Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 17 (24.4.1896)
- Date
- 1896-04-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Blvch's Wochenschrift. und Schrift, vvr Allem gegen die Corruption der „Judenpresse'. Lueger nannte ihn seinen Freund, Schneider erklärte sein Blatt für das anständigste in Graz. Das war freilich ein bedenkliches Zengniß, man konnte voraussetzen, daß es ein falsches Zengniß sei. Und ein solches war es auch. Der „Gr a z e r L n e g e r" hat es mit der Ehrlichkeit so wenig genau genommen, wie der Freiherr v. Hamme rst e i n, er hat sich bei der Geldbeschaffung für sein Blatt des Betruges und mehrfacher Veruntreuungen schuldig gemacht und ist heute ebenso wie sein Berliner Vorbild ans Staatskosten versorgt. Nur wenig hätte gefehlt und Feicht i n g e r wäre neben Lueger und L i e ch t e n st e i n als Vertreter des Grazer „christlichen Volkes" im Reichsrathe gesessen und hätte sich dort über die Corruption der „orientalischen Fremdlinge" sittlich entrüstet. Man hat ihn zu früh erwischt! 3. Der Görzer „Bergani". Ehrenmann Nr. 3. In Görz erscheint ein antisemitisches Winkelblättchen, welches natürlich die Philippopler Mordgeschichte begierig aufgegriffen hat. Man kennt diese Geschichte! Vor dem Pasiahfeste verschwand in Philippopel ein Christenkind. Sofort wurde mit geflissentlicher Geschäftigkeit die Lügenmähr verbreitet, daß die Juden das Kind geraubt und getödtet hätten, uni sein Blut für die Mazzes zu gebrauchen. Die systematisch verhetzte Menge drohte mit Ausschreitungen gegen die Juden, welche auch trotz des energischen Eingreifens der Sicherheitsbehörde sich kaum hätten verhüten lassen, wenn nicht in letzter Stande die Aufklärung gekommen wäre. Arbeiter sahen auf der Straße nach Stanimaka am frühen Morgen eine Frau, welche, ans Philippopel kommend, einen Sack ans dem Rücken trug, vor der Stadt den Inhalt desselben entleerte und dann nach der Stadt zurückeilte. Durch das sonderbare Gebühren der Frau, ihr ängstliches Umherspähen, die Hast und Eile, mit dcr sie hantirte, aufmerksam gemacht, begaben sich die Arbeiter eiligst an die Stelle, wo sie ihrer Bürde sich entledigt hatte, und fanden dort zwischen zwei Bäumen liegend die Leiche eines Kindes. Sofort wurde die Polizei benachrichtigt, welche sehr bald am Fundorte seststellte, daß es sich um das seit mehreren Tagen verschwundene Kind handle, und daß die Frau, welche den Leichnam dort abgelagert hatte, eine Katholikin aus der Gemeinde der Paulikaner, die Nachbarin der Eltern des Kindes, sei. Letztere wurde verhaftet und behauptete, daß die Juden das Kind getödtet und ihr für die Fortschaffung der Leiche Geld gegeben hätten. Aber durch die in ihrem Hause Vorgefundenen Kleidungsstücke vollends überführt, gestand sie dann, daß sie s e l b st das Kind e r m o r d e t habe! Mannigfache Verdachtsgründe sprachen dafür, daß ihr Mann und noch ein Katholik an dem Verbrechen betheiligt waren, welche denn auch gleichfalls in Hast genommen wurden. Die Leiche wurde unter großem Zulauf in's Hospital gebracht, wo die Obduction ergab, daß derselben „kein Blut abgezapft worden" sei. Die mit Eifer fortgeführte Untersuchung beseitigte jeden Zweifel, daß d e r M o r d n u r begangen w o r d e n i st, um d i e I u d e n zu verdächtigen!! Da die Belästigungen unserer Glaubensgenossen trotzdem nicht verstummten, ließ die Polizei durch öffentlichen Anschlag die Ergebnisse der Untersuchung bekannt geben, unter Androhung strengster Strafe für Jeden, der jene Verdächtigungen wiederholt. Sämmtliche Antisemiteublätter schloffen ihre Berichte mit den Worten: „Die Untersuchung gegen die Verhafteten, die natürlich dem S t a m m e I s r a e l angehören, dauert fort; vorläufig leugnen sie Alles". Auch der Görzer Bergani, der Herausgeber des dortigen Antisemitenblättchens, brachte diesen Passus. Die Görzer Gemeinde nun hat gegen diese lügnerische Behauptung einen in italienischer Sprache geschriebenen Protest Seite 33 t