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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi. Seite 333 greifen, mtb die drei Arrestanten wurden unter Prvceßbürgschaft gestellt. Ahlwardt mußte auch Bürgschaft stellen, daß er als Kläger erscheinen werde. Am Nachmittag bewies Weller zwar nicht die Richtigkeit seiner Behauptung, aber Ahlwardt wurde vvm Recorder dennoch ohne Strafe entlassen. Ehe das Verhör; beendet war, wollte Michael Aaronsberg von Nr. 304 erste Str., Hoboken, einen Haftbefehl gegen den Judenhetzer erwirken, weil derselbe ihn mit dem Revolver bedroht habe, aber der Recorder ging nicht darauf ein. Aaronsberg erwirkte sodann einen Haftbefehl beim Friedensrichter Seymour, und nachdem A h l w a r d t vor den Richter gebracht und gegen 300 Dollars Bürgschaft für sein Erscheinen znm Processe entlassen worden, ließ er Aaronsberg wegen Meineids verhaften. Die Juden und die Leipziger Messen. Leipzig, l4.April. All einem Vortragsabend, welchen der „Verein für die Geschichte Leipzigs" neulich veranstaltet hatte, sprach Lehrer Dr. Richard Markgraf über den „Einfluß der Juden aus dieLeipziger Messen", betrachtet vvm volkswirthschaftlich-statistischen Standpunkte. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" geben darüber folgendes Referat : Es ist bekannt, daß schon in' frühesten Zeiten die Handelsstädte besondere Anziehungskraft ans die Juden ausübten, und Leipzig, das jetzt seit länger als sechs Jahrhunderten seinen Meßrnhnr behauptet, von ihnen ebenfalls schon zeitig zu Handelszwecken besucht wurde. Zuerst wird der Juden zur Regierungszeit des Markgrafen Dietrich von Landsberg — 1263 bis 1284 — gedacht, wo sich die Juden tit Leipzig seßhaft gemacht zu haben scheinen. Sichere Kunde von ihnen gibt erst eine urkundliche Nachricht ans dem Jahre 1353. in welcher einer besonderen Gasse gedacht ist, die „Jndenbnrg" hieß und den Juden als Wohnung angewiesen war. Sie befand sich am Fleischerplatze, zwischen der Barsilßmühle und dem Naundörfchen. Bon Judenverfolgungen, wie anderwärts, wußte man damals in Leipzig noch nichts, ja man erkannte sogar die Bestrebungen der Juden für die Hebung des Handels an. Als im XIV. Jahrhundert die Verfolgungen der Inden lvegen angeblicher Brnnnenvergiftnngen und anderer Beschuldigungen eintraten, genossen allen: die sogenannten Hosjuden Schutz, indem sie von den Fürsten als ihre Diener bezeichnet und mit Privilegien und Freiheiten begabt wurden. Einer von ihnen war der in Leipzig angesessene Jude Abraham, welcher bedeutenden Grundbesitz inne hatte. Er wird 1428 zuerst genannt und dann wieder 1433, wo er, wahrscheinlich wegen finanzieller Sünden, im Gefäugniß saß und nur mit schweren Opfern sich von demselben losmachen konnte. Später wird der Juden nur noch auf den Messen gedacht, wv man sie jedoch nicht unglimpflich behandelt zu haben scheint. Ungerechte Beschränkungen der Juden wurden in Leipzig erst im XVII. Jahrhundert eingeführt, wie dies auch theilweise die bis 1675 zurückreichenden Rathsacten erweisen. Von diesem Jahre au bis 1833, wo der erste Jude in Leipzig das Bürgerrecht erlangte, entwarf Dr. Markgraf in seinem Vorträge ein ausführliches Bild der Handelsthätigkeit der jüdischen Meßfiranten aus allen Ländern, ihre Einkäufe und Verkäufe, Förderungen und Beschränkungen, sowie der Gestaltungen der Messen, bis dahin, wo die alten Vorurtheile wichen und eine Gleichstellung der jüdischen Kaufleute mit den christlichen auch hier die letzten Spuren von unserer Zeit nicht mehr entsprechenden Einrichtungen verwischte. Die Früchte des Befähigungsnachweises fangen allgemach an, auch den heißesten Freunden der Kleingewerbetreibenden bitter zu schmecken. (Srft haben sie immer geschrieen, daß nur die laxe Handhabung des Gewerbegesetzes schuld an seiner Wirkungslosigkeit trage; nunmehr halten sie sich schon darüber auf, wenn irgendwo eine Gewerbebehörde ihren Jammer ernst nimmt.^ So hat dieser Tage der Bezirkshauptmann von Rohrbach (Oberösterreich) zwei Sattlermeister in Aigen verurtheilt, weil sie auch Matratzen, Ledersofas u. s. w. ausbesserten. Gewiß ist es sehr komisch, einen Sattlermeister deswegen der unbefugten Ausübung eines Gewerbes schuldig zu sprechen. Aber die Clericalen und Antisemiten sollten doch die letzten sein, die sich darüber beschweren, wenn man den Befähigungsnachweis in voller Strenge anwenden will. Das „Linzer Volksblatt" aber, das Organ der clericalen Freunde des Befähigungsnachweises, ist über die Bestrafung entsetzt, wobei ihm allerdings der Schreibfehler mit unterläuft, daß es die Angeklagten zu 5 fl. Strafe, im Uneinbringlichkeitsfalle zu v i e r z e h n T a g e n A rr e st s verurtheilen läßt, während es offenbar 24 Stunden heißen muß. Herzzerbrechend