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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 324 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 16 Troppau, 12. April. Am 11. d. M. fand im hiesigen Tempel aus Anlaß der 30jährigen AmtsthätigkeU unseres zweiten Cantors, Herrn Jakob Herz, eine einfache, aber sehr herzliche Feier statt, die einen sehr würdigen Verlauf „ahm. Beim Mussaf-Gottesdienste war der Tempel vollständig beleuchtet, sowie der Schulchan und das Oron Hakodesch auf's Schönste geschmückt. Der Jubilar wurde zur Thora gerufen, und Herr Obercantor Singermaun sprach über den Jubilar einen von ihm zu diesem Anlässe versauten hebräischen Mi scheberach, worauf der Tempel-Chor den Psalm 134 sang. Im Hause des Jubilars fand sich im Laufe des Tages eine große Anzahl Gratulanten ein, die ihm sehr schöne, sinnige Geschenke überbrachten. Zahlreiche telegraphische Gratulationen sind dem Jubilar aus Nah und Fern von College:: und Privatpersonen im Lame des Tages zugckommen. E. B Protznitz. (T o d e s f a l l.) Die Familie unseres verehrten Mitbürgers Herrn Joachim Pollak ist in tiese Trauer versetzt worden. Ende vorigen Monats verschied nämlich dessen Schwester Frau Therese R i e ß nach kurzer Krankheit. Braila. Der Bericht ans Braila in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist dahin zu ergänzen, daß das Erträguiß des Balles nicht 500, sondern 5000 Francs betragen hat. Weiters wäre noch zu bemerken, daß die hiesige von den Herren Brüder Abraham und David Schwarzmann gegründete israelitische Volksschule sich des fortgesetzten besonderen Wohlwollens des Herrn David S ch w a r z m a ir n in Wien erfreut. Schließlich haben sich nicht nur die erwähnten Persönlichkeiten, sondern das ganze Cvmits und alle Ehrendamen um das Zustandekommen des Festes hochverdient gemacht. Abbazia König Karl von Rumänien empfing unläirgst den serbischen General-Cousul Emil K u r a n d a in Audienz. Der König erkundigte sich bei Herrn Kuranda nach den Handels¬ und Schifffahrtsverhältnissen in eingehender Weise. Der König ist genau orientirt über die Import- und Exportverhältniffe von Triest und Genua und hat alle statistischen Daten darüber im Gedächtnisse. Lippa. (Ein Advocat als Prediger.) Anläßlich des israelitischen Osterfestes hielt der Csäkovaer Advocat Doctor Rudolf K o h n während des Gottesdienstes eine Festpredigt. Zn dem ungewöhnlichen Ereignisse hatten sich die Israeliten Csäkovas vollzählig und auch viele angesehene christliche Bürger eingesunden, die den Ansfiihrnngen des predigenden Advocaten mit großer Aufmerksamkeit folgten und ihm nach der Festrede vielfach gratulirten. Potsdam, 27. März Unserem verehrten Rabbiner, Herrn Dr. Cohn ist ans Anlaß seines Scheidens aus dem Amte der Rothe A d l e r o r d e n IV. Classe verliehen wurden. Herr Polizeipräsident v. B a l a n überbrachte die Auszeichnung persönlich und äußerte sich in Worten rühmendster Anerkennung über die Wirksamkeit des Herrn Rabbiners. Jena. 6. April. Herr Professor Tr. B. Pick, wissenschaftlicher Beirath des herzoglichen Münzcabinets in Gotha, ist zum außerordentliche!: Professor der M ü n z k u n d e ai: der hiesigen Universität ernannt worden. Stuttgart, 6. April. Se. Majestät der König hat dem Großhändler Julius N e u b ü r g e r in München den Olga- Orden verliehen. — Nach der neuesten Statistik des württembergis chen B oU k s s ch u l w e s e n s gibt es in Württemberg 26 israelitische Volksschulen (darunter 2 zweiclaffige) mit 662 Schülern (303 Knaben, 359 Mädchen), welche von 23 Schullehrern, 3 Schulamts-Verwesern und 2 Unterlehrern unterrichtet werden. Mühlhanse», 6. April. Die „Israelitische Gewerbeschule des Ober-Elsaß", welche sich längst den wohlbegrüitdetei: Ruf eines Musterinstitutes erworben hat, beherbergte im abgelaufenen Jahre, dem 53. ihres Bestehens, 42 Schüler. Die Einnahmen betrugen M. 19.892'92, die Ausgaben M. 16.180.60 Das Grundvermögen hat die Höhe von M. 120.000 erreicht. Berlin. Geheimer Sanitätsrath Dr. Kristeller hat feine Stelle als Präsident des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" niedergelegt. Der „Gemeindebund" hat dem Tacte und Geiste dieses Mannes viel zu verdanken und der Rücktritt des greisen Präsidenten wird allgemein lebhaft bedairert. Im Juni wird ein Gemeind etag sich