Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 15 (10.4.1896)
- Date
- 1896-04-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 15 Dr. Vloch's Wochenschrift. Protzttitz. Moritz S t e i n f cf) u c t b e r, dem in Berlin domicilirenden großen Sohn unserer Vaterstadt, wurde zu seinem achtzigsten Geburtsfeste von hier in ehrendster Weise gehuldigt. Die politische und Cultusgemeinde, dann außer beit Verwandten noch viele Private beglückwünschten den Jubilar brieflich und telegraphisch. Unser verdienstvoller Rabbiner. Herr Dr. Hoff feierte am Passahfeste den großen Gelehrten und Hebraisten in einer ad hoc im Tempel gehaltenen Predigt vor der versammelten Gemeinde, in welcher er die Verdienste Steinschneider's als vielseitigen geistvollen Forscher, als Meister auf dem Gebiete der Orientalistik und der Bibliographie, der er durch ein Leben voller Arbeit und Studium geworden, hervorhob und ihn als nachahmenswerthes Beispiel derjüngeren Generation wärmstens empfahl. Brody im April 1896. Das in weiten Kreisen durch seinen hervorragenden Wohlthätigkeitssinn und ausgezeichnete Menschenfreundlichkeit bekannte Ehepaar, Herr und Frau Heinrich Nirenstein, feierte zu Ende vorigen Monats feine goldene Hochzeit. Aus dieser freudigen Veranlassung wurden deni edlen Jubelpaare von Nah und Fern Glückwünsche und Zeichen der Sympathie und Verehrung an den Tag gelegt. Von allen Seiten liefen Briefe und Telegramme heißen innigen Dankes und Gratulationen an das seltene Brautpaar ein, das stolz auf feine von wirklich humanem Geiste getragenen Werke zurückblicken kann, das sich durch sein humanitäres Streben nur auszeichnet, und den Armen und Bedrängten, wo es nur zu helfen gilt, nie die wohlthätige freigiebige Hand zurückzieht. — Frau Amalie Nirenstein hat ihr ganzes Leben hier nur Werken der Menschenliebe gewidmet und in Wien, wo sie seit Jahren weilt, ist sie ebenfalls unablässig bemüht, den hiesigen Nothleideuden und Hilfsbedürftigen das Elend zu stillen und zu lindern, die Waisen wie eine Mutter zu beschützen, Witwen anfznhelsen, mittellose Studierende zu unterstützen. Wie ein wahrer Engel breitet sie ihre Fittige zum Schutze der leidenden Menschheit aus. Ltuch Herr Heinrich Nirenstein hat seine Thätigkeit, in welcher sich echt menschenfreundliche Milde mit stets zielbewnßtem Einflüsse vereinigt, in verschiedenen Wirkungszweigen der Humanitären Institutionen unserer Stadt geübt, an die er bei jeder Gelegenheit huldvoll denkt und seine kräftige llnterstiitzung nie versagt. Die hiesige Volksküche, das Waisenhaus, die Schule, das Spital und Siechenhans werden von ihm alljährlich bedacht. So auchjetzt am goldenen Traualtäre wurden diesen Institutionen reichliche Spenden zugesührt. Jglau. (C h e w r a-K a d i s ch a.) Am 22. März l. I. fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der hiesigen Chewra- Kadischa statt. Der VereinSpräses, Herr Wilhelm Oestreicher, begrüßte den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, zugleich Ehrenmitglied des Vereines, Herrn Adolf Lieblich und die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder. Das vom Schriftführer, S. Spielmann, vorgelesene Protokoll der letzten Vollversammlung wurde von den Anwesenden zur genehmigenden Kenntniß genommen. Hierauf erstattete der Präses den Thätigkeits- und Rechenschaftsbericht pro 1895, welcher beifälligst ausgenommen wurde. Aus demselben ist besonders zu