die in den bezüglichen N u m m e v u m eine v Z e it u n g a n f g e st e l l t e n, nicht b e w i e s e n e n Be h aup - t u n g e n, l e i st e d e m Inhaber d i e s e r F i r ut a, Albert L o h r, für diese B e l e i d i g u n g A bbirte und verpflichte mich, eine Wiederholung dieser Angriffe künftig zu unterlassen. Unter Einem erkläre ich, nach beit mir gewordenen Aufklärungen, daß ich die gegen den S a a z e r M i l i t ä r - V e r e r a n e nverein erhobenen ehrenrührigen irrthümlicheu Aenßernngen mit Bedauern z u r ü c! n e h m e, ich erkläre, daß ich von der Ehrenhaftigkeit dieses Vereines vollkommen überzeugt bin, und verpflichte mich in Hinkunft, den Verein als einen ehrenhaften Verein zu behandeln und die Wiederholung ehrenrühriger Angriffe gegen ihn zu unterlassen. Endlich verpflichte ich mich, diese Erklärung wörtlich und ohne jede Randbemerkung an der Spitze meines nächsten Blattes auf meine Kosten und unter Executionsfvlgen zu veröffentlichen." Selbstverständlich hat Pnmmer auch die Kosten des Strafverfahrens zu tragen. Dafür darf er sich aber das Verdienst vindiciren, wieder einmal gezeigt zu haben, welchen Geistes und welchen Charakters die Vorkämpfer des Antisemitismus sind. Die Garam Kis Salloer Blutbeschuldigung vor der königlichen Kurie. Im vorigen Monate wurde der Zseliczer Hilfsseelsorger Johann F it ß wegen Veröffentlichung eines Artikels im „Magyar Allam", in welchem er bdmuprctc, die fünfjährige Julis ka Valazs sei im Hanse des Gastwirrhes Ignaz Adler im Garam-Kis-Salto das Svfer eines rituellen Mordes geworden, vom Budapester königlichen Schwurgerichtshoie wegen Verleumdung zu zwei Wochen Gefängniß und zu ■'»< > fl. Geldstrafe verurtheilt. Fuß überreichte gegen dieses llrtheil die Gichtig k e i t s b e s ch i v e r d e, doch wurde diese heute von der königlichen Curie als unbegründet verrvorfen.