Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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mmm Nr. 16 Dr. Vloch's Wochenschrift. Hilfe werden wir es erreicheil". Ter Professor zählte dem Mvuarcheu die Einrichtungen mir, lvelche in dieser irr Italien getroffen nmrden lind bei dem iiruner mehr erstarkenden Bewußtsein der socialen ‘Ot ü tfjiueitb ii^f ei t in glücklicher Ausgestaltung begriffen sind. „Biel", fügte er hinzu, „hat Italien von D e n t s ch t a n d g e l e r n t und noch zu lernen. Ter italienische dcativnalgeift wird aber den richtigen Weg finden". Tas Gespräch kam bei diesem Anlasse ans die großen Verdienste Bvtticher's, und der Kaiser versprach Lnzzatti, .dem Leiter des deutschen Reichsversicherungslvesens seine Grüße zu iiberbringen; vom wirtschaftlichen Gebiete ivendete sich da« Gespräch zil politischen und militärischen Dingen. Ter Kaiser sprach in den w ä r m st e n W o r t e n von der italienischen Wehrmacht. „Ihre Tüchtigkeit", sagte er, „steht außer stgveisel. Tas Unglück voll Adna darf die pt a t i o n n i ch t irr e m a ch e n, Offieiere und Mannschaften haben Heldenmuth bewiesen. Gin so iiberlegener Feind würde a u ch d e il t s ch e Soldaten geschlagen haben". — „Ja, Majestät", erwiderte Lnzzatti, „der Bcnth unserer Offieiere und Soldaten steht außer Frage, allein etwa« mehr Bedächtigkeit würde uns wahrhaft noththun. Gin deutscher General würde einen so ungleichen Kampf gewiß gemieden haben". Ter Kaiser lächelte, und ^Abschied nehmend, bat er Lnzzatti, seinen Genossen für die ihm erwiesene frenndliche Aufmerksamkeit den h e r z l i ch st e n T a n k zu sagen und sie 51t versichern, daß er von Italien die tiefsten und wärmsten Gindrücke in die Heimat nehme. Ein olympischer Sieger aus Wien Gin Wiener hat bei den olympischen Spielen nitb zwar beim Wettschwimmen iit der Bucht von Mnnychia - - den Sieg errungen. Wie ans Athen gemeldet wird, gewann Herr Paul s1i e nin a n n ans Wien, Btitglied des Ersten Wiener Amatenr- Schwiminelubs, die Weltmeisterschaft im Schivimmen, indem er die Strecke von 5,00 Bleiern in 8 Minuten 12 Seennden durchschwamm. Als Dritter gelangte gleichfalls ein Wiener, Herr Otto H e r f ch m a n n, ans Ziel. Ter Erfolg der beiden Wiener wurde mit den Klängen der österreichischen Bolkshymne gefeiert. Ter olympische Sieger ist ein Sohn des Wiener Professors der Dermatologie, Hvfrathes Tr. Isidor R e n m a n n. Er steht im 21. Lebensjahre. Paul Reumann, welcher von Kindheit an im Schwimmen eine ganz besondere Meisterschaft entwickelte, ist ein Schüler des bekannten Böslauer Schwimmmeisters T r a n t 1. Er hat ungeachtet seines jugendlichen Alter« bereits nicht weniger als ö(i Preise im Wettschmimmen, darunter iviederhvlt die Bceisterschaft von Wien und Riederösterreich errungen. Er ist Medieiner im sechsten Semester und erfreut sich iit Studentenkreisen großer Beliebtheit. Er gilt als einer der Fiihrer der deutsch-freisinnigen Studentenschaft und ist auch Fuuetiouär verschiedener humauitärer akademischer Bereiue. Seine Entlegen können ihm nun eine olympische Sieger-Statne im Schwimmevstüm errichten. Pater Chotkotvski's Lügen. Krakau, 15,. April. Ter Redaeteur