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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Vlvch's Wochenschrift. Seite 343 hauptsächlichsten und hervorragendsten Erfordernissen einer jüdischen Gemeinde. Unser altes Bad ist leider eingerissen und verfallen und befriedigt in keiner Weise unsere Bedürfnisse. Kein Wnnder, denn dasselbe ist noch vor ungefähr 50 Jahren erbaut worden. Als dringendste Nothwendigkeit erscheint demnach der Neubau einer Mikwah, welche ebenso den rituellen als modernen Anforderungen Rechnung tragen würde. Wir werden hiedurch zweierlei Gewinn erzielen; erstens werden wir einem lange gehegten Wunsche unserer jüdischen Bürger, denen Religion und Menschlichkeit am Herzen liegt, Genüge leisten und zweitens hoffe ich, daß das neue Bad, weil mit allen möglichen Comfort ausgestattet, nicht blos von Bürgern unserer, sondern auch der christlichen Confession besucht werden dürste". „Eine gute Idee!". „Großartig!". „Vortrefflich!". „Ausgezeichnet!". Solche und noch andere Beifallskundgebungen wurden plötzlich von allen Seiten der anwesenden Cultusräthe, die einander mit befriedigten und lächelnden Gesichtern ansahen, laut. „Was die Finanzirung meines Antrages anbelangt", setzte Herr S. fort, „dürfte dieselbe keine Schwierigkeiten bereiten. Wir haben zwar keine Fonds, denen wir den nöthigen Betrag entnehmen könnten. Im Gegentheil. Unser Budget wird immer und regelmäßig von einem unheimlichen Gesellen, dem Deficit, begleitet. Das Mittel, wozu wir also greifen müssen, ist aber em ganz einfaches und wird überall bei derartigen Anlässen angewendet, wodurch ich auch vom Vorwurfe der Neuerung gefeit bleiben werde. Wir müssen nämlich im Wege einer allgemeinen, den Verhältnissen eines jeden Einzelnerl entsprechenden Repartition die Kosten der zu erbauenden Mikwah beschaffen" . . . Obwohl der Schluß der Rede die anwesenden Cultusräthe etwas getäuscht hatte — man erkannte dies an den verzogenen Gesichtern und dem gänzlichen Mangel an enthusiastischen Beifallsbezeugungen — wurde doch der Antrag einstimmig genehmigt und dessen Realisirung dem Cultuspräsidenten überlassen. Ein Jahr später. In den Städtchen herrschte gegen Herrn S. eine gereizte Stimmung, die sich immer mehr zuspitzte. Dieser Stimmung, welche noch durch Herrn S. feindselig gestimmte Individuen geschürt wurde, lagen verschiedene Ursachen zu Grunde. Man fand die Repartition über die Verhältnisse hinausgehend, ja man hielt dieselbe als ganz entbehrlich und die mit vieler Mühe geleisteten Zahlungen als vollständig überflüssige Opfer, da der Bau des Bades, der bislang beendet war, technische Defecte auswiesdie irreparabel waren. Die Schuld an den letzteren schrieb man Herrn S. zu, der, mit zuviel Selbstvertrauen ausgestattet, ohne recht, zeitig den Rath eines Sachkundigen einzuholen und ohne gehörige Vorstudien gemacht zu haben, ein Gebäude erbauen ließ, das wohl ungemein viel kostete, aber die an denselben geknüpften Hoffnungen und Voraussetzungen in hohem Maß: täuschte. Vor Allem beklagte man den Mangel an Wasser, jenem Element', das unstreitig bei einem Bade die Hauptsache ist. Man schlug Brunnen, man grub Teiche, aber vergebens. Das Wasser sickerte kaum, aber sprudelte nicht, wie es nothwendig gewesen wäre. Auch hieran maß man die Schuld dem Cultuspräsident.n bei, trotzdem tr vielleicht zu entlasten wäre. „Er hätte sich", sagte man, „von der wasserhältigen Lage des angekauften Platzes noch vor dem Kaufe überzeugen sollen". Diese Thatsachen bildeten das permanente. Tagesgespräch. Ueberall, im Bet-Hamidrasch -), in der Mikwah und auf den Straßen wurden dieselben — natürlich abfällig — besprochen. Zwischen Mincha2 3) und Marir4) stand im Bet-Hamidrasch eine größere Gruppe von Leuten und sprachen . . Wovon . . . Natürlich vom neuerbauten Bade. „Was doch der Rosch-ha-Kohol8) hat gewollt mit der Mikwah", begann der Eine, „die alte war mir tausendmal lieber, da sie gar nischt hat gekost' und wenigstens Wasser hat gehabt". „Doch", ironisirte der Andere, „die Kehila8) hat ein Rewach") von der Mikwah. Sie kann dienen als Magazin für jontowig8) Mehl ..." „Und für Sch'mira9)-Weizen", ergänzte der Dritte. „Ihr wißt Alle nischt", mischte sich ein Vierter ein, „welchen Rewach man von der Mikwah kann haben. Wenn man nach K... . geht, ist neben der Mikwah die Kaiserstraß gewöhnlich voll Koth. Nu ■ kann man aber durch den Mikwahteich trockenen Fußes durchgehen". „Was redt Ihr da für Dummheiten", sagte Reb Mordche, hinzukommend, „nur nicht choset") machen. Ich bin gewesen heute in der Mikwah und habe gesehen, daß das W sser bis über die Ohren geht..." „Nischt möglich!" tönte es im Chorus. „Sehr möglich", erwiderte Reb Mordche, „das Wasser geht take über die Ohren, aber — man muß sich eben auf den Kopf stellen." 