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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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364 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 18 abzusenden, Herr» Salonion Reinach in Paris beauftragt hat, es beim Leichenzug des verewigten Baron Hirsch in der Trouerprocession zu repräsentiren und einen kostbaren Kranz auf den Sarg zu legen. Außerdem findet am Montag den 27. April in der hiesigen Synagoge ein Trauergottesdienst für den Verstorbenen statt. Gabriel Mar.' Aus Kurland. Daß die Juden sich der Ableistung der Wehrpflicht entziehen, ist ja, allen Lesern der Antisemitenblätter, eure längst bekannte Thatsache. Und doch unterläßt die antisemitische Presse manche Fälle dieser Art jüdischen Verbrechens zu registriren. So z. B. folgenden Fall, der in der angesehenen „Birshewja Wedomostr" mitgetheilt wird. Ein jüdischer junger Mann, der als Schriftsetzer irr Charkow lebt, sollte sich zur Ableistung der Wehrpflicht in Witebsk (wohin er zuständig ist) stellen. Unglücklicherweise erkrankte er kurz vor der Einberufung am Typhus und wurde im Charkower Hospital ausgenommen. Die Hospitalverwaltung theilte unverzüglich der Witebsker Wehrpslichtcommissiou die schwere Erkrankung des militärpflichtigen Setzers mit. Bis aber die Militärbehörde Witebsk die eingegangenen „Papiere" sortirte, verstrich die Anmeldungssrist, und — es wurde angeordnet, von der Familie des Schwerkrankeu die gesetzliche Pön von 300 Rubeln beizutreiben, w:gen „Entziehung" des Sohnes von der Wehrpflicht. Glücklicherweise verlief die Krankheit günstig, und kaum wurde der Genesende aus dem Hospital entlassen, als man ihn in Ketten schmiedete und per Etappe nach Witebsk beförderte. Etwa einen Monat wurde der Reconvalescent, gefesselt, von einem Gefängnisse ins Andere, von einer Stadt in die andere geschleppt, bis der „Verbrecher" glücklich der Witebsker Militärbehörde eingehändigt wurde, die ihn auch sogleich den Militärdienst antreten ließ. Nun ist der Mann schon seit Monaten Soldat, — nichtsdestoweniger aber fordert dieselbe Militärbehörde von semer Familie die Pön von 300 Rubeln, wegen „Entziehung" von der Wehrpflicht. — Schade, daß die antisemitischen Blätter diesen interessanten Fall, der beiläufig gesagt etwas Alltägliches ist, ihren Lesern nicht erzählt haben. Diese Verschmitztheit, kurz vor der Einberufung am Unterleibstyphus zu erkranken, um sich nachher aus Staalskosten in schönen Ketten nach der Heimatsstadt transportiren zu lassen! Ein interessanter Proceß wurde jetzt in Riga verhandelt. Eine arme Jüdin verklagte ihren getauften Sohn wegen seiner Weigerung, sie zu unterstützen. Vor Gericht sagte der Sohn aus, daß seine Eltern sich von ihm vor 20 Jahren, als er sich taufte, losgesagt haben, und infolge dessen konnte er gar nicht wissen, daß seine Mutter iroch lebe und der Unterstützung bedarf Zugleich erbot er sich, ihr eine Unterstützung von 2 Rubel wöchentlich zu zahlen, denn mehr erlaubten ihm seine Mittel als Handwerker nicht. Der Richter verurtheilte ihn zu drei Wochen Gesängniß und zur Zahlung von 4 Rubeln wöchentlich an seine jüdische Mutter. Seit einigen Jahren besteht in Warschau ein Verlagsverein, der sich ausschließlich mit dem Verlag hebräischer Werke beschäftigt. Dieser Verein, „Achiasas" trägt sehr viel zur Bereicherung und Verbreitung der hebräischen Literatur bei. Gegenwärtig hat der bisherige Leiter dieses Verlags, Herr Ben Avigdor, eine zweite hebräische Berlagsgesellschaft ins Leben gerufen, an deren Spitze er und ein Herr Balascher stehen. Die neue Gesellschaft hat die besten hebräischen Schriftsteller engagirt, und kündigt schon mehrere Werke an, die iit Kurzem in ihrem Berlage erscheinen werden. Die Werke sind wissenschaftlichen, pädagogischen und belletristischen Inhalts. Dieser Tage sind auch die ersten Publicationen des neuen Verlags erschienen, und zwar eine große hebräische Chrestomathie für Kinder, nebst Uebersetzung der Vvcabeln in deutscher, russischer, französischer und englischer Sprache, von I. Tawjew, und noch einige Werke pädagogischen Inhalts. Viel Glück dem neuen Unternehmen! Ego. Madrid. 