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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 334 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl Nr. 17 e r n e n au f s e h e n e r r e g e n d e n a n t i s e m i t i s ch e n S c a n d a l im Brünner Deutschen Hause provocirt. Er hatte den dort anwesenden Ingenieur und Reservelieutenant Dr. L u st r g beschimpft, und als ihm dieser seine Karte gab und sich als Reserveofficier vorstellte, hatte er die Karte zerrissen, weggeworfen und gesagt, „er glaube das nicht, das könne Jeder sagen". Dadurch kam es zu einer Prügelei, der erst durch Intervention eines Hauptmannes ein Ende gemacht wurde. Am nächsten Tage fand ein Duell zwischen S u i n i und Lustig statt, bei dem Ersterer verwundet wurde. Die Art des damaligen Benehmens S u i n i's ist nun vom Officiers-Ehrengericht als eine schwere Verletzung der Standesehre erkannt worden. Deutschenhaß in Brasilien. Auch die Chauvinisten Brasiliens haben bereits den Schlachtruf der Monroe-Doctrin „Amerika den Amerikanern" variirt und schreien: „Brasilien den Brasiliern." Da ist es begreiflich, daß sich auch manchmal gegen die eingewauderten fleißigen Deutschen manche Antipathien zeigen. Aber nur selten; „der Grund ist darin zu suchen," schreibt die „Franks. Ztg." vom 16. April, „daß unsere hier ansässigen Landsleute sich von jeher peiillichst gehütet haben, den nationalen Chauvinismus zu reizen. Der Deutsche trachtet nicht darnach, den Eingebornen aus seinen über Alles geliebten empregros publio s — öffentlichen Aemtern — zu verdrängen, er läßt ihm die Ehre bei jedweder ofsicieller Gelegenheit, feiert seine Feste mit, bedient sich im Verkehr mit ihm nur der Landessprache und weiß sich überhaupt i m A l l g e m e i n e n s e i n e m W e s e n äußerlich so geschickt a n z u p a s s e n, daß er wirklich keine Gelegenheit findet, dem „G r i u g o" etwas am Zeuge zu flicken. Wenn nun aber Jemand z. B. sich unterfangen wollte, hier von „Deutsch-Brasilien" zu sprechen oder zu schreiben, so würde er damit in ein böses Wespennest stechen. Das Mindeste wäre, daß man uns vorwürfe, wir wollten einen Staat im Staate bilden, mit dem im tiefftenHintergründe schlummernden Gedanken, die Grenzen dieses Staates weiter und weiter hinauszuschieben, um schließlich den ganzen Landestheil dem alten deutschen Barerlande anzugliedern." Die Deutschen sind nicht blond nnd blauäugig Diese Entdeckung macht der Deutschbewußte par excellence 'Dr. Friedrich Lange in der ersten Nummer seiner „Deutschen Z e i t u n g". Es ist kein Aprilscherz, sondern ernsthaft gemeint, wenn er in einem Artikel über „die langsame Kr a f t" — sein neuestes Schlagwort — schreibt: „Es wird den Anthropologen vielleicht eine gewisse Freude bereiten, wenn ich hier das G-ständniß hinznfüge, daß nach meinen bisherigen Erfahrungen die eifrigsten Deutschbewußten im politischen' Sinne nicht diejenigen sind, bei denen nach den anthropologischen Merkmalen der blonden Haare, der blauen Augen und der Walzenschädel die Zugehörigkeit zur germanischen Race auf den ersten Blick unbestreitbar ist, sondern der überwiegenden Mehrheit nach die Dunkelhaarigen, Gemischtäugiqen nnd Rnndkopfe." Sollte Herr L äuge nicht selber dunkelhaarig, gemischtäugig und rundköpfig sein? „Wie der Mensch, so sein Gott", sagt der Philosoph F e u e r b a ch. Zur Schächthetze. Der „Jüdischen Presse" schreibt man aus London. Die „Schächtfrage" ist dieser Tage vor einem englischen Gerichtshöfe zur Entscheidung gelangt, und die Gegirer unseres rituellen Schlachtverfahrens dürsten über diesen Richterspruch wenig erfreut sein. Der „Thierschutzverein" in Bolton hatte gegen die Schächter der jüdischen Gemeinde, Herren Harry O p p e n h e i m, Nathan C a p l a n und James D r a p e r, Klage wegen „Thierquälerei" erhoben, weil angeblich ein rituell geschlachtetes Mud noch 20 Minuten nach dem Schächtschnitt gelebt haben sollte. Der Gerichtshof hat die Angelegenheit einer fvrgfältigen Prüfung unterzogen, eine große Anzahl von Sachverständigen, Thierärzten und Metzgermeistern vernommen und dann die Klage abgewiesen, weil auf Grund der Bekundungen der Fachmäirner als festgestellt zu erachten