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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 311 In einem lateinischen Gedichte des dreizehnten Jahrhunderts heißt es, daß von allen liebeln Roms die päpstlichen Finanzbeamten i Caiuerarii papales) das Schlimmste seien, und am Anfänge unseres Jahrhunderts theilte Josef Milbiller (königlichbayerischer wirklicher geistlicher Rath, Doctor der Theologie und Universitätsprofessor zu Landshut) in seiner Geschichte der Deutschen eine Berechnung mit, nach der das ganze katholische Deutschland vom Jahre 1500 bis 1780 für Confirmationen, Dispensationen, Pallien und Annaten an 67 Millionen Gulden nach Rom bezahlt habe; außerdem hätten die päpstlichen Nuntien innerhalb dieser 280 Jahre für Ehe-, Ordensgelübde- und Fastendispensationen, für Strafen, Jndulgenzen und für die Erlaubnis;, verbotene Bücher zu lesen, 54 Millionen beigetrieben; nach einem sehr mäßigen Anschläge strömte jährlich wenigstens ein halbe Million aus Deutschland nach Rom. Bor mehr als siebzig Jahren klagte Byron, daß nur das Geld die Welt regiere, im Felde, am Hofe und über die Liebe herrsche, „baares Geld ist Aladin's Lampe!" („Ton Juan", Canto 12). Drei Jahrhunderte vorher wurde dem französischen Diplomaten Pomponne de Bellievre nachgesagt: „Um mit den Schweizern zu verhandeln, müsse man haben: erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld." — Kürzer ausgedrückt: poiut d’argent, point de Suisses. Am Ende des siebzehnten und Anfänge des achtzehnten Jahrhunderts waren höhere Stellen in der österreichischen Arniee wahre Goldgruben. Die Einkünfte eines Obersten betrugen 10 bis 12 Tausend Gulden jährlich, und ein Generalat, sagte inan, warf mehr ab als ein italienisches Herzogthum, während die Soldaten hungerten uitb „in abgerissenen Kleidern durch die Straßen bettelnd gingen und nährten sich dürftig von der Mittagsuppe, die man ihnen aus Mitleid im 'Armenhause reichte." (Bericht der kaiserlichen Hofkammer vom Jahre 1703.) Wie Voltaire im „8Iee!e de Louis XIV“ erzählt, waren unter dem Minister Chamillort die Kreuze des Lndwigsvrdens käuflich, „fünfzig Thaler das Stück", und kaum der Schule entwachsene Knaben konnten Obristenstellen kaufen, wenn sie genug Geld dazu hatten. Daß die Beamten-, ja selbst die Richterstellen in Frankreich käuflich waren und mit Zustimmung der Regierung damit Handel getrieben wurde, ist allgemein bekannt; sonderbar ist es aber, daß selbst Montesquieu dies ganz in Ordnung findet. „Es gebe den Classen eine gewisse Stabilität und mache das Amt zur Familiensache", meint er. „Plato habe sich zwar dagegen ausgesprochen, aber er dachte an eine auf Tugend begrün-, bete Republik und ich spreche von der Monarchie. Würde man in einer Monarchie die Aemter nicht öffentlich verkaufen, so würden die habgierigen armen Höflinge damit Schacher treiben".* **)) Man wird vielleicht dem geistreichen Gerichtspräsidenten nicht ganz Unrecht geben, wenn man betrachtet, mit was alles Adel, Höflinge, ja selbst souveräne Fürsten damals öffentlich oder geheim Handel trieben. Deutsche Fürsten verkauften ihre Landeskinder den Engländern zum Kriege gegen die Amerikaner oder ließen sich Snbsidien zahlen, um zwecklose Kriege zu führen. Knrfürstin Sophie Charlotte von Brandenburg beklagte ini Jahre 1697, daß der Kurfürst an dem eben zu Ende gegangenen Kriege gar nichts verdient habe"*), und ein Jahrhundert später erklärte Lord Granville (am 30. April 1794) im Oberhause, um das kostbare Blut der Briten zu schonen, bediene die Regierung sich der preußischen Hilfstruppen, -die viel billiger zu stehen kämen. Während deutsche Fürsten mit dem Blute ihrer Unterthanen Handel trieben, hatte der polnische Adel aus der Krone einen Handelsartikel gemacht. „Das Land hat weder Industrie noch Handel, keine Kunst und keine Wissenschaft, dort herrschen nur Eorruptivu und Käuflichkeit. Die Adeligen verkaufen die Krone dem Bestbieter, das ist vielleicht der einzige Handelsartikel, von dem diese Leute etwas wissen", sagte der Historiker Hume in seinem Essay über den Luxus. Und war nur die polnische Krone käuflich? Uns liegt eine Rechnung vor, „Was Kayser Carolus dem Vten die Römisch königlich Wahl kost im Jar 1520", veröffentlicht von Herrn Bibliothekar B. Greifs im 34. Jahresberichte (1869) des historischen Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg. Die Agenten Köllig Franz 1. von Frankreich, des einen Bewerbers um die Kaiserkrone, kamen mit 400.000 Thalern in ledernen Säcken wohlverwahrt nach Deutschland, wo man sich diese französische Invasion wohl gefallen ließ, ihr aber eine vollständige 'Niederlage beibrachte. Voll beit 400.000 *) „Esprit des lois“ 1. V. chap. 19. **) N. K o s e r, in „Deutsche Rundschau", September 1687. Thalerli gelang es