erwähnen: Die Einnahmen betrugen im Jahre 1895 fl. Z292'27, die Ausgaben fl. 2660°58. Das Vermögen hat sich somit um fl. 631'69 vermehrt. Mit Ende 1895 beziffert sich das Gesammtverwögen der Chewra-Kadifcha auf fl. 12.004'75. Der Verein zählt 3 Ehrenmitglieder, 163 ordentliche und 17 außerordentliche, zusammen 183 Mitglieder. — Leider hat der Verein im abgelaufenen Vereinsjahre mehrere würdige Mitglieder durch Tod verloren, und zwar sind gestorben: Herr Hermann Grünfeld, Mitbegründer, Vorstands- und Ehrenmitglied des Vereines, ferner die Herren: Josef Beran, Julius Grünfeld, Simon Horetzky, David Kohn, David Löwy, Josef Winterstein und Frau Josefine Kornfeld. Zum Zeichen der Trauer erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Nach dem Vortrage des Rechenschaftsberichtes wurde dem Vorstande des Vereines für das abgelaufene Jahr das Absolutorium erlheilt und der Leitung, sowie den Mitgliedern des engeren und des Gesammtvorstandes das vollste Vertrauen und der Dank für ihre ersprießliche Wirksamkeit und Mühewaltung von der Generalversammlung ausgedrückt. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Gesammtvorstandes wurden folgende 15 Mitglieder theils einstimmig, theils mit überwiegender Majorität gewählt, und zwar die Herren: Heinrich Bäck, Josef Grünfeld, Ignaz Kohn, Ignaz Lang, Moriz Ochs, Wilhelm Oestreicher, Leopold Pollak, Israel Pollak, Max Pollak, David Reiniger, Adolf Salzer, Ignaz N. Schulz, Abraham Taußig, Max Wurmsohn und Wilhelm Weißenstein. Die am 31. März l. I. vollzogene Constituirung des Vorstandes der Chewra-Kadischa ergab folgendes Ergebniß. Es wurden wiedergewählt; Herr Wilhelm Oestreicher zum Präses, Herr Max Wurmsohn zum Präses-Stellvertreter und ersten Vorsteher, Herr Moriz Ochs zum zweiten Vorsteher, Herr Abraham Taußig zum Cassier, Herr Leopold Pollak zum Contcolor. Mit der Friedhofsverwaltung wurden betraut die Herren: Ignaz Kohn, Ignaz Lang und Israel Pollak. Seite 301 Krakau, 6. April. ,Chotkv w s ki's ch e M ä r ch e it* Galizisches Vo l k s s ch u l w e s e it.) Die vom galizischen Landesschulrathe und dem Krakauer katholischen Consistorium dnrchgesührte Untersuchung hat in unwiderlegbarer Weise klargestellt, daß die vom Abgeordneten Prälaten Chotkowski anläßlich der Budget-Debatte im Reichsrathe zur Begründung der Nothwendigkeit der Einfiihrung confessioneller Volksschulen angeführte Behauptung, daß in einer hiesigen Volksschule ein jüdischer Lehrer katholischen Kindern den Religions-Unterricht ertheilt habe, vollständig grundlos ist und in das Reich der Fabel gehört. Es fragt sich nun, ob der reichsräthliche Polen-Club dem an ihm vom Bürgermeister namens der Krakauer Gemeinde-Repräsentanz gerichteten Begehren Folge geben und den genannten Abgeordneten zur Revocirung seiner erwähnten, im Parlamente vorgebrachten Behauptung veranlassen werde. Inzwischen hat sich' Prälat Chotkowski durch eine neue Behauptung aus der Klemme zu retten gesucht, wobei er freilich vom Regen in die Traufe gerieth. In Folge des gedachten Verlangens des Krakauer Gemeinderathes hat Abgeordneter Chotkowski im Polen-Club nicht nur die Behauptung der Richtigkeit des von ihm im Reichsrathe angeführten Falles aufrecht gehalten, sondern überdies ein neues Factum aufgetischt und behauptet, Dr. Landau habe im Jahre 1893 in einer Krakauer Volksschule jüdischen und christlichen Schulkindern Religions-Unterricht ertheilt. Dr. Landau