Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 17 (24.4.1896)
- Date
- 1896-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 17. DPa BIOCll’S Jahrgang XIII. Centrawrggn für dir gesammten Interessen des Iudrnthums. n poiHiMrc.tüen-Jlin* j, £ i t a r i« p \j c v h c lj r ij Nr. 8K3.976, LrLarttsn und Ndrniniüralwn: Wien I, interr Nngnrtrnfirahr 1» TsSepüion - Mp. 6535. f . Wien, 24. April 1896. -.^-1- - Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. - -» i! Äe>uyapct’& für 0f: IJ I' li j! H«lbtiiyrrg H. * £t j! ij 5 itKlflfnuiloTf SL kr. |! |j Äualjnö: j; jj halt, ^hrrft fl i o ftt. |j I -anzj-ihrig 10 . — ,0 „ i Inhalt: Lei larlike l: Baron Moritz Hirsch. — Drei Ehrenmänner. '— Vom Jahrmarkt des Lebens: Jüdische Väter und Mütter. Ein insolventer Pfarrer. Preßproceß eines antisemitischen Blattes. Ein olympischer Sieger aus Budapest. Wer ist der Gezeichnete? Ein antisemitischer Kampf gegen eine Baron Hirsch'sche Schule. Ein Heiratsinserat. Eine antisemitische Jnseraten- ' geschichte. „Warum? Darum!" Ahlwardt in Amerika. Die Juden und die Leipziger Messen. Die Früchte des Befähigungsnachweises. Der Grazer Autisemilenhäuptling Feichtinger verhaftet. Grillparzer über die Deutschen. Antisemitismus in der zeitgenössischen Literatur. Ein antisemitischer Oberlieutenant cassirt. Deutschenhaß in Brasilien. Die Deutschen sind nicht blond und blauäugig. Zur Schacht- Hetze. — Die Idee der Eolonisation Palästina's in England. — Von den Ufern der Newa. Sanitätsrath Dr. Neumann vertheidigt Schulchan-Aruch und Talmud. — Ehacham Zebi. — Correspondenzen: Wien, Baden, Budapest, Czernowitz, Berlin, New- Uork. — Vermischtes: Wien, Constantinopel, Brighton, London, Paris. — Feuill eton: Kinder des Ghetto. — Jüdische Humoresken. — Briefkasten. — Inserate. — Ein Briefwechsel. - Eingesendet. — Die Emden-Eibenschitz'sche Fehde. Baron Moritz Hirsch. Baron Moriz Hirsch ist todt, mit einem jähen Blitz hat das Schicksal einen der Mächtigsten, aber auch einen der Besten dieser Erde gefüllt. Er war mächtig durch seinen unernießlichen Reichthum und er lvar gut durch den Gebrauch, den er 'von seinen Schützen machte. Wollte man von ihm sagen, daß er ein Wohlthüter unserer Glaubensgenossen, ja ein Wohlthüter der ganzen Menschheit war, so würde man nicht entfernt sein Wesen und sein Wirken charakterisirt haben. Es hat große Philantropen vor ihm gegeben und nach ihm werden Andere kommen, in deren Herzen der Nothschrei aller Elenden und Bedürftigen seinen Widerhall finden wird. Auch Moses Montefiore hat ein ganzes Leben der Linderung des furchtbaren Druckes gewidmet, der auf unseren Glaubensgenossen im Osten lastet; auch Peabody hat mit vollen Händen gegeben und auch die Rothschild verwenden enorme Beträge auf Werke der Menschenliebe. Aber hoch über sie Alle hinaus ragt Baron Moriz Hirsch nicht allein durch die schier märchenhaften Summen, die er zu edlen Zwecken dahingab, sondern mehr noch durch das wohldurchdachte System der Wohlthätigkeit, durch welches er den Tausenden und Zehntausenden, denen er seine Fürsorge zuwendete, nicht blos ein Almosen reichen, sondern sie zugleich erheben und veredeln, zu nützlich wirkenden Gliedern der Gesellschaft machen wollte. Baron Moriz H i r s ch war ein Genie der Wohlthätigkeit. Dieselbe geistige Kraft, die ihm behilflich gewesen war, in fabelhaft kurzer Zeit sich zum Besitzer Hunderter von Millionen zu machen, war ihm dazu behilflich, diesen Reichthum zu einem Strome des Segens zu gestalten, der ganze Wüsten in lachende Fluren verwandelte. Unendlichen Jammer birgt diese Welt, unendlicher Jammer vor Allem bedrückt Millionen unserer Glaubensgenossen in den östlichen Ländern, die, in körperlichem Elend und in geistiger Nacht versunken, kaum noch ihre menschliche Bestimmung erfüllen können. Baron Hirsch besaß ein weiches, aber auch ein großes Herz. Diesem Herzen genügte es nicht, einzelne Thränen zu trocknen, den Hunger nur dort zu stillen, wo ihm derselbe just zufällig in einer bleichen und abgezehrten Gestalt entgegentrat. Baron Moriz Hirsch war nicht der Mann, um sich schlecht und recht mit den Pflichten des Reichthums abzufinden, um den Schein des Wohlthuns aufrecht zu halten, um nothdürftig sein Gewissen zu beruhigen. Auf ihn wie auf keinen Zweiten darf man das Dichterwort anwenden: „Ter Menschheit ganzer Jammer faßt ihn an!“ Von allem Anfang seiner Laufbahn hat er viel und reichlich gegeben. Aber je mehr er gab, umsomehr kam es ihm zu Bewußtsein, daß die Thränenfluthen der Armuth und des Elends ein uferloses Meer, einen unermeßlichen Ocean bilden, daß die Hilfe, die den Einzelnen gewährt wurde, gegenüber dem Massenelend nur ^.Tropfen auf einem glühenden Stein seien. Und als ihn nun auf der Höhe seines unfaßbaren Glückes der einzige aber auch grausamste Schicksalsschlag traf, als ihn der unerforschliche Rathschluß des Himmels seinen heißgeliebten Sohn, den Erben seiner Schätze, entriß, da verlor sich dieses edle und große Herz nicht in unmännliche Klagen. Ein Anderer hätte vielleicht die Welt mit seinen persönlichen Schmerze erfüllt, er aber suchte diesen zu stillen, indem er sich mit den Schmerzen der ganzen Welt erfüllte. Und sein Genie begriff und verwirklichte die erhabenen Eingebungen seines Herzens. Er schuf humanitäre Unternehmungen, wie sie in solcher Großartigkeit ohne Beispiel dastehen, die durch die Kühnheit ihrer Conception die höchste Bewunderung entlocken, die aber kraft der Millionen, die Baron Hirsch mit verschwenderischer Hochherzigkeit seinen Zwecken zu opfern beschloß, keine bloßen Luftschlösser, keine philantropischen Phantastereien blieben. Er wußte, was er wollte, und er hatte glücklicherweise auch die Macht, seinen Willen zur That zu machen. Von seinen Schöpfungen steht durch unmittelbare Wirksamkeit und glückliches- Gelingen die Baron-Hirsch-Stiftung für Galizien obenan. Er-widmete zwölf Millionen zur Errichtung von Volksschulen für die Kinder unserer armen galizischen Glaubensgenossen und für deren spätere Ausbil- > düng als Handwerker. Der Gedanke hat sich als ein wahr-