2) Bethhaus. 3) Abendgebet. 4I Nachtgebet. 5) Cultusvorsteher. 6) Gemeinde. 7) Nutzen. 8) Ostern. 9) Weizen, der besonders vor Nässe geschützt wird. ") Lächerlich. Briefkasten. K. in Wien. Ihre Beschwerde wegen Erhöhung der Traunugstaxe ist unberechtigt, da Ihnen die Möglichkeit bleibt, in dem Gemeindetempel der Vororte die Trauung vollziehen zu lassen, wo die Taxen um 33"/„ niedriger sind. Sie können auch in dem Ihnen nahegelegenen Tempel des IX. Bezirkes Ihre Tochter trauen lassen. Die Tranungstaxen in diesem Tempel sind : I. Classe 120 fl, II. Elaste 65 fl., III. Elaste 40 fl., IV. Classe 25 fl. Ein Nichtorthodoxer. Sie sind ein ganz infamer Lügner, dabei erbärmlich feige. A. Zu dem Aursatz des Herrn Dr. Rieß ist uns eine solch große Anzahl von Einsendungen zugekommen, daß wir von einem Abdrucke derselben absehen müssen. Josef Scheiner, IX., Alserbachstraße 23. Wollen Sie uns besuchen. L. M. in R. Wir bitten unter Discretion um den Namen. Derlei Dinge werden häufig vom Hörensagen erzählt, ohne daß man sich selber von der Wahrheit überzeugt hat. M. Taufsig, New-Aork. Die Einsendungen werden jederzeit verwendet. Herzlichen Dank und Gruß. L. W. T. S. Es ist selbstverständlich daß der Vorbeter feinen Ornat (Kutte und Talis) besitzen mi ß. In einigen größeren Gemeinden stellt der Vorstand den Functionären eine Kutte zur Verfügung, nie aber den Talis. A. H. Wien. Jene Einsendung kam aus Lehrerkreisen und wir können unsererseits es blos bedauern. wenn derlei falsche Informationen aus gebildeten Kreisen in voller Eckenntniß der Tragweite uns zugemittelt werden. A. B. In Amerika behauptet A h l w a r d t seines Lebens nicht sicher zu sein. In Deutschland durfte er allerdings ganz unbehindert gegen die Juden Hetzen. Dr. G. L. (Brünn.) Das war nicht der erste Hinauswurf, den Mechaniker S ch n e i d e r erlitt. Aber vielleicht bleibt er diesmal doch draußen liegen. C. At Wie naiv ' Wenn sich die Antisemiten schämen könnten — so wären sie ja keine Antisemiten. „Anno dazumal." Ja, das ist wahr, Lueger hat einmal mit derselben Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit in Gesellschaft mit Inden gekämpft. Dessen brauchen sich aber doch die — Inden nicht zu schämen. Alois B—r. Es bestätigt sich immer mehr, daß Lueger nicht bestätigt wird. Leo R. Der Redactenr des Krakauer „Glos Narodu", der die Berichtigung der C h o t k o w s k i's ch e n Lügen nicht aufnehmen wollte, wurde gerichtlich verurtheilt. Was genirt das aber den Hochwürdigen Herrn Chotkowski? Zero. Die Cast: führt nicht mehr der Mechaniker Schneider. Die Gründe sind uns nicht bekannt. „Aranus." Ob in dem Leben des österreichischen Hammerstein Jüdinnen keine Rolle spielen? Das sind priv ite Angelegenheiten, über die bester zu schweigen ist. „Mühdorfer." Herr Schönerer druckt Alles noch einmal gegen Vergant ab, damit dieser sich nicht darauf berufen kann' die Beleidigungen seien — verjährt. B—old. Drumon 1 soll jüdischer Abstammung sein. Dcr Haß der Renegaten Pflegt mit ihrer sittlichen Verworfenheit auf gleicher Stufe zu stehen. A—r. Mit albernen Witzeleien kann man den aus der Tiefe ehrlicher Ueberzeugung kommenden Ansichten dieses Mannes nicht beikommen. Wer da nur Spott hatt, ist verächtlich. F. Der Mann wird sich kaum geschmeichelt fühlen, wenn mau ihn den Wiener — Feichtinger nennt. „Unus pro multis.“ Leider lernen das unsere Glanbensgenossen nicht. „Jod". Die Notiz im „Deutschen Volksblatt": „Die Wuth in Niederösterreich" bezieht sich nicht aus die — Bürgermeisterwahl. X. Z. In der That ist D e ck e r t fast mehr im Gerichtssaal als in der Kirche zu finden. Aber sein Wirken ist auch danach. K. , Wien. Uns Juden ist es völlig gleichgiltig, ob Lueger oder Dr. Knpka antisemitischer Bürgermeister von Wien wird. Seine Bestätigung oder Nichtbestätigung intercisirt uns als Juden absolut nicht. L. Wenn liberale Blätter sich gegen die Agitation wenden, welche die Congregation der Mechüharisten augenscheinlich mit der Uebersetzung des Schulchan-Aruch zu betreiben sucht, so haben sie durchaus recht. Anderes war von den Herren allerdings nicht zu erwarten, die auch die Verleger des Pfarrer Deckert waren. Dies hätten die liberalen Blätter allerdings wistenffollen, daß die Mechitharisten auch vom Standpunkte der Deutschnationalen mehr Fremde sind als die Juden. Merkwürdig ist indessen die Haltung einer Regierung, welche einerseits einen Lueger nicht bestätigt und dadurch dem Antisemitismus den wohlfeilen Schein des Märlyrerthums verleiht, andererseits Ausländern im Lande nicht nur gestattet, gegen Inländer politisch zu agitiren, sondern noch dazu diesen Ausländern die Erlaubniß gibt, drei Monate laug unter dem Mantel der Wohlthcitigkeit die Inländer anzngehen. _

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