Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 17 (24.4.1896)
- Date
- 1896-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 338 Pr. Vloch's Wochenschrift Nr. 17 den bereits bestehenden acht Stiftungen eine neunte Wilhelm Ritter von Guttman-Stiftung creirt wurde. Wenn wir ferner die großen Leistungen des Vereines in Erwägung ziehen, daß nämlich im letzten Vereinsjahre fl. 873 an Krankengebühren, au Curbeiträgen fl. 170, an Trauergebühren fl. 195, an Witwen- und Waisengebühren fl. 1080, an Grabsteingebühren fl. 106 50, außerdem vom außerordentlichen Unterstützungsfonde fl. 560 30 an Unterstützungen verabreicht wurden, so gewinnt man ein anschauliches Bild von dem segensreichen Wirken dieses wichrhaften Humanitätsvereines. Auk Antrag des Revisors Herrn Dr. Albert Schrecker. der Bericht über die Prüfung und richtigen Befund der Bücher, Rechnungen und deren Belege, welche er alle in größter Ordnung gefunden, erstattet, wird dem Borstande einstimmig des Absolutorium erth-ilt. Nach verschiedenen Interpellationen und Anträgen der Mitglieder Herren Weffelyi, Laczar Jokl, Dr. Ferdinand Blum, welche vom Vorsitzenden richtig gestellt und beantwortet wurden, machte derselbe die Mittheilung, daß dem beliebten und allseits geschätzten Vereinsarzte Dr. Emanue! Blum ^ür seine 20jährige anerkennenswerte Thätigkeit in unserem Vereine, durch eine Deputation aus dem Vorstände eine Anerkennungs- Adresse überreicht wurde, ferner wurde vom Vorsitzenden ein Schreiben des Vorstandsmitgliedes Herrn Hermann Haber verlesen, in welchem dieser eine eventuelle Wiederwahl, da seine Thätigkeit anderweitig in Anspruch genommen, ablehnt. Da der Präses den Verlust eines so verdienstvollen und bervorragenden Vorstandsmitgliedes lebhaft bedauert, beantragt er die Wiederwahl desselben. Nachdem Herr Communallehrer B. Paschkes nicht nur die Wiederwahl des Herrn Haber, sondern auch dessen Ernennung zum Ehrenmitgliede des Vereines beantragt, und Herr Dr. S. Elias sich diesem Anträge mit dem Zusatze anschließt, aus Dank für das aufopferungsvolle Wirken des Vorstandes die austretenden Ausschußmitglicder per Acclamation wiederzuwählen, werden beide Anträge einstimmig angenommen und die Ausschußmitglieder wiedergewählt. Auf Anregung des Vorsitzenden wird sodann der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer, wie dem Vorstande der österreichischen israelitischen Union für die gütige Ucberlassung der Sitzungslocalitäten, für die Abhaltung der Vereinsversammlungen und Sitzungen der Dank votirt. Nachdem noch auf Antrag des Ausschußmilgliedes Herrn Dr. Leo Ehrentheil dem verdienstvollen Präses Herrn B. Kanitz für seine aufopferungsvolle und segensreiche Thätigkeit für die Jntereflen des Vereines e i nstimmig und unter Bravorufen der Dank ausgesprochen wurde, wurde zur Wahl der Revisoren geschritten und die Herren Louis Flamm und Josef Silbermark zu Revisoren, die Herren Dr. Albert Schrecker und Dr. Alois Bermann zu Ersatzrevisoren gewählt, womit die Versammlung geschloffen wurde. H. 2—1°. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle Wie it.) Samstag den 18. d. M. wurde die Reihe der Vortrags- und Discussionsabende dieses Vereines durch einen Bortrag des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Friedrich E l b o g e n eröffnet, der unter dem Titel „Jung-Oesterreich" die modernen Strömungen auf dem Gebiete der Kunst, Wissenschaft und Politik enftvickelte — ein Vortrag, der ein beträchtliches Wissensniveau der Hörer voraussetzt. In äußerst fesselnder Weise verstand es der Redner, die Entwicklung der Literatur seit Rousseau, zumal die der „Mo«lerne“, darzulegen; sehr interessant beleuchtete er die jetzigen bedeutendsten politischen Parteien, ihre Vorzüge und Fehler. Der Bortrag, auf den wir iroch zurückkommen werden, fand lebhaften Beifall. Die Discussion über denselben findet zugleich mit einem Vortrag des Bereinsniitgliedes jnr. Rutil „lieber jüdische Philosophie" Samstag den 25. d. M., 3A7 Uhr Abends, statt. Gäste willkommen! Dienstag den 21. d. M. hielt der Ausschuß der Jüdischen akademischen Lesehalle eine Ehrensitzung ab, bei welcher der Präses Mediciner Schaechter Anlaß nahm, im Namen des Ausschusses den erschienenen Herren Dvcenten Dr. Ehrmann, Bernhard Jerusalem, Gottlieb Lederer und S. Frank für eine von den ersten zwei genannten Herren eingeleitete Action, die die beträchtliche Höhe von 615 fl. ergab, geziemend zu danken. Herr Jerusalem erklärte, mit Freude diesen Bettag im Namen einer größeren Zahl von Spendern der Lesehalle zur Stärkung und zum Ansporn übergeben zu können, wobei er, dem Vereine ein herrliches Gedeihen wünschend, die Hoffnung aussprach, daß das Beispiel dieser Action ähnliche Früchte zeitigen werde. Seine Worte fanden lebhaften Beifall. Neue Bücherspenden, deren Empfang wir mit Dank quitttren, liefen ein von: Dr. Marcus Landau, Dr. Adolf Frankl- Grün, Rabbiner in Kremsier, Med.