Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 17 (24.4.1896)
- Date
- 1896-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 332 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 17 Unaufgeklärter Beronesermann. Wien. Haben Sie jemals von einem Spitzbuben gehört, der sich freiwillig zu seinen Gaunereien bekannt hätte? Das sind Ausnahmen. Es ist leider heute so „Mode": „die größten Spitzbuben sind die angesehensten Leute." Ein erbärmliches Zeitalter! U. d. Gr. I. Maria-Taferl. Heil den 7 liebw. Gesinmmgsgenossen! Habt ihr auch die „treue Anhänglichkeit" der Bewohner an den Abgeordneten sür Stein bemerkt? Droben im Wallfahrtsort predigen die Diener Gottes „Du sollst nicht stehlen" — weiter stromabwärts werden solch „christliche" Lehren trotz „christlicher Gesimrung nicht befolgt. U. d. Gr. I. Ein antisemitischer Kampf gegen eine Baron Hirsch sche Schule. Wie gemeldet, brachte die Vorstehung der „Vereinigten Handwerksgenosfenschaft in R z e s z o w" beim Verwaltungsgerichtshofe eine Beschwerde dagegen ein, daß die Administrativbehörden den von der Genossenschaft gefaßten Beschluß, wonach die Zöglinge der dortigen H i r s ch'schen Schlosser- Fachschule nicht als Lehrlinge im Sinne des Gewerbegesetzes zu betrachten seien, sistirt habe. Diese Beschwerde vertrat Dr. Lueger, während sie von Dr. W e ch s b e r g namens der Baron H i r s ch'schen Stiftung bekämpft wurde. Heute verkündete der Senatspräsident Dr. v. B ö h m- B aw erk die Entscheidung des Berwaltungsgerichtshofes, wonach d i e B e s ch w e r d e als u n b e g r ü n d e t abgewiesen w u r d e. Die Genossenschaft ist nunmehr verhalten, die Zöglinge dieser Anstalt als Lehrlinge zu incorporiren. Die Entscheidungsgründe bezeichnen die von Dr. Lueger vorgebrachten Einwände als weder im Gewerbegesetze begründet, noch zutreffend und zum Theile ganz belanglos. Ein Heiratsinserat. Ein Berliner antisemitisches Blatt glaubt sich über folgendes Inserat grausam anfregen zu müssen: „C h r i ft i n, 26 Jahre alt, wünscht sich mit einem tüchtigen, jungen Kaufmann jüdischer Confesiion zu verheiraten; selbige besitzt zwei gutgehende Geschäfte. Vermögen erwünscht, jedoch nicht erforderlich. Photographie und Referenzen sind einzusenden rc." Vielleicht hat diese C h r i st i n mit der „deutschen Treire" eines antisemitischen Ariers so traurige Erfahrmrgen gemacht, daß sie von einem „Teutscheir" a n t i s e m iti scheu Schlages nichts mehr wissen tvill. Unter dieser Sorte gibt es nämlich sehr freche Schwindler. Jedenfalls ist die Jnserentin nicht so ini M aterialismus versunkeir, wie gewisse „teutsche" Adlige, die auf dem Jnseratenwege eine Jüdin suchen, wobei aber Vermögen, und zlvar recht viel, nicht blos erwünscht, sondern Bedingung ist. Eine antisemitische Jnseratengeschichte. Die „O.st deutsche Rundschau", die sich in einer Polemik mit Herrn G r e g o r i g befindet, erhielt von Letzterem eine Berichtigung, in welcher es heißt: „Es ist unwahr, daß Sie seit Langem gegen mich eine Antipathie hegen. Wahr ist, daß sie in Nummer 16 ver „Ostdeutschen Rundschau" vom 18. Jänner 1694 einen Leitartikel brachten, welcher sich über meine Thätigkeit im Wiener Gemeinderathe zustimmend aussprach — daß noch an demselben Vormittage Ihr Jnseratenagent Herr Atzler bei mir in meinem Geschäftslocale erschien und unter Vorweisung des vorerwähnten Artikels mich um ein Inserat für Ihr Blatt ersuchte." Die Sprache Gregorig's ist hier klar und deutlich. Die „Ostdeutsche Rundschau" aber gibt darauf folgende Verlegenheilsantwort: Die Jnseratengeschichie verhält sich, wie uns unsere Verwaltung miltheilt, etwas anders, als Herr Gregorig darzustellen beliebt. Herr Gregorig ist selbst höchstpersönlich in unserer Verwaltung erschienen und hat wegen Aufnahme seiner Ankündigung verhandelt. Die Verhandlungen scheiterten daran, daß Herrn Gregorig die Ankündigung zu Iheuer schien, wurden aber später von einem unserer Jnseratenagenten wieder ausgenommen. Das Inserat, von dem Herr Gregorig wohl nicht leugnen wird, daß es fernem Geschäftsinteresse entsprach, wurde ausgenommen und das Erscheinen desselben durch üblichen Vertrag festgestellt." Der Zusammenhang zwischen dem lobenden Artikel und dem Abschluß des Jnseratengeschäftes wird durch diese Entgegnung keineswegs alterirt. („Fr. Bl.") „Warum? Darum!" Eine interessante Nachricht kommt uns aus Studentenkreisen in der Satisfactionsfrage zu. Die Wiener Burschenschaften, die bisher dem Beschluß der Waidhofener Vereine neutral gegenüberstanden, haben sich am 14. d. M. den D e u t s ch n a t i o n a l e n v o l l i nh a l t l i ch angeschlossen, „den Juden auf keine Waffe Satisfactivn zu