Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 18 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 18 Vr. SLoch's Wochenschrift. ♦ Auszeichnung. Ans Paris schreibt man uns: Dem hier prakticirenden und sich des größten Ansehens ersrenenden Augenärzte Dr. Emil Berge r, der dem sranzösischen Ophtalmologencvngreß 1894 präsidirt hatte, wurde vom 51önig von Portugal in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen der Freiherrntitel verliehen. Dr. Emil Berger ist ein Oesterreicher und wirkt auch als Seeretär des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins in Paris auf das verdienstlichste. Wien. Herr Med. Dr. Julius F l e s ch verlobte sich mit Fräulein Rosa L e m b e r g e r, Nichte des Herrn Sigmund Werner, Chef der Firma Werner & Co. Wieu. (Frenidländi s ch e O r d e n.) Der Kaiser hat zu gestatten geruht, daß der o. ö. Professor der Wiener Universität Dr. Wilhelm N e u m a n n, das Commandeurkrenz zweiter Classe des königlich dänischen Danebrog-Ordens; der Polizei-Commissär Moritz S t u k a r t in Wien den königlich preußischen Kronen-Orden vierter Classe und der Hofphotograph Karl S i tz n e r in Wien den kaiserlich persischen Sonnen- und Löwen-Orden vierter Classe annehmen und tragen dürfen. Wien. (W o h l t h ä t i g k e i t s a k a d e m i e.) Am 2. Mai d. I. findet in Pertl's lll. Kaffeehaus im k. k. Prater eine vom Kranken- und Unterstützungsverein „Selbsthilfe" veranstaltete Wohlthättgkeitsakademie, verbunden mit einem Tanzkränzchen, zu Gunsten des Witwen- und Waisensvndes statt. Nachdem hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben, dürfte auf eine rege Betheilignng zu rechnen sein. Cvncert und Tanzmusik besorgt die Militüreapelle des k. k. Infanterieregiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, und ist die artistische Leitung in den bewährten Händen des Herrn Alfted Grünfeld. 8. ö. Wien. (Todesfall.) Die Familie des kaiserlichen Rathes Herrn Ignaz W i l h e l m, Herausgebers der Correspondenz Wilhelm", ist von einem schweren Schicksalsschlag betroffen worden. Vorige Woche verschied nämlich ein Sohn des kaiserlichen Rathes im hoffnungsvollen Alter von 17 Jahren nach schwerer Krankheit, tiefbetranert von seinen gramgebengten Eltern und Geschwistern und dem großen Kreise der Bekannten und Freunde der Familie. Die Sympathien, welche Herr Wilhelm allseitig besitzt, sind in der außerordentlichen Theilnahme am Leichenbegängnisse des allzu ftüh dahingeschiedenen jungen Mannes und in Beileidsknndgebungen ans Nah und Fern zum Ausdrucke gekommen. Wien. (B e r b i nd u n g ö st e rr.-s ch l e s. Ho ch s ch ü l e r „Jvria".) Die Verbindung österr.-schles. Hochschüler „Jvria" veranstaltet am 2. Mai 1896 in Khuner's Restauration (I., Schottenring 18) den E r ö f f n u n g s c o m m e r s für ihr Vlll. Semester. Gäste herzlich willkommen! Anfang 8 Uhr Abends. Lemberg. (Verlobung.) Fräulein Fanni Feigenban m, Tochter des Bankiers Herrn Mendel F e i g e n b a n m hat sich mit Herrn Louis Taubes, Sohn Sr. Ehrwürden Herrn Ch. T a n b e s, Grand-Rabbin in Botoschani, verlobt. Preftburg, 12. Jjar. Kurz vor Sabbatheingang hauchte unser allgemein beliebter und geachteter Religivnslehrer David Grünberg im 66. Lebensjahre seine reine ftomme Seele aus. Das Ableben dieses gelehrten und ftommen Mannes bedeutet einen sehr schweren Verlust für unsere Talmud-Thoraschule, wo er 35 Jahre den Religiorksnnterricht mit rastlosem Fleiß und Eifer leitete. Groß war auch die letzte Ehre, die ihm Sonntag, 2 Uhr Nachmittags, die Preßburger Gemeinde bewiesen hatte. Im Sterbehanse nahmen die 3 Söhne des Verblichenen Abschied. Nachher bewegte sich ein unübersehbarer Trauerzug durch die Straßen der Stadt; auch die gesammte Schuljugend reihte sich den Leidttagenden an. Endlich ttaf der lange Zug am Friedhof an, woselbst der Sarg abgesetzt tvurde. In ergreifenden Worten hielt Rabbinats-Assessor Herr Samuel Donath eine Trauerrede, in welcher er ein getteues Bild von der Größe des Betrauerten auf dem weiten Meere des Talmud, dessen Frömmigkeit, Weisheit und Bescheidenheit entwarf. In rührender Weise hatte auch Rabbinats-Stellvertreter Leopold Friedman wegen Abwesenheit Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner B. Schreiber das Wort ergriffen, in welcher er die Tugenden und