Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 18 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Vloch's WvchrnsrhrM Seite 361 Oberlehrer M. Blatt, zum Caffier Herrn Bankier Czuczka, die Herren Dr. Buchbinder und M. Sonnenschein zu Zeitnngs-, bezw. Hausverwesern. Das Vereinslvcal befindet sich Oberring 47 und ist täglich von 1 Uhr Nachmittags an geöffnet. Neuanmeldungen werden daselbst entgegengenommen. Von Mitgliedern eingeführte Gäste sind herzlich willkommen. Sonntag den 19. April fand in der Promenaderestauration die Eröffnungsfeier und zugleich der erste Vortragsabend des jüdisch-literarischen Vereines statt, Nachdem der Obmann des Vereines Herr Dr. S. Eibuschitz die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder herzlich begrüßt und Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. A. Blüh in geistvoller Rede die Ziele des jungen Vereines dargelegt hatte, folgte der Glanzpunkt der Feier, der Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. A. Blumenthal aus Ratibor. In formvollendeter glänzender Ausführung verstand es der Redner, das Thema: „E'isa hen Abuja und Goethe's Faust" allgemein verständlich zu machen und das rege Interesse der Anwesenden zu erwecken und zu fesseln. Mit athemlvser Spannung folgte die zahlreiche Versammlung den Worten des Redners und tosender, nicht endenwollender Beifall erdröhnte, als der Redner schloß. Namens des „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Ratibor überbrachte Herr Hamburger dem Troppauer Schwestervereine Grüße und Glückwünsche. Als nächster Redner sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spira aus Ostrau, welcher als Vertreter der jüdisch-conservativen Richtung mit Freuden das Ansleben echt jüdischen Geistes begrüßte, ohne jedoch ans dem Standpunkte des „jüdisch-nationalen" zn stehen. Diese Rede, tit welcher das Bestehen einer jüdischen Nation kurzweg negirl wurde, fand eine schneidige Entgegnung in den begeisterten Worten des Vertreters der Verbindung „Jvria", 8tml jur. Otto Eibuschitz. Kein Geringerer als der Festredner selbst, Herr Dr. Blumenthal, war es, der den Ausführungen des Jvrianers antwortete. Theilweise mit denselben übereinstimmend, theilweise denselben dort, wo sie allzu radical zionistisch waren, entgegentretend, klang seine Rede in ein „Hoch" ans die jüdische Jugend und deren Begeisterung sür's Judenthum aus. Das Schlußwort dieses schönen Abends sprach der Vertreter der „Kadimah", welcher das Wirken dieser Verbindung mit warmen Worten in begeisterter Rede kennzeichnete. Brody, 20. April, seit Decennien ist eine Hauptzierde unserer Stadt der auch wegen seiner Gelehrsamkeit und literarischen Thätigkeit bekannte Herr Lev H erzb'erg - F r ä n k e l, der bei jeder Gelegenheit, wo es galt, unsere Stadt würdig nach Außen zu vertreten, an die Spitze gestellt wurde. Glänzend entledigte er sich seiner wichtigen Aufgaben, wo es galt, dem Gemeindewohl sein Wollen und Können zur Verfügung zn stellen. Was der würdige Mann durch vierzig Jahre als Secretär der hiesigen Handels- und Gewerbekammer leistete, wie er das Anseben dieser Institution in jeder Weise gehoben, ist nicht nur hier allbekannt, sondern auch an hoher Stelle anerkannt worden. Seine Majestät ehrte den seltenen Mann durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und zeichnete ihn öfters durch huldreiche Worte aus. Die Cultusgemeinde betraute ihn mit der Führung der Schulangelegenheiten, eine Aufgabe, die er glänzend erfüllte. Für Mitglieder des Lehrkörpers war er wie ein wahrer Vater. Aber auch in zahlreichen anderen Anstalten, wie im Waisenhause, in der Volksküche, im Spitale u. s. w., findet man Spuren von der edlen Wirksamkeit dieses wahren Menschenfreundes. In der letzten Zeit machte sich eine mächtige Strömung gegen den Kämpfer fitr die Menschenrechte geltend. Neben dem slavischen Chauvinismus machten sich besonders der Neid und die Mißgunst breit. Persönliche Feinde, welche er vornehmlich wegen ihrer Unfähigkeit von der Handelskammer ferne zu halten wußte, schürten fortwährend gegen ihn und bewirkten es schließlich, daß er bei den letzten Gemeinderathswahlen unterlag. Müde des ewigen Gezänkes mit unebenbürtigen Gegnern, reichte Herr Leo Herzberg-Fränkel nach zurückgelegtem 40. Dienstjahre auch bei der Handelskammer um seine Entlassung ein — und erhielt sie zu Anfang März d. I. Auf das Gerücht, daß Herr Herzberg-Fränkel mit seiner Gattin von Brvdy nach Töplitz übersiedeln wolle, wo seine Tochter an einen dortigen Apotheker verheiratet ist, beeilten sich alle Vereine und Institute, dem Scheidenden Ovationen darzubringen. Man veranstaltete ein solennes Frühstück, und es wurden zahlreiche Ansprachen an ihn gehalten, worin sich besonders Bicebürgermeister Herr Lasar Bloch, ein würdiger Sohn des allgeachteten Herrn Seminardirectvrs Bloch zu Budapest, Herr Handelskammerpräsident Stanislaus Bnrstiu, Herr Advvcat Dr. Groß und der Gymnasialprofessvr Dr. Herzel hervvrthaten. Zum Schluffe überreichte