Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021134--05580-3029822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 360 Dr Bloch's Wochenschrift Nr. 18 Confession. Ferner bemerkte man unter den Trauergästen viele Mitglieder des französischen Hochadels, der Diplomatie und der Sportswelt. Wir erwähnen den Prinzen Saga it, den Baron Anetha n, den Herzog von M ont m o r e it c i), den Marquis de B r e t e u i l, den Herzog von Larochefouc a u l d, den Marquis Harcourt, Duc la Tremoille, Vicomte A n d i g n e, Botschafter Grasen T o r it i c 11t, Admiral D u p e r r e, General See, Bankgouverneur L a b e y r l e, die Barone Gustav und Alphons Rothschild, S o u b e yr a n, Baron Z u y l e n. Grasen Kheven h ü l l e r aus Brüssel, Botschaftsrath D u m b a, M o n t e f i v r e, Grafen Breda, endlich aus Wien Guido E l b o g e n und Doctor I o l y. Am Sarge sprachen der Großrabbiner Zadoc K a h n und der Bice-Präsident der Aliiauce Israelite, Leven. Dem Wunsche des Verblichenen gemäß schmückten kerne Blumen den Sarg. Fyrst Ferdinand v o n B n l g a r i e n stattete vor dem Begräbnisse der Witwe einen Condolenzbesuch ab, der etwa zwanzig Minuten dauerte, Nachdem der Fürst der Baronin sein Beileid ausgedrückt hatte, weilte er noch einige Zeit in stummer Theilnahme und Rührung am Sarge. Eine Episode aus dem Leven des Baron Hirsch. Von einem Freunde unseres Blattes wird uns ein höchst charakteristischer Zug aus dem Leben des verblichenen Philantropen mitgetheilt. In Karlsbad wurde ihm ein reicher jüdischer Fabrikant aus Rußland vorgestellt, der eine Million ftir ein jüdisches Spital gespendet hatte. Im Gespräche erwähnte er, daß er in seinen Fabriken durchwegs Christen beschäftige. Da sagte Baron Hirsch: „Es wäre besser, Sie hätten ein Spital für die Christen erbaut und wiirden dafür lieber Juden als Arbeiter in Ihren Fabriken beschäftigen". Wien. (Iüd if ch e a k a dem i s ch eL e f eh al l e Wien.) Samstag den 25. d. M. fand der zweite Vortragsabend statt. Nach den begrüßenden Worten des Präses Med. Schächter sprach V. M. Med. M. Ruttin über „Jüdische Philosophie". In äußerst anregender Weise beleuchtete der Vortragende dieses weite Feld unter besonderer Berücksichtigung Philos und Gabirols. Lebhafter Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Deni Vortrage schloß sich eine Discussion über den am 18. d. M. gehaltenen Vortrag des Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Tr. Friedrich. Elbogen an, in deren Verlaufe Herr Privatdocent Dr. S. Feilbogen eine Resolution an die löbliche Wiener Cultusgemeinde beantragte, des Inhaltes, daß die großen, im Besitze der Cultusgemeinde befindlichen Bibliotheken in einem größeren Locale vereinigt der „Jüdischen akademischen Lesehalle" zum Gebrauche überlassen werden mögen. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach einem warmen Appell zur Jnteressennahme am Wiener akademischen Friedensverein schloß sich die Versammlung einer Trauerkundgebung für die verstorbenen Herren Professor Späth, den warmen Studentenfreund, und den genialen Meister Victor Tilgner an, die Dr. Feilbogen angeregt hatte. An der Discussion betheiligten sich med. Jerusalem, jnr. Benesch, Dr. Cohn, jur. Holitscher, jur Carl Kohn, med. Engländer und Vicepräses med. Spitz, der die Verdienste des verstorbenen großen Philantropen Baron Hirsch feierte und die Versammlung einürd, sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen zu erheben. Zum Schlüsse nahm, von Beifall begrüßt, Dr. Friedrich Elbogen als Referent das Wort, um in einzig fesselnder Weise seine Anschauungen klar zu legen und seine Freude über die rege Theilnahme an der Discussion zum Ausdrucke zu bringen. Der geistvolle Redner, aus dessen Worteil man wahre Liebe zum Judenthum fühlte, kann des Dankes seiner Hörer versichert sein. Zu dem Bortrage, welcher am 22. April d. I., TU Uhr Abends, in der literarischen Section von dem Sectionsleiter jur. Wolf Donath über „Detlev von Liliencroll" gehalten wurde, waren zahlreiche Gäste erschienen, die jnr. Hirsch begrüßte. Der Erfolg des Vortrages war ein glänzender. Von der Berechtigung der modernen Lyrik ausgehend, beleuchtete der Vortragende, welcher selbst schriftstellerisch thätig ist,- die wundervolle, originelle, in ihrer Art einzig dastehenden Poesie des Detlev von Liliencron. Der Vortrag gestaltete sich' umso interessanter, als der Vortragende die bestgerathensten Musenkinder dieses Dichters zur Vorlesung brachte und mit ihnen das neue, wenn auch angeseindete Reich der modernen deutschen Lyrik erschloß. Nach diesem Vortrag hielt Herr Dr. Bernhard Münz dem verstorbenen Philantropen Baroir Hirsch einen warmen Nachruf. Samstag den 2. Mai d. I., 7 Uhr