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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-08 · 19 (8.5.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 19 Dr Bloches Wochrnschrist mühte sich blos, ihn zu besänftigen. — Gegen Abend warteten beide Freunde im Cafe, bis Moszkv erschien. — Wladislaw flog seinem Arendarz entgegen und begrüßte diesen wie einen alten Freund; ohne das Entsetzen Stanislaws zu beachten, führte er ihn an seinen Tisch, welches Borgehen Stanislaw veranlaßte. sich in den „Czas" ganz zu vertiefen. Moszkv machte nun dem Grafen in schonenoster Weise die Mittheilung, daß die Frau Gräfin feit längerer Zeit krank darniederliegt und wiederholt den Wunsch äußerte, der Sohn möge fiir einige Zeit nach Hause kommen. — Bestürzt von dieser Nachricht, blieb Wladislaw vorerst ganz sprachlos, daun erklärte er, sobald als möglich die Heimreise antreten zu wollen und stürzte ans dem Locale, um seine Abreise vorzubereiten. — Nach einigen Tagen führte ihn der Eilzug seiner Heimat entgegen. Aus dem Edelhvfe zu N . . . . ka lag in ihrem Himmelbette eine wachsbleiche Frau, deren abgehärmte Züge Spuren außergewöhnlicher Schönheit verriethen. Die feinen, fast durchsichtigen Hände ineinander gefaltet, blickte sie unverwandt gegen die Decke, während die noch immer rosigen Lippen wie mechanisch die Worte: „Wenn er nur schon, hier wäre" wiederholten. — Plötzlich drückte sie auf den Taster und befahl dem eintretenden Diener, er solle Moszkv herein bitten, worauf der Jude -eintrat.. — Die bleiche Dame reichte ihm wie einenl Freunde die Hand und bat ihn um Entschuldigung, daß sie ihn im Nebenzimmer warten ließ, bis sie die Tröstungen der Religion empfangen haben würde, bei welcher Ceremonie Niemand anwesend sein darf. — „Wann kommt Wladzio"!? fragte sie, und ihr feelenvoller Blick ruhte, an den Lippen Moszko's. — „Noch im Laufe dieser Woche" berichtete dieser, und etwas wie ein heiteres Lächeln umspielte den feinen Mund der Kranken, jedoch nur während eines Augenblicks. — „Ach l", rief sie wehmüthig aus. —' „Er kommt, um wieder fortzugehen, von wo er nicht wiederkehrt, und wenn auch, so findet er mich bereits in der Familiengruft". — „ O, ich Arme l" „Wer wird mir die Augen zudrücken, wenn mein Einziger in's Feindesland, in den Krieg gegen einen mibezwingbaren Koloß ziehen muß". Verzweifelt rang sie dabei die feinen abgemagerten Hände und konnte sich gar nicht fassen. — Moszkv stand wie versteinert und wagte kaum zu athmen. — Da ward Schellengeklingel hörbar. — Auf der Rampe hielten mehrere Schlitten, denen die Herrschaft Debowski, sowie Familie Feliksiewicz entstiegen, welchen ein Troß von Dienern beiderlei Geschlechtes, die herrschaftlichen Kinder an der Hand führend, folgten. Die Gäste waren ganz bestürzt über die Krankheit der Gräfin, erklärten aber, hier die Gastfreundschaft für einige Zeit in Anspruch nehnien zu müssen, da sie der russischen Regierung der Borschubleistnng an die Insurgenten verdächtig find und die Cvnfiscation der Güter, sowie anderweitige Unannehmlichkeiten zu gewärtigen hätten, wenn sie daheim blieben. Daher .haben sie zu Hause Alles im Stich gelassen und sich hieher geflüchtet, wo sie bis nach Beendigung der Campagne verbleiben müssen. (Fortsetzung folgt.) Literatur;. Festschrift zum achtzigsten Geburtstage Moritz