27. März. Wer sich vorgestern, Mittwoch, Abends auf dem hiesigen Bahnhofe einfand, der konnte sich durch den Augenschein überzeugen, wie heilig noch heute in manchen Ländern die Israeliten das Passahfest halten und wie sie demselben zuliebe nicht mir die größten Geldopfer bringen, sondern sogar ihre Geschäfte unterbrechen, um dieses Fest mit seinen strengen Vorschriften in ihrer alten Heimat begehen zu können. Das ganze Jahr hindurch, besonders aber im Winter treiben sich hier und auch in anderen Städten Spaniens viele marokkanische Juden herum, die sich vom Hausirhandel ernähren und dabei, da sie nur die rituelle Kost genießen, ein kümmerliches Dasein stiften. Einige Tage vor dem Passahfeste verlassen sie dann Spanien und kehren in ihre marokkanischen Gemeinden zurück, um dort dieses Fest zu verbringen. Vorgestern haben mm sämmtliche hier weilenden jüdischen Hausirer aus Marokko unsere Stadt verlassen und traten vereint die Reise nach ihrer Heimat an. Mit der Pünktlichkeit der Schwalben pflegen sie dann wenige Tage nach dem Passahfest wieder hier einzutreffen. Massauah. (A b y s s i n i e lt.) In der furchtbaren Schlacht bei Adua, in der das vom General Baratieri befehligte italienische Heer von dem abyssinischen, das der Negus Menelik selbst commandirte, fast gänzlich attfgerieben wurde, haben auch mehrere unserer Glaubensbrüder wacker und tapfer mitgekämpft, von denen denn auch die meisten den Heldentod für ihren König itub ihr Vaterland starben. Dagegen entrannen folgende jüdische Officwre glücklich dem Tode und der Gefangenschaft: Oberstlieutenant Simon S u p i n o vom 3. Infanterie-Bataillon, Hauptmann GuglielmoGuastalla vom 6. Infanterie-Bataillon, die Artillerie-Lieutenants Ugo Luzzatti und Giuseppe L e v i und der Lieutenant G i u l i o L e v i vom 4. einheimischen Jäger-Bataillon. So erfüllt Israel überall seine Bürgerpflichten und auch unter der tropischen Sonne Afrikas vergißt es nicht an die Pflichten, die es seinem Vaterlande schuldet und erfüllt dieselben mit Liebe und Begeisterung. Philadelphia 2. April. Rev. Dr. Joseph Krau sk o p s ist von einer fünfwöchentlichen Vortragsreise durch den Süden, der Vereinigten Staaten hierher zurückgekehrt und hat für den Fond der von ihm geplanten A ck e r b a u s ch u l e einen weiteren Betrag von 10.000 Mark mitgebracht. Außerdem erhielt er Zusicherungen für Geschenke zur Einrichtung der Schule, und in Texas ist bereits ein Stück Land geschenkt worden mit dem Zwecke, die ausgebildeten Zöglinge der geplanten Schule dort als Bailern anzusiedeln. Der Fond beträgt jetzt im Ganzen circa 70.000 Mark, wovon 42.000 Mark für den Landankauf in Doxilestown und 20.000 Mark zur Errichtung von Gebäuden aus diesem Terrain bestimmt sind. Bombay, 10. März. Unter den hiesigen veni Israil ist ein Tempe r.e n z v e r e i n, welcher dem Mißbrauch geistiger Getränke unter den Juden entgegentreten will, begründet worden. Bei der sprichwörtlichen Mäßigkeit der Juden ist es immerhin seltsam, daß ein'solcher Verein ein Bedürfniß feilt sollte. Sydney, 14. März. Von Herrn Rabbiner Boas in Adelaide ist die Anregung ausgegangen, einen Verband der Rabbiner A u st r a l i e n s zu begründen, zu welchem Zwecke demnächst eine Versammlung derselben stattfinden soll. Zur Zeit sind in Australien als Rabbiner thätig: Dr. A b r a h a.m s (ein Schüler des unter Leitung des Herrn Dr. I. H i l d e s h e i m e r stehenden Berliner Rabbiner-Seminars), I. Lenzer und E. M. B l a u b a u m in Melbourne, Boas in Adelaide, Goldreich und C h o d o w s k i in Brisbane, G o l d st e i n van S t a v e r e n und H a r r i s o n in Sydney. Rio de Janeiro, 6. April. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Im Interesse der armen jüdischen Familien, die, durch die Verhältnisse gezwungen, ihre Töchter in die Fremde schicken müssen, damit sie dort ihr ehrliches Fortkommen finden, sollte die „Oesterreichische Wochenschrift" das gute Werk vollziehen und den W a r n u n g s r u s ertönen lassen, zu dem ich mich dringendst veranlaßt fühle. Mein Warnungsruf entspringt aus der Kenntniß des unsäglich traurigen Umstandes, daß es zahlreiche, hauptsächlich arme jüdische Mädchen aus Galizien, Ungarn, der Bukowina u. s. w. sind, die durch gewissenlose Seelenverkäufer unter l i st i g e n Vorspiegelungen nach Amerika gelockt werden, wo die Unglücklichen dem Laster in die Arme getrieben werden. Unter diesen nichtswürdigen Menschenhändlern sind auch viele Juden, und dieser Umstand ist es wohl auch, daß ihre unheilvolle, verbrecherische Thätigkeit fast ausschließlich bei jüdischen Opfern erfolgreich ist Die jüdischen Eltern sollen durch die Mittheilnng dieser Thatsachen gewarnt werden vor jenen Personen, die unter der Vorspiegelung, daß sie ihren Töchtern glänzende Stellungen verschaffen werden, ihre schurkenhasten Geschäfte betreiben. So weit der „Warnungsrus" des Mannes, dessen Name der Redactivn bekannt ist. Wir geben demselben Raum, weil wir damit eine edle Absicht unterstützen. Der Umstand, daß unter den Schurken, die solche Geschäfte cultiviren, auch Menschen sich befinden, die zufällig als Juden geboren wurden, kann unsere Empörung nur steigern. Die Juden haben stets das Princip gehabt, die Auswüchse und die Schädlinge in ihrer Mitte schärfer zu verdammen, als jene unter den Andersgläubigen. Das unterscheidet die Juden von den Antisemiten. Bei den Letzteren können die gemeinsten Lumpen, Fälscher und Diebe zn den schönsten Ehrenstellungen gelangen.

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