Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 322 Dr Vloch's Wochenschrift. Nr. 16 London. iD a s Hebräische ko m litt i u b i e M v d e.) Eine der erfreulichsten und interessantesten Zeiterscheiirungen ist das Studium des Hebräischen iu der jüdischen Damenwelt der englischen Hauptstadt. Und wenn englische Damen stndiren, so schaut etwas dabei heraus! England hat Schriftstellerinnen, wie Elisabeth Barrett Browning, George Eliot, Mrs. Hnmphrey Ward auszuweisen, deren Gelehrsamkeit sich nicht auf Buchstabenklauberei beschränkte, sondern dazu diente, Kunstwerke ersten Ranges zu schassen. In gleicher Weise scheinen die hebräischen Studien der jüdischen Damen in London die herrlichsten Früchte zu versprechen. Die jüdische Wochenschrift „Jewish Chrouicle“ bringt in ihrer letzten Nummer eine Uebersetzung des ,.Jigdal“ von Florence Ahronsberg, die volltöuig und doch knapp, dem dogmatischen Inhalt entsprechend, das Original vortrefflich resleetirt. Aber Florence Ahronsberg ist nicht die einzige Dame, die genug Hebräisch weih, um sich an eine Uebersetzung mittelalterlicher Poesie zu wagen. Frau Henry Lucas hat mehrere Gedichte von Juda Halevi und Jbn Giat iu meisterhafter Weise in's Englische übersetzt, und Mist Nina hat soeben ein Klagelied von M e i r Not h e n b u r g für die „Jüdische Vierteljahrschrist" übertragen. ^Eine Mist Elfte Davies hat sogar einen Aufsatz „Ueber die Frau im Midrasch" zu Stande gebracht, in welchem sie zahlreiche Midraschstellen in englischer Uebersetzung citirt. London. Eine glänzende Versammlung, zu der die Spitzen der englischen Jndenschaft zählten, tagte am Sonntag den 22. März in den festlich hergerichteten Räumen des neuen, glänzenden, sünfttöckigen Gebäudes, das sich der Board ot Guardian errichtet hat. In den 37 Jahren seines Bestehens hat der Board schon oft seine Localitäten wechseln müssen, weil die Räume den stets wachsenden Geschäften nicht mehr genügten. Endlich ist es den Anstrengungen des hochverdienten Präsidenten, Mr. Benjamin L. Cohen, gelungen, die Mittel zur Errichtung eines eigenen, den Ansprüchen genügenden Hauses zusammen zu bringen, ohne die lausenden Mittel de/ Board in Anspruch zu nehmen. Die glänzende Versammlung war einberusen, um zugleich die jährliche Generalversammlung und die Einweihung der neuen Amtsräume zu feiern. Zunächst begann die Feier mit dem Gesang einiger Psalmen, alsdann hielt der Oberrabbiner Dr. Adler die eigentliche Einweihnngsrede, aus die dann wiederum Psalmgesang folgte. Alsdann erklärte Mr. B. L. Cohen in aller Form die neuen Loealitäten für eingeweiht und schloß die Feier, indem er gleichzeitig die jährliche Generalversammlung eröffnete. Mr. Cohen gab in der großen Rede, mit der er die Versammlung einleitete, einen Ueberblick über die Entwicklung des Board in den 37 Jahren seines Bestehens. Er schilderte, wie nach einander die einzelnen Comites entstanden, die sich gegemvärtig in die Arbeiten des Board theilen, und er führte eine Reihe von Beispielen aus der Thätigkeit dieser Cvmitss an, um daraus hinzuweisen, wie groß die Leistungen derselben und ihre Verdienste um die allgemeine Wohlthätigkeit sind. Einige Beispiele mögen dies ziffermäßig belegen: Das Darlehens-Comite hat in den 28 Jahren seines Bestehens nicht weniger als 350.000 Mark ausgeliehen. Durch das Cvmite zur Ausbildung von Lehrlingen sind innerhalb 22 Jahren 1650 Knaben und 20 Mädchen untergebracht worden. 105 Damen und 189 Herren arbeiten im Ehrenamte an dem wohlthätigen Werke des Board, während 20 angestellte Beamte sich ausschließlich seinen Geschäften zu widmen haben. Reit dem Appell an alle Anwesenden, auch ferner den Board zu unterstützen und zu fördern, schloß der Rednerunter lautem Beifall seine Ansprache. Stach ihm sprachen noch F. D. Mocattv, der den Dank des Board an den Oberrabbiner aussprach und betonte, daß der B .ard of Guardian zwar ein localer Londoner Verein sei, die von ihm unterstützten Inden aber ans allen Ländern der Welt stammten. Mithin sei der Stutzen dieser Wohlthätigkeit keineswegs auf London beschränkt und das Werk des Board von der größten Bedeutung für die ganze Judenheit. Ter Oberrabbiner Adler sprach dem Vorredner seinen Dank aus für die Anerkennung, die er ihm gezollt und schloß sich seiner Auffassung von der Bedeutung des Boards an. Mit dem Dank der Versammlung an den Präsidenten, Mr. B. L. Cohen, schloß die Sitzung, woraus die Anwesenden das interessante neue Haus in Augenschein nabmen. Softa. Bulgarien, welches unaufhörlich für die Anerkennung seiner Rechte