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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 316 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 16 wie das Sprichwort sagt: Das Alter ist selbst eine Krankheit" - meinte lächelnd der Erzbischos. — Freilich — gab der Rabbiner zurück — „die Schwäche kommt mit dem Alter, aber Gott verlängert das Leben Derjenigen, die ihm lieb sind, bis ..." — Erzbischos Samassa unterbrach hier lachend: „Bis an die äußerste Grenze des menschlichen Lebens, wie inein trefflicher Freund, der Oberbürgermeister Carl Rath sagt — das meinen Sie doch?" — „Jawohl, das wünsche ich vom Herzen," erwiderte der Rabbiner. Der Erzbischof schüttelte dein Rabbiner die Hand und setzte die Promenade fort. Vukovar. Man schreibt uns aus Bukovar: Am 22. d- M. wurde hier eine reformirte Kirche eingeweiht, bei tvelcher Gelegenheit der berühmte Bischof Karl S z a s z hier anwesend war. Ihm zu Ehren fand ein Festessen statt, bei welchem der illustre Gast eine Rede hielt, in der er seiner hohen Freude Ausdruck verlieh, daß es ihm gegönnt war, an der Reception der jüdischen Religion mitgelvirkt zu haben. Er schloß mit der Versicherung, daß er glücklich sei, zu sehen, wie in Slavonien das Einvernehmen zwischen den verschiedenen Confessio neu ein herzliches sei und trank dann aus das Wohl des anwesenden Rabbiners Dr. Julius Diamant. Der Rabbiner dankte gerührt in einer mit großem Beifall aufgenommenen, zündenden Rede, in der er ausführte, daß die Nächstenliebe zuerst von dem Alten Testamente verkündet wurde. Aus diesem Brunnen hätten dann die anderen Religionen geschöpft, aber es mußten die richtigen Hirten kommen, die die steine wegräumen, die ihn bedeckten, und als einen solchen edlen treuen Hirten feierte er den großen, gelehrten und humanen Bischof. Bei einem Diner, das der Obergespan gab, ftihrte der Bischof, an die Rede des Rabbiners anknüpfend, aus, daß die Nächstenliebe in der That zweifellos als das Fundamentalgesetz der israelitischen Religion zu betrachten fei. Er schloß mit den ergreifeirden Worten, daß doch die Zeit kommen möge, irr der Jeder derr Anderen als seinen Nebenmenschen erkennen und lieben urrd Niemarrd einen Unterschied zwischen den Bekerrnerrr verschiedener Confessionen machen werde. Gegen Ernst Schneider. T r v p p a u, 13. April. Der hier tagende Handwerker- Congreß hat sich in einer scharfen Entrüstungs-Kundgebung gegen das Treiben des Mechanikers Schneider ausgesprochen. Der Schriftführer Butter aus Komotau stellt den Tringlichkeitsairtrag gegen Schneider, welcher durch sein Benehmen dem Congresse geradezu einen Faustschlag versetzen wollte, mit entsprechenden Maßregeln vorzugehen. Der Wiener Gewerbegeiivssenschaftsverband habe durchaus nichts dagegen, rvenn Schneider von allen Congressen ausgeschlossen werde. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Pralits ch e k (Mährisch-Schönberg) erklärt das Gebühren Schneiders als gemein. Sattler (Rumburg) und Faber (Krems) erklären, daß weder der Wiener Genosfenschaftstag, noch ein anständiger Gewerbetreibender ausgeschlossen werden soll, weil es nothwendig ist, die volle Einigkeit des Gewerbes zu bewahren: sie verlangen jedoch, daß Mechaniker Schneider für i m m e r von den Congressen ausgeschlossen werde. Präsident Kaimnerrath M a n d l i k brandmarkt das Gebühren jener gewerblichen Berufspolitiker, die stets mir politisiren und schüren, dabei aber die Interessen des arbeitenden Gewerbes völlig ignoriren. W e g e l (Bicepräsident des Oesterreichischeu Schneiderverbandes) erklärt, daß im Gewerbe absolut keine Politik geduldet werden dürfe. Hierauf wurden die Entrüstungs-Kundgebung und der Antrag auf A u s s ch l i e ß u n g S ch n e i d e r's von allen Congressen der ö st e r r e i ch i s ch e n G e w e r b e- Partei einstimmig a n g e n o m m e n. Gegen den Hofprediger a. D. Stöcker veröffentlicht der Oberst z. D. v. K r a u s e eine Erklärung, welche schließt: „ ... Ich bedauere es tief, daß ich ihn (nämlich Stöcker) jetzt als einen Herrn keimen gelernt habe, der nicht davor zu rück sich reckt, in der von ihm herausgegebenen „Evangelischen Kirchenzeitung" und sogar in der „Stillen Woche" über mein persönliches Verhalten wahrheitswidrig zu berichten und so den Versuch zu machen, meinerOfficiersehre völlig unbegründeterWeise einen Makel a nzuch'e s t e n. ' Großbeerenstraße 94, den 7. April 1896. v. Krause." Nach dem Ehrencodex der Officiere wird Herr v. Krause jetzt wohl die Angelegenheit dem Ehrengericht unterbreiten, welches dann darüber zu befinden haben wird, ob der Hofprediger a. D. zu fordern ist