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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-08 · 19 (8.5.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 384 Nr. 19 Dr Vloch's Wochenschrift Horazdiowitz, 3. Mai. (S t e r b e f a l l. — Wahlen in die S t a d t v e r t r e t un g.) Am 1. Mai wurde der hiesige Grundbesitzer Herr Josef E i s n e r unter sehr zahlreicher Betheiligung beerdigt. Der Verblichene, der im 68. Lebensjahre stand, war ein braver Mensch und genoß den woblbegründeten Ruf eines vorzüglichen Kenners der hebräischen Sprache. — Bei den Anfangs Mai hier stattgehabten Wahlen in die Stadtvertretmrg gingen drei Israeliten als Berordnete aus der Urne hervor; es sind dies die Herren: Eduard M ü n z, Oekonom; Marcus Kohn sen. Kaufmann, und Hermann Steiner, Getreidehändler. Jamuitz, 3. Mai. Der neugewählte Rabbiner, Herr Dr. A. M orge n st e r n hielt gestern beim Mussaf-Gottesdienste die Antrittsrede, welche aus die Zuhörerschaft ein«: tiefen Eindruck machte. Nach dem Gottesdienste wurde dem Herrn Rabbiner im.Gemeindehause ein sehr feierlicher Empfang bereitet. Der Gesammtvorstand, an dessen Spitze der Cultusvorsteher Hetr Samuel Ko h n, sowie viele Gemeindemitglieder und Functionäre hatten sich zur Begrüßung eingefunden. Herr Cultusvorstcher Kohn hielt eine längere Begrüßungsrede im Namen der Gemeinde. Der Leiter der deutschen Volksschule, Herr Blümel, begrüßte denselben namens der israelitischen Schuljugend. Hierauf wurden alle Anwesenden den: Herrn Rabbiner vorgestellt, der für jeden ein fteundliches Wort hatte. Przemtzsl. Auch in unserer Gemeinde wird das Hinscheiden des nuvergeßlichen Philantropen Herrn Baron Moritz Hirsch aufs Lebhafteste bedauert, und ward daher dem Andenken desselben eine Trauerandacht gewidmet. Dieselbe fand am 29. v. M. in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums in der hiesigen Haupt-Synagoge, statt. Hierauf bestieg der hiesige Rabbinatsverweser Herr Gedaljah Schmelkes die Kanzel und mit ergreifenden Worten gab er den schweren Verlust zu erkennen, den die gesammte Judenheil beim Heimgehen dieses humanen Mannes erlitt. Der Redner lieferte ferner Beweise aus dem Talmud und Midrasch, daß die Wohlthätigkeit eine der erhabensten Tugenden des Menschengeschlechtes sei, und sich der verewigte Baron diese schöne Tugend aufs Höchste aneignete. Wisniez a. d. Bochnia, 3. Mai 1896. Am heutigen Tage fand in der hiesigen Baron Hirsch-Schule eine Trauerandacht zu Ehren des am 20. v. M. Heimgegangenen Baron Moritz von Hirsch statt. Nachdem sämmtliche Gäste mit dem hierortigen Cultusvorsteher an der Spitze ihre Plätze eingenommenhatten, betrat Herr Feuchtmann die Kanzel und erläuterte der Versammlung in kurzen Worten die Bedeutung der heutigen Andacht, worauf Herr Berthold Weinberg, in Krakau, den 91. Psalm nach der bekannten Sulzerffchen Weise vortrug. Nachdem dies vorüber war, hielt Herr Feuchtmann dem verblichenen Stifter in polnischer Sprache einen warmen Nachruf. Nach dem Kadischgebete hielte Herr Weinberg in deutscher Sprache eine treffliche Rede, in welcher er die anwesenden Ellern der Schulkinder von der Bedeutung der Schule im Allgemeinen und der Schule Wisnkcz im Einzelnen belehrte und rief sie zur Stützung und Förderung derselben an. Zur Schuljugend gewendet, erklärte er derselben in verständlichen Worten den Nutzen des Unterrichtes, ermunterte sie zu fleißigem und pünktlichem Schulbesuch, um durch die in der Schule genossenen Lehren einst dem Vaterlande, den Mitmenschen und sich nützlich zu werden und auf diese Weise dem verewigten Spender für seine an ihnen geübten Wohlthaten den verdienten Dank zu zollen und ihre Schuld abzutragen. Radautz. (T r a u e r g o t t e s d i e n st.) Am 27. April wurde in der hiesigen Synagoge für den dahingegangenen großen Philantropen Baron Moritz Hirsch s. A. eine Trauerandacht in solenner Weise abgehalten. Herr Oberrabbiner K u nst a d t hielt eine tiefempfundene Gedenkrede. Bukodar, 27.April. Unter überaus großer Theilnahme wurde am verflossenen Mittwoch die Witwe nach weiland Oberrabbiner David L ö w y zu Grabe getragen. Ihr Schwiegersohn, Herr Rabbiner Dr. Julius Diamant, schilderte in ergreifenden Worten das Lebensbild der edlen