des hiesigen antisemitischen „Glvs Rarvdn", Ehre nb e r g, ivnrde ivegen verweigerter Aufnahme eines Dementis des Tr. L a n d a u bezüglich der Behauptung des Abg. G h v t k 0 lv s k i, Tr. Landau habe in der Hiesigen Volksschule christlichen Schulkindern Religionsunterricht ertheilt, zu einer v i e r u u d z w a n z i gst ü u d i g e u A r r e st st r a f e und Zahlung der Gerichtskosten verurtheilt. Außerdem wurde über fein Blatt bis zur Ber öffeiitlichnng der Berichtigung die Sperre verhängt. Jüdische Arbeit! Es wird uns mitgetheilt, daß die Toiletten, welche die deutsche K a i s e r i it bei ihrer Anwesenheit ul Wien trug, sämmtlich aus dem Atelier der Hoflieferanten Wilhelm I u n g m a n n u n d N e f f e stammen: diese Firma hatte auch die Ehre, auf allerhöchsten Wunsch die bereits fiir die Kaiserin angefertigteu Toiletten in der Hofburg vorlegen zu dürfen und ireue Bestellungen entgegen zu nehmen. Auch Frau Helene P 0 l i tz e r, st-.restande <le modf-s, Graben Ar. 17, wurde zur deutschen Kaiserin beschiedeu, welche mehrere Damenhüte dieser Firma ankanfte und sich über die Erzeugnisse sehr anerkennend äußerte. Der Schulchan Aruch der Mechitbariften. Tie Deutsche Zeitung" vom April leistet sich folgende Reelame: Klarheit und Aerger. Preßjude ist in Nöthen. Erst der Sturz der liberalen Partei. Das ging noch. Die Talentvollsten hinübergerettet in ein besseres socialdemokratisches Jenseits, die Hochburgen blieben. Die Börse steht, Herr v. Plener sitzt in einem bcqueinen Versorgungsstuhl. Auch Einer, der sich gerettet hat. Kurz — der Sturz der liberalen Partei schuf zwar Klarheit, aber nicht eigent- Seite 315 ltch Aerger. Aergerlicher war schon die Einigkeit der antiliberalen Parteien. Diesen Aerger lot man kürzlich allen Juden und solchen, welche es werden wollen, hilfreich und radical von der Seele genommen. Da war also „Klarheit" aber kein Aerger. Dann die Wahlreform! Vom Regen in die Traufe! V i e l ..Klarheit", viel Aerger. lieber Nacht eine fünfte Curie schassen, 72 Mandate, und keines davon „liberal"! Ve:wünschte Klarheit! Das war aber nrch nicht das Schlimmste. Das Sehltmmste ist soeben angekommen. Eine Uebersetznng des „S ch n l ch a n - A r u ch". Das bat gerade noch gefehlr. Nun kann Jeder in die Universitätsbibliothek gehen und uechschlagen, welche Paragraphe des Gesetzbuches der Jliden beispielsweise Herr Dr. M e n g e r kennt. Und kann nachschlagen über die Territorialgesetzgebnng Galiziens und die Nierenthätigkeit der liberalen Partei. Ein Röntgen für Hcbräermoral, den ganzen Afterhumor bal's der hebräischen Presse verschlagen! Ein hiesiges kleines Abendblatt ärgert sich täglich bis (> Uhr darüber; von da an muß der Neugierige fünf Kreuzer zahlen. Das hat noch gefehlt! Gewiß, das auch noch! Kauter- Klarheit, laut e r A e r g e r! Bankier Landau gegen die Berliner „Bank- und .Handelszeitung". An« Berlin ivird telegraphirr: Bor dem Schössengerichte wurde über eine Ehrenbeleidignngs klage des Generalconsnl« Engen L a n d a n gegen den Redaeteur Bi a n ck e der agrarischen „Bank- und Handelszeitung" verhandelt. Ta« Blatr hatte gegen die Firma Jacob Landau gelegentlich der Besprechung mehrerer Gründungen