oder nicht. Die Vvrftage ist allerdings die, für wieviel Schuß Pulver der Hofprediger a. D. Werth gehalten wird. Stöckels Widerruf. Man telegraphirt uns aus B e rl i n: Stöcker war vom Grafen S ch l i e b e n wegen Ehrenbeleidigung verklagt worden, weil er euren Antrag desselben „unverschämt" genannt hatte. Der Termin für den Proceß war für den 16. d. M. vor dem Amtsgerichte anberaumt, ist aber bereits aufgehoben worden, nachdem sich Stöcke r zu einer Abbitte verstanden hat. Er wird im „Volk" rrnd in der „Kreuzzeitung" die gegen Graf Schlieben gemachte Aeußerung znrückziehen. Zur Affaire Hammerstein. Aus Berlin wird uns telegraphirt: In ihrer soeben erschienenen Verteidigungsschrift berichtet Flora Gaß, sie sei in Basel Mitarbeiterin der „Grenzpost" gewesen, habe in einer Berliner Familie eine Gouvernantenstelle gehabt und sei nach ihrer Entlassung mit Baron Ham m e r st e i n bekannt geworden, als sie Beschäftigung bei der „Kreuzzeitung" suchte. H a m m e r st ein gab ihr sofort 50 Mark. Er behauptete hiebei, er sei seit sechs Jahren Witwer, sei reich und könne ihr eine sorgenfteie Existenz schaffen. Im Reichsrathe placirte er sie wiederholt auf der Abgeordnetentribüne. Als er einmal eine Rede gegen die Unmoralität gehalten hatte, sagte sie ihm: „Ihr seid Alle C o m ö d ia n t e n!", worauf er erwiderte: „Was soll ich thun? Das i st d o ch mein Beruf." Die Gaß erzählte weiters, sie habe viele hochgestellte Männer und bekannte Politiker kennen gelernt. Auf Reisen gab H a m m e r st e i n die Flora Gaß als seine Frau aus und versprach ihr, sie zn heiraten, sobald seine Töchter verheiratet sein würden. Ausführlich behandelt die Broschüre das Ende des Verhältnisses. H a m m e r st e i n gab erst 500 Mark Abfindung, dann für die Aushändigung der Briefe 1000 Mark rc. Ein Kind von jetzt fünf Monaten ist die Frucht dieses Verhältnisses. Keine kleinliche Sittlichkeitsreiterei. Der Führer der „Deutschbund-Bewegung," Dr. Friedrich Lange ist — wie aus unseren früheren Meldungen hervorgeht — in letzter Zeit Gegenstand sehr heftiger persönlicher Angriffe seitens seiner antisemitischen Gesinnungsgenossen. Der Berliner Obmann des Deutschbnndes, ein Dr. F ö r st e r - P a n k o w, hat sich bei diesen! Anlasse als warmer Vertheidiger Lange's erprobt. Gerade besonders ehrend für den Vertheidigten war indeß seine Methode nicht. Er schrieb an einen Herrn M., dessen Tochter sich — trotz Lang e's Widerstreben — als dessen rechtmäßige Braut betrachtet: „I ch h a b e Ihnen e r f l ä r t, daß es jedenfalls t h ö r i ch t s e i, de n h ö ch st e n sittlichen M a ß st a b an e i n e n F ü h r e r z u stelle n, und i n d e r P ol i t i k sei es geradezu eine v e r w e r f l i ch e Sache, da die größten Erfolge so leicht durch kleinliche S i t t l i ch k e i t s r e i t e r e i in Frage gestellt würde n." Wie sich Fräulein M. mit dieser politisch-philosophischen Maxime über die Untreue ihres Liebhabers trösten tvird, sei dahingestellt. Die antisemitischen Führer aller Länder werden jedenfalls das Wort F ö r st e r - P a n k o w's bereitwillig anfgreifen und es bald als die Quintessenz der neuen urteutonisch-antisemitischen Moral populär machen. Fürst Bismarck über den Antisemitismus. Die Wiener „Neue Fr. Presse" brachte unlängst einen Bericht über einen Besuch des Afrikareisenden Eugen Wolf beim Fürsten Bismarck, der in der deutschen Presse der verschiedenen politischen Richtungen viel abgedruckt worden ist. Aufgefallen ist dabei, daß eine Anzahl von Blättern gerade folgende Stelle in dem Bericht weggelassen hat: „Es ist bemerkenswerth, daß, sobald das Gespräch die Judenfrage streift, der Fürst es selten unterläßt, auf die Zwecklosigkeit der antisemitischen Bewegung hinzuweisen. Mit sizilianischer Vesper und Bartholomäusnacht könne man doch heutzutage nicht Vorgehen. Die Austreibung der Juden sei ebenso unmöglich und würde den Nationalwohlstand gefährden, und wenn man die jüdischen Elemente aus den amtlichen und gelehrten Berufen entferne, so würde die dort frei werdende jüdische Intelligenz das Uebergewicht, das die Juden in Bezug auf Erwerbstüchtigkeit und Geschäftssinn den Christen gegenüber besäßen, noch erhöhen. Außerdem besäßen die Juden doch mancherlei Vorzüge, die nicht zu bestreiten seien, so wenig wie ihre Schattenseiten, sie brächten in die Mischung, welche die verschiedenen Stämme Deutschlands darstellten, ein gewisses Mousseux, das diesen zum Vortheil gereiche. Wenn er, Bismarck, noch Minister wäre, so würde er in Bezug auf die Judenfrage den Grundsatz empfehlen:

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