man dem würdigen Herrn Herzberg- Fränkel unter den Klängen der Musik einen kostbaren Poeal zum bleibenden Andenken. Wahrhaft rührend gestaltete sich die Abschiedsfeier an der Volksschule. Alle Anwesenden waren durch die Rede des Gefeierten bis zn Thränen gerührt und diese Abschiedsstimmung wurde noch erhöht bei seiner am 20. erfolgten Abreiie aus der Stadt. Eine zahlreiche Menge folgte ihm bis zur Bahn, um sich dort noch mit herzlichen Lebewohlrusen von ihm zu verabschieden. Neubydzow, 14. April. (D a n k e s k u n d g e b u n g.) Der Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herr I. Bergmann hat, wie seinerzeit mitgetheilt wurde, neuerlich dcn Betrag von 20.000 fl. zum Bau eines Gemeindehauses gewidmet» welches anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers errichtet wird. Gestern wurde nun dem hochherzigen Spender von der Cultusgemeinderepräsentanz und den Cultusbeamten in solenner Weise der Dank sür die munisicente Widmung dargebracht. Um 11 Uhr Vormittags erschienen sämmtliche Mitglieder der Cultusgemeinderepräsentanz nebst den Cultusbeamten festlich gekleidet in der Wohnung des Herrn Bergmann, der sie an der Seite seiner allgemein hochverehrten Gattin begrüßte. In mehreren Ansprachen wurden die Verdienste des Gefeierten auf patriotischem, humanem und industriellem Gebiete gewürdigt. Von allen Festrednern wurde heroorgehoben, daß Herr Bergmann seit einer Reihe von Jahren keinen patriotischen Anlaß vorübergehen ließ, ohne seine bewährte Kaisertreue zu bezeugen und, den Intentionen unseres geliebten Herrschers gemäß. Wohlthaten in überaus reichlicher Weise auszuüben. Es wurden ferner in den einzelnen Ansprachen die Leistungen des Gefeierten auf humanitärem Boden gekennzeichnet und beleuchtet, wie viel die Stadt Neubydzow und die Cultusgemeinde selbst demselben zu danken haben. Wenn Herr Bergmann vor sieben Jahren die Leitung der letzteren nicht in seine bewährten Hände genommen hätte, gäbe es kaum mehr eine hierortige Cultusgemeinde, und hat diese ausschließlich nur der musterhaft organisatorischen Thätigkeit, sowie den stetigen namhaften materiellen Opfern des Herrn Bergmann es zu verdanken, daß sie sich gegenwärtig solcher Blüthe und solchen Gedeihens erfreut. Durch die neuerliche Widmung des Betrages von 20.000 st. hat Herr Bergmann den Fortbestand der Cultusgemeinde auf immerwährende Zeiten gesichert und sich ein neues dauerndes Denkmal hier geschaffen, welches üen Namen des Spenders von Generation zu Generation unvergeßlich fortpflanzen wird. — Auch die hervorragende Stellung des Herrn Bergmann auf industriellem Gebiete wurde gestreift und hervorgehoben, daß derselbe es aus bescheidenen Anfängen in einem Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren durch reell.s rastloses Wirken und Schaffen ztir jetzigen eminenten Bedeutung gebracht hat. Er ist Großindustrieller, Chef der Firma H. Bergmann Sohn & Co., Obmann der Lederindustrie-Gesellschaft für Heeresausrüstung Bergmann und Consorten, Ehrenbürger der Stadt Neubydzow, Mitglied des hiesigen Bezirks- und Ortsschulrathes, Cultusvorsteher und Repräsentanzmitglied der böhmischen Landesjudenschaft u. s. w., und nimmt hinsichtlich seines uneigennützigen, humanen und patriotischen Wirkens nicht nur den ersten Rang im ganzen Bezirke ein, sondern muß in dieser Richtung gewiß zu den Besten unseres Vaterlandes gezählt werden. — Herr Bergmann dankte in herzlichen Worten für die ihm gebrachte Ovation und versicherte die Anwesenden, daß er stets bestrebt sein werde, dem Drange seines Herzens folgend, Gutes auszuüben und Gemeinnütziges zu wirken. Nach Beendigung des feierlichen Actes wurde bei einem Glase Wern, den die Gattin des Gefeierten credenzte, noch mancher sinnige Trinkspruch ausgebracht, der stets dahin ausklang, es möge Herr Bergmann an der Seite feiner hochherzigen Frau Gemahlin noch eine lange Reihe von Jahren sich des besten Wohlseins, sowie voller geistiger und körperlicher Frische zum Wohle seiner Mitmenschen erfreuen. „Prager Abendblatt". Kronstadt (Siebenbürgen». Anläßlich des jüngst erfolgten Ablebens des hiesigen Rabbinatsverwesers Herrn Steinhardt, der hier 42 Jahre hindurch wirkte, beantragte der hiesige ehrwürdige Oberrabbiner, Herr Dr. L. Rosenbaum, daß von nun an keine Kränze mehr auf die Särge gelegt, sondern die hiefür entfallenden Betrüge zu einer Stiftung verwendet werden mögen, von deren Ertrag alljährlich am 10. Tebeth Heizmaterial und Brot sür die Armen ohne Unterschied d e r C o nf e s s i o n angeschafft werde. Dieser edle Antrag wurde einstimmig angenommen. Bis heute sind bereits an Kranzablösnngsgeld aus erwähntem Anlasse circa 200 fl. eingeflossen. Dambotitz. den 26. April 1896. Anläßlich des leider so jäh erfolgten Ablebens des Herrn Baron Moritz v. Hirsch wurde am letzten Sabbath bei dem Mussaf-Gottesdienste vor dem üblichen Kaiser-Gebete von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Hahn ein von ihm verfaßtes, gediegenes, hebräisches „El-mole-