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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Vr. Vwch's Wortxenfitzrifl. Seite 359 Es ist aber eine Schmach und eine Schande, wir diese Gesellschaft dabei jene Worte anführt, die der am traditionellen Judenthume noch festhaltende Stammesgenosse zu seinen heiligsten Erinnerungen zählt, die '--£'2 bms u. a. m. Ein Geschäft, das nun mit so großen! Capital und so großen Spesen betrieben wird, muß doch wahrlich noch seinen Mann nähren. Auf diese Weise werden nun viele Tausende von Thalern alljährlich an ganz unwürdige Bettler verschenkt, während es der arbeitssamen und fleißigen jüdischen Bevölkerung der heiligen Stadt am Allernothwendigsten fehlt. Wrr daher wirklich noch Interesse und auftichtige Liebe für das Land unserer Väter und unserer großen historischen Vergangenheit hat, der kann diesem seinem Ideale keinen besseren Dienst erweisen, als daß er, ohne jedes Mitleid, denn ein solches wäre durchaus hier am falschen Orte, alle Sendungen jeder Art von gewerbsmäßigem Bettlergesindel unberücksichtigt läßt und sich auch wohl hütet, die nicht verlangten Sachen zurückzuschicken, sondern sie einfach fortwirft. Ich habe in meinen Händen ein geradezu unerschöpfliches Material, und werde demnächst auch über einige andere Firmen dieses edlen Geschäftszweiges dem interessirten Publicum — es zählt in Deutschland allein nach Zehntausenden — die Augen öffnen, wie ich es heute über den „Drechsler" Josef Rabinowitz und seinen nächsten Geschäftsfreunden that. Ich hoffe dabei auf die thatkräftigste Unterstützung aller ehrlichen Elemente, ohne Rücksicht der Anschauung, und weiß, daß ich mit diesem Vorgehen dem mir theuren heiligen Lande und der heiligen Stadt einen wirklichen Dienst erweise. D r. Heinrich L o e w e, Redactenr des „Zion", Berlin C 22. Eine Forscherin fin de siede. Seit einigen Tagen arbeitet in den Bureaur des Präsidiums im Landesgerichte für Strafsachen e i n e D a m e. Es ist dies ein schwarzgekleidetes interessantes Fräulein, das mit großem Ernste Acten stndirt, so daß sich in Advocatenkreisen die Schreckenskunde verbreitete — die weibliche Concurrenz, das erste Fräulein D v c t o r ist da! Allein so arg ist es nicht, die in den Acten vertiefte Dame ist die Graphologin Fräulein Poppe, welche auf Grund einer vom Oberlandesgerichts-Prüsidinm erlassenen Bewilligung die verschiedenen U, r k u n d e n f ä l s ch u n g e n und andere Schriftproben von Verbrechern stndirt. Eine Forscherin fia de sieele Correspondenzen. BZien. (T r a u e r k u n d g e b u n g a n s Anlaß des H i n s ch e i d e n s d e s Her r n B a r v n M. v. H i r s ch.) Am 22.. v. M. um 3 Uhr Nachmittags fand im Bureau des Euratoriums der Baron Hirsch-Stiftung eine vollzählig besuchte Plenarsitzung statt mit dem einzigen Gegenstand der Tagesordnung: „Trauerkundgebung für den dahingeschiedenen Stifter Herrn Baron Hirsch".. Der Präsident Herr David Ritter v. Gutmann hielt den! Dahingeschiedenen einen tief ergreifenden Nachruf, welcher sein philanthropisches Wirken in großen Zügen zeichnete und insbesondere die Bedeutung des galizischen Stiftungswerkes, dessen Aufblühen das Herz des Stifters erfreute, sowie die andern in Oesterreich geübten Wohlthätigkeitsacte bervorhob. Es wurde einhellig beschlossen, zum Leichenbegängnisse nach Paris eine Delegation, bestehend aus 3 Euratvren und dem Secretär, zu entsenden. Gleichzeitig wurde beschlossen, sämmtlichen Eomitäs und Schulleitungen die Weisung zu ertheilen, an sämmtlichen Stiftungsschulen an einem bestirnmten Tage zur selben Stunde. eine Trauerfeierlichkeit und für alle Folge alljährlich am Sterbetage des Stifters eine Gedenkfeier abzuhalten. Nach diesem Beschlüsse wurde die Sitzung geschlossen, welche einen bleibenden Eindruck bei allen Anwesenden hinterlasfen wird. Im Bureau des Euratoriums liefen aus allen Theilen Galiziens und der Bukowina Eondolenzdepeschen ein. Aus Neuhäusel wird berichtet: Der Baronin wurde nach ihrer Ankunft die Evpie des Testamentes, die Baron H irf ch stets b ei sich tru g, um eventuelle Eodizille vorzumerken, übergeben. Im Testamente betont Baron Hirsch, daß es Pflicht eines jeden Menschen sei, die Ordnung seiner Angelegenheiten rechtzeitig vorzunehmen; er verfügt über die Betheiligung der Familienmitglieder am Vermögen und setzt fest, daß alle b is h e r bewilligt en P e n s i o u e n, S u st e n t a tioneu und anderen wie im m er gearteten