‘ Dr. Rieß in Auspitz und der Schriftstellerin Ernst Rosmer (der Gattin des Schriftstellers Dr. Max Bernstein) — eigenes Werk — aus München. Die rechts- und staatswissenschaftliche Section unter der Leitung des Privatdocenten Dr. S. Feilbog e-it nimmt ihre Thätigkeit mit Anfang der nächsten Woche auf. Baden, den 19. April 1896. Geehrter Herr R e d a c t e n r! Hier in Baden in der Straßerngasse hat es einem antisemitischen Billenbesitzer beliebt, eine Wohnung mittelst Zettels am Fenster anzuzeigen, versehen mit dem Zusatze: „Für C h r i st e n"; es ist merkwürdig, wenn diese Herren es von Vortheil für ihren Geldsack finden, legen sie die Maske der Heuchelei an und zeigen dann keine Spur von Antisemittsmus, dann ist ihnen der „Jud" schon recht; wo aber diese verkappten Heuchler das Geld auch ohne Juden verdienen können, dann legen sie ungescheut die Maske ab. Der erwähnte Hausherr ist der bei den Badnern unter dem Beinamen der Agent-M eher bekannte Versicherungsagent, Gemeindeansschuß, der sonst mit vielen jüdischen Kunden verkehrt, weshalb es sich empfehlen würde, wenn die Betteffenden von dieser honorigen Gesinnungsweise Kenntniß erlangten; übrigens hat der gute Herr auch nicht die geringste Ursache, mit seinem Anwesen so viel „Pflanz" — wie man hier sagt — zu machen, um dadurch die Aufmerksamkeit auf seine sonst sehr unbedeutende Persönlichkeit und seine Heldenthat zu lenken. Genehmigen Herr Redactenr den Ansdruck meiner Hochachtung Ein treuer Abonnent. Budapest. Dem Stadtrepräsentauten Paul Teurer wurden am 11. April anläßlich seines sechzigjährigen Geburtsfestes aus allen Kreisen der Hauptstadt herzliche Ovationen dargebracht. Paul Tencer, einer der bekanntesten und populärsten Gestalten der Hauptstadt, nimmt seit Jahrzehnten an dem öffentlichen Leben Budapests hervorragenden Antheil. Namentlich in der Theresien- .stadt ist er ein bedeutender Factor, sowohl bei den politischen als bei den Communalwahlen; in der Stadträpresentanz entfaltet er eitle ersprießliche Thätigkeit; überdies ist er die Seele einer Reihe voll Humanitären und anderen Vereinen und Körperschaften. Auf allen diesen Gebieten hat sich Tencer so namhafte Verdienste erworben, daß es llur natürlich ist, lveilll seine zahlreichen Freuirde und Verehrer sich beeilten, ihlil an seinem Ehrentage Glückwünsche und Ovationen darzubringen. Beim Jubilar sprachen ununterbrochen Deputationeil vor, und zwar: der Vorstand der Pester israelitischen Cultusgemeinde initer Führung der Herren Sigmund Kohner, Max Grünbaum und Adler; die „Chewra-Kadischa" überreichte eine prachtvolle Adresse; eine Deputation der Dalnen des VI. Bezirks unter Führllng der Frau Karl Hieronymi und Frau Armin Neumann, welche ein die Photographien der Damen des VI. Bezirks enthaltendes Album überreichten. Ferner sprachen vor: eine Deputation des „Weißen Kreuz"-Vereüls unter Führung des Kämmerers Joseph Tabvdy, des Theresienstätzter Schulstuhls mit Ladislaus Szaßy an der Spitze, die Redactivn des „N. P. Bolksblatt" unter Führung Ludwig Rotter's, der israelittsche Frauenverein, das israelitische Waisenhaus, die israelitische Mädchenschule, der „Zivn"-Berein, der hauptstädtische Kindergartenvereill, der Budapester Wohlthätigkeitsverein, der auf den Nmneil des Jubilars eine 2000 fl. Stiftung nlachte, der erste ungarische Wohlthätigkeitsverein, der erste ungarische israelitische Krankenunterstützungsverein, die hauptstädtischen Religionslehrer rc. Außerdem erhielt der Jubilar aus vielen Theilen des Landes Gratulativnsschreiben ilnd Depeschen. Es gratulirten unter Anderen schriftlich: Oberbürgermeister Karl Rath, Vicebürgermeister Karl Gerloczy, Bicebürgermeister Joseph Marttls, der Vicepräsident des Abgeordnetenhauses Albert Berzeviczh, die Universitätsprofessoren B. Stiller, Dr. .Ignaz Goldzieher rc. Einen glänzenden Abschluß der zu Ehren des Gefeierten veranstalteten Ovationen bildete das am Abend vom Theresienstädter Casino veranstaltete Banket, an welchen! nebst den Sommitäten der Theresienstadt etwa 300 Personen, darunter auch die vfficiellen Vertreter der Hauptstadt und der einzelnen Bezirke, theilnahmen. — „U n g a r n s I u d e n u n d das M i l l e n n i u m" betitelt sich ein -Werk, das demnächst die Presse verlassen und aus Anlaß der bevorstehenden Millenniums-Feierlichkeiten die Entwicklung der ungarländischen Judenschaft znm Gegenstände haben wird. Die Redactton des großangelegten Werkes ruht in den Händen des Grafen Hermann Zichy und viele Celebritäten des Landes haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Werk erscheint in deutscher und ungarischer Sprache.