gebe n." — Wohlweislich unterließen die Burschenschaften, diesen Beschluß selbst in ihrer: Leiborganen kundzugeben und nur auf privaten! Wege wurden die Verbindungen davon verstärrdigt. — Eine akademische Verbindung hatte vor vier Wochen eine Partie mit einer Wiener Burschenschaft. Dieselbe mußte infolge „schlechter" Hiebe seitens der Burschenschaft unterbrochen werden. Vorgestern sollte die Fortsetzung der Partie stattfinden. Da kam den Studenten auf ihre Einladung folgendes Antwortschreiben zu : „Euer Wohlgeboren! Wir sehen uns bemüssigt, die genannte Partie nicht fortzusetzen, da der Wiener Delegirtenconvent m i t d e m 14. April d. I. allen jüdischen Studenten die Satisfactivn entzieht! Ahlwardt in Amerika. Die „New-Dorker Staatszeitung" vom 7. April berichtet: Judenhetzer Ahlwardt, zwei seiner Begleiter und drei seiner Feinde wurden gestern Abend in Hoboken als Radaubrüder verhaftet. Der deutsche Reichstagsabgeordnete hat sich auch noch wegen Tragens verborgener Waffen zu verantlvorten. Ahlwardt wollte gestern Abend vor dem „Antisemiten- Berein" von Hoboken in der Germania-Halle einen Vortrag halten und kam in Begleitung von Ernst Mendel, seinem Secretär, und Ernst Friedow von No. 1154 Myrtle Ave., Brooklyn, nach der Halle. Da Ahlwardt schon früher in Hoboken mehrere Versuche gemacht hat, Vorträge zu halten, aber von den Semiten daran verhindert wurde, wurden mehrere Polizisten nach der Halle gesandt, um die Ruhe aufrecht zu halten. Es hatten sich mehr Israeliten, als Antisemiten eingefunden, und ehe die Polizisten, die oben in der Halle auf die Ankunst des Redners warteten, es verhindern konnten, wurden Ahlwardt, sein Secretär und Friedow unten von den Israeliten angegriffen. Ahlwardt soll nun einen Revolver gezogen haben, um den Airgreifern Angst einzujagen. Im nächsten Augenblicke kani eine Abtheilnng Polzei, aus den Detectivs Nelson, Fenton und Quinn und den Polizisten Gallagher und Peters bestehend, aus dem Stationshause angerückt. Ahlwardt wurde die Pistole aus der Hand gerissen und er, seine Begleiter und drei der muthmaßlichen Angreifer wurden verhaftet. Die ganze Gesellschaft wurde im Patrouillewagen nach dem Stationshause gebracht, wo Ahlwardt und seine Begleiter wegen unordentlicher Aufführung, der Judenhetzer auch noch wegen Tragens.. einer verborgenen Waffe, und die drei Israeliten Samuel Decker, Israel Birnbaum von Nr. 322 Grand Str. und Horace I. Cohen von Nr. 391 Palisade Ave., Jersey City, wegen Angriffs eingesperrt wurden. Ahlwardt behauptet, daß ihm Jemand den Revolver in die Tasche gesteckt habe, aber Nelson will gesehen haben, wie er den Revolver zog. Cohen sagt, daß Raufbolde den Reichstagsabgeordneten rmd seine Begleiter angegriffen hätten. dt. M. Moeller, der Präsident, und Jakob Hufnagel, der Secretär des Antisemiten-Vereins, waren Zeugen des Radaus und sagen, Ahlwardt habe nur in Selbstvertheidigung gehandelt. Friedow, der Redacteur des „Antisemiten", und Mendel wurden am Kopfe verwundet. Später wurden die Israeliten gegen Bürgschaft entlassen; Ahlwardt dagegen konnte bis spät Abends keinen Bürgen finden. Die „New-Yorker Staats-Zeitung" berichtet am 8. d. M.: „Vor Recorder McDvnough in Hoboken hatte gestern der „warme Empfang", den man dem Jndenhetzer H e r m a n u A h l w a r d t am Montag Abend in der ersten Straße bereitete, ein Nachspiel. Ahlwardt. der bekanntlich rrebst seinen Angreifern verhaftet wurde, weil er einen Revolver gezogen, war im Laufe der Nacht gegen Bürgschaft, die der Wirth Alfted Blume gestellt hatte, entlassen worden, blieb aber in Hoboken, um sich rechtzeitig zum Verhör einfinden zu können. Er hatte Anwalt I. L. Weller engagirt und wurde zuerst vernommen. Der „Rector aller Teutschen" erzählte dein Recorder, wobei sein Secretär Ernst Mend-ll als Dolmetscher fungirte, daß er auf dem Wege nach dem Locale, wo eine Versammlung des „Antisemiten-Vereins" stattfinden sollte, von etwa 100 Juden umringt und mit dem Tode bedroht worden sei. Auf die Frage des Recorders, ob er einen Revolver gezogen, fuhr Ahlwardt fort, daß er nach einem Studium der Bundesverfassung zu der Ansicht gekommen sei, daß er einen Revolver tragen könne. Er habe deshalb in New- Mrk um die Erlaubnis dazu nachgesucht und dieselbe auch erhalten. Als er angegriffen worden, habe er den Revolver gezogen. Weller war auch der Ansicht, daß ein Ausländer ein Recht habe, eine Waffe zu tragen, und der Recorder vertagte das weitere Verhör bis Nachmittag, wobei er bemerkte, daß Ahlwardt ein öffentlicher Ge mein schaden sei, weil er ü b e r a l l R u h e st ö r u n g e n v e r u vs sache; die Israeliten hätten jedoch kein Recht, Ahlwardt anzu