Steinschneiders. Leipzig, 1896. „Die Huldigung der Wissenschaft" möchten wir das .Werk nennen, welches dem achtzigjährigen Steinschneider als Festgabe überreicht wurde; die Männer der jüdischen Wissenschaft, Juden und Christen, Meister und Schüler, sowohl Freunde des Jubilars, als auch fernstehende Bewunderer seiner Größe haben sich diesseits und jenseits des Oceans zu einer gemeinsamen Arbeit zusanimengesunden, in der Meinung, daß der Mann, dessen eigenes Leben in rastloser Arbeit besteht, auch an der Arbeit Anderer mit Freuden hängen müsse. Gewiß, er wird anch seine Freude daran haben, spricht doch das ihm gewidmete Werk auf jedem Blatte den Gedanken aus, daß seine Mühe um das Aufblühen der jüdischen Wissenschaft nicht fruchtlos geblieben, daß sie vielmehr in weitem Umkreise befruchtend und segenbringend gewirkt hat. Die Festschrift zählt mehr als. dreißig Arbeiten, und die meisten davon gehen geradezu von den Untersuchungen Steinschneiders aus, andere beziehen sich' wenigstens auf dieselben, in allen ohne Ausnahme aber widerhallt es von der Ehrung des Namens Steinschneider. Die ersten 39 Seiten der Festschrift enthalten die Werke und Schriften des Jubilars; das Verzeichniß ist mit großem Fleiße von G. A. Ko h ut in New-Iork besorgt worden,und wem sonst die Bedeutung S t e i n s ch n e i d e r's für die jüdische Wissenschaft nicht klar gewesen wäre, dem wird ein Blick in dieses Gewühl von Bücheründ Autorennamen gleich eine adäquate Meinung beibringen. Diese Seite 387 Bibliographie der Steinschneider'schen Schriften ist die passendste Gabe für den großen Bibliographen, als den wir Steins ch n e i d e r kennen. Die Reihe der wissenschaftlichen Arbeiten eröffnet Dr. G ü d emann nach echt jüdischer Art mit dem Namen Gottes, doch nicht als Segenssormel, sondern als Gegenstand einer überaus lehrreichen Untersuchung, die uns über die superstitiöse Bedeutung des Eigennamens rm vormosaischen Israel belehrt. Professor M. Lambert in Paris liefert Bemerkungen über das Adjectivum im Hebräischen und Arabischen. Professor Dr. L. Blau m Budapest klagt über die Vernachlässigung des Textes der tannaitischen Midraschim und gibt gelungene Erklärungen zu Mechiltha und Sifre. Rabbiner Dr. PH. Bloch in Posen, bekannt durch seine Midraschforschungen, liefert eine Ueberseßungsprobe aus der P e s i k t a d e r a b K ah a n a (Referent kann nicht umhin zu bemerken, daß die Schreibung d e r a b nicht richtig ist; man schreibt entweder getrennt: d i R a b, oder man übersetzt einfach: „des R. Kahana"). I. A b r a h a m s in London spricht von einer Handschrift des kleinen Tractats „Dercch Erez". Professor D. H. M ü l l e r in Wien behandelt Cap. 1 — 2 von Amos nach der von ihm anfgestellten Strophentheorie. Rev. W. D. M a c r a y veröffentlicht einen lateinischen Brief deK Isaak Abendana aus London. Professor A. Büch le rin Wien erklärt einige Edicte Cäsars über die Juden. Professor I. Goldz^her in Budapest veröffentlicht eine arabische Abhandlung über die Unvergänglichkeit der Seele. Es folgt hierauf eine gelehrte Abhandlung von A. E p st e i n in Wien über einen Talmud-Coinmentar, der dem R. Gerschom, der „Leuchte der Diaspora", zugeschrieben wird; eine Fülle von neuen Daten findet der Geschichtsschreiber in diesen Blättern zusammeugetragen. Profeffor R. G o t t h e i l in New-Vork