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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 341 ist: daß die Rabbiner und Prediger ihr Amt durch wenigstens zehn Jahre an einer Gemeinde von mindestens 50 Gemeindemitgliedern in würdiger, zufriedenstellender Weise versehen haben, daß die Lehrer-an einer autorismen, gesetzlich anerkannten und concessionirten Schule das Lehramt verdienstlich ausgenbt haben, ferner die Würdigkeit und Dienstnnfählgkeit. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis 30. Juni d. I. an den Vorstand des Prediger Manheimer-Dereines in Wien, I., Börsegasse 9, zu senden. Auf nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Constantinopel. Fürst F erbt lt a it d von Bulgarien hat vor seiner Abreise von Constantinopel dem Eigenthümer des hier erscheinenden deutschen Tagblattes „Osmanische PostZ und der „Orientalischen Correspondenz", Professor Dionys R v s e nf e l d, das Ritterkreuz des bulgarischen Alexander-Ordens verliehen. Brighton. Der Herzog und die Herzogin von Port sind einer Einladung des Mr. Renben Sassvon gefolgt und haben ihm vergangene Woche einen dreitägigen Besuch in Brigthoit abgestattet. London. Lady Rothschild besichtigte das neue Gebäude des Board of Guardians und drückte Mr. Cohen ihre Zufriedenheit und Anerkennung in den schmeichelhaftesten Ansdrücken aus. Paris. Die Hochzeit von Mademoiselle Jeanne de Rothschild mit Baron Leönino wird am 6. Mai in der Synagoge in der Rue de la Victvire stattfinden. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Hamburg zog es vor, die Menge zu verstehen, als von ihr mißverstanden ztt werden. Er wußte, daß eine größere Seele eine kleütere umfassen kann, nie aber eine kleinere die größere. Sv viel er brauchte, verdiente er sich, tndem er für die zahlreichen Gelehrten und Geistlichen, welche das Britische Museum heimsuchten und den ständigen Lesern den Platz Wegnahmen, Texte cvpirte und Quellen aufsuchte. Bon Gestalt lvar er klein, gebückt und roch nach Schnupftabak. Josef Strelitzki war eine viel räthselhaftere Natur als Gabriel Hamburg, obwohl ihm dies weniger anzusehen war. Man wußte, daß er sich ttoch tticht lange ans englischem Bodeir befand, trotzdem sprach er das Englische fließend. Er studirte bei Tage am jüdischen Seminar ttnd bereitete sich ztt den Prüfungen an der Londoner Universität vor. Keiner seiner Collegen wußte, wo er wohnte, und Keiner kannte seine frühere Geschichte. Es gürg das vage Gerücht, daß er das einzige Kind von Leuten sei, die von der russischen Verfolgung in Armuth und Tod gehetzt worden waren, aber Niemand wußte, wer dieses Gerücht aufgebracht hatte. Seirte Augen Hattert eilten traurigen und ernstert Blick; eine rabenschwarze Locke fiel in feine hohe Stirn, seine Kleider waren schäbig ttnd stellenweise hatte er sie eigenhändig gestopft. Außer dem Geschenk der Bildung aus den Händen todter Geister wollte er keilte Hilfe annehmen. Wohlmeinende Leute hatten bereits mehrmals den magischen Namert Rothschild zu seinen Gunsten angerufen, und dessen ewige, unversiegbare, nie ltach den Umständen fragende Grvßmuth gegen Studirende hatte nie die Antwort verweigert. Aber Josef Strelitzki sandte diese Gaben stets ruhig wieder zuriick. Er verdieitte, was er brauchte, indem er Abends für ein Cigarrengeschäft Kunden warb. Auf der Straße ging er mit zusammgepreßteu Lippen einher, in Gott weiß was für Träume versunken. Dennoch gab es Zeiten, da diese fest znsammengepreßten Lippen sich öffneten nttd Josef Strelitzki die Luft des Ghettos in tiefen Zügen einsvg, mit der unendlichen Befriedigung eines Meltschen, der Erstickungsnoth gekamtt hat. „Hier kann mait athmen", schien er zu sagen. Diese Atmosphäre, in der es keine Spione, keine feilen Beamten und keine höhnische Soldateska gab, kam ihm frisch und angenehm vor. Hier war der Boden fest, nicht nach alleic Richtungen uuterminirt; hier hing kein käuflicher Ukas — ein wahres Damoklesschwert — über den Häuptern der Menschen und verdunkelte das Sonnenlicht. In einem solchen Lande, wo Jeder glauben und thun konnte, rvas er ivvllte, war das Leben an sich eine Wouue, lvenn Einem die Erinnerung überkam. Darltln warf Josef Strelinky manchmal beit Kops in den Nacken und athmete