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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-15 · 20 (15.5.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
20 (15.5.1896)
Date
1896-05-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Blvrtz's Wochenschrifi. Seile 3!) 7 Anmerkungen am Schlüsse des Buches (Seite 312) berichtet Bvlin über das Ergebniß seiner Bemühungen, einige Auskunft über diesen Lehrer im Hebräischen zu erhalten: Es sei wohl der nämliche Rabbi Wassermann gewesen, dessen im Band 2 der brieflichen Biographie Anselm von Feuerbach's theilnahmsvolle Erwähnung geschieht. Dann fährt er wörtlich also fort: Durch den Unterricht beim Rabbi wurde Fenerbach auch mit dessen Sohn bekannt, der bis vor Kurzen! als Rabbiner der mosaischen Gemeinde zu Stuttgart (und wie wir gottlob hinzufügen können, heute noch, und wie wir wünschen, noch recht lange rrDvi?) eine hochgeachtete Stellung einnahm. Bon diesem Sohne, der wohl nur wenige Jahre jünger als Fenerbach gewesen (Kirchenrath Dr. v. Wassermann steht im 81. Lebensjahre) haben wir einen äußerst liebenswürdigen Zug aus dem Leben Beider in Erfahrung gebracht. Als der junge Gymnasiast einst mit einer hebräischen Ausgabe nicht zurecht kvnnnen konnte, hals ihm der Sohn seines Lehrers die Schwierigkeiten bewältigen. Zum Dank dafür erbot sich Jener, dem Judenknaben lateinischen Unterricht zu ertheilen. Der Vorschlag wurde angenommen und machte in Ansbach ein gewisses Aussehen, da der junge Rabbisvhu der erste Jude war, der dort das Lateinische erlernte. Wenn er zu seinem jungen Lehrer ging, ward er oft von Gassenbuben angesallen und geprügelt. Eines Tages erkrankte der so mißhandelte Jndenrnabe an den Folgen erhaltener Schläge und bekam das Nervensieber, welches dazumal für ansteckend galt. Keiner von den Schul- und Glaubensgenossen des Rabbisvhu wagte den Kranken zu besuchen. Rur Fenerbach, wiewohl von Ansteckungssirrcht nicht frei, fand sich bei ihm ein, weil er, wie er ausdrücklich sagte, es für seine Pflicht hielt, zu kommen. Dieser Unterricht von Seiten Feuerbach's hat mehrere Jahre gedauert, und ein von ihin an den Schüler hierüber ausgestelltes Zeugniß soll noch vorhanden sein. Mit Beginn der akademischen Jahre Feuerbach's löste sich das Verhältniß zu dem Lateinschüler, der die Erinnerung daran [\x dankbarem Herzen bewahrt hat." Kaiser Wilhelm und die Christlich-Socialen. Berlin, 9. Mai. Freiherr v. S t n m nt sprach vor einiger Zeit in einer Rede vor seinen Saarbrückner Wählern von einem "T'e Icgramm b e § Kaiser s, worin die chris! lick,-sociale Partei scharf vernrtheilt wurde. Die dringliche Anfsordernng. das Telegramm zu veröffentlichen, ließ Stumm bisher unberücksichtigt. Heute aber bringt die ..Post", der Freiherr v. Stumm nahesteht, den Wortlaut der Depesche Rach der Lage der Verhältnisse ist nicht daran zu zweifeln, daß die Veröffentlichung m i t b e s o n d e r e r Genehmigung des Kaisers erfolgst ist. Das Telegramm lautet: „Berlin, Schloß, 28. Februar 1896. Stöcker endigte, wie ich vor Jahren voraussagte. Politische Pastoren sind ein Unglück. Wer Christ ist, der ist auch „social". Christlich-social i st ein U n s i n u, führt zur Selbstüberhebung und Unduldsamkeit. Beides ist dem C h r i ft e » t fi « m s ch n u rst r a ck s z u w i d e r l a u f e n d. Die