jammert das „Linzer Volksblatt", daß man doch nicht von der Bevölkerung verlangen könne, es solle zur Ausbesserung eines gepolsterten Sessels einen Tapezierermeister aus Rohrbach kommen lassen, daß sich die Schuldigen vielleicht in einem Jrrthum bezüglich der Ausdehnung ihres Gewerbes befunden hätten, ja daß vermuthlich auch die Herren von der Bezirkshauptmannschaft sich über die Ausdehnung des Sattlergewecbes nicht klar zu sein; scheinen. Wir glauben das 'Alles auch. Aber daß das „Linzer Bolksblatt" erst in seinen alten Tagen auf die Lächerlichkeit des Befähigungsnachweises gekommen ist, ist recht bedauerlich. Der Grazer Antisemitenhäuptling Feichtinger verhaftet. Am 15. d. Nt. um 5 Uhr Abends nahm die Untersuchungsbehörde des Grazer Landesgerichtes den Führer der Grazer Antisemiten,Gemeinderath undHerausger des „Grazer Extra b l a tt" Josef Feichtinger in Haft. Seit Wochen schon schwebten über seinem Haupte mehrere strafgerichtliche Untersuchnngell wegen Veruntreuung — man spricht auch von Betrug. Wie alle „großen Männer", gefiel sich auch Feichtinger als Wohlthäter und erließ Aufrufe zu Sammlungen zur Bekleidung armer Kinder, Unterstützung Arbeitsloser und dergleichen mehr. Vor einigen Wochen wurde er denuncirt, die für diese Zwecke eingekommenen Gelder theilweise für sich v e rwendet zu habe lt. Die Untersuchungsbehörde hausfuchte in den Localitäten des „G r a z e r E x t r a b l a t t" und beschlagnahmte einen Theil der Geschäftsbücher. Unlängst arrangirte Fei ch t i u g e r eine große Versammlung, in welcher Dr. Lueger uild Schneider für Entrse zu sehen und zu hören waren. Bei dieser Versammlung soll mtit Feichtinge r, der mit der Geldgebahrung betraut war, nicht ganz reine Hände behalten haben. 'Außerdem erzählt man, er soll von einem jüdischen Geldverleiher, der wegen betrügerischen Wuchers vor Gericht stand, einige H u n dert G Nldeu S ch w e i g g e l d genommen und hiefür den Verhandlungsbericht unterdrückt haben. Inwieweit die Untersuchung ein Resultat haben dürfte, ist vorläufig ein Geheimniß der Untersnchungsbehvrde, die den muthmaßlicheu Veruntreuer wochenlang frei hernmlanfen ließ, nun aber wegen „Verabredungsgefahr" in Haft nahm. Feichtinger ist eilt Mensch mit wenig Wissen und noch etwas weniger Verstand, aber ein terroristischer Schreier. Er ist Inhaber eines Privaterziehungsinstituts ohne Zöglinge. Eine etwas katilinarische Person, hat aber großen Anhang unter den Grazer antisemitischen Spießbürgern. Er ist der Grazer Freund des Dr. Lueger und soll beabsichtigt haben, demnächst eine antisemitische Versammlung zu veranstalten, in der, selbstverständlich wieder gegen Entree, Fürst L i e ch t e n st e i n und Monsignore S ch e i ch e r sprechen sollten. Ob was draus wird, ist fraglich, denn vorläufig hält er gezwungener Weise Sitzung im Landesgericht. Grillparzer über die Deutschen. H e i u e's Ausfälle gegen die Deutschen werden weidlich benützt. Was Goethe, W a g n e r, S ch v p e n h a n e r rc. darin geleistet haben, wird sorgsam verschwiegen. In E. v. Bauernfeld's Tagebüchern, die im 6. Band des Jahrbuchs der Grillparzer-Gesellschaft veröffentlicht sind, heißt es: 12. Jänner 1853. „Unlängst allein mit Grillparzer im Gasthaus. Gespräch über Literatur, auch Politik. Er sagte mir unter Anderem : „Sie haben nur Einen Fehler, daß Sie auf die Deutschen etwas Hallen!" Antisemitismus in der zeitgenössischen Literatur I. Nt a r i e S t a h l.. Unter dem Titel „A ns der G r ü n d e rz e i t" hat M a r i e Stahl einen Roman veröffentlicht (Berlin, Otto Jauke), der nicht ftei ist von antisemitischen Schlag- Wörtern. Ein arischer Speculant steht in dem Ruf, „selb st d i e I u d e n a n S ch l a u h e i t bei seinen M a n ip u l a t i o u e n -z u ü b e r b i e t e n" < S. 86); ein Wucherer heißt „Moses Morgenstern" (S. 83), und die Verfasserin schreibt von der „jüdischen Sucht, ohne Arbeit reich zu werden". (S. 117.» Abgesehen davon, daß diese Angriffe für die Zeit 1873,74 sinnlos sind, da der Tanz um das goldene Kalb eine Zeitkrankheit war, die fast Jedermann ergriff, fv zeugen auch diese Worte von einer Befangenheit des Urtheils, die ftir eine Romanschriftstellerin bedenklich ist. Ein antisemitischer Oberlieutenant easfirt. Aus Brünn meldet man: Das hiesige jungczechische Blatt „Lidove Noviny" theilt mit, daß der Dragoner-Oberlientenant Baron S u i n i in Folge ehrengerichtlichen Verfahrens seiner Officierscharge für verlustig erklärt und als gemeiner Dragoner in >die Reserve versetzt worden ist. Vorher hatte Baron S u i n'i in Gvding, wohin er versetzt worden, einen dreißigtägigen.Zimmerarrest abgebüßt. Wie erinnerlich, hat Baron S u : n i vor einiger Zeit

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