Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 15 (10.4.1896)
- Date
- 1896-04-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 302 Dr. Vloch's WochrnschrW. Nr. 15 deres, als die Erhaltung dieser volksreichen Clafsen in der bisherigen Unwiffenheit und. Unfreiheit!" Das „Skolnictwo" berichtet auf Grund eines officiellen Ausweises des galizischen Landesschnlrathes, daß es im Lande vier Millionen Analphabeten, 3000 Gemeinden ohne Schulen, 2000 wegen Mangels an Lehrkräften gesperrte Schulclasseir und 1000 Lehrpersonen gibt, d i e k e.i n e L e h r b e f ä h ig u n g besitzen. Demselben officiellen Berichte gemäß mußten hierzulande Ende 1895 744.000 normal entwickelte, bildungsfähige Kinder im schulpflichtigen Alter trotz der Errichtung neuer Bildungsanstalten aus Mangel an Lehrkräften ohne jeglichen Unterricht bleiben. Was Wunder, daß durch eine solche geistige Verwahrlosung des galizischen Landvolkes dieses noch immer auf einer sehr niedrigen Stufe menschlicher Intelligenz sich befindet und dadurch begreiflicher Weise in immer größere materielle Nothlage geräth, in welcher es einerseits sein Heil in der Auswanderung sucht, andererseits auch sich von geistlichen und weltlichen Demagogen bethören läßt. Budapest. (W o h lth ätigkeit.) In der jüngst stattgehabten Sitzung des Ausschusses der Pester israelitischen Religionsgemeinde brachte Präsident Herr Sigmund Kohner folgende Stiftungen und Spenden zur Kennttnß: Es spendeten a) zur Arme nu n t e r st ü tz u n g: Herr Ludwig Wolfner 200 fl., Herr Emil Neuschloß. Herr Aüiriz Popper und Schwestern je 100 fl., Herr Bernhard Stern, Frau Wittve Max Stent geb. Freund de Toßeg, Herr Sigmund Hellsinger je 50 fl., Herr Ludwig Friedmann (auf Mazzoth für Arme), Herr Paul Auspitz je 25 fl., Familie der Wittve Emanuel Grünwald und Herr Adolf Weiß je 20 fl.; b) zu Gunsten des Spitals: Frau Witwe Emma Herzfelder (Bettstiftung) 2000 fl., Pester vaterländische I. Sparcasse 300 fl.; c) zu Gunsten des Adele Brüdy'schen Kinderspitals: Herr Heinrich L6VY und Gattin als Bettstiftung 2000 fl., im Wege des „Pester Lloyd" 235 fl. Herr Heinrich Weiß und Gattin 100 fl.; d) für das Knaben- Waisenhaus: Stiftung des Herrn Ferdinand Wolfner 1000 fl., Herr Heinrich L«vy und Camilla (Warschau) 250 fl., Pester vaterländische I. Sparcasse 200 fl., Frau Laura Goldberger de Buda 25 fl., Frau Wittve Markus Hoffer 15 fl.; e) für das Tau bstummen - Instit ut: im Wege des „Pester Lloyd" 120 fl., N. N. 20 fl.; f) für das Mä 5 che n- Waisenhaus: Stiftung des Herrn Ferdinand Wolfner 1000 fl., Pester vaterländische I. Sparcasse 200 fl., Frau Wittve Markus Hoffer 15 fl. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Cnltusgemeinde hielt kürzlich unter lebhafter Betheiligung der Mitglieder ihre Jahres-Generalversammlung ab. Neben dem Präsidenten Sigmund Kohner hatten die Mitglieder des Vorstandes: Samuel Deutsch, Martin Schweiger, Ludwig Adler, Max G r ü n b a u m und der Secretär der Gemeinde, Universitätsprofeffor Dr. Ignaz Goldziher, Platz genommen. Nach der kurzen Eröffnungsrede des Vorsitzenden, der erst heute Gelegenheit hatte, für seine Wiederwahl zum Präsidenten, welche er als Billigwig seiner Thätigkeit betrachte, zu danken (lebhafte Eljenrufe), wurde auf Antrag Dr. Alexatrder Groß' der Jahresbericht als verlesen betrachtet und genehmigend zur Kennttnß genommen. Der Bericht gedenkt unter Anderem auch der in's Leben getretenen kirchenpolitischen Gesetze, welche in der liberalen Enttvickluirg unseres Vaterlandes eine neue Aera eröffnen und durch welche die jüdische Confession gesetzlich recipirt wurde. Hierauf bezüglich gab Berthold Weiß seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß, nachdem Ungarn die Judenschaft an seine Brust gedrückt, diese, so wie sie auch bisher ihr Vaterland geliebt, in Hinkunst sich noch weniger durch Jemand in der Vaterlandsliebe wird überflügeln laffen. Redner constattrt mit Freuden, daß der Vorstand der Cultusgemeinde auf allen Gebieten sich seiner Aufgabe bewußt ist. Redner spricht den Mitgliedern des Vorstandes für ihre weise Leitung den Dank aus. (Eljenrufe.) Präsident Sigmund Kohner dankt für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und verliest das folgende, ihm von Herrn Sigmuitd B r o d y zugekommene Schreiben: Sehr geehrter Herr Präsident! Die Gebäude des auf den Namen meiner unvergeßlichen guten Frau gestifteten Kinberspitals sind nunmehr bereits unter Dach und es wird mit Eifer daran gearbeitet, daß die Anstalt in kürzester Zeit ihrer Bestimmung übergeben werde. Auch das hauptstädtische Publicum verfolgt den Fortschritt der Angelegenheit des Spitals mit