die hohen Verdienste besonders hervvrhob; mit einem Gebet beendete der Redner seine zu Herzen gehenden Worte. Brody. Am 19. d. M. veranstaltete Herr Rabbiner I. C h a j e s einen Trauergottesdienst zu Ehren des verblichenen O b e r r a b b i n e r s v o n K o w n o. In einer zweisttindigen Rede feierte er die Tugenden und hohen Eigenschaften des Skttk 365 großen Mannes, der als Gelehrter wie als Mensch gleich ausgezeichnet war. RonSPerg. April 1896. Der Besitzer der hiesigen Domäne, Herr Tr. Graf Heinrich Cvudeuhove, k. k. Legations-Seeretär und früherer Geschäftsträger in Japan, kam dieser Tage nach mehrjähriger Abwesenheit von Oesterreich mit seiner jungen Gemahlin, einer geborenen Japanerin, ans Tokio hier an und wurde von sämmtlichen Einwohnern mit besonderen Ehren empfangen. Gleich am ersteil Tage nach seiner Ankunft besuchte das gräfliche Paar beit israelitischen Tempel, ließ sich die Bnndeslade und Thora und mehrere hebräische Bücher zeigen, so auch über die Tempeleinrichtungen und über mehrfache Aufschriften "Aufklärungen geben, wobei der Herr Graf zu erkennen gab, daß er auch im Hebräischen bewandert sei, und erklärte den Vertretern der hiesigen Culttlsgemeinde, daß er stets ein Freund der Juden sei und sich für jüdische Literatur sehr interessire. Krakau. Das hiesige Local-Cvmite der Baron Hirsch- Stiftung hat aus ''Anlaß des Todesfalles des Baron Hirsch eine Sitzung unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Horowitz abgehalteu und beschlossen, eine Condolenzdepesche an die Witwe abznsenden. Der Sitzung wohnte der Curator Statthaltereidelegat Hofrath Laskowski bei. — Der israelitische Cultnsvorstand hat beschlossen, und zwar über Anttag des Bice-Präsidenten der Culttlsgemeinde Herrn Hirsch Landau, am Tage des Leichenbegängnisses des Baron Hirsch 300 sl. an hiesige Handwerker zu vertheilen, eine Trauerandacht am Sonntag den 3. Mai l. I. in der sogenannten „alten Synagoge" und im Tempel der Fortschrittspartei zu veranstalten. Nebstdem wurde beschlossen, durch ein ganzes Jahr in der alten Synagoge das Kadisch-Gebet für den Baron Hirsch verrichten zu lasten. Ter Witwe wurde telegraphisch im Namen der Gemeinde das Beileid ausgedrnckt und wurde die Tranerkundgebung in's Protokoll der Culttlsgemeinde eingettagen. Der hiesige Magistrat als Aufsichtsbehörde hat der hiesigen Cnltusrepräsentanz den Dank ftir die musterhafte Ordnung und correcte Gebahrung in der Gemeinde ausgedrückt. Eine Verständigung hierüber ist von Seiten des Magistrates an die galizische Statthalterei abgegangen. Wiesbaden, 16. April. Herr Cultusvvrsteher N a th a n in R n n k e l a. d. Lahn ist einstimmig zmn B ü r g e rm e i st e r - S t e l l v e r t r e t e r gewählt und von der Regierung bestätigt worden. Aachen, 22. April. In der letzten Nacht ist in unsere Synagoge e i n g e b r o ch e n und der Almosenkasten geraubt worden. Berlin, 20. April. Die königliche ''Akademie der Wissenschaften hat Herrn Professor Tr. Heinrich Weil in Paris. Mitglied des Imitat <!e France, zum c v rr e s p o n d i r e n d e n M itglied ihrer philosophischhistorischen Sectivll gewählt. Berlin, 22. April. Die Vorlesungen in dem von Dr. Berliner eröffneten B i l d u n g s e u r s n s f ü r a ngehende C a n t o r e n werden vom 26. d. M. ab anl Sonntag und Freitag von 2 3 Uhr im Biblivtheksaale des Rabbiner- Seminars (Gipsstraße 12») gehalten werden. Berlin. Rabbiner Tr. Tobias Cahn hat gelegentlich seines 50jährigen Jirbiläums den Rothen "Adler-Orden vierter Classe erhalten. Am ersten Pessachtage hat er seine letzte Predigt gehalten; . er tritt in den Ruhestand und Dr. Paul Rieger ist an seine Stelle berufen worden. Paris. M. Fvny Treyfuß, der Neffe der Baronin G. de Rothschild, deren Schwester mit dem Vater des Bräutigams verheiratet ist, hat sich mit Fräulein Louise Gubbay, der Tochter der Frau A. M. Gubbay und Enkelin des Sir Albert Sassoon, verlobt. M. Treyfuß besitzt ein großes Vermögen; er hat juridische Studien getrieben, und gedenkt in den Magistrat eiuzntteten. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Vierzehntes Capitel. Die Hoffnung der Familie. Es war ein kalter, trüber Sonntagnachmittag, und die Ansells brachten ihn wie gewöhnlich zu. Tie kleine Sarah spielte bei Frau Simon, Rachel war mit einigen Schulfrenndinnen in