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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 342 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 17 Und er begann mit seiner krächzenden heiseren Stimme das Burschenlied aus seiner Jugendzeit am Gymnasium zu Berlin zu summen. Strelitzki's Gesichtaber wurde immer röther und finsterer- Seine schwarzen Augenbrauen zogen sich zusammen, seine Lippen preßten sich auf einander und seine Augen funkelten irr trotzigem Zorn. Er argwöhnte, daß Hamburg ihm eine Falle stelle, um ihm zu helfen. „Ich danke Ihnen", sagte er langsam. „Aber ich wohne lieber allein." Er wandte sich ab und sprach mit der erstaunten Bestie. So trieben die zwei seltsamen einsamen Schiffe, die sich in der Dunkelheit angerufen, wieder auseinander und für immer getrennt über das weite Wasser. Jonathan Sugarmann aber mußte aus viel tragischere Episoden achten. Die Schüsseln leerten sich allmälig, denn die Gäste ließen nun offen dem compacten Mahle das Dessert folgen, und dadurch entstand eine noch raschere Verwüstung, als durch die früheren, heimlichen Manöver. Zuletzt blieb nichts übrig als das blanke Porzellan. Die Männer sahen sich um, ob nicht noch etwas zum Naschen da wäre, aber überall herrschte dieselbe trostlose Oede. Nur im Mittelpunkte der Tafel thronte in erhabener, unberührter Majestät der große Bar-Mizwah-Kuchen, gleich einermächtigen, auf die Ruinen vergangener Reiche herabblickenden, steinernen Sphinx, und Kerner wagte, sich ihm zu nähern. Zuletzt aber schüttelte der Schlatten-Schammes die heilige Scheu ab und streckte gemessen, wie es einem Ceremonienmeister geziemt, die Hand nach dem Kuchen aus. Wie aber Sugarmann, der Schadchen, das sah. sprang er auf ihn los, gleich einer Tigerin, die ihr Junges bedroht sieht. Ohne ein Wort zu reden, riß er den großen Kuchen dem Frevler vor der Nase weg, packte ihn sich unter dem Arm, dorthin, wo er gewöhnlich Nehemia zu tragen pflegte, und eilte damit aus dem Zimmer. Darob entstand große Bestürzung unter der Gesellschaft, bis Salomon Ansell, der aus allen Vieren nach etwaigen Abfällen suchte, unter dem Tisch ganz in der Mitte einer: Korb Aepsel entdeckte und der Sohn des Schlatten-Schammes dies seinen: Vater berichtete, ehe es Salomo gelang, mehr als ein paar Stück für seine Geschwister aus die Seite zu bringen. Da ries der Schlatten-Schainmes mit freudigen: Lachen „Aepsel!" und tauchte unter den Tisch; graubärtige Männer wiederholten den Freudenrus und krochen auf dem Boden herum, wie Schulknaben. „Leolom tikkhch — immer nehmen!" citirtc der „Badchen" vergnügt. Als Sugarrnann strahlend zurückkehrte, sah er, was für ein Unglück während seiner Abwesenheit geschehen war. „Narr! Stück Fleisch mit zwei Augen!" flüsterte Frau Sugarmann so laut, daß Alle es höre:: konnten. „Was rennst Du Hinairs, als wenn die Pest hinter Dir wär'?" Soll ich dasitzen wie Du und zuschauen, wie unser Haus von allen Seiten aufgefreffen wird?" gab Sugarmann zurück. „Hast Du nicht auf die Aepsel aufpaffen können? Du Stück Holz! Sich der Korb ist auch leer!" „Hast Du erwartet, daß Glück und Segen hineinkriechen wird? Wenn um fünf Schilling Naschzeug da ist, kann es nicht ewig dauern. Zehn Kanonen mit schwarzen Leiden sollen auf Dich abgeseuert werden!" antwortete Frau Sugarmann, während ihr einziges Auge Blitze schoß. Diese Beschimpfung machte das Gefäß überlaufen. Soviel vermochte Sugarmann nicht zu ertragen. Er vergaß, daß er außer seiner Frau noch andere Zuhörer hatte, verlor alle Selbstbeherrschung und schrie außer sich vor Wuth: „Schade, daß Du nicht noch einen vierten Onkel gehabt hast!" Frau Sugarmann sank sprachlos zusammen. „Eine Frefferbande", berichtete Sugarmann am nächsten Montag der Frau Hyams. „Ich war sehr froh, daß Sie und Ihre Familie nicht gekommen sind. Es blieb nix übrig, reim gar :nx, ausgeiwmmen die Prospecte von der Hamburger Lotterie, die ich Hab' herumliegen lassen, damit die Gäste sie sich nehmen können. Weil es Schabbes war, könnt' ich sie