Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-08 · 19 (8.5.1896) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021135--05598-3029841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 19 Dr. Vlorh's Wochrnptzrifl. Seite 377 Ein Unterschied zwischen dem Berliner und dem Wiener Hammerstein ist aber doch: der Berliner Hammerstein wird 3 Jahre in's Zuchthaus gesteckt — der W i e n e r Hammerstein hingegen har heute noch die Frechheit den A n k l ä g e r zu schauspielern! Hoch die Verjährung! Unerhört! Im Verganiblatt vom 12. April 1896, Seite 4, Spalte 2 („Ein erhebendes Jubiläum") steht wörtlich zu lesen: „Wir wollen hier aus keinen der Herabgekommenen einen Stein werfen. „Das „e h r l i ch w ä h r 1 a m längsten" ist allerdings leider im Ln cke 8iöc:1s fast schon zum Spottworte geworden. — Wenn es sich jedoch einmal wieder als Wahrwort erweist, ziehen wir desto tiefer den Hut ah vor Demjenigen, der es dazu gemacht!" Ja, ja Herr Alt-Bürgermeister von Mühldorf — das ist leider wahrhaftig so, wie sie sagen, und uns nimmt es auch nicht Wunder, daß gerade Sie es siird, der diesen Stoßseufzer in seinem „christlichen" Blatte von sich gibt! Daß der mit dem Hutabnehmen im Zusammenhang .stehende A u s n a h m ef a l l sich n i ch t auf Ihre Persorl bezieht, dessen sind wir voll und ganz iiberzeugt. — Es würde Ihnen auch schlecht zu ihrem „ehrlichen" Gesichte stehen, wenn Sie ans Herabgekommene Steine werfen wollten. — Der obige Ausspruch ist dadurch, daß er Ihre m Organ entschlüpft ist, geradezu zu eiuem classischeu geworden. Der Abdruck findet seine Entschuldigung nur in dem Umstande, daß wir leider auch im Zeitalter der höchsten ungestraften Frechheit leben. I—. Rache. Die „U. D. W." Nr. 9, 1896, enthalten folgende Mittheilung: Zum 5. Mai. Rache für geschehenes Unrecht und gewaltthätig erlittene Schmach ist Germanenpflicht. — Wir wollen pflichtvergessen sein! Durch fortgesetzte st r e n g nationale Arbeit wollen wir den Zeitabschnitt bis zum großen Tag der Rache abzukürzen trachten. Möge am 5. des Maienmonds jeder Treugenosse still, jeder für sich, den Schwur der Rache und damit zugleich auch den Eid der Anhänglichkeit an unsere große Sache erneuern. I. Die-Annullirung einer galiziscken Gemeindetvahl. Der Perwaltnngsgerichts'hof hatte sich gestern mit einer Beschwerde von Wählern der Gemeinde R y m a n ow in Galizien gegen die im Jahre 1893 dort stattgehabten Wahlen in den Gemeindeausschuß zu beschäftigen. Bei der Wahl, welche mit einem Siege der antisemitischen Partei endigte, sollen die größten Unzukömmlichkeiten vorgekvmmen, für Kinder, Frauen und Verstorbene gestimmt worden sein, insbesondere incriminirte die von Dr. H e r z b e r g - F r ä n k e l vertretene Beschwerde, daß die Wahlcommission illegal zusammengesetzt war, daß die Wahllisten nicht aufgelegt waren und Correcturen aufwiesen. Der Verwaltungsgerichtshof gab der Beschwerde Folge, annullirte den Wahlact und verfügte die Ausschreibung von Neuwahlen. Betrug im Pferdehandek. Breslau, 1. Mai. DieLiegnitzerStrafkammerverurtheiltedie als antisemitis che Größen bekannten Kaufleute Walter Zenkominierski aus Berlin und Alfred Zenkominierski (Brüder) aus Dresden wegen großartiger Betrügereien im Handel mit Sportpferden, die sie an activen Officieren begangen hatten. Erfterer erhielt vier Jahre G e f ä n g n i ß und 5 Jahre Ehrverlust, Letzterer drei Jahre G e f ä n g n i ß und vier Jahre Ehrverlust zuerkannt. Ein „Jrrthum" der,,Staatsbürgerzcitung". Ueber die Mitglieder des im Berliner „Passage-Panoptikum" gezeigten „H a r e m" meldet die „Staatsbürgerzeitung", daß diese Jüdinnen seien, was nicht überraschen könne, da „Muhamedanerinnen sich ftir derartige Schaustellungen nicht hergeben". Thatsächlich sind jene „Damen" weder Jüdinnen noch Muhamedanerinnen, sondern, wie in einer arabischen Unterhaltung festgestellt wurde, maronitische Christinnen aus dem Libanon! Russen, Abessynier und Juden. Seitdem die Italiener sich im Hochlande von Habesch festzusetzen suchen, haben die Russen auf einmal mit bewunderungswürdiger Phantasie ihr Herz für die Abessynier entdeckt und herausgefunden, daß diese eigentlich ihre Glaubensgenossen sind. Darin liegt, wie eine vornehme Londoner Wochenschrift richtig bemerkt, eine köstliche Ironie. Was nämlich die abessynische Religion nicht der armenischen, koptischen und syrischen Kirche verdankt — und alle drei sind ja in den Augen der Russen schismatisch — das entlehnt sie direct von den Juden. In der That ist es erst ein paar Jahre her, daß Regns Menelik bei dem verstorbenen