sei, daß das Schächten keinesfalls mit größeren Qualen verbunden sei, als irgend eine andere Schlachtmethode, dagegen jedenfalls in der Hinsicht vor allen übrigen den Vorzug verdiene, daß das Fleisch geschächtpter Thiere wegen der besseren Ausblutung wesentlich gesünder sei. Hoffentlich wird dieses Urtheil dazu beitragen, der auch hierzulande in hypersentimentalen Thierschützler- Kreisen sich regenden Agitation gegen das Schächten ein Ende zu bereiten. Die Idee der Colonisalion Palästinas in England. Die Begeisterung für die Idee der Colonisalion Palästinas erfaßt in England immer weitere' Kreise, die Gleichgiltigen werden aus ihrer Indolenz anfgerüttelt, die Gegner werden zu tieferer nnd unparteiischer Erwägung des von ihnen blind bekämpften Ideales gezwungen. Das zeigte die merkwürdige Kundgebung im Gemeinde- Hause von Shoreditch gelegentlich der von der „Chovevi Zion" abgehaltenen Versammlung. Mr. Josef Prag, der Vicepräsident des Vereines, verlas einen höchst interessanten Brief von Pater Ignatius aus Bournemouth, der wörtlich mitgetheilt zu werden verdient. Er ist an das Parlamentsmitglied Mr. B. L. Cohen gerichtet und lautet W e r t h e r H e r r C o h e n Es war sehr lieb von Ihnen, mir Karten. zu Ihrem Concerte zu senden. Sie haben Recht: Die heilige Sache der „Chovevi Zion" liegt mir sehr am Herzen. Leider bin ich nicht in der Lage, Ihrem Concerte beizuwohnen, bitte Sie aber, die beigeschlossene Summe von 21 Schilling zu Gunsten des Vereines annehmen zu wollen. Mit dem Gebete, daß der Heilige Israels Ihrem Werke seinen Segen verleihe, bin ich, unerschütterlich in der Liebe zu Jerusalem Ihr treuer ' I g n a t i u s O. S. B., - Benedictiner. Hierauf stellte Mr. Prag den Versammelten den berühmten Maler Mr. Holman Hunt vor, der, mit enthusiastischem Beifalle empfangen, seine Gedanken über den „Judenstaat" auseinandersetzte und eine Fülle von Licht über die Frage verbreitete. Vierzehn Tage nachdem ich meinen Brief über den zionistischen Gedanken veröffentlicht hatte, sagte Holman Hunt, erschien der Aufsatz Dr. Theodor Herzl» im „Jewish Chronicle". Ich gehe viel weiter als er; ich kann dies leicht thun, da ich als unbetheiligter Zuschauer den Tagesereignissen unbefangener gegenüberstehe. Die Juden in Palästina dürfen in keinerlei Abhängigkeitsverhältniß zum Türken stehen; der Türke darf weder ihr Souverän noch ihr Souzerän sein, denn er hat immer noch allen seinen Unterthanen, Juden, Christen nnd Mohammedanern, nichts als Unheil gebracht. - Was die Gegner der zionistischen Idee betrifft, so lassen sich ihre Einwände wesentlich auf zwei Behauptungen zurückführen: erstens, die Juden hätten gar nicht das Bedürfuiß, nach Palästina zurückzukehren; zweitens, die Juden seien keine Ackerbauer, würden nie Ackerbauer werden nnd seien überhaupt nur im Stande, von der Arbeit Anderer zu leben. Die erste Behauptung braucht jetzt nicht mehr widerlegt zu werden, denn das hat Dr. Herzl in vortrefflicher, in abschließender Weise in seinem Buche besorgt. Was aber den zweiten Vorwurf betrifft, so will ich nur einige statistische Daten anführen, die ich den Forschungen Major Conder's entnehme. Darnach hat Rußland 64.000, Galizien 600.000, Palästina 3u00 Juden, die sich mit Ackerbau befassen. Dazu kommen die Colvnisten in Baschan, die jetzt ein Gebiet von 45 englischen Quadratmeilen bebauen. Diese Thatsachen er paren es uns, die gegnerische Behauptung weiter zu widerlegen; hinzugefügt sei nur noch, daß von den 42.000 Juden, die in Jerusalem wohnen, viele ihr Brod als Zimmerlente, Maurer, Tapezierer, Schneider und andere Handwerker verdienen, wie ich als Augenzeuge bestätigen kann. Freilich läßt es sich nicht leugnen, daß die solange systematisch durchgeführte Ausschließung von allen Gewerben in den Juden ein vielleicht übergroßes Maß von Geldgier erzeugt hat; aber wir kennen Alle aus der Geschichte ihre edlere Natur, und es ist kein Zweifel, daß diese bald den Sieg davon tragen wird über die durch Druck mtb Einschränkung künstlich gezüchteten unedlen Gewohnheiten. Wenn wir uns erinnern, mit welchen Zweifeln man im Jahre 1860 den Versuch Rothschilds besprach, der

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