liefert eine kleine, aber recht interessante Bereicherung unserer Kenntniß der Geschichte der Juden in Jemen (Arabien). Dr. S. Krauß in Budapest sammelt die zerstreuten Reste der griechischen Bibelübersetzung des Alylas nnd begleitet sie mit Erklärungen. Rabbiner Dr. Simon j e n in Kopenhagen gibt Notizen zur Bücherkunde. In einem nun folgenden italienischen Aussatze von G. Sacerdote gesellt sich zur Theologie auch Mathematik und Geometrie; eine arabische Abhandlung wird hiebei nun das erstemal veröffentlicht. Dr. S. P o z n a n s k i in Berlin, der sich um das Zustandekommen der Festschrift anerkennenswerthe Verdienste erworben hat, liefert einen lehrreichen Aufsatz über einige karaitische Handschriften im British Museum. Mit gewohnter Gründlichkeit behandelt Professor W. Bacher in Budapest die beiden Versionen von Saadja's Abschnitt über die Wiederbelebung der Todten. Wie so oft, führt Professor Dr. Kaufmann in Budapest auch diesmal einen fast ganz unbekannten Mann iu die jüdische Geschichte ein; es ist dies Mose Rimos aus Majorca. Dr. H i r s ch f e l d in Ramsgate schreibt über die hebräische Uebersetzung des Buches der „Definitionen" von Israeli (10. Jahrhundert). Professor I. L ö v i in Paris veröffentlicht einen hebräischen Roman über Alexander dem Großen. H. I. Mathe w s, ein gelehrter christlicher Theologe in Oxford, dem die jüdische Wissenschaft schon so manche Gaben zu verdanken hat, veröffentlicht einen anonymen Commentar zum Hohen Liede. Der Chief-Rabbi von Groß-Britannien, Dr. H. Adler, gibt einige Capitel aus einem alten Codex des englischen Ritus. Sein Landsmann, Dr. A. Neubauer in Oxford, veröffentlicht einen interessanten Abschnitt aus Zakkntho's Chronik. Neben diesen in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache abgefaßten Aufsätzen kommt auch die altehrwürdige hebräische Sprache zu ihrem Rechte, und zwar durch einige Publicationen von S I. Halberstamm in Bielitz, von A. Harkavy in Petersburg, von S. B u b e r in Lemberg, von Dr. H. B r o d y in Berlin, von Dr. M. F r i e d l ä n d e r in Cambridge, von M. F r i e d m a n n in Wien und von Baron D. von G ü n z b u r g in Petersburg — lauter musterhafte Leistungen. Dr. A. Neubau e r. der. ohne genannt zu sein, der eigentliche Schöpfer dieser Festschrift ist, hat seinem Rivalen und Borbilde auf dem Gebiete der Bibliographie eine, wie man aus dem bloßen Jnhaltsverzeichniß ersieht, ebenso werthvolle, wie edle Festgabe überreicht. 8. X. Hagar's Liebe. Das Schauspiel „Hagar's Liebe" vvn Franz Lind heim er (Heidelberg 1890) ist soeben in zweiter Auslage erschienen. Gewiß ein Erfolg eines Dramas und noch dazu eines Buchdramas. Der Verfasser hat zweifellos dichterische Begabung, aber auch diesem Werke haftet wie den meisten dieser Art der Fehler an, daß die moderne Gefühlsnnd Gedankenweise fort und fort die Form durchbricht rmd somit die orientalische Gewandung nicht mit dein Inhalt übereinstimmt. Wer den Abraham, die Sarah und die Hagar der Bibel kennt, wird sie oft ut dem Schauspiele nicht erkennen. Briefkasten. L. B. Daß man vom Antisemitismus uichts Gutes hört und sieht? Was wollen Sie von einer Bewegung mit Führern wie T r e i t s ch k e und D ü h v t n g, von denen der Eine st o ck t a u b und der Andere blind ist.

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