Czar Protest erhob gegen die Verfolgungen, denen die Juden in Rußland unterworfen waren, und in diesem Protest nannte er sich selbst einen 'Abkömmling Salvmo's und als solcher das Haupt und der Beschützer der semitischen Völker. Es ist bekannt, daß er den Juden an seinem Hofe alle Ehren erweist, und sein Glaube ist vielleicht eher jüdisch als christlich zu nennen. Er rühmt sich, die echte Bnndeslade zu besitzen, die in so wunderbarer Weise von Palästina nach Abessynien gebracht wurde; die Priester seiner Kirche tanzen bei ihrem Gottesdienst davor wie einstens die Leviten; den jüdischen Sabbath und die Beschneidung hat diese seltsame christliche Kirche behalten. Der Brief Menelik's an den englischen Missionär Clarke gibt seinen Anschauungen über Juden und Christen unzweideutig Ausdruck. Das, was Ihr, sagt er, das 'Alte Testament nennt, ist ebenso wahr wie das Neue, und was darin steht, sollte von den Anhängern Jesu und seiner Apostel beobachtet werden. Jesu hat nie das ewige Abzeichen seines Stammes, die Beschneidung, abgeschafft, denn seine Mutter hat ihn am 8. Tage derselben unterzogen. Wenn man also unterläßt, was Gott geboten har „von einem Geschlecht zum andern, von Ewigkeit zu Ewigkeit", so heißt das den Glauben schwächen und das Schauspiel bieten, das die Christen Europas geben. Nicht nur nach Außen hin wenden sie Gewalt an, sondern auch hu Innern, gegen die Juden, die ja doch christliche Herzen haben, denen wir ja unsern Heiland verdanken. In meinem Königreiche gibt es mehr als 300.060 Juden, und obgleich sie fast vollkonnnen unabhängig sind, sind sie doch treue fleißige Unterthanen. Sie verschworen sich nie, zahlen alle Tribute und achten unsere A b u n a geradeso wie die Christen. Wenn sie in Europa schlechter sind, so liegt das daran, daß auch die Christen dort schlechter sind. Unser Heiland hat ihnen auf dem Kreuze verziehen, warum also sie verfolgen? Ihr Engländer verfolgt sie wenigstens nicht. Möchten doch die andern Christen Europa's Eurem Beispiele folgen! Was ihnen noth thnt, ist, zu unserm Gotle zurückzukehren, alle seine Gebote zil beobachten und nicht mehr Moses und die Propheten von den Aposteln, oder Petrus von Paulus zu trennen. Holman Hunt über die Rückkehr der Juden nach Palästina. Die letzte Nummer des „Jewish Chronicle" bringt einen Brief Holman H n n t's an den Herausgeber dieses Blattes, dem wir folgende interessante Stellen entnehmen: „. Sie sagen sehr richtig, daß die Juden in Rußland und Rumänien mit Grausamkeit behandelt werden, während sie sich in der Türkei einer gewissen Toleranz zu erfteuen haben, und Sie nennen meine Anklage der Hohen Pforte unzeitgemäß und ungerecht. Es ist in der That eine beständige Schande für das Christenthum, daß in den beiden vorerwähnten Ländern solches Unwesen vorkommt, aber wie schlecht auch die Behandlung der Juden in diesen beiden christlichen Ländern sein mag, die Ungeheuerlichkeit wird geringer, wenn man vergleicht, was Constantinopel gegen die Armenier begangen hat. Ich bin nicht der Einzige, der die Pforte verdammt. Lesen Sie, wie Mr. Gladstone, Lord Salisbury, der Herzog von Argyll und der Herzog von Westminfter sich geäußert haben, und ich werde in meiner Entrüstung nicht mehr ftir übertrieben gehalten werden — umsomehr, als meine Worte gegen die Minister und nicht gegen den Souverän der Türkei gerichtet sind. Bedenken Sie, daß es von jeher traditionell ist in der osmanischen Regierung, Zwiespalt zu säen unter ihren Opfern, um sich dann um die Gunst des einen zu bewerben, während das andere zugrunde gerichtet wird. Das 13. und 14. Jahrhundert geben Ihnen Beispiele davon, und ist es nun nicht genau so der Fall mit den Gesandtschaften in Constantinopel? Dies sollte zur Vorsicht anspornen gegen zu großes Vertrauen in die Sicherheit der Colonisten, solange der Türke die Herrschaft behält. Sie haben meine Worte mißverstanden, wenn Sie glauben, daß ich die Juden auffvrdere, dem Sultan behufs Abtretung Palästinas ein kriegerisches Ultimatum zu stellen, wie es die Mächte thun, bevor sie einen Krieg beginnen. Was ich wünsche, ist, man möge dem Sultan nahe legen, daß er ein gutes Geschäft macht, wenn er den Juden für Geld und gute Worte das gelobte Land überläßt; denn wird den Dingen ihr natürlicher Lauf gelassen, dann wird der Sultan über Kurz oder Lang Palästina an eine oder die andere christliche Macht ohne jedwede Entschädigung verlieren. Gestatten Sie mir zu wiederholen, daß die Zeit die denkbar günstigste ist, um eine Verwirklichung meines Planes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.