Herren Pastoren sollen sich um die Seelen ihrer Gemeinden kümmern und die Nächstenliebe pfleaen, aber die Politik aus dem Spiele lassen, dieweil sie das aar nichts angeht. Wilh elm I. R." Ein großes jüdisches Krankenhaus in Jerusalem. Ein Comitö, dem eine Reihe hervorragender Persönlichlichkeiten angehören, veröffentlicht einen dringendeil Appell an alle Menschenfreunde, damit die Mittel 'zur Errichtung eines großen Krankenhauses in Jerusalem herbeigeschafft lverden können. Die Kenner der Verhältnisse wissen wie unsäglich nothwendig ein solches ist, um zahllosen Armen, Unglücklichen, die in Folge der Unzulänglichkeit der bestehenden jüdischen Hospitäler ärztlicher Hilfe entbehren müssen, Rettung zu bringen. Die Zahl der jüdischen Bewohner Jerusalems wird ungefähr aus 30.000 geschätzt, unter denen leider sehr viele durch Entbehrungen aller Art, oder durch das Sumpffieber geschwächt, dauernd krank sind. Der Umstand, daß die bestehenden jüdischen Hospitäler insgesammt nicht mehr als 90 Betten zur Verfügung haben, bringt es naturgemäß mit sich, daß zahlreiche Kranke,' trotz aller aufopferungsvollen Bemühungen der betreffenden Spitalsverwaltungen keine Ausnahme ffnden können, oder kaum genesen, wieder in ihre ärmlichen, ungesunden' Wohnungen znrückgeschickt werden müssen. Da eine Vergrößerung dieser Hospitäler durch etwaigen Aufbau weiterer Stockwerke, theils ans baulichen Gründen, theils aus sanitären Erwägungen unausführbar ist, kamt da Hilfe nur durch den Neubau eines großen, allen Anforderungen der modernen Wissenschaft entsprechenden Spitales geschaffen werden. Wer sein Schärflein dazu beiträgt, daß dieses humane Werk, dessen Nothwendigkeit längst besteht und ini Laufe der Zeit immer peinlicher empfunden wurde, ausgesührt wird, kann von dem erhebenden Bewußtsein erfüllt sein, daß er das Beste, das Humanste gethan. Er hat armen Kranken Gutes eethan. Malaczka, 0. Mai. "Am '>. Mai hielt hier der nengewählte Rabbiner Herr Dr. M. L e w i n seinen feierlichen Einzug. Die in ungarischer und deutscher Svrache gehaltenen Antrittsreden des jungen Rabbiners wirkten zündend ans die Hörer. In der Synagoge waren die Spitzen der Behörden, der Lehrkörper der hiesigen Staarsschnle und zahlreiche christliche Honoratioren des Ortes. Deputationen der Gemeinden Sasvar, Stvmsa, Bur, Sz. Györgv, St. Janos x. sowie Herr Baurath S t i a ß n y aus Wien erschienen. Ter Schah von Persien und die Juden. Der Tod des Schah von Persien wird bei den Juden allerorten tiefes Bedauern Hervorrufen. In Persien sind von altersher die Judenverfolgungen an der Tagesordnung gewesen, und es wird Niemand behaupten, daß der verstorbene Schah viel dazu beigetragen hat, die Lage seiner jüdischen Unterthanen bedeutend zu verbessern. Das liegt auch nie in der Macht eines einzelnen Mannes, am allerwenigsten in Persien. Wenn es ihm also auch nicht möglich war, den Juden Privilegien zu geben, so that er doch sein Bestes, sie zu beschützen. Unter seiner Regierung haben sie lange nicht so furchtbar gelitten, wie in früheren Zeiten. Der Schah war persönlich ohne alle religiöse Vvrnrtheile. Das beweist deutlich fein Verkehr mit bedeutenden europäischen Inden während seiner hänsigen Reisen, sein Verkehr mit den Rothschild's, den Sassoon's, mit Erckmienp. von denen er in seinen Tagebüchern mit der