ja nicht austheilen." „Es war uns sehr leid,'aber weder mein Mann noch ich waren ganz wohl," sagte die weißhaarige, gebrochene alte Frau langsam. Ihre englischen Worte hatten selten mehr als zwei Silben. „Ah!" sagte Sugarmann. „Aber ich bringe Ihnen Ihren Korkzieher zurück." „Er ist ja zerbrochen," klagte Frau Hyams, als sie ihn in Empfang genommen hatte. „Jawohl," gestand er zu. „Aber wenn Sie glauben, daß ich Ihnen einen anderen kaufen u:uß, so irren Sie sich. Wenn Sie mir Ihre Katze leihen —" hier begann er die argumentative Bewegung ::tit_ dem Damnen zu machen, als schaufle er dan:it imaginären Käse — „wenn Sie mir Ihre Katze leihen, da- :nit sie meine Ratten tobtet und statt dessen meine Ratten Ihre Katzen tobten, so ist Ihre Katze daran schuld und nicht meine Ratten." Die arme Frau Hyams fand keine Antwort aus dieses Argument. Wäre Mendel zu Hause gewesen, er hätte eine Gegen- Analogie gefunden. Sv aber steckte sich Sugarmann seinen Nehemia unter den Arm und ging triumphirend ab. Der Gedanke an die Ersparniß tröstete ihn beinahe über die Plünderung seiner Eßvorräthe. Auf der Straße begegnete er den: Schlatten- Schammes. „Gesegnet sei Dein Kommen", sagte der Riese ans hebräisch, dann verfiel er in den Jargon und ries: „Gut, daß ich Sie treffe! Was meinten Sie damit, als Sie zu Ihrer Frau sagten, es sei schade, daß sie keinen vierten Onkel hatte?" „Sie weiß schon, was ich meine," antwortete Sugarmann mit einem vergnügten Grinsen. „Ich Hab' ihr die Geschichte schon früher erzählt. Als der Allmächtige die Ehen im Himmel schloß, wurde der Name meiner Frau mit dem meinen vereinigt, ehe wir noch geboren waren. Als der Geist ihres ältesten Oheims das hörte, flog er zu dem Engel, der die Namen verkündigte und sagte: „Engel, Du irrst Dich! Der Mann, den Du nennst, wird von geringerem Stande sein, als meine zukünftige Nichte." — „Sch!" sagte der Engel, es ist schon in Ordnung. Sie wird auf einem Bein hinken." Da kam der Geist ihres zweiten Oheims und sagte: „Engel, was posaunst Du da ans? Was? Eine Nichte von mir wird einen Mann aus solcher Familie heiraten?" — „Sch!" sagte der Engel, „es ist schon in Ordnung. Sie wird auf einem Auge blind sein." Da kam der Geist ihres dritten Oheims und sagte: „Engel, hast Du Dich nicht geirrt? Du kannst doch nicht wirklich die Absicht haben, meine künftige Nichte in eine so geringe Familie hineinheiraten zu lassen." — „Sch!" sagte der Engel, „es ist schon in Ordnung. Sie wird auf einen: Ohr taub sein." Verstehen Sie jetzt? Wenn Sie nur noch einen vierten Oheim gehabt hätte, wär' sie auch stumm gewesen; der Mensch hat nur einen Mund, und ich wär' zeitlebens glücklich gewesen. Ehe ich meiner Frau diese Geschichte erzählte, pflegte sie mir immer ihre bessere Erziehung und feinere Familie vorzuwerfen. Sogar vor fremden Leuten hat sie mich beschämt. Jetzt thut sie es nicht einmal mehr, wenn wir allein sind." Sugarmann, der Schadchen, blinzelte mit den Augen, rückte Nehemia zurecht und ging seines Weges weiter. (Konsetzung folgt.) Jüdische Humoresken. Notirt von Sigmund Rosen zweig, Wieliczka. II. Bis über die Ohre». Herr S. hatte die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt; er wurde zum Cultuspräsidentm des Städtchens L.und des nebenanliegenden K.gewählt. Für die auf ihn gefallene Wahl wollte sich Herr S. erkenntlich und dankbar zeigen.'Er nahm sich vor, die Mängel seiner Gemeinde, soweit es in seiner Macht gelegen, abzustellen. Einem Anderen würde die Wahl, wo er zu beginnen habe, sehr schwer fallen, da in L . . . und K.wie in jedem kleinen Städtchen, sehr viel Verbesserungswürdiges sich vorfand. Aber einer energischen Natur wie Herr S. bereitete dies keine Schwierigkeiten. Der Bau eines Bades schien ihm das Wichtigste und Nothwendigste und somit trat alles Andere in den Hintergrund. „Meine Herren", begann Herr S. in einer der ersten Sitzungen des Cultusrathes, „wie Ihr wisset, gehört eine Mikwah*) zu den i) Rituelles Bad.

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