Abends, findet in den Localitäten der Lesehalle, IX., Harmoniegasse Nr. 8, ein Vortrag des Docenten Herrn Dr. Freud: „Ueber Traumdeutung" statt. Gäste willkommen! Graz. 28. April. (E h r e n b e l e i d i g u n g s - K l a g e des D r. Stärket.) Vor dem Einzelrichter des hiesigen Bezirksgerichtes hat heute die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungs-Klage des antisemitischen Advocaten Dr. Starke! gegen den Gastwirth Herrn Braun stattgefunden, welche mit der Freisprechung des Letzteren endete und in mehr als Einer Beziehung allgemeines Interesse beansprucht. In einer am 20. November v. I. stattgehabten Versammlung der Gastwirthe hatte Herr Braun die Thätigkeit des Dr. Stärket als Gemeinderath einer abfälligen Kritik unterzogen. Bei dieser Gelegenheit soll er auch das Vorgehen des Dr. Starkel, insbesondere in der fiinften Section des Gemeinderathes, „geradezu als unwürdig" bezeichnet haben. Der Vertreter des Geklagten, Dr. U r a n t s ch i t s ch, führte unter Anderen! aus, Dr. Starkel habe eine ganze Reihe von Fällen vertreten, die vorn Stadtrathe bereits abgewiesen worden waren. Ws den von den Betreffenden eingereichten Vorstellungen und Recursen sei keine Spur ihrer Provenienz aus der Kanzlei des Dr. Starkel wahrzunehmen gewesen und man habe nur aus der Schrift erkannt, daß dieselbe die eines' Mundanten sei, der im Dienste des Dr. Starkel stehe. Letzterer habe, sagte Dr. Urantschitsch, diese Eingaben in Sectionssitzungen befürwortet und in zwei Fällen sei er sogar Referent gewesen. Dr. Urantschitsch stellte fest, daß ein Rechtsanwalt, der im Gemeinderathe den Gegenstand seiner Partei vertrete, unzweifelhaft in eine Pflichten-Collision komme. Der Vertreter des Herrn Braun führte sieben Fällen an, in welchen eine solche Collision stattgesunden habe und der Richter ließ den Wahrheitsbeweis zu. Nachdem die Verhandlung durchgeführt worden war, fällte der Straftichter Dr. M o h r das eingangs erwähnte f r e i s p r e ch e'n de E r k e n n t n i ß bezüglich des Geklagten und die Loszählung desselben von den Kosten. Den Freispruch begründete der Richter damit, daß die Zeugenaussagen die Schuld des Geklagten nicht ergeben haben, und wenn es auch der Fall gewesen wäre, so müßte dennoch eine Freisprechung erfolgen, da der a n g e t r e t e n e W a h r h e i t s b e w e i s i n a l l e n S t ü ck e n als gelungen zu b etr ach ten sei. Dr. Starkel meldete gegen dieses Urtheil die Berufung an. — Bekanntlich ist Dr. Starkel nebst Herrn Feichtinger, der sich seit Kurzen! in Untersuchungshaft befindet, einer der Hauptmatadore der Grazer Antisemitenpartei. Budapest, 26. April. Die königl. ungar. Staatsanwaltschaft beginnt nun einzusehen, daß es nicht rathsam sei, die von der antisemitischen „Volkspartei" verbreiteten Hetzblätter und Flngschnften. ungestraft gegen Juden und Judenthum schimpfen zu lassen. Erst vor Kurzem meldeten wir, daß die königl. ungar. Staatsanwaltschaft gegen „Magyar Allam" zwei Preßprvcesse angestrengt hat. Gestern wiederrnn ordnete sie die Confiscation des vom Redactenr des antisemitischen „Magyar Neplap" verfaßten Machwerkes „Geschichte der jüdischen Blutmorde" an, welches in ungarischer Sprache erschien und an alle Pfarrer Ungarns versendet wurde. In dem behördlichen Bescheide, welcher die Confiscation anordnet, heißt es: „Die Beschlagnahme mußte angeordnet werden, weil das Werk zum Haffe wider eine Refigionsgenossenschaft aufteize." Lemberg. Der Tod des Baron H i r s ch, hat gewiß überall große Theilnahme erregt, aber ganz besonders sind es die galizischen Gemeinden, die durch denselben in die tiefste Trauer versetzt sind. Sie verlieren in ihm einen Wohlthüter, der für sie in des Wortes vollster Bedeutung wie ein rettender Engel erschienen war. Es ist geradezu uninöglich, die Zahl, der Wohlthätigkeitsacte aufzuzählen, die sich in Galizien und in der Bukowina an den Namen des Verblichenen knüpfen, sie bilden ein Monument für ihn, dauernder als Stein und Erz. I n allen Gemeinden wurden ergreifende Trauergottesdienste abgehalten, bei denen zum Schluffe der Segen für die Witwe Frau Baronin Hirsch gesprochen w u r d e. Es ist nämlich hier allgemein bekannt, daß die Baronin mit ihrem unsäglich gütigen Herzen es war, die ihren Gatten zum philantropischen Wirken aneiferte und ihm bei allen edlen Werken berathend und hilfreich zur Seite stand. J. H. Troppau. Der „jüdisch - literarische Verein" hat sich hier bereits constituirt und in den Ausschuß gewählt: Zum Obmauue Herrn Dr. S. Eibuschitz, zu Obmannstellvertretern die Herren Dr. Eckstein und Hermann Kulka, zu Schriftführern die Herren S. Cierer und Moritz Spiegel, zum Bibliothekar Herrn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.