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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 330 Dr Bloch's Wochenschrift Haft heilbringender erwiesen. Gegenwärtig bestehen über fünfzig solcher Schulen und so mancher arme galizische Judenjunge ist aus diesen Schulen bereits als tüchtiger Werkmeister hervorgegangen, der seinen Glaubensgenossen die Wege zu nützlicher und erfolgreicher Arbeit weist. Die Verfolgungen der russischen Juden und die Auswanderung Tausender unserer Glaubensgenossen aus dem ungastlichen Lande haben in Baron Hirsch den Plan gereift, in Argentinien eine jüdische Ackerbau-Colonie zu gründen. Ein Capital von 50 Millionen Francs ist hiefür bestimmt worden. Unter unsäglichen Schwierigkeiten wurde das große Werk in Angriff genommen, durch welches bewiesen werden sollte, daß die Juden sich zur physischen Arbeit und zum Ackerbaue eignen. Als ein wahrer Erlöser aus der Knechtschaft ist Baron Hirsch unseren bedrängten russischen Glaubensgenossen erschienen, ungeheuere Auswanderungszüge gingen über das Meer in die neue Welt, welche den armen Menschen als ein anderes gelobtes Land erschien. Planmäßig wurde diese Auswanderung geleitet, mit kluger Fürsorge wurden die Ansiedler ihrer Bestimmung zugeführt. Man wies ihnen Land an und gab ihnen Werkzeuge, alles Uebrige hing von ihrer eigenen Thätigkeit ab. Auch hier, wie in allen seinen Humanitären Unternehmungen ging Baron Hirsch von einem weisen Gedanken aus: wie er selbst seine ungeheuren Reichthümer nur als ein anvertrautes Gut betrachtete, so sollte auch die von ihn: gewährte Hilfe nur als ein Darlehen gelten, welches von den Früchten fleißiger Arbeit zurückgezahlt werden sollte. Er wollte keine Bettler, sondern arbeitssrohe Menschen schaffen und in Galizien, wie in^Argentinien ist ihn: dies vielfach gelungen. Aber auch dort, wo unsere Glaubensgenossen schon auf einer sicheren Stufe der Entwicklung standen, übte Baron Hirsch Wohlthätigkeit in großen: Stile. In Wien, in Budapest, in Lemberg, Krakau und New-Iork errichtete er Bureaux, welche er mit monatlich fl. 70.000 dotirte und welche an kleine Geschäftsleute und Handwerker unverzinsliche aber rückzahlbare Darlehen gewährten, :nit welchen sich dieselben aushelfen konnten. Die segmsreiche Thätigkeit dieser Bureaux ist in unserem Blatte oft und eingehend genug gewürdigt worden, als daß wir hier in die Details derselben eingehen müßten. Mitten in neuen, großen Entwürfen zum Heile seiner Mitmenschen, zum Wohle seiner Glaubensgenossen hat Baron Hirsch der unerbittliche Tod ereilt. Wir suchen vergebens nach einem Worte der Klage, das der Größe, dem Edelmuthe dieses Mannes entsprechen würde. Kein jüdisches Herz ist bei der Nachricht von seinem Tode unbewegt geblieben, Hnnderttausende beweinen in ihm ihren Vater, ihren Erlöser, ihren Stab und ihre Stütze. Groß war der Segen, den er um sich verbreitet, ist die Trauer, die er zurückläßt. Er hat den Bann der Jahrtausende, der auf uns Juden lastet, nicht gebrochen, denn er war trotz seiner Millionen nur ein Mensch; aber er hat in Werken der Barmherzigkeit dennoch Uebermenschliches geleistet, er war nicht blos ein Wohlthäter, er war ein Genie in: Wohlthun und unvergänglich wird sein Name leuchten unter den Besten und Edelsten, welche das Judenthum hervorgebracht hat. -i- * Das Wiener Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung hat an Frau Baronin Clara Hirsch in Paris folgende telegraphische Trauer-Kilndgebung gerichtet: „Baronin Hirsch in Paris. Von dem grausamen Schlage des Schicksals erschüttert, vermögen wir in der ersten Bestürzung nichts, als Ihnen trauernd die Hand zu reichen, zum Zeichen der tiefen, herzlichen Theilnahme, zum Zeichen der Verehrung und dankbaren Hochachtung für den unvergleichlichen Gönner der leidenden Menschheit und seiner hochsinnigen Mitarbeiterin. Ein Delegirter unseres Curatoriums wird unter den Leidtragenden in Paris erscheinen. Baron Hirsch-Stiftung." Nr. 17 Drei Ehrenmänner. 