lebhafter Aufmerksamkeit und hat seinem warmen Interesse und seiner Sympathie für das im Entstehen begriffene Institut in großem Maße Ausdruck verliehen. Die Pläne indeß, welche die ärztlichen Sachverständigen betreffs der Gebäude angefertigt haben und in welchen sie allen Anforderungen der Wissenschaft und der Menschenliebe entsprechen wollten, waren von solcher Dimension, daß das leitende Comitß des Spitals genöthigt war, den Ausbau eines Flügels des Hauptgebäudes vorläufig in Schwebe zu lassen. Die Anstalt hätte wohl auch im Falle des einstweiligen Fortbleibens dieses Flügels den Schmerz vieler leidender Kinder mildern und die Thränen vieler Eltern trocknen können, da aber nach Ansicht der Sachverständigen mit dem Ausbau desselben der Zweck, der mir bei der Gründung des Spitals vor Augen schwebte, vollkommener erreicht werden kann, habe ich mich entschlossen, den in Schwebe belassenen Flügel des Hauptgebäudes auszubauen. Zu diesem Zwecke biete ich außer den 250.000 si., die ich dieser Anstalt bereits gewidmet habe, hiemit weitere 70,000 fl., das ist siebziglausend Gulden, an und werde diesen Betrag im Laufe des Jahres in dem Maße, in welchem es sich als nothwendig erweisen wird, dem genannten Herrn Präsidenten zur Verfügung stellen. Selbstverständlich knüpfe .ich auch diese neue Spende an die Bedingung, welche ich in meinem Stiftungsbriefe ausgedrückt habe und welche auch die Gemeinde acceptirt hat, daß nämlich dieses Spital von allen anderen Anstalten unabhängig bleibe und sowohl seine Leitung als seine innere Organisation eine vollständig abgesonderte sei. Mit dem Ausdruck meines innigen Wunsches, daß die Anstalt ihrem edlen Beruf je vollkommener und je treuer entsprechen möge, bin ich, Herr Präsident, B u d a p e st, 5. April 1896 Ihr aufrichtiger Verehrer Sigmund Brody. Stürmische Eljenrufe folgten der Verlesung dieses Schreibelts. Auf Antrag des Präsidenten nahm hierarrf die Generalversammlung „diese neuere Offenbarung der Opferwilligkeit Sigmund Brody's mit Freuden zur Kenntniß, votirte dem Stifter tiefgefühlten Dank und beschloß, das Dankesvotum in's Protokoll der Generalversammlung aufzunehmen und hievon Herrn Sigmund Brody zu verständigen." Hierauf wurde für die von den entsendeten Revisoren in vollständiger Ordnung befttndene Rechnungslegung per 1895 das Absolutorium ertheilt ttnd das Präliminare für 1896 wurde mit 370.000 fl. festgestellt. Secretär Dr. Goldziher berichtete sodann, daß die israelitischen Districtspräsidenten Anfangs dieses Jahres das Andeltkelt ait das denkwürdige Factttm der Receptiou mit einer würdigen Handlung zu verewigen und die Schaffung eines ungarischen israelittschen Landesfonds beschlossen. Der Wohlthaten dieses Fonds werden die Söhne der ungarischen Nation, ohne Unterschied der Confession, theilhaftig werden. Redner bittet die Generalversammlung, den Vorschlag des Vorstandes anzunehmen, laut welchem die Pester israelitische Cultusgemeinde zu dem zu schaffenden ungarisch-israelitischen Landesfond einfür allemal 10.000 fl. im Baaren beiträgt und außerdeut eine Stiftung von 100.000 Kronen macht, deren Interessen per 2000 fl. schon in das Budget für dieses Jahr eingestellt werden. Die Generalversamtnlttng genehmigte einstimmig die Vorschläge des Vorstandes. Ebenso wlirde der Antrag angenommen, zum Andenken an die 25jährige Wirksamkeit Dr. M. Kayserli n g's als Prediger eine Stiftung von 4000 fl. zu machen, deren Interessen vier Schüler der zu gründenden israelitischen Knaben- Bürgerschule erhalten, welche in den religiösen Lehrgegenständen, in der ungarischen Sprache und in der Literaturgeschichte den besten Fortschritt aufweisen. Zum Schluffe erfolgten Wahlen. Der Präsident der Scrutiniuniscommiffion, Paul T e n c e r, berichtete, daß zum Cassertvorstand Ludwig B a u m g a r t e n und auf die zwei erledigteit Stellen im Ausschuß Sigmund K o r n f e l d und Ignaz Pfeifer gewählt wurdeit. Unter Eljenrufen auf den Präsidenten schloß die Sitzung. Bon den Ufern der Newa. VI. Petersburg, den 3. April 1896. Am Ersten dieses Monats haben wir einen recht trauervolleit Abend verbracht. Die an jeitem Abend stattgehabte Sitzttng der historisch-ethnographischen Section unserer Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Inden war fast ausschließlich dem Andenken der zu früh dahtttgeschiedenen Mitglieder W. L. B e r m a n und S. A. B e r s ch a d s k i gewidmet. Die geisttge Physiognomie des Ersteren malte in kurzen, aber inhaltreichen Worten Herr Rechtsanwalt M. G. S i r k i n. Als besondere Merkmale des Verewigten üezeichnete er sehr treffend ein poetisch-künstlerisches Naturell und ein träumerisch-