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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Vloch's Wvchrnschrifi Seite 303 sonnig ins Leben hineinblickendes Gemüth, im Gegensätze zu den übrigens leicht erklärlichen, pessimistisch-niedergedrückten Anschanungen der jetzigen russisch-jüdischen Jugend. Ueber die wissenschaftlich-literarische Thätigkeit S. A. B erschadsk i's gab uns Herr A. I. Brande (Beamter der hiesigen kaiserlichen Bibliothek) ein ausführliches, unparteiisches Bild. In letzterem hat Referent mit einer wahrhaft bemerkenswerthen Emsigkeit alle in den Werken des verstorbenen Professors uiedergelegteu Errungenschaften zusammengestellt und wies vorzüglich darauf hin, daß B. nicht nur der erste Christ war, der sich mit solcher Vorliebe und Mitgefühl für Vergangenheit und Gegenwart der Juden in Rußland interessirte, sondern bis dato auch der einzige russisch-jüdische Historiker sei. Znm Schlüsse des Abends unterzog Herr N. dl. Per ef e r k o v i tz (beiläufig gesagt ein sehr befähigter, junger Orientalist) einer gedrängten Uebersicht die vor Kurzem zu Oxford in hebräischer Sprache erschienenen Memoiren von David R ende n i,; eines Abenteurers im XVI. Jahrhundert, welcher bekanntlich den Papst Clemens VII. um Hilfe zur Wiedererbauung Palästinas anflehte. Die Moskauer jüdische Intelligenz, mit dem dortigen beeidigten Rechtsanwalt Wladimir H a r k a w y an der Spitze, hat die Initiative zu einem guten Werke gegeben. Da nämlich besagte Herren ans Gesprächen mit vielen, bei Anlaß des allgemeinen russischen Congresses für technische und professionelle Ausbildung in Moskau (December 1895) versammelten jüdischen Lehrern die Ueberzeugung gewannen, daß die Zukunft dieser Lehrer, hauptsächlich für'die'Zeit des Alters und der Invalidität, im Mindesten nicht gesichert ist — haben sie sich mit eineni entsprechenden Antrag an die hiesige Central-Verwaltung der Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter beu Inden gewandt. Sie proponiren entweder Anlegung einer speciellen Pensionscassa oder collective Lebensassecuranz der betheiligten Lehrer. Wollen wir hoffen, daß unsere Gesellschaft, die schon so Vieles zur Linderung des Schicksales unserer Glaubensgenossen bewirkt hat, auch in dieser Richtung etwas wahrhaft Nützliches schaffen wird. Als Beweis, wie ungemein wichtig die Leistungen unserer Glaubensbrüder für den russischen Exporthandel sind, können unter Anderem folgende aus offieielleu Angaben herrührende Zahlen beweisen. Die Stadt Nikvlajew (Chersoner Gouvernement, im Süden Rußlands) hat im verflossenen Jahre 7,612.3(16 Tschetwerti Getreide, 100 Tschetwerti gleich 419*8 Scheffel) ins Ausland befördert, wovon 4,761.300 Tschetwerti, also % durch Vermittlung jüdischer Firmen. Die verhältnißmäßig großen, ■ aus der speeiell von k vs ch e r e m Fleische entrichteten Abgabe, sogenannter K o r obotsehnyj sbor, entstehenden Summen werden oft von den russischen Städteadministrationen zu allgemeinen, in keiner Beziehung zu den jüdischen Angelegenheiten stehenden Zwecken verbraucht. Die meisten jüdischen Gemeinden nehmen ähnliche Verfügungen widerstandslos hin. Jüngst fand sich aber eine, und zwar die in der Stadt Tiraspol im Chersoner Gouvernement, die ihr Veto gegen einen für nichtjüdische Institutionen 10.000 Rubel bestimmenden Beschluß der. Municipalität direct bei dem Minister des Innern einlegte und gleichzeitig ersuchte, genannte Summe wie überhaupt die angesammelten Korobotschn y-Beträge möchten zur Gründung eines jüdischen Hospitals daselbst verwendet werden. In Folge dieses Gesuches hat der Minister, wie verlautet, die Vollziehung des obenerwähnten Municipalitätsbeschlusses sistirt und von der Tiraspoler jüdischen Gemeinde einen genauen Kostenvoranschlag des zu gründenden Hospitales verlangt. G. M a r. London. Vorige Woche ist Canonicus Jenkins, der wohlbekannte Patristiker und Kirchenhistoriker, im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war auch eilt hervorragender Kenner des Hebräischen, das er bei Professor Heimann Hurwitz gelernt hatte, und im Verlaufe seiner hebräischen Studien hat er sich häufig ail den Oberrabbiner von England uni Rath und Auskunft gewendet. Das führte zu einer Bekanntschaft, die sich zu einer innigen Freundschaft entwickelte. Dr. Adler kam nie nach Folkestone, ohne den Canonicus und Rector von Lyminge zu besuchen. Als ein fanatischer Priester, Namens Cond er, im Jahre 1876 als eine Art Vorläufer Dühring's und ähnlicher Leute das Alte Testament wegen der angeblichen Unmenschlichkeit der Gesetze angriff, gab ihni Jenkins in einer Broschüre eine scharfe Lection, indem er