kämpft, geht damit im eigenen Lande nicht mit gutem Beispiele voran. Stach der Verfassung sind alle Bürger dieses Staates, und als solche sind die Inden anerkannt gleichberechtigt, aber in Wirklichkeit besteht, was die Juden betrifft, eine Klnit zivischen Theorie und Praxis, wie — nun, wie auch in anderen größeren Staaten. . In Bulgarien leben mehr als 30.000 Inden, von denen sehr viele sich durch Intelligenz und bürgerliche Tugenden auszeichnen. Aber kein Jude ist Mitglied der Svbranje. Slts unter dem Regime Stvilvw's ein Jude, Peter Gaber, in einem Wahlbezirke nahezu einstimmig gewählt wurde, ruhte die Regierung nicht eher, als bis sie dessen Wahl — unter allerlei Borwänden — annullirte. Aehnliche Erfahrungen machen die Inden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, sie werden überall verdrängt und als Rechtlose behandelt. In Sofia leben nahezu 10.000 Juden, die in hervorragender Weise zu den Staats- und Commnnalsteuern beitragen, aber im klebrigen als Bürger zweiter Classe behandelt werden. Kaum, daß einer im Gemeinderathe sitzt, kaum daß ein jüdischer Slrzt eine öffentliche Anstellung erlangt, die Juden sind auch vom Banksyndicat ausgeschlossen und die Möglichkeit, Grund und Boden zu erwerben, ist für sie gleichfalls nicht gegeben, denn bei dem Ankauf derartiger Mobilien wird stets der bulgarische Bauer berücksichtigt. Diese Umstände geben die beste _ Erklärung dafür, daß zahlreiche jüdische Familien im Begriffe stehen, das Land zu verlassen, um nach einer neuangelegten Colonie in Palästina zu übersiedeln. Jerusalem. Vor einiger Zeit hat ein griechischer Missivnär, als ein mohammedanisches Kind einige Zeit verschwunden war, die Gelegenheit benützt, um das Blutmärchen wieder auszuwärmen. Darauf sah sich der Suprior der Mission veranlaßt, an den rHabazeiethfolgendes Schreiben zu richten: „Halten Sie sich versichert, daß dieses Individuum mit mir in keiner wie immer gearteten Verbindung steht und daß das Blutmärchen uns ebenso gräulich ist, wie Ihnen, da wir Nüssen, daß es Ihrem Glauben, wie Ihrem Gefühle widerspricht. _ Hätte der Verleumder zu uns gehört, er wäre längst der Strafe anhcimgefallen, die er verdient". Wien. (Kundmachung.) Montag den 18. Mai als am 1. Tage des Schwnos-Festes, findet im Tempel des gefertigten Vereines ivährend des Festgottesdienstes die feierliche Cvnfirmativn israelitischer Mädchen statt, welche das 13. Lebensjahr znrückgelegt und von einen der von der Wiener israelitischen Cnltnsgemeinde hiezu bestellten Religivnslehrer vorbereitet wurden. Se. Ehrivürden der Herr Vereinsrabbiner Dr. S. Gelbhaus IX., Strvheckgasse 13, ist gerne bereit, Anmeldungen entgegenzunehmen. D e r V v r st a n d des israelitischen Bethaus-Vereins „Cheivra Beth Hatfilah" im IX. Bez., Wien. Wien. (D er israelitische Literaturv erein „M e n d e l s s o h n" in Wie n) hatte vor Kurzem einen Vortragsabend, in welchem Herr D r. S i g. Fe ß l er „U eb er L and und Leute i m h o h e n N o r d e n" sprach. Die vortrefflichen Stnsführnngen des Vortragenden ernteten zufolge des erschöpfend dargelegten lehrreichen Materials den lebhaftesten Beifall der zahlreich besuchten Versammlung, in welcher Vertreter des Cultnsvorstandes, des Präsidiums der österreichisch-israelitischen Union, des Präsidiums von „Ferienheim", des Präsidiums des Vereines zur Hebung der Gewerbe, der Jüdischen akademischen Lesehalle und der jüdisch-akademischen Verbindungen als Gäste erschienen waren. Erhebend war die Ehrung, welche die Versammlung dein berühmten Gelehrten und Literaten Dr. ßM. Steinschneider in Berlin anläßlich seines am 31. März l. I. gefeierten 80. Geburtstages zum Slusdruck brachte. Der Antrag des Vorsitzenden Dr. E. Mahler, dieses Zeichen der Verehrung und Hochachtung für den hervorragenden jüdischen Forscher im Vereinsprotokotle zu verewigen, ivurde ohne Debatte einstimmig genehmigt. Wien. Anläßlich der Anwesenheit des deutschen Kaisers wurde die G v l d m a r k'sche Oper „H e i m ch e n a m H tx d" anfgeführt. Nachdem die Ouvertüre beendet ivar und die Scene das Bild vor dem Auftreten des Heimchen zeigte, erschien die deutsche Kaiserin St n g n st e V i c t o r i a, begleitet von Kaiser Franz Josef und dem Kaiser W i l h e l m, in der kaiserlichen Jncvgnitvlvge. In der Mitte der Loge nahm Kaiser W i l h e l m Platz, ihm zur Rechten die Kaiserin, zur Linken nächst der Bühne Kaiser F r a n z I v s e f. Das Meisterwerk G v l d m a r k's fand den vollsten Beifall des deutschen Kaiserpaares, welcher in lviederholtem Slpplaus zum Ansdrucke kam.