größten Achtung spricht. Es heißt, daß der vor wenigen Jahren in Wien verstorbene ehemalige Leibarzt des Schahs, Dr. Polack, nicht wenig dazu beigetragen hat, daß sein hoher Patient freundliche Gefühle gegen die Juden hegte. Das war nicht immer der Fall gewesen. Vor fast 40 Jahren hatte er Befehl gegeben, die Inden in Hamadan zu massaerireu. Der glücklichen Intervention einiger mächrigen Persönlichkeiten seiner Umgebung gelang es zwar, zu bewirken, daß dem Befehl nicht Folge geleistet wurde, doch wurden die armen Inden eingesperrt, mit Ketten beladen und fürchterlichen Torturen unterworfen. Aach wenigen Jahren aber schon änderte sich diese feindselige Gesinnung des Schah, und zwar war dies hauptsächlich dem segensreichen Wirken Mvses Montesiore's zu verdanken, der damals eine Bittschrift an den mächtigen Beherrscher des Perserreiches richtete. Schon im Jänner 1800 empfing Sir Moses eine offi cieüe Verständigung vvP dem damaligen Minister des Aenßeru, Earl vf Clarendon, daß der Schah strenge anbewhlen habe, die Juden milde zu behandeln. Es ist unmöglich, hier die einzelnen Fälle auszuzählen, es genüge, mitzutheilen, daß der Schah fein Wort hielt und jedesmal, wenn eine Judenverfolgung vvrkam, strenges Gericht hielt über die Missetbäter. Als der Schah im Jahre 1889 in London weilte, machte ihm eine Deputation der "Anglv- Jewish-Assvciativn, bestehend aus den Herren Sir Julian Gvldsmid, Lord Rothschild, Sir "Albert Sassovn, Mr. Reuben, D. Sassovn und Alr. I. Sebag Montesiore, ihre "Aufwartung itnd lenkte seine Aufmerksamkeit ans den Umstand, daß trotz seiner gegentheiligeu Befehle in einigen entfernten Theilen des persischen Reiches die Inden einer fürchterlichen Behandlung ansgesetzt seien. Damals empfing der Schah die Deputation ans die liebenswürdigste Weise, versicherte ihr, daß jeder seiner Unterthanen stets vor ihm erscheinen und ihm persönlich etwaige .Klagen Vorbringen dürfe, daß die Juden Gegenstand seiner besondern Aufmerksamkeit seien, daß er die Erziehung jüdischer Kinder durch Errichtung von Schulen fördern wolle ec. Der Schah hielt, wie gesagt, oft, was er versprochen, doch wurden seine Pläne oft in den von Teheran entfernten Theilen des Landes durchkreuzt. Während der schrecklichen Hungersnoth im Jahre 1871 erließ er den Inden die Steuern. , Wie sich der neue Schah, Mozaffer Eddin, i t Bezug aus die ' Juden verhalten wird, darüber ist noch nichts bekannt. Die! Juden bedauern, daß nicht der älteste Sohn, Zil-us-Sultan, der ' Thronfolger ist « nach persischem Gesetze ist er von der Regierung ausgeschlossen, weil seine Mutter nicht königlichen Geblütes war), j Seine Thronbesteigung wäre von der größten Bedeutung für die! Juden gewesen. Schon vor Jahren hat er seine Sympathien; für Christen und Juden betont und es ist eine Thatsache, daß i die Inden irr Jspahan! Til-ns-Iultan ist Gouverneur von Jsj Pah an) sich eines weit größeren Schutzes vvu Seiten der Re-! gierung zu erfreuen haben als ihre Glaubensgenossen in anderen [ Theilen Persiens. Doch hofft man, daß der neue Schah in dce! Fußtapsen seines verstorbenen Vaters treten und den Inden seinen Schutz angedeihen lassen wird. Freilich ist die Zeit der! Wiedergeburt der verfolgten getretenen Inden in Persien noch J in weiter Ferne.

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