veröffentlicht. Aber trotz dieses Protestes, trotz des von den bulgarischen Behörden amtlich sestgestellten Thatbestandes, trotz des Geständnisses der Mörder und des Ergebnisses der Obduction bleibt der Görzer Bergani bei seinen Lügen. Es ist immer dasselbe frevelhafte Spiel, überall dasselbe schurkische Treiben. Sie sind alle Comödianten und alle — Ehrenmänner! Vom Jahrmarkt des Lebens. Jüdische Väter und Mütter! Die wehrhafte jüdische Studentenschaft in Wien har durch ihr jüngstes, mannhaftes und unerschrockenes Auftreten einen nicht allein der jüdischen Jugend, sondern der gesummten Judenschaft und dem Judenthum zugedachten Schimpf abgewendet. Kein jüdischer Vater, keine jiidische Mutter darf sich in der Gegenwart damit begnügen, daß unsere Jugend nur auf geistigem Gebiete, in Kunst und Wissenschaft mit Jedem den Wert kampf aufnehme und bestehe. Unsere Jugend muß auch im Stande sein, ihre Körper kräfte zu gebrauchen und sich mit dem Gegner zu messen, muß Muth, Unerschrockenheit, Gewandtheit und Erfahrung besitzen, um jeden ihr aufgezwungenen Kamps mit Ehren auSzmechteu. Zu diesem Zwecke müßt Ihr, jüdtsche Eltern, Eure Söhne wehrhaft machen. Widmet Eure besondere Sorgfalt und Auf merksamkeit deren Körperpflege, der Ausbildung ihrer Körperkrair und Stärke. Lasset Eure Söhne durch tüchtige Lehrer im Turnen, Fechten, schlagen ausbilden und üben, damit alle ohne Unter schied gleichberechtigt und gleichwerthig mir der anderen Jugend auf den Plan treten. Wohl ist der Friede der Grundgedanke und das Erzieimugs ziel unserer erhabenen Religion; wohl wurde zum erstenmale ans dem Munde jüdischer Propheten das Ideal ausgesprochen, daß einst die Waffen in Werkzeuge des Friedens nmgewandelt werden, doch unsere Zeit ist der Verwirklichung dieser Ideale am wenigsten geneigt, und es kann der Fröiumste nicht in Friedeil bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Wie das Friedensvolk seiner Kraft und seiner Unerschrockenheit Achtung verschaffen kann, beweisen die Geschichte der Makkabäer und Bar-Kochbas Schaaren, und was die Väter gekarint, dürfen die Söhne nicht verlernt haben. Es gibt eine Zeit zum Frieden und eine Zeit zum Kampfe. Wollen wir Frieden, müssen wir kampfbereit sein. B u d a p e st, im April 1896. Albert L ö w. Ein insolventer Pfarrer. Ter Pfarrer von Csongrad, Anton Hegyi, gründete vor Jahresftift dvrtselbst ein Blatt unter dem Titel „Csongradi Közlöny". Dasselbe sollte hu ungarischen Alföld die Lehren der antisemitischen „Vvlkspartei" verbreiten. Er etablirte demselben eine prächtig eingerichtete Druckerei, kaufte Alles auf Credit, und der dortige Grundbesitzer Mathias Eßes übernahm die Haftung. Es kam der Verfallstermin, „und da Keiner wollte leiden, daß der Andere für ihn zahle, zahlte — Keiner von den Beiden", was die unangenehme Folge hatte, daß der Gerichtsvollzieher alle Habseligkeiten des hochwürdigen Herrn pfändete und selbst sein Jahresgehalt als Pfarrer — 1680 fl. — mit Beschlag belegte. Prestproeest eines antisemitischen Blattes. Tie königlich ungarische Staatsanwaltschaft hat gegen den antisemitischclericalen „Magyar Allam" „wegen Zlufreizung gegen die jüdische Confession" zwei Preßklagen überreicht. Die incriminirten Artikel waren anläßlich der jüngst stattgehabten Verhandlung der Garam- Kis-Salloer Blutbeschuldigung erschienen. Ein olympischer Sieger aus Budapest, Namens Alfred G u t t m a n n, der am 11. d. M. bei den olympischen Spielen in Athen bekanntlich die ersten zwei Preise im Wettschwimmen gewonnen hat, ist ein Glaubensgenosse, der auch ini weiten „Meer des Talmud" zu schwimmen versteht, denn er ge hörte vor nicht langer Zeit zu den scharfsinnigsten Bachurnu einer ungarischen Jeschibah. Er wurde auf Staatskosten nach Athen entsendet, wo er nicht nur der ungarischen Nation, sondern auch seinen Glaubensgenossen Ruhm und Ehre verschaff: har. Wer ist der Gezeichnete? Die „U. D. W." bringen im Briefkasten nachsteheiwe 'Antworten der Redaction: