Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Seite 321 Dr. Vloch's Wochenschrift. befinden, bietet wohl Gewähr, daß der richtige Weg gefunden werden wird, um die Zukunft der Anstalt zn sichern und ihren Bestand von Zufälligkeiten unabhängig zu machen. Wien, 8. April 1896. Zu Beginn des laufenden Schuljahres hat sich unter der Obmannfchaft des vielverdienten Herrn Cultusvorstandes Em. Hoffmanu ein Comite gebildet, welches sich die schöne Aufgabe gestellt hat, für den Bezirk Währing eine Bibelschule zu creiren und zu erhalten. Am Ostermontag fand nun die erste Semestral-Prüfung dieser recht gut frequentirten Bibelschule im Währinger Tempelgebäude statt. Das regsame Schulcomiie hat es verstanden, diese Schulfeier recht solenn zu gestalten und zugleich das Ansehen und die Anziehungskraft der jungen Anstalt zu erhöhen und populär zu machen. Nebst vielen p. t. Eitern und Schulfreunden waren bei der Prüfung anwesend: Der derzeitige Präses unserer Gemeinde, Herr Gustav Simon, Herr Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Herr Cultusvorsteher H i e l d b u r q h ä u s s e r, die Herren Schulinspectoreu Rabbiner Dr. Wolf und Prof. Kani tz. Das Ergebniß des Examens war ein recht befriedigendes, denn die Kinder zeigten eine Sicherheit und Gewandtheit im Lesen, wie im Uebersetzen der erlernten Gebetstücke und Bibelstelleu, die angenehm überraschten. Besonderen Beifall fanden die grammatisch-praktischen Hebungen. Nach dem Schlußgebete drückte der allverehrte Herr Präsident Simon dem Schulcomitö und dem Lehrer den Dank und die Anerkennung des Cultusvorstandes aus und erniahnte schließlich die Schüler zu fernerem Fleiße. Die Ansprache unseres greisen Gemeinde-Oberhauptes machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Möge das Beispiel unseres Bezirkes allenthalben Nachahmung und unser heiliges Schriftthum die ihm gebührende Pflege überall wieder finden! . . . —ä. Wien. (Jüdische akademische LesehalleWien.)Die allgemeine Anerkennung, die dem wahrhaft würdigen und muthigen Auftreten der Wiener jüdischen Studentenschaft im Kampfe um ihre Rechte unb ihre Ehre von allen ehrlich und sittlich Denkenden gezollt wird, beweisen zahlreiche Zuschriften nicht nur aus allen Theilen unserer Monarchie, sondern auch aus Paris, Rußland rc. an die Jüdische akademische Lesehalle und die übrigen wehrhaften jüdischen Studentenverbindungen. Ein besonderes Anerkennungsschreiben ist dem Vereine und den verwandten jüdischen Studentenverbindungen von Seite des „Nabbinerverbandes in Böhmen" zugekommen, dessen Wortlaut wir folgen lassen: „Sehr geehrte Herren! Sie haben jüngst den rohen und perfiden Angriffen, welche auf Ihre Ehre und damit mich auf die Ehre des Judenthums gewagt wurden, eine solch muthig unerschrockene und dabei besonnene Abwehr entgegengesetzt, daß es unserem gefertigten Ausschuß des „Nabbinerverbandes in Böhmen" ein Herzensbedürfniß ist, Ihnen, sehr geehrte Herren, für Ihr Auftreten die vollste Zustimmung und den wärmsten Dank zum Ausdrucke zu bringen. Daß der „Rabbinerverband in Böhmen" aus religiösen Gründen ein principieller Gegner des Duells überhaupt ist, konnte im vorliegenden Falle selbstverständlich seine freudige Genugthnung über die männliche, achtunggebietende Haltung der jüdischen Studenten Wiens in keiner Weise abträglich beeinflussen. In aufrichtiger Hochachtung: Der Ausschuß des „Rabbinerverbaud in Böhmen", Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Präses." — Neben dieser die jüdische Studentenschaft höchst ehrenden Anerkennung nehmen wir Gelegenheit, auch von dem Einlaufe einer größeren Bücherspende des Polizei-Bezirksarztes Herrn Dr. Alfr. P o l l a ck, zweier Werke des HerrnRabbinerDr. Tänzer in Totis (Ungarn), einer Bücherfendung von Seite des Herrn Professor Braun in Meran und einer 60 fl.-Spende des Herrn Tempelvorstehers Gottlieb Bettelheim für Bibliothekszwecke mit gleichzeitigem ergebensten Danke zu berichten. — Mit dieser Woche nehmen die einzelnen Sectionen wieder ihre Thätigkeit aus. Samstag den 18. d. M., 6‘/4 11hr Abends,hält Herr Hof- und GerichlsadvocatDr. Friedrich E lb o gen in den Bereinslocalitäten IX., Harmoniegasse Nr. 8, einen Vortrag, betitelt: ..Jung-Oesterreich", an den sich eine Discussion anschließt. — Die literarische Sektion, die sich eines besonderen Interesses erfreut, wird Mittwoch den 22. April. 7l/2 Uhr Abends, wieder eröffnet. Der Sectionsleiter stuä. zur. Adolf Donath hält einen Vortrag über „Detlev von Lilienkron". Gäste willkommen! Budapest. (P e st e r israelitische Religions - geine i n d e.) Der Bericht, welchen der Gemeindevorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde ansgegeben hat, ist der erste seit deni Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze und darf daher ein erhöhtes Interesse ftir sich in Anspruch nehmen. Es werden der Repräsentanz zunächst jene Beschlüsse vorgelegt, welche der Gemeinde-Ausschuß in seiner am 26. September v. I. abgehaltenen Sitzung gefaßt hat. Es wurde beschlossen, die Gemeinde-Matrikeln auch fernerhin als konfessionelle Institution fortzuführen und dementsprechend auch die synagogalen Namen einzutragen. Die Jmmatrikulirungs-Anmeldungen sind gänzlich taxfrei. Unter Wahrung der auch bisher zu Recht bestandenen religiösen Normen werden die rituellen Trauungen nach geschehener Verkündigung und dein Nachweise der stattgehabten Civiltraunng vollzogen. Um die cvnfessivnelle Weihe der Ehe allen Gläubigen zugänglich zu machen, wurden die bestehenden Trauungsgebühren-Classen durch eine Classe mit kleinster Taxe, ivelche für hier Zuständige mit 12 fl., für Auswärtige mit 30 fl. festgesetzt wurde, ergänzt. Der Berichts erwähnt ferner die in der Jänner-Versammlung der israelitischen Distrikts-Repräsentationen beschlossene Gründung eines ungarländischen israelitischen L a n d e s s o n d s und fügt hinzu, daß der Ausschuß der Pester israelitischen Religionsgemeinde in seiner am 6. Februar l. I. stattgebabten Sitzung beschlossen habe, zu diesem Fond 10.000 fl. in Baarem einfür allemal beizutragen; gleichzeitig soll für diesen Fond eine Stiftung von 100.000 Kronen gemacht werden, deren vier percentige Zinsen mit 2000 sl. schon in das Budget des lausenden Jahres eingestellt werden. Ani die einzelnen Zweige der Gemeindeverwaltung übergehend, erwähnt der Bericht, daß der für die Gemeinde-Knabe n s ch u l e errichtete Neubau in der Gärntnergasse seiner Vollendung naht. In der Reihe der unter der Aussicht der Gemeinde stehenden W v h l t h ä t i g k e i t sn st alten wird an erster Stelle das A d e l e Brvdy - Kinderspital erwähnt. Die Baukosten des Spitals wurden tnit 270.000 st. sestgestellt. Die Hauptgebäude des Spitals sind im Oktober 1805 unter Dach gekommen. Ille bst der Hauptstlstnttg für dieses Spital verfügte der Fond am 1. März l. I. über 44.000 sl. an