zeigte, wie wahnsinnig der Versuch sei, das Christenthuni auf Kosten des Alten Testamentes zu erhöhen. Gelegentlich des Ausbruches der Judenverfolgungen in Rußland gab Jenkins seinem flammenden Zorne iit Vers und Prosa unverhohlen Ansdruck. — Die Freimdschaft zwischen Canonicus Jenkins und Dr. Adler erinnert an die geschichtlichen Freundschaften zwischen den Humanisten und ihren jüdischen Lehrern. Renchlin, der erste christliche Verfasser einer hebräischen Grammatik, war ein Schüler des jüdischen Arztes und Rabbiners Obadjah Sforno, der den bekannten Commentar zum Pentateuch schrieb. Der Cardinal Egidio de Viterbo lernte Hebräisch und Kabbala bei Elias Levita. Als ein sehr erfreuliches Zeichen vortrefflichen Einvernehmens ist es erwähuenswerth, daß jüngst bei dem von der Geistlichkeit der City veranstalteten Gesellschafts abend der Oberrabbiner unter den Gästen sich befand. Kairo. V a s s i l i ' L a z a r e v i ch Be r m a n ist in Kairo seiner langwierigen Krankheit erlegen. Der zionistische Gedanke hat mit Basfili Lazarevich Bermau einen seiner begabtesten und wärmsten Vorkämpfer verloren. Basfili Lazarevich Berman wurde 1862 in der Provinz Curland geboren; er kam als Kind nach Petersburg, wo er das Gymnasium absolvirte und an der juridischen Facultät seinen Studien oblag. Schon damals verschaffte ihm seine außerordentliche Begabung und seine bezaubernde Persönlichkeit den ersten Platz unter seinen Collegen. Trotzdem er Jude und nicht einmal ein reicher Jude war, wurde er bei verschiedenen Gelegenheiten von seinen Commilitvnen als Schatzmeister. Secretär, Abgesandter u. s. w. gewählt. Wie sympathisch der Verstorbene Allen gewesen sein muß, die mit ihm in Berührung kamen, erhellt daraus, daß er eine Zeit lang Präsident des Vereines der jungen Advvcaten war. Für die jüdisch-nationale Idee begann er zu wirken, als er fast noch ein Knabe war. Er unterrichtete in der von seinem Vater gegründeten jüdischen Schule und gab mit seinem Vater die Wochenschrift „Rnsski Pevrei" (der russische Jude) von 1879 bis 1884 heraus. Den größten Theil seines Lebens widmete er der Anfiedlung der Juden in Palästina. Er gründete die „Palästina-Gesellschaft" und ist der Verfasser zweier Werke „Palästina" (1884), „Sion" (1892). Später wirkte er eifrig für die Entwicklung des Ackerbaues unter den Juden nicht nur in Palästina, sondern allerorten; er wurde Secretär des Centralcomit«» der Gesellschaft für jüdische Colonisativn in Petersburg. Als die Gesetze zur Beschränkung der Anzahl jüdischer Studenten in Rußland erlassen wurden, widmete er sich mit Leib und Seele der Unter- ' richtsfrage. Er wurde das eiftigste Mitglied der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung und Aufklärung unter den russischen Inden, und seiner Energie ist es zu verdanken, daß diese Gesellschaft eine russisch-jüdische Bibliothek errichtete. New-Aork. Tie theologische Facultät des Hebrew-Union College in Cincinnati hat Herrn Professor Dr. Mvriz Steinschneider anläßlich seines 80. Geburtstages zum Doctvr der Theologie (Doktor of Divinity) ernannt. Ter soeben erschienene Jahresbericht der United Hebrew Charitiestit New- Pork gibt ein lebendiges und erhebendes Bild des Wirkens dieses unzweifelhaft großartigsten aller jüdischen Wvhlthütigkeitsvereine. Die Jahreseinnahmen betrugen in runder Summe 143.000, die Ausgaben 139.000 Dollars. Tie Gesammtzahl der berücksichtigten Unterstützungsgesuche belief sich auf 24.750, davon waren 7508 neue Applicanteu. Von den 6751 Bewerbern um Nachweis einer Stellung konnten 6629 untergebracht werden; die klebrigen waren zumeist unfähig oder unwillig, eine Stelle zu übernehmen. Die Unterstützungsbewerber waren zumeist, mehr als 80 Percent, Polen und Russen; dasselbe Verhältniß herrscht unter den Einwanderern vor, deren man in dem mit dem 30. September abschließenden Etatsjahre 27.065 zählte und von denen 17.371 aus Rußland kamen und 19.518 in New-Pork verblieben, dessen russisch-jüdische Bevölkerung auf eine Viertelmillion geschützt wird. Wien. (Verlob u n g.) Fräulein Malwine Zwieback, Tochter des Herrn Ludwig Zwieback, Chefs der Firma Ludwig Zwieback & Bruder, hat sich mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Sigmund Kranz verlobt. Herr Ignaz Hilfreich, in Firma M. Hilfreich in Wien, verlobte seine Tochter Flora mit dem Kaufmanne Herrn Filipp Weiß. Wien. (T raun n g.) Am 12. April, 4 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel in Ottafting, Hubergasse, die Trauung des Herrn Julius Schmelz mit Fräulein Jda Buchbinder, Tochter des Herrn Ludwig Buchbinder, statt.

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