gröblichste Berdächtignngen gerichtet. Geiieralconsilt Landau als Kläger erbot sich znm Beweise, daß Bcancke mit seinen gehässigen Angriffen unberechtigte Interessen des eigenen Geldbeutels vertrete, um sich Bankhäuser und Aetiengesellschaiten tributpflichtig zu machen, indem er sie heftig angreife und ihnen dann den Friedenspreis dietire. So habe er ohne 'Auftrag 'Annoneelt abgedruckt und den betreffenden Gesellschaften dann die Honorarrechnnng eingeschickt, beispielsweise der Breslauer Tiseontobank. Ter Angeklagte gab die Möglichkeit zu, fo vorgegangen zu fein, verweigerte aber weitere 'Auskunft, weil diese Sachen von der Privatklage weit ab lägen. Ter Amtsrichter war anderer Ansicht und vertagte die Verhandlung, damit das Verhalten Bcancke's näher untersucht iverden könne. Laudan's Rechtsbeistand im Proeeffe ist der 'Abgeordnete Träger. Leopold Mittermayer — verurtheilt. Ter ehe malige Obmann des Gastwirthegebilten-Ansschnffes Leopold Bc i t t e r m a v e r hatte sich kürzlich vor dem Richter des IX. Bezirke«, Adjnneten Tr. Lorenz, wegen Ehrenbeleidignng zu verautwvrten, iveil er als Eiafc iin Gaf« an sicole in der Hebraga ffe den Eigenrhümer des Kaffeehauses, Philipp Steine r, in einer antisemitischen Redensart beschimpft hatte. Tie Beleidigung wurde von dem Zeugen H e ß bestätigt, worauf Tvctor R v s e ns e l d eine F r e i h e i t s ft r a f e beantragte, da die Beleidigitng eine confeffionelle Tendeilz bekunde und da ein Erempel ftamirt werden müsse, damit nicht jeder Mensch untergeordneter Bildung sich ein Plaifir daran« mache, Jemanden deshalb zu beleidigen, weit er Jude fei. Bc i t 1 e r m a \) e r, der gar nicht erschienen war, ivnrde in contumaciam zu drei T a g e n A r r e st verurtheilt. Ein Opfer des Blutmärchens. Tie zwanzigjährige Magd -Anastasia S w 0 b 0 d a. lil., Salesianergasse 'Ar. s, bei Frau Bettp B v l l m a n n bedienstet, mußte ans Grund de« vvlizeiärztlichen Pareres der pchchiatrischen Klinik übergeben iverden. Sie leidet an dem Wahne, ihre christliche Tienstgederin sei Jüdin und beabsichtige, sie anläßlich der jüdischen Osteneier tage abznschlachten. Erzbischof nnd Rabbiner. Aus Erlau wird uns geschrieben : Erzbischof Tr. S a m a s f a pflegt, wenn er nach seiner Residenz zurückkebrt, täglich Spaziergänge durch die Gassen von Erlau zu machen. Keine Veränderung, selbst die geringste nicht, entgeht dem Blicke des Kirchennirsten, wenn er mit seinem Seeretär Tr. S z in r e e s a n y i durch die Straßen prvmenirt. Ein neues Hans, eine neue Firma erregt sofort feine Animerksamkeit nnd nicht feiten spricht er den einen oder den anderen Bekannten aus der Straße, an. Dieser Tage vromenirte der Erzbischof durch die Hanptgasse nnd erblickte den Erlaner Rabbiner Tr. Max S ch w a r z, der den Kirchensürsten ehrerbietig griißend, vvrbeischreiten wollte. Erzbischof S a m a s s a streckte dem Rabbiner die Hand entgegen mit den Worten: „Wie befinden Sie sich, Herr Rabbiner. Sie haben sich förmlich verjüngt, seitdem ich Sie nicht gesehen!" Ter Rabbiner dankte für die frenndliche Frage nnd gab seinerseits der Freude Ausdruck, den Erzbischof so frisch und wohl zu sehen. „Ach, sehen Sie, mir ergeht es,