tief auf. Ein Freigeborener kann die Wollust dieses Gefühles lticht ermessen. Als der Vater Josef Strelitzki's ltach Sibirieu verschickt ward, nahm er seinen neunjährigen Sohn mit, trotzdem das Gesetz dem Verbannten verbietet, Kinder über 5 Jahre mitzunehmen. Die Polizei erhob jedoch keinen Einwand und erlaubte Josef den Besuch der Schule in Kaust, Provinz Jenisey, wo die Familie Strelitzki sich aufhielt. Etlva ein Jahr später gestatteten die Behörden der Familie, nach Jenisey ztt ziehen, und Josef, der Beweise glänzender Begabung geliefert hatte, kam in das dortige Gymnafinm. Beinahe drei Jahre fetzte der Knabe seine Lehrer durch feine außerordentlichen Fähigkeiten in Erstaunen, als plötzlich die Regierung dem Knaben befahl, an seinen „Geburtsort" zurückzukehren. Vergeblich verwendete sich der Director des Gymnasiums, den die Talente ttnd der Wissensdurst des armen Jungen günstig gestimmt Hattert, bei der Regierung — die Behörden von Jenisey erhielten abermals Befehl, ihn auszuweifen. Glicht einmal eine Frist hatte man ihm gewährt; der Dreizehnjährige wurde nach Svkvlk im Gouvernement Grodnv, an denk artderen Ende des europäischen Rußland, traitsportirt, wo er ganz allein in der Welt stand. Ehe er sein sechzehntes Jahr erreicht hatte, entfloh er nach England, aber seine Seele trug das Brandmal furchtbarer Erinnerungen, und die Einsamkeit hatte sie stretig und stahlhart gemacht. Bei Sugarmanns sprach er nur wenig und auch dann nur mit dem Vater über scholastische Dinge. Nach den Mahlzeiten zog er sich rasch an die Arbeit oder in seine im gegenüberliegenden Haufe befindliche Schlafstelle zurück. Bessie liebte Daniel Hyams, aber Strelitzki's "Neutralität reizte sie. Selbst heute würde er mit Gabriel Hamburg wohl lticht gesprochen habe», wenn Bessie nicht auf seiner anderen Seite gesessen hätte. Gabriel Hamburg sprach gern mit dem jungen Manne, und Strelitzki schien bei dem Lichte eines eongenialen Geistes aufznlebeit; er beantwortete Hamburg's theilnebmende Fragen nach seiner Arbeit ohne Widerstrebelt und machte sogar aus eigenem Antriebe einige Bemerkungett. Während sie mit einander sprachen, zogen allerlei Gedanken durch die Seele des altert Gelehrten, und seine Stimme lvurde imlner zärtlicher. Ebeneser's Dankrede klang ihm noch im Ohr, und die künstlichen Worte kamen ihm echt vor. Ringsum saßen glückliche Väter glücklicher Kruder, Männer, die ihre Häude am Fetter des hättslichen Herdes wärmtetr, die lebten, während er stets nttr dachte, llnd doch hatte auch ihm in der ferrien, trüben Vergangenheit die Gelegenheit gelächelt, die Gelegenheit, Liebe nttd Gold dazu zu erwerben. Er hatte statt dessen "Armuth und Gelehrsamkeit gewühlt, und nur sechs Menschen in Europa lag etwas daran, ob er am Leben blieb oder starb. Das^Gesühl seiner Einsamkeit preßte ihnt plötzlich das Herz zusammen. Seilt Blick witrde feucht, das Gesicht des jungen Mannes bedeckte sich mit einem "Nebelschleier, und das Licht eitler ltnbefleckten Seele schiert davon auszustrahlett. Wäre er gewesen wie "Andere, so hätte er jetzt solch' einen Sohn haben költnen. Gabriel Hamburg sprach in diesem "Augenblick von Paragogen in der hebräischen Grammatik, aber seine Stimnte zitterte, ttnd in Gedartken legte er die Härtde väterlich segnend auf Josef Strelitzki's Haupt. Zuletzt besiegte ihn ein übermächtiger Jtnpltls und er rief: „Ich habe eine Idee!" Strelitzki blickte stummfragend nt das erregte Antlitz des altert Mannes. „Sie wohnen ganz allein — und ich wohne artch ganz allein. Wir studiren Beide. Könnten wir nicht zusammen wohnen und stltdireit?" Ein Blitz der lleberraschnng fuhr über Strelitzki's Züge und sein Blick wurde milde. Einen Moment lang strebte die einsame Seele sichtbarlich der anderen ztl. Er zögerte. „Haltert Sie mich lticht für zrt alt", fuhr der Gelehrte an allen Gliedern zitternd, fort. „Ich weiß, die Jugend gesellt sich gern zur Jugend, aber ich bin ja doch ein Student. Sie werden sehen, wie luftig und lebhaft ich sein werde." Er zwang sich zu einem Lächeln, obwohl ihm die Thränen nahe warerr. „Wir werden ein paar übermüthige Stitdenten sein, die jede Nacht einen Höllertspektakel machen. Gaudeamus igitur!** f

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