hat diese Behauptung in polnischen und Wiener Blättern als unwahr erklärt. Angesichts dieses sonderbaren Vorgehens des Prälaten Chotkowski hat hier die ganze Affaire einen sehr unerfreulichen Eindruck geübt, und dies aus doppelten Gründen. Zunächst nimmt man es auch in couservativen Kreisen dem clericalen Heißsporn, der wahrscheinlich mystificirt wurde, sehr übel, daß er, als Mitglied des Krakauer Ortsschulrathes, sich nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, die Ueberzeugnng von der Richtigkeit des Märchens, im „polnischen Rom" habe es ein jüdischer Lehrer gewagt, katholischen Kindern Religions-Unterricht zu ertheilen, verschafft hat. Als Stadtverordneter und Ortsschulrath wäre es ihm sehr leicht gewesen, _ die Unstichhältigkeit dieser Angaben amtlich festzustellen. Andererseits betrachtet inan die unentwegte Agitation des Prälaten Chotkvwsky fiir die Einfiihrung confessioneller Volksschulen in Galizien als einen den nationalen Interessen schädlichen clericalen Sport, der im Widerspruche mit der öffentlichen Meinung in Galizien steht. Hierzulande tritt man der Consessionalisirung der Schulen aus national-polnischen Gründen entgegen. „Wenn der Abgeordnete Chotkvwsky", sagte dieser Tage ein bekannter polnischer Patriot, „statt bei seiner dem Lande nachtheiligen Marotte in Betreff der Einfiihrung confessioneller Schulen zu beharren, sein Augenmerk lieber der Hebung der galizischen Volksschulen zuwenden wollte, würde er dadurch das moralische und materielle Wohl Galiziens fördern und damit zweffellos ein gottgefälliges, eines polnischen Geistlichen würdiges Werk üben." Das polnische Fachblatt „Skvlnictwo" (Organ der galizischen Bolksschullehrer) entwirft eben jetzt ein geradezu schauerliches Bild von dem betrübenden Zustande des Volksschulwesens im Lande. In der Einleitung des Berichtes des „Skolnictwo" heißt es: „Ueber den Stand des Volksschulwesens in Galizien und die Lage der Lehrerschaft dringen nur ab und zu vereinzelte Mittheilnngen in die Fach- und politische Presse, aber meist von nicht berufener Seite; dieselben reichen fiir eine richtige Information nicht ans. Unter der schulpolitischen Sonderstellung Galiziens haben sich in diesem von der Natur reichgesegneten Lande mit mehr als sechs Millionen Einwohnern ganz eigenartige Schulzustände herausgebildet, wie man solchen sonst in ganz Oesterreich nicht begegnet, und namentlich die^Volksschule ist zuni Experimentir-Objecte unberufener Leute geworden, die ohne eingehende Kenntniß der Natur des Volksschnlwesens und der allgemein gütigen pädagogischen Grundsätze, die Entwicklung der Volksbildung in Galizien aus Jahrzehnte hinaus stören und beeinträchtigen. Die Volksschule in Galizien.ist in den Dienst einer politischen Partei, der Couservativen, gestellt worden, welche den Adel und die durch Sonderinteressen mit ihr verbundenen Kreise und einzelne leitende Persönlichkeiten ans der bürgerlichen Gesellschaft umfaßt. Was den Anhängern der herrschenden Partei als nahrhafte Kost erscheint, soll in Galizien für den Landmann, den Klein- und Ackerbürger gefährliches Gift sein. Diese Lehre hat sich in den Köpfen wie in der Praxis der Conservativen bis auf den heiltigen Tag erhalten und beklagenswerthe Conseqnenzen zu Tage gefördert. In dem Programm der galizischen Couservativen bedeutet die Erhaltung der Bauern und des zahlreichen ackerbautreibenden Kleinbürgerstandes nichts An-