Verblichenen. London. Mr. I. Cohen ist zum Armenpfleger der Gemeinde Bethual Green ernannt worden, und zwar ist er der erste Jude, auf den die Wahl fiel. London. Vergangenen Sonntag fand hier die Einweihung der neuen Warschauer Synagoge statt. Wie schon der Name sagt, besteht die Gemeinde, die die Mittel zum Baue der Synagoge aufbrachte, aus Warschauern; ihr Präsident ist Herr Salomon Ostelanky, der Secretär Herr Emil Horwitz. Dr. Adler hielt die Predigt, Sir Samuel hielt Montagu* nahm die feierliche Eröffnung der Synagoge vor. Italien. Signor Luigi Luzatto, der berühmte Nationalöconvm, war vom Premierminister designirt, ein Mitglied des Staatsrathes zu werden, aber er lehnte die Ehre ab. Er zieht es vor, weiterhin Professor an der Universität in Rom zu bleiben, wo seine Vorlesungen ans Nation alöconomie stark besucht sind. Chicago. In der letzten stattgehabten Jahresversammlung der Sinai-Gemeinde wählte dieselbe einstimmig Dr. Emil G. Hirsch wieder zu ihrem Rabbiner: für 10 Jahre mit einem Gehalte von 12.000 Dollars. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) „Es ist nicht seine Schuld, Benjy," sagte Esther, er bemüht sich sehr. Er kränkt sich gewiß oft, daß er so arm ist und nicht das Geld für die Eisenbahn hat, um Dich besuchen zu können. Das eine Mal, als er bei Dir war, verschaffte er sich Geld dazu nur durch den Verkauf eines Arbeitskorbes, den ich als Prämie bekommen hatte. Aber er spricht sehr oft von Dir." „Nun, ich habe nichts dagegen, wenn er mcht kommt", sagte Benjamin. „Das verzeihe ich ihm, denn Du weißt, er sieht nicht sehr repräsentabel aus, nicht wahr, Esther?" Esther schwieg eine Weile. „Aber Jeder weiß ja, daß er arm ist, Niemand erwartet, daß der Vater ein feiner Herr ist.,, „Du würdest es auch nicht gerne sehe:), wenn der Vater vor allen Deinen Mitschülerinnen in die Elaste hereinkäme, was.?" „Esther erröthete. „Er hat keinen Grund dazu", sagte sie ausweichend. „Ich weiß, was ich thue", sprach Benjamin entschlossen. „Ich werde ein sehr reicher Mann." „Wirklich, Benjy?" „Ja, ich werde Biicher schreiben — so wie Dickens und die Anderen. Dickens verdiente sich einen Haufen Gold, _ blos weil er ganz gewöhnliche Sachen, die jeden Tag passiren, einfach niederschrieb." : -- „Aber Du kannst nicht so schreiben!" Benjamin lachte überlegen. „Wirklich nicht? Und was ist „Unser Eigenthnm"?" „Was ist das?" . . . „Das ist unser Blatt. Ich gebe es heraus. Hab' ich Dir noch nicht davon erzählt? Ja ich schreibe dafür eine Geschichte: „Die Soldatenbraut" — sie spielt in Afghanistan." „Ach, könnte ich nicht eine Nummer von dem Blatt bekommen?" „Nein dummes Ding! Es ist ja nicht gedruckt. Alles ist mit der Hand geschrieben, und wir haben nur ein paar Exemplare davon. Wenn Du zu uns kämest, könntest Du es sehen." „Aber das geht ja nicht," klagte Esther, Thränen in den Augen. „Na, thut nichts, eininal wirst Du es schon sehen. Was sagte ich blos? Ach ja, was ich thun werde. Siehst Du, ich werde mich iit ein paar Monaten uni ein Stipendium bewerben — alle Leute sagen, daß ich es bekommen werde. Dann kann ich auf eine höhere Schule kommen, und zuletzt nach Oxford oder Cambridge gehen." „Und in der Regatta mitrudern!" rief Esther, ganz roth vor Aufregung. „Ach was, Regatta! Ich werde Lateinisch und Griechisch lernen. Französisck habe ich schon angefangen. Dann werde ich drei Sprachen kennen." „Bier!" sagte Esther. „Du vergißt Hebräisch." „Natürlich, Hebräisch. Das rechne ich nicht. Jeder kann Hebräisch. Hebräisch nützt nichts. Ich muß etwas lernen, was mich in der Welt vorwärtsbringt, damit ich Bücher schreiben kann." „Aber Dickens — kannte der Lateinisch oder Griechisch?" „Nein," antwortete der Benjamin stolz. „Darum werde ich ihn auch übertreffen. Wenn ich reich bin, werde ich dem Vater einen neuen Anzug und einen Cylinder kaufen — es ist eklig kalt hier, Esther, fühl' nur, meine Hände sind wie Eis! — und dann werde ich ihm und der Großnmtter ein anständiges Zimmer nehmen und ihm Taschengeld geben, damit er den lieben Tag in feinen Biichern studieren kann. Und Sarah und Jsak und Rachel werden in eine ordentliche Schule gehen und Salomon — wie alt wird Salomon damals sein?"

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