keinem, nach Frankreich zli entkommen. Sie kamen zur Ruhe nicht in deutscher Erde, aber in den Truhen deutscher Fürsten; doch ist über ihre Bertheilnng nichts Verläßliches bekannt. Um so besser sind wir über die Verwendung der 851.918 Gulden lmd 54 Kreuzer (nach jetzigeil Werthverhältnissen wohl gleich 20 Millionen Mark) unterrichtet. Der Bischof von Gurk und die anderen Wahlagenten des Königs von Spanien, Earl, der schließlich zum Kaiser gewählt wurde, haben gewissenhaft Rechnung abgelegt. Wir ersehen daraus, daß unter Anderem erhielten: Ter Erzbischof lind Kurfürst von Mainz 103.000 ft., der Erzbischof und Kurfürst von Köln 40.000 fl. lind der von Trier nur 22.000 fl., der Klcrfürst der Pfalz 139.000 fl.. Markgraf Casimir von Brandenburg 22.720 ft. n. s. w. An vierzig Grafen, Freiherrn, Ritter und dergleichen erhielten zusammen 31.029 fl. in Posten von 9560 sl. bis herab zu vierzig. Die Reichsstädte — das Bürgerpack — bekamen nichts, und auch der Kurfürst Joachim von Brandenburg, ein treuer 'Anhänger des Königs von Frankreich, ging leer ans. Tie Gelder wurden bei den Fugger s deponirt, mit dem ftricten 'Aufträge, sie den Wäblern erst nach geschehener Wahl, Unterfertiguug des „Decrets der Eleetion" durch die Kurfürsten und Ausfolgung desselben an Commissäre König Carls, auszuzahlen. Man traute den Fürstlichkeiten nicht über den Weg. Clemens Sende r, ein zeitgenössischer Angsburgischer Chronist, schreibt über die damalige Stellung des Hauses F u g ger: „Jakob Fngger's und seiner Brüder Söhne Namen sind in allen Königreichen und Landen, auch in der Heidenschaft bekannt gewesen. Kaiser, Könige, Fürsten und Herren haben zu ihm ihre Botschaft geschickt, der Papst hat ihn als seinen lieben Sohn begrüßt und umfangen, die Cardinäle find vor ihm anfgestanden. 'Alle Kaufleute der Welt haben ihn einen erleuchteten Mann genannt und die Heiden sich ob ihm verwundert. Er ist eine Zierde des ganzen deutschen Landes gewesen." Es existirt ein Brief des damaligen Chefs der Firma F u g g e r aus dem Jahre 1523 an den Kaiser Carl V., der außerordentlich charakteristisch ist für die Stellung dieses königlichen Kauftnannes gegenüber dem mächtigsten Monarchen jener Zeit. An diesem kaufmännischen Selbstgefühl könnten sich auch die Großkaufleute unserer Tage ein Beispiel nehmen. Es war ein richtiger Mahnbrief, den Jakob Fugger an den Kaiser schrieb, und in diesem Mahnbrief heißt es unter Anderem: „Es ist auch bekannt und liegt am Tage, daß Ew. Majestät die römische Krone ohne meine Hilfe nicht hätten erlangen können, wie ich denn solches mit eigenhändigen Schreiben der Cvmmiffäre Ew. Majestät beweisen kann. So Hab' ich auch hierin auf meinen eigenen Nutzen nicht gesehen; denn wenn ich hätte vom Hanse Oesterreich abstehen und Frankreich fördern wollen, so hätte ich viel Geld und Gut erlangt, wie mir denn solches auch angeboten worden ist. Welcher 'Nachtheil aber hieraus Ew. Kaiserlichen Majestät und dem Hause Oesterreich erwachsen wäre, das haben Ew. Majestät aus hohem Verstände wohl zu erwägen." Will man den Unterschied in der Machtstellung der heutigen Geldmächte mit denen früherer Zeiten in Vergleich stellen, so kann man für einen solchen Vergleich keine bessere Periode wählen, als die Zeit am Ausgange des Mittelalters und beim Beginn der 'Neuzeit, in der das moderne Creditsystem zuerst seinen machtvollen Einfluß ausübte. Florenz Genna, Augsburg, Antwerpen wiesen damals Bankier geschlechter auf, die gerade z u entscheidend in die Geschicke der Völker eingriffen. War es doch eine Bankierfamilie — die Medici, die vom Wechsel com pro ir aus sich zunächst zu thatsächlichen Beherrschern ihrer Heimatsstadt Florenz aufschwangen, dann Vasallen deS Kaisers mir dem Herzvgstitel und endlich souveräne Großherzöge wurden. Und die Medici waren nicht vereinzelt; die Peruzzi standen ihnen an Reichthum kaum nach. In Genua war es ein anderer Bankier, 'Niccvlv Grimaldi, der es zum Fürsten von malern» brachte. Alle großen europäischen Bankiers des 15. und 16. Jahrhunderts wurden jedoch von der Firma Fugger in Augsburg übertrvffen. Während das Capital des Handelshauses der Medici an Goldwerth wahrscheinlich zu keiner Zeit die Summe von etwa 5 Millionen Mark deutscher Reichswährung überstiegen hat, belief sich das Vermögen der Fugger nach einer vorhandenen Bilanz aus dem Jahre 1546 auf 4,700.000 Gulden oder rund 40 Millionen Mark in unserem heutigen Gelde. Kein anderes Bankhaus der damaligen Zeit konnte sich an Capitalreichthum und an Credit mit den Fuggern vergleichen. Richard Ehrender g hat deshalb ein interessantes Werk über das Geldcapiial und den Crediiverkehr im 16. Jahrhundert mit dem bezeichnenden Titel: „D a s Z e i t a l t e r d e r F u g-

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