mit der Wahl eines neuen Präsidenten befaffei:; in der Zwischenzeit wird Professor Dr. Martin Philippson die Functionen eines solchen versehen. Köln, 13. April. Freiherr v. S tu mm bezeichnet^ in der Lestrigen in N e u n k i r ch e n stattgehabten, von 2000 Personen besuchten Versammlung die jetzige ch r i st l i ch - s o c i ajl e Bewegung für gefährlicher als die Socialdemokratie. Wenn es dem Kirchenregiment nicht gelinge, dieser antimonarchischen und antichristlichen Bewegung Herr zu werden, so gehe die Landeskirche zu Grunde. Auch der K a i s e r sei laut eines Telegrammes an Stumm dieser Ansicht. Genua, 12. April. Unter außerordentlicher Betheiligung wurde soeben das Denkmal zu Ehren des Herzogs von G a ll i era in Anwesenheit des Herzogs von Genua, der Civil-und Militärbehörden, sowie des Consularcorps enthüllt. Das Denkmal ist ein Werk des berühmten Bildhauers Monteverde und gilt als das gelungenste, welches Genua besitzt. Abends werden die Stadt und der Hafen festlich beleuchtet und eii: Festbankett in: Palaste des Municipiums stattfinden. Brüssel. 13. April. Der Clericalismus wurde gestern in der erzbischöflichen Stadt M e ch e l n auf's Haupt geschlagen. S ä m m t l i ch e l i b e r a l e n Kandidaten für deir G e m e i n d e r a t h wurden mit mehr als 200 Stimmen Majorität gewählt. Diesmal wird sich die clericale Regierung dazu bequemen müssen, den liberalen Gemeinderath dem Erzbischöfe gegenüber zu dulden uird sich keine abermalige Auflösung desselben zu erlauben. Paris. Der Minister des Innern hat dem Jüdischen Asyle zu Plessis-Piquet ans dem Wettfonde („Pari Mutuel") den Betrag von 50.000 Francs zukvmmen lassen. Haag (Holland). Die Regentin hat das jüdische Versorgungshaus ii: Haag mit ihrem Besuche beehrt. Ihre Majestät besichtigte das ganze Gebäude und drückte ihre besondere Freude darüber aus, daß sich eine Synagoge im Hause befinde, so daß die alten Leute dem Gottesdienste beiwohnen können, ohne sich Wind und Wetter aussetzen z:: müssen. Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) - ■ (Nachdruck verboten.) „Aber der Maggid ist so schwach", prvtestirte Mendel Hyams, der sich in der Minorität befand. „Er hustet Blut." _ „Er sollte eine Woche auf's Land gehen", sagte Belkvwitsch mitleidig. „Ja, das mich er", stimmte Karlkammer zu. Wir wollen eine Klausel machen, daß wir ihm zwar nicht mehr per Woche bezahlen köuneir, aber ihm eine Woche Ferien geben. Der Schlatten-Schammes wird beit Brief an Rothschild schreiben." Der Name Rothschild war ein Zauberwort im Ghetto, der Tröster und Freund der Armen. Der Schlatten-Schammes verdiente sich eine erkleckliche Summe, indem er Briese an seine Adresse schrieb, denn er schrieb ein besseres Englisch als alle anderen Schreiber des Ghettos, füllte auch gedruckte Gesuche um Suppe oder Mazzes aus uird besaß ein höchst künstlerisches Verständniß dafür, wie viele Waisen einer Witwe erlaubt waren und wie lange Krankheiten dauern durften. Der Vorstand stimmte widerspruchslos für die Ertheilung der Ferien, und der Schlatten-Schammes setzte sofort einen Brief auf, natürlich nicht im Namen der „Söhne des Bundes", sondern im Namen des Maggids, und legte ihn letzterem zur Unterschrift vor. Der Maggid ging, auf das Urtheil wartend, in der Royal Street auf und ab. Er ging gebückt, so daß es wie eine fortwährende Verbeugung aussah, und fein langer, schwarzer Bart reichte bis an seine spitzen Kniee. Seine krumme Adlernase war dünner, sein langer Rock fadenscheiniger, seine Augen starrer geworden, und wenn er sprach, klang seine Stimme noch um eine:: Ton heiserer. Er trug einen Cylinder, der an einen von Wind und Wetter starr mitgenommenen Thurm erinnerte. - „Jejaschar Koichachoh,*) sagte der Maggid, als der Schlatteu- Schaunnes kurz erklärt hatte, was er gethan. „Nein, Deine Koiach ist wichttger," antwortete Jener herzlich und las ihn: den Brief vor, während sie urit einander weiterschritten, der Riese neben dem zusammengeknickten Weisen. „Aber ich habe ja gar keine sechs Kinder," sagte der Maggid. „Meine Frau ist to'dt und Gott hat mich nie mit einem Kadisch gesegnet." „Es klingt besser," antwortete der Schlatten-Schammes entschieden. „Von Predigern setzt man voraus, daß sie eine * j Olijj )Kl. K. rft zilnch.nni.

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