B e i t r ä g e in Zukunft uneingeschränkt von den Erben bestritten werden s o l l e n. Es folgt hierauf eine große Reihe von Legaten für humanitäre Zwecke, darunter einige Stiftungen von bedeutender Höhe. Zum T e st a m e n t s v o l l ft r e ck e r ernennt Baron Hirsch seinen langjährigen Freund D. T i e tz in Paris, den er bittet, den Grundsätzen und Ansichten, die Baron Hirsch bisher an den Tag gelegt, stets treu zu bleiben. Das Testament schließt mit den Worten: „E h r l i ch u n d furchtlos: d a mit e rw e i st man sich f e l b st den g r ö ß t e n D i e n st und erwirbt sich die Hochachtung der M e n s ch e u. Am 23., Morgens um halb 9 Uhr, ging Baronin Hirsch in das Sterbezimmer, um sich von ihrem Gatten zum letzten Male zu verabschieden. Unmittelbar darauf wurde der Merallsarg verlöthet und in den Park gebracht, worauf die Rabbiner Richter aus Neuhänsel, Deutsch aus O-Gyalla und Dr. Schnitzer aus Komorn nacheinander kurze Trauerreden hielten. Nach Absingung eines Psalms wurde der Sarg auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben, worauf sich der Eonduct - dem Sarge folgten 52 Wagen — gegen Neuhäusel in Bewegung setzte. Auf dem Bahnhofe von e n h ä u s e l wartete eine große Anzahl B u d a v e st e r das Eintreffen der Baronin Hirsch und des Leichenzuges aus O-Gyalla ab. Es waren erschienen : eine Deputation der P e ft e r i s r a e l i t i s ch e n Gemeinde, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. K o h n, Obercantor Professor L a z a r n s, Ludwig Adle r, Louis Bau m g arte n und Jnliits Adle r, eine Deputation des Pester israelitischen Franenvereins, bestehend aus den Damen Frau v. B i s ch i tz, Frau P f e i f f e r, Frau Dr. Armin N e u m a u n und Frau Friedrich v. N e u m a n n, in Vertretung des Kindergartenvereins Frau Pauline Schönfeld, eine Deputation des Baron Hirsch-Wohlthätigkeitsvereins, bestehend aus den Herren Max B e t t e l h e i m, Adolf H e r zselber, Victor G ol d b e r g e r, Tr. Karl Devecseri und Secretär Moriz S ch ö n b e r g e r, eine Deputation des Franz Deak-Vereins und in Vertretung der Kanizsaer israelitischen Gemeinde Oberrabbiner Dr. sJi e u m a n n. Um halb 10 Uhr traf der Wagen ein, welcher Baronin Hirsch brachte. Sie wurde von Frau v. B i s ch i tz empfangen, die der Baronin sodann den Oberrabbiner Dr. K o h n vorstellte, der im Namen der Pester israelitischen Religionsgemeinde condoürte. Als der Zug die Halle verließ, begaben sich die Herrendeputationen, sowie der ebensfalls anwesende Männerchvr der Budapester Gemeinde an die Grenze der Stadt Neuhäusel, um den Leichenzug zu erwarten. Gegen 11 Uhr traf der Eonduct dort ein und unter den feierlichen Klängen des Todtengesanges bewegte sich der Zug durch die Stadt dem Bahnhofe zu. Auf dem Perron hielt Oberrabbiner Dr. K o h n eine ergreifende Rede, in welcher er der unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen um die leidende Menschheit und seiner rastlosen, opferwilligen Bemühungen um die Forderung der culturellen und materiellen Interessen seiner Glaubensgenossen gedachte. Hierauf hielt im Namen des Baron Hirsch-Wohlthätigkeitsvereins Dr. Karl Devecseri einen kurzen, wirkungsvollen Nachruf, wonach der Groß-Kanizfaer Oberrabbiner Dr. N e n m a n n einige ergreifende Worte sprach. Noch sang der Männerchor einen Psalm, worauf der Sarg in den Waggon gehoben wurde. Der Vorstand des israelitischen Bethausvereines Brigittenau hat nachstehendes Telegramm an Baronin Hirsch nach Paris abgesendet: „Wo jüdische Herzen schlagen, ertönt die Klage um den edlen Tobten, und Jsrael's Volk, dessen Thränen er getrocknet, beweint einen Verlust, den die Menschheit erlitten hat. Das Andenken Ihres Gatten, das unauslöschlich bleibt, betrauert. Für den Bethansverein Brigittenau—Wien: D r. W e i n st e i n. D r. S ch r e i b e r." Ans P a r i s wird gemeldet: Das Leichenbegängniß des Baron Hirsch hat unter großer Betheiligung stattgefunden. Der Leichenzug bewegte sich von der Rue de l'Elyfte nach dem Friedhof Montmartre. Äußer den leidtragenden Adoptivsöhnen Armand und Raymond F o r e st-B i s ch o f f s h e i m und den Brüdern folgten dem Zarge Vertreter der verschiedenen Wohlthätigkeitsvereine, die Baron Hirsch unterstützt, und Delegiere der Stiftungen, welche er gegründet hatte, insbesondere ans Oesterreich-Ungarn, dann eine Deputation russischer Studenten jüdischer

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