Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 20 (15.5.1896)
- Date
- 1896-05-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 398 Ar. NUrrtz's WoarrnMrrrn. vtr. 20 Zur Beseitigung eines Mißverständnisses s Der Autor der Artikelserie „Zur Geschichte der russische»! Juden" sah sich sin der Nr. 18 des Blattes) veranlaßt, meine! feuilletonistische Auslassung über die verunglückte Spende des bekannten Philantropen, Herrn Lazar Brodski, (Nr. 14 des Blattes) „richtigzustellen". Der genannte Autor findet nämlich, daß meine harmlose Plauderei den Herrn Brodski „geradezu lächerlich mache", und da er (der Autor) den Philantropen persönlich kennt, so betont er energisch, „daß jede Verspottung seines edlen Gebahrens geradezu unstatthaft ist". Nun, ich habe zwar nicht die Ehre, den Kiew'schen Philautropen und Millionär persönlich zu kennen, aber nichtsdestoweniger habe ich alle Achtung vor seinem oft bekundeten Wohlthätigkeitssinn, wie ich überhaupt jede edle That hochschätze und lobe, auch ohne den Wohlthäter persönlich zu kennen. Und wenn ich in meinem genannten Artikel die höchst interessante Geschichte von der verunglückten Spende in etwas spöttelndem Tone behandelte, so wird doch jeder unparteiische Leser die richtige Adresse des Verspotteten leicht herausgefunden haben. Nicht der hochherzige, vorurteilsfreie (vielleicht allzu vorurtheilsfreie) Spender ist's, sondern die engherzige, bornirte Municipalität. Denn wahrlich, es ist doch keine Schande für den zielbewußten Philantropen, wenn er mit großer Zähigkeit und beispielloser Langmuth seine edlen Zwecke verfolgt, ja sogar wenn er um die Entgegennahme seiner wahrhaftig nutzbringenden Spende bettelt; die Schande ist ganz auf der anderen Seite. Der genannte Autor meint, daß ich die Thatsache entstellt habe. Mein Gott, was ist denn da zu entstellen. Das interessante Factum ist ja sattsam bekannt. Noch im vorigen Jahre sprach ich an dieser Stelle von dem humanen Project des Herrn Brodski und von den Hindernissen, die der Verwirklichung desselben in den Weg gelegt werden. Und seit Beginn dieses Jahres pfeifen es ja die Spatzen von den Dächern, daß die Kiew'sche Municipalität allerlei Chicanen anwende, um dem edlen Philantropen das Spenden geradezu zu verleiden. Im Monate Februar sprachen Kiew'sche Blätter (n i ch t j ü d i s ch e) mit der größten Entrüstung von den Beschlüssen der Municipalitätscommission betreffs Annahme der Brodski'schen Stiftung und waren voll Bewunderung über den merkwürdigen Langmuth des Spenders. Zur selben Zeit machte der „Woschod" (Organ der russischen'Juden) die schüchterne Bemerkung, „der edle Wohlthäter treibe es vielleicht hoch zu weit, und er thäte vielleicht besser, seine Spende denjenigen zukommen zu lassen, die sie mit der größten Dankbarkeit entgegennehmen werden". Und wenn der „Woschod", der doch entschieden nicht im Verdachte steht, einem jüdischen „Großen" etwas am Zeuge flicken zu wollen, es über sich brachte, in russischer Sprache eine solche Bemerkung zu machen, warum sollte es mir unstatthaft sein, in einer ausländischen Zeitung, in deutscher Sprache, den Eindruck wiederzugeben, den die langwierige und äußerst sonderbare Affaire auf die m e i st e n russischen Juden machte? Daß ich nnch bei der Wiedergabe des Eindrucks nicht einer pathetischen, sondern einer scherzenden Schreibweise bediente, ist ja kein Wunder, denn in diesem Falle ist's doch wirklich schwer, keine Satyre zu schreiben. W e m ich aber lächerlich machen wollte, das wird ja jeder unbefangene Leser ohne Anstrengung herausgefunden haben. Uebrigens muß hinzugefügt werden, daß mein beanständeter Artikel ein paar Wochen vor dem Bekanntwerden des Absageschreibens des Herrn Brodski an die Kiew'sche Municipalität geschrieben wurde. Das Absageschreiben wurde erst Ende März (a. St.) in den russischen Blättern publicirt, also lange Zeit nachdem die russischen Blätter ihre Glossen über das Betragen der Municipalität gegenüber der hochherzigen Spende machten. Daß der jüdische Philantryp, der in einer durchaus nichtjüdischen Stadt, einer vorurtheilsvollen, nichtjüdischen Corporation eine interconfeffionelle Schenkung macht, auf die unerhörten Bedingungen der Beschenkten nicht eingeht und sich entschließt, „auf der Annahme feiner Schenkung nicht mehr zu bestehen", ist ja so selbstverständlich, daß es durchaus nicht nöthig ist, besonders hervorgehoben zu werden. Da Herr Brodski die 120.000 Rubel doch nicht zu seinem eigenen Nutzen und auch nicht zum Besten seiner nächsten Brüder schenken wollte, sondern ausschließlich in der edlen Absicht, die Lage der Gewerbetreibenden Kiew's zu verbessern, so hat er während der ganzen Zeit der unerquicklichen Verhandlungen, seiner Würde als Mensch und als Jude durchaus nichts vergeben, daher auch jede Verherrlichung seines Absageschreibens geradezu unstatthaft ist, was ich hiemit energisch betone. I. Tawjew. Correspondenzen. In Sachen der jüdisch-akademischen Studentenschaft. Behufs Beseitigung mehrfacher Zweifel und Missverständnisse werden wir von competenter Stelle ersucht, mitzutheilen und nachdrücklichst zu betonen: dass die im vorigen Monate seitens einer grösseren Gruppe notabelster Gemeindegenossen zu Gunsten unserer jüdisch-akademischen Studentenschaft eingeleitete Action nach wie vor andauert, im Zuge ist und fortgesetzt wird; dass die durch persönliche und rivalisirendeGegners ehaf t nachweislic h und auffallend beeinträchtigten Ergebniss e der bisherigen Sammlung noch keineswegs hinreichen, um jenen grossen leistungsfähigen, den materiellen und moralischen Interessen der jüdisch-akademischen Jugend gewidmeten, centralisirenden Verein zu inactiviren, welcher die in dem seinerzeit versandten Aufrufe bezeichneten Aufgaben und Zwecke zu verwirklichen berufen und geeignet sein soll, und dass demnach weitere Zuwendungen, seien es einmalige grössere Spenden, seien es reguläre Jahresbeiträge, dringend erbeten und dankbar angenommen werden: Postspareassen -Conto Nr. 802.971 oder bei Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Hermann Fialla in Wien, I., Schotten ring 23. Wien. (Auflösung st u d e n t i s ch e r Vereine.) Die Statthalterei hat alle jene studentischen Verbindungen, welche an dem bekannten Beschlüsse, vermittelst dessen den Studenten jüdischer Confession die Ehre abgesprochen wurde, theilgenommen haben, ausgelöst. Wir besprechen diese Verfügung der Behörde an anderer Stelle. Das Decret, durch welches die Auflösung verfügt wurde, lautet: „In der Erwägung, daß der Beschluß, den Juden als ehrlos und feig die Satisfaction in Hmkunft zu verweigern, eine ganze Kategorie von Studenten i it ihre r Ehre auf das Empfindsamste verletzt, abgesehen davon, ob derselbe nicht eine nach § 302 St.-G. strafbare Aufreizung involvirt, jedenfalls geeignet ist, die Ruhe und Ordnung auf der U n i v e r s i t ä t z u st ö r e n und sohin gegen die Disciplinarordnung der Universität verstößt; in weiterer Erwägung, daß der obgenannte Verein durch die T h e i l n a h m e an diesem Beschlüsse, be iehungsweise durch die Erörterung der Satisfactionsunfähigkeit der Studenten israelitischer Confession den i h m durch seine Statuten v o r g e z e i ch n e t e n Wirkungskreis überschritten hat, findet die hohe k. k. niederösterreichische Statthalterei laut Erlaß vom 7. Mai 1896 Z. 2760 Präs., den obgenannten Verein im Grunde des § 24 des Vereinsgesetzes vom 15. November 1867, R.-G.-Bl. 134 a u f z u l ö s e n. Hievon wird die geehrte Vereinsleitung, gemäß des vorbezogenen hohen Statthaltereierlasses, gegen welchen binnen 60 Tagen die Berufung an das hohe k. k. Ministerium des Innern offen steht, mit dem Bemerken in Kenntniß gesetzt, daß jede weitere Ver einst hätigkeit sofort einzustellen i st. Wie n, am 8. Mai 1896. - S t e j s k a l." Wien, 8. Mai. (Außerordentliche Genera l v e r f a m m l u n g.) Unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Heinrich Schreiber hielt der BrigittenauerBeth a u s v e r e i n am 6. d. M. um 9 Uhr Abends eine zahlreich besuchte, außerordentliche Generalversammlung ab. — In der Brigittenau wohnen etwa 1400 israelitische Familien — und allen diesen steht blos e i n kleines Betlocal zur Verfügung, welches kaum 300 Personen fassen kann. Diesem Uebelstande abzuhelfen, hat fich der „Bethausverein" dieses Bezirkstheiles der Leopoldstadt zur Aufgabe gemacht und beabsichtigte rmn demgemäß, eine den Verhältnissen und Bedürfnissen entsprechende Stätte der Andacht zu gründen. Nach langem Suchen hat man endlich einen Baugrund gefunden, welcher