Betlstistnngen und über 36.312 sl. an Spenden und Zinsen. Das unter Aussicht der Gemeinde verwaltete K u a b e n w a i s e n h a n s hat aus Beschluß der betreffenden Commission zum Andenken an die M i l l e n n i n m s- Feier ein Capital von 40.000 Kronen mit der Bestimmung ansgeschieden, daß in der Anstalt vier Plätze mit je 10.000 Kronen gestiftet werden; zwei dieser Plätze werden mit Waisen von Honvedvffikieren oder Unterossirieren o h n e 11 n t er s ch i e d des Glaubens, zwei Plätze mit Lehrerwaisen gleichfalls ohne Unterschied des Glaubens zn besetzen sein. Das Besetzungsrecht wird für die ersteren zwei Plätze dem Landesvertheidigungs-Minister für die letzteren zwei Plätze dem CultnS- und Unterrichtsminister vvrbebalten. Das israelitische T a u b st u m m e n - I n st i t u t zählte im verflossenen Jahre 80 Zöglinge, 60 Knaben und 20 Mädchen; 83 sind israelitischen, 4 römisch-katholischen, 2 protestantischen Glaubens. Wenn wir noch hinzurechnen, welche große Opfer die Gemeinde für das Unterrichtswesen, für die 'Armenpflege, für das Spital u. s. w. bringt, erhalten wir ein Bild großartiger cultnreller und humanitärer Thätigkeit und sehen wir die Pester israelitische Reli givnsgemeinde, an deren Spitze Herr Sigmund K ohne r steht, als leuchtendes Beispiel allen anderen israelitischen Gemeinden des Landes vvrangehen. Budapest, 12. April. iJ n d e n v e r s o l g n n g e n i n U n g a x n.) Unglaublich und dennoch wahr! Im liberalen Ungarn können 'Ausschreitungen gegen Inden Vorkommen, ohne daß die behördlichen Organe die hart bedrängten jüdischen Bürger beschützen würden. Der „Pester Lloyd" berichtet nämlich in seiner Nummer vom 11. d. M.: „Nach einer vierteljährigen Panse sind in F e r t ö - S z t. - M i k l o s die Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner fast an der Tagesordnung. 'Am gestrigen Nachmarkt wurden die Wohnungen der nichts ahnenden israelitischen Bewohner attakirt, Fenster zertrümmert und die Ruhe gestört. Um Uhr begann ans Commando das Bombardement aus die Fensterscheiben seitens einer größeren Truppe von balbwüchsigen Jungen und erst nach Mitternacht trat wieder Ruhe ein. Das Traurigste an diesen Hetzen ist, daß die Ortsvbrigkeit die Excedenten ruhig gewähren läßt. Weder der Richter, noch die Geschwornen oder der Notär fanden es bisher für nöthig, einzuschreiten, und so kommt es, d a ß viele I u d e n e s gar nicht wagen, sich z u B e t t e z u begebe n. Es wäre angezeigt,' daß sich das Oedenburger Vicegespansamt mit diesen systematisch betriebenen Hetzen etwas eingehender befasse, damit die Schuldtragenden nicht wieder straflos ansgehen." Galatz. 'Anfangs April hat hier eine Generalversammlung der israelitischen Cultusgenieinden Rumäniens unter Vorsitz des Herrn B. B r o e i n e r in Galatz, Dr. H. T i k t i n in Jassy, Mayr Wechsle r in Braila und A. S. G o l d e n r h a l in Jassy stattgesunden, in welcher beschlossen wurde, der Regierung ein Memorandum zu unterbreiten, welches in der Bitte ausklingt, den israelitischen Cultusgemeinden das früher bis zum Jahre 1851 besessene Recht der anerkannten Communitäten und juristischen Personen zu gewähren, wie es in den Dokumenten aus dem siebzehnten Jahrhundert mit fürstlichem Dekret gewährleistet war. Man gibt der zuversichtlichen Erwartung Rauni, daß seitens der rumänischen Regierung der gerechten und berechtigten Petition entsprochen werden wird.