1. Der Berliner „Loisl". DerSprößling eines altadeligenGeschlechtes, ein Nachkomme Derer, die einst in kühnem Maguatentrotz den: Könige drohend zuriefen: „Und der König absolut, wenn er unser:: Willen thut!" — einer von jenen Zweit- oder Drittgeborenen, für die von dem Stammvermögen des Hauses nur karge Brocken abfallen und die daher angewiesen sind, in der Armee, im Staatsdienste oder im politischen Leben ihren „standesgemäßen" Unterhalt zu suchen. Das Bild des Freiherrn von H a m ::: e r st e i n, des ehemaligen bejubelten Führers der deut chen Junker- und Muckerpartei, ist das Bild unserer hochadeligen Judenhasser, unserer fürstlichen Jesuitenzöglinge und gräflichen Antisemitensührer. Die Charaktere gleichen sich zum Verwechseln — abgesehen natürlich von jener Verwechslung des Mein und Dein, welche die Carriere des Freiherrn von Ham m e rst e i n so plötzlich zum Abschlüsse und ihn selbst in's Gefängniß gebracht hat. In bengalischer Beleuchtung erscheint der freiherrliche Freund des Hospredigers Stöcker durch eine Broschüre welche soeben seine ehemalige Maitresse, Flora G a ß, veröffentlicht hat. Die. schöne Sünderin saß einmal in der Reichstagsloge, als H a m n: e r st e i n unten im Saale eine seiner antisemitischen Brandreden hielt, sich dabei als Hüter der Zucht und frommen Sitte anfspielte und gegen die allgemeine Sittenverderbniß donnerte, als deren Brutstätten er die Kneipen mit weiblicher Bedienung bezeichnete. Das kam der Zuhörerin in der Loge droben doch sehr eigenartig vor und sie sagte ihm nach der Sitzung ins Gesicht: „Ihr seid halt eben A l l e z u s a :n n: e n d i e r e i n st e n C o m ö d i a n t e n! Herr v. H a m m e r st e i n lachte und ries aus: „Ja was soll man thun? das ist doch nun 'mal mein Beruf." Ja wohl, das ist nun einmal der Beruf all' dieser Ehremnänner, mögen sie in einer preußischen Muckerschule oder in einem österreichischen Jesuitenconvicte erzogen worden sein. Sie Alle predigen Wasser und trinken Wein, sie Alle heucheln, lügen, betrügen und verleumden sie Alle nehmen für sich das Recht in Anspruch, während sie gegen die Unmoralität der Zeit donnern, sich selbst außerhalb der Gesetze der bürgerlichen Moral zu stellen. Herr von Ham m e r st e t n ist ein Typus. Es gibt keine Schlechtigkeit, die er in seiner „Kreuzzeitung" den Juden nicht nachsagte, vor Allein war er bemüht, bei jeder Gelegenheit ihre Eigeuthnmsgefährlichkeit zu behaupten. Er aber, er gab lachend zu, daß er und seine Gesinnungsgenossen nichts als gewissenlose Comödianten seien. Für ihn freilich ist die Comödie zu einem tragischen Abschlüsse gediehen und auch seinen Freund Stöcker hat der Fluch der allgemeinen Verachtung getroffen. Aber die Anderen alle, sie spielen die Comödie noch fort. Die hochgeborenen Herren der conservativen Partei haben Hamm erst ein noch gestützt, als ihnen seine Nichtswürdigkeiten schon längst bekamH waren, noch immer war er ihnen der Vorkämpfer für Religion, Sitte und Ordnung, bis der Staatsanwalt ihnen diese Perle entriß. 2. Der Grazer „Lueger". Dieselbe Heuchelei, dieselbe Niedertracht, dieselbe Zweideutigkeit und Doppelzüngigkeit, derselbe Trieb zum Verbrechen, während man öffentlich Tugend und Moral predigt, ist das charakteristische Merkmal der antisemitischen Bewegung überall, diesseits wie jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle. Ehreninünner sind sie Alle, Alle in dem Sinne, in welchem F l o r a G a ß das Wort „Comödianteu" gebraucht hat. Das lehrt auch bei uns wieder einmal der Fall F e i ch t i n g e r, das Glück und Ende des Mannes, den sie den „Grazer Lueger" nannten. Auch er war ein Cato, auch er wetterte gegen die jüdische Corruption in Wort

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