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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gelte 352 Dr. Vwch's Wochenschrift. Nr. 16 allen Bezirken herbeizusühren, blos in dem II. und IX. Bezirke von Erfolg begleitet. Unser „Kalender für Israeliten" erfuhr gegen seine Vorgänger eine Neuerung nach der Richtung, daß wir ein Verzeichniß sämmtlicher ungarischen Gemeinden mit ihren Repräsentanten brachten. Wir benützen diese Gelegenheit, unserem geehrten Mitarbeiter, Herrn Dr. Eduard Mahler, der den kalendarischen Theil desselben in uneigennützigster Weise besorgte, sowie allen jenen Männern, die uns werthvolle literarische Beiträge bereitwilligst zur Verfügung stellten, unseren b.'sten Dank zu sagen. Gleicher Dank gebührt auch unserem Vice-Präsidenten, Herrn Dr. Marcus Spitzer, der auch im vergangenen Jahre einer Reihe von Glaubensgenossen behufs Erwirkung ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft unentgeltlich an die Hand ging. An Handstipendien haben wir an Schüler der hebräischen Sprach- und Bibelschule und der Talmud-Thora-Schule den Betrag von fl. 247 vertheilt. In dem abgelanfenen Vereinsjahre hielten wir 35 Vorstandssitzungen und 7 Plenarversammlungen ab, in welch' letzteren folgende Herren Vorträge hielten: Am 7. December 1895 Herr Dr. Heinrich Friedjung über: „Die Lehrjahre der Socialreform in England." Am 18. Jänner 1896 Herr Reichsrathsabgeordneter Professor Dr. Eduard Sueß: „Betrachtungen über die bevorstehenden Ausgleichsverhendlungen mit Ungarn." Am 8. Februar 1896 Herr Med. Dr. Josef M. L ö b l: „Die sociale Stellung der jüdischen Frau im Alterthum." Am 24. März 1896 Herr Universitätsdocent Professor Doctor Leon Kellner: „Das Urbild Shylocks." Die am 27. Juni 1895 und 12. Sept:mber 1895 abgehaltenen Vereinsversammlungen waren ausschließlich der Besprechung der damals bevorstehenden Gemeinderathswahlen, die am 22. Februar 1896 stattgefundene Versammlung der Besprechung der seinerzeit bevorstehenden Landtagswahl gewidmet. Wir sagen den Herren Vortragenden für die Bereitwilligkeit, mit welcher sie unserer Einladung Folge geleistet haben, an dieser Stelle nochmals besten Dank. Dem Berichte unseres Rechtsschutz-Comitäs entnehmen tvir, daß es demselben gelang, eine Reihe hervorragender Wiener Anwälte für seine Ausgabe zu gewinnen. Eine Ausdehnung dieser Organisation nach Außen hin durch Bestellung von Vertrauensmännern in den Krouländern als Correspondenten behufs Einholung von Berichten und Informationen ist dermalen noch in der Ausgestaltung. Von 47 an das Rechtsschutz-Comitö gelangten Angelegenheiten wurden 23 in geschäftsordnungsmäßige Behandlung genommen. Mehrere Angelegenheiten wurden im mündlichen Verkehre mit den Petenten erledigt und bei einigen vorgebrachten Angelegenheiten ergab sich, daß die in Beschwerde gezogenen Vorfälle nicht ans das Motiv des Antisemitismus zurückzusühren waren. Wir haben dieser kurzen Schilderung der Thätigkeit unseres Rechtsschutz-Comites, besten Gründung einem wirklichen Bedürfnisse entsprach, nur noch den Dank für dessen verdienstvollen Obmann, Herrn Baurath Th. R. v. G o l d s ch m i d t, sowie für die verehrten Mitglieder desselben, die sich mit Eifer und großer Bereitwilligkeit dieser Aufgabe unterzogen haben, hinzuzufügen. Zu unserem Resumä zurückkehrend, wollen wir zum Schlüsse noch jener gemeinnützigen Vereine gedenken, die, angeregt durch die in unseren Bereinsveriammlungen stattgefundenen Debatten, aus dem Schoße unseres Vereines hervorgegangen sind und heute nach mannigfachen Richtungen eine segensreiche Thätigkeit entfallen. Es sind dies: Der „Verein zur Hebung der Gewerbe", ein Verein, der sich um die Hebung des jüdischen Gewerbestandes bereits große Verdienste erworben, der Verein „Ferienheim", der auf deni Gebiete der Humanität die herrlichsten Früchte zeitigt, und die Vereine „Mendelssohn" und „Moria", welche für die Pflege der jüdischen Literatur ihr Bestes leisten. Geehrte Versammlung! So haben wir Ihnen, wenn auch in gedrängter Kürze, in dem Bilde unserer bisherigen Thätigkeit auch zugleich diejenige Richtung anzudeuten geglaubt, welche die Juden Oesterreichs, vor Allem aber wir in der Residenzstadt einzuschlagen haben, soll unsere Hoffnung auf bessere Zeiten keine illusorische sein. Wir fühlen uns umso mehr verpflichtet und berufen, unseren Glaubensgenossen die volle Würdigung dieses unseres heutigen Standpunktes an's Herz legen zu dürfen, da wir nach den gemachten Erfahrungen und unserer innigsten Ueberzeugung nur in der Befolgung des Ihnen vorgezeichnetcn Weges eine Lösung der uns alle bedrückenden Frage erblicken mögen. Wird Ihr Vertrauen uns auch fernerhin an die Spitze Ihres Vereines berufen, ist dies der Weg, den wir im Interesse Ihres Vereines sowie des gesammten Judenthums einzuschlagen. Ihnen hiemit das Versprechen geben. Der Rechenschaftsbericht fand stellenweise lebhaften Beifall und wurde ebenso wie der vom Vorstandsmitgliede Herrn B. Kanitz verlesene Cassabericht einstimmig zur Kenntniß genommen. An den Rechenschaftsbericht selbst knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Bloch, Ritter, Dr. M e i t n e r, Dr. Mahler, Schefftel und Dr. Schnabel betheiligten, welch' Letzterer dem Vereinsvorstande, wie auch dem Rechtsschutz-Comitö und dem Bereinssecretär Josef Fuchs für deren uneigennütziges Wirken im Namen der Vereinsmitglieder den Dank votirte. Herr k. k. Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt ergänzte unter großem Beifall der Versammlung die im Rechenschaftsberichte in Kürze gebrachten Daten über die Thätigkeit des uitteirjciner Leitung stehenden Rechtsschutz-Comites und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Institution, wenn eimnal die geplante Organisation derselben durchgeführt sein wird, erst recht berufen erscheinen wird, eine erfolgreiche Thätigkeit zu entfalten. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurde Herr Cultusvorsteher Dr. Josef G r ü n f e l d per Acclamation zum Präsidenten und zu Vorstandsmitgliedern die Herren Jacob I a i t e l e s, B. Kanitz, Dr. Jacob K v h n, Adolf Rose nb a u m, Dr. Philipp Meitner, N. S ch e f f te l, Dr. Marcus Spitzer und Commercialrath Ignaz Zucker wieder- und Herr- Moritz Hirsch an Stelle des ans Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Herrn Ignaz Kantor nenguvählt. Politische Zauberkünstler. Von F ci b i u § Schn ch. Die Rettung der verlorenen Menschheit war ehemals der ausschließliche Beruf der Kirche, heute erivuchs ihr in der modernen Politik eine gefährliche Concurrentin. Sehen wir uns die Programme aller neuen Parteien genau an, so finden wir darin die bittere Klage, daß die arine Menschheit so sehr leidet, daß sie zugrunde gehen müsse, wenn die neuen politischen Glaubenssätze nicht zu Maximen des öffentlichen Staatslebens werden. Immer neue Sympäthiemittel erfinden unsere modernen Wunderdoctoren zur Heilung aller Uebel, und sie möchten dieses neue Heilserum patentirt und monopolisirt sehen. Wenn man diese Politiker Lu cke siede mit ihrem üblichen Pathos reden hört, so könnte man fast glauben, all die Uebel auf socialem, geistigem und sittlichem Boden seien jüngsten Datums mch bilden, eine neue Erscheuxung. Frau Geschichte aber schüttelt dazu bedächtig das Haupt und lacht stolz über diese Thorheit. Offenherzig gesteht uns diese jugendftische Matrone ihre leiden- und freudenreiche Vergangenheit und ohne Prüderie beichtet sie uns die Sünden ihrer Jugend. Sie zeigt uns deutlich, daß die Welt nie viel besser und nie viel glücklicher gewesen ist als heute. Ja, die „gute alte Zeit", nach der sich heute Mancher gedankenlos zurücksehnt, ist eine Fata m orgaua ein Trugbild menschlicher Phantasie, das in der Wirklichkeit nie existirt hat. Niemand weiß, wann diese gute alte Zeit angefangen und wann sie eigentlich aufgehört hat. Dem Greis erscheint nur darum die Vergangenheit so schön, weilerdamals die Welt mit den Angen der Irgend geschaut hat, weil er damals mit glühendem Herzen die Freuden des Lebens genossen hat. O nein, ihr modernen Weltretter, das innere und äußere Elend der Welt ist keine Erfindung des neunzehnten Jahrhunderts. Es hat stets viel Noth und Trübsal auf Erden gegeben, nur sehen wir heute die alte Erscheinung mit geschärftem Auge des humanen Culturmenschen und sie kommt uns tragischer und gewaltiger vor. Daher können auch all die Phrasen und Pflästerchen zur radicalen plötzlichen Heilung aller Schäden dem ernsten Denker wenig imponiren. Ihr schmäht die Gegenwart und preist die Vergangenheit und begreift gar nicht, daß ihr dadurch den Fortschritt der Menschheit, die sittliche Veredlung und das ganze Werk der Cultur negirt. Der alte Salomo hat doch Recht, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt. Alles Gute und Böse ist schon dagewesen, neu ist nur die Form, in der es wieder auftritt. An diese Betrachtung werden wir immer erinnert, wenn ein neuer politischer Messias erwacht, der durch ein neues Verfahren zur Gesundung der siechen Menschheit in gewissen Kreisen Sensation zu erregen sucht. Wir fragen uns immer wieder: will denn das Volk gar nicht aus der Geschichte lernen? Sieht es nicht ein, daß man von solchen Elementen wenig zu erwarten hat, die Wunderwerke verheißen? Man weiß oft wirklich nicht, ob man hier die sittliche Entartung der Führer oder die geistige Beschränktheit der Massen mehr bedauern soll. Welche neue Fragen entstehen jetzt täglich! Handwerkerfrage, Mittelstandsfrage, Arbeiterfrage, Börsenftage, Handelsschulfrage, und weiß der Himmel was noch Alles mehr. Begreifen denn die

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