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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 899 Unter lebhaftem Beifall, an welchem der Cardinal theilnahm, nahm der Rabbiner seinen Sitz ein. Pater O'Shanahan sagte: Ich hatte für den Fall, daß Seine Eminenz uns diesen Abend mit seiner Gegenwart beehren sollte, eine kleine Rede vorbereitet, finde aber jetzt zu meinem Bedauern, daß meine Eloquenz mit Windeseile verflogen ist; der Rabbiner hat den Wind mir aus den Segeln genommen. All' die schönen Gedanken, welche ich aussprechen wollte, wurden vom Rabbi mit vorzüglicher Beredsamkeit zum Ausdruck gebracht. Ich danke dem ehrwürdigen Rabbi für seine Freisinnigkeit und sein echt religiöses Gefühl. .... Nachdem der Priester seine Ansprache beendet hatte, nahm Cardinal Satolli das Wort. „Priester und Freunde!" Empfangen Sie hiermit nochmals den Ausdruck meiner außerordentlichen Zufriedenheit mit dieser Stadt. Ich hatte keine Ahnung von dem Triumph unserer Kirche in Galveston. Hier hatte ich Gelegenheit, die Erziehung der katholischen Schulen und der Kirche zu beobachten, und ich bin davon entzückt. Alles was ich während meines Aufenthaltes in diesem mächtigen Land mit Bezug auf unsere Kirche gesehen habe, läßt mich wünschen, daß unser Land stets gedeihen und des göttlichen Segens theilhaftig werden möchte. Vom Gesichtspunkte der katholischen Kirche, nicht minder von dem der Humanität betrachte ich diesen Augenblick als einen höchst feierlichen. Es ist mir höchst angenehm, bei dieser Gelegenheit einen Rabbi unter uns zu sehen, denn er verkörpert, ivas ich mit Bezug auf Kirche und Humanität sagen wollte. Er ist der würdige Vertreter einer Religion; ich der einer andern. Lassen Sie uns die Hoffnung aussprechen, daß in Zukunft alle Menschen Brüder im Herzen sein werden, wie ich es heute schon mit dem Rabbi bin. Um die ausgesprochene Empfindung auch zu bethätigen, reichte der Cardinal dem Rabbi sreundlichst die Hand und sagte, er hoffe, daß in nicht üllzu ferner Zukunft er den Juden nicht nur die Hand als Brüder in der Gesellschaft, sondern auch noch als Brüder im Glauben reichen werde. Nach dieser beachtungswerthen Anrede des Cardinals vertheilte sich die Gesellschaft in Gruppen, die sich noch lange Zeit unterhielten. Der Cardinal und der Rabbi führten ihre Conversation abwechselnd französisch, italienisch, lateinisch und englisch. Carl Paasch über Freiherr» v. Lange«. Im Berlage von I. Schabelitz in Zürich erschien eine Flugschrift des antisemitischen Agitators Carl Paasch unter dem Titel: Dr. jur. F. E. v. Langen, Mitglied des deutschen Reichstages, und der Fall Paaf ch". Ueber die Persönlichkeit, den Charakter und moralischen Lebenswandel des Freiherrn v. Langen macht Paasch Enthüllungen, welche aus Sittlichkeitsgründen sich nicht einmal andeuten lassen. Von einer Episode, in welcher auch Freiherr v. H a m m e r st e i n eine Rolle spielte, darf indessen Notiz genommen werden. Paasch schreibt: „Während wir in Groß-Lüdershagen waren, erzählte mir v. Langen, daß ein angesehener Herr aus Stralsund ihn ermahnte, einen anderen Lebenswandel in Berlm zu führen, da sein jetziges Leben bei seinen Wählern Anstoß erregte. Dieser Herr war ein aufrichtiger und wohlwollender Freund des Herrn v. Langen. Wie sich später herausstellte, hatte dieser, da seine Ermahnungen nichts fruchteten, an Herrn v. Hammerstein geschrieben und diesen gebeten, auf v. Langen einzuwirken, v. Hämmerst ein hatte geantwortet, daß ein solcher Lebenswandel, wie ihn v. Langenführte, nur dazu beitragen könnte, um den Mann interessant zu machen. Nun erschien um diese Zeit ein Artikel in der „Kreuzzeitung", gezeichnet von Freiherrn v. Langen, worin derselbe sich über das Verhalten der Socialdemokraten bei der Eröffnung des Reichstages beschwerte und worin er für Thron und Altar, für Sitte, Ordnung und Religion eintrat. Der Artikel machte einiges Aussehen, und v. Langen war mächtig stolz auf seine literarische Thätigkeit. Meine Bermuthung geht dahin, daß v. H a m m e r st e i n den A r t i k e l s e l b st g eschrieben und von v. Langen hat z e i ch n e n l a s s e n, während er sich über den gelungenen Scherz und Freund v. Langen, der auch seine Flora Gaß hatte, königlich amüsirte." Andere Mitglieder der conservativen Partei faßten die Sache dagegen ernster auf, und Paasch theilt darüber Folgendes mit: „Da redete mich eines Tages Herr v. d. Gröben-Arenst ei n, ein wohlwollender Freund v. Langen's, im Reichstage an. ,Hören Sie, lieber Freund/ sagte er, sich glaube. Sie haben Einfluß auf unseren Freund v. Langen. Bieten Sie Alles aus, um ihn ans der Gesellschaft des Weibes seiner Dame „mit stark ausgeprägtem jüdischen Typus", v. Langen titulirte sie auch, wie Paasch behauptet, „Jüdin") zu bringen; auch sein männlicher Umgang, den er hat, ist schlecht und verderblich für ihn. v. Langen steht vor einer Katastrophe, und wenn er sich nicht ändert, werden wir ihn aus der conservativen Partei entfernen müssen? Ich theilte Herrn v. d. Groben mit, daß ich im Stillen und mit der größten Geduld Alles aufgeboten hätte, um v. Langen vor Unheil zu bewahren; daß ich das größte persönliche Jnreresse daran hätte, daß die ^ache nicht zum Eelat käme." Zur Kennzeichnung des „Politikers" und „Schriftstellers" v. Langen gibt Paasch bekannt: „Ganz zuletzt, als ich mit v. Langen im October 1895 zusammen war, hatte er die Idee, sich er st mit Hilfe der Juden eine einflußreiche Staatsstell u n g zu verschaffen, um dann nachher mit um so größerem Nachdruck gegen dieselben losziehen zu können." Jederzeit habe Freiherr v. Langen sich kühn mit ftemden Federn geschmückt. So habePaaschReden a u s g e a r b e i t e t, die v. L a n g e n n a chh er im Rei ch s t ag e h ielt, und als v. Langen als Mitglied der Petitionscommission zum Referenten über eine Talmudpetition ernannt war, sei er, da er von diesen Sachen nichts verstehe, an Paasch mit der Bitte herangetreren, ihm schleunigst ein Referat zu machen, was Paasch denn auch that. Die Flugschrift ist ohne Zweifel ein Racheact, doch sind deren Angaben, wie Kenner der Personen und Verhältnisse meinen, keineswegs 'unglaubwürdig. Viele Tivoli-Herren jubelten, als Carl Paasch für zurechnungsfähig erklärt wurde, und sich dann, angeblich mit Hilfe des Mechanikers Schneider, über Oesterreich nach der Schweiz flüchtete, um sich der über ihn wegen Ehrabschneiderei verhängten Gesängnißstrase zu entziehen. Jetzt dürften alle diese Herren ihn als irrsinnig bezeichnen, aber auch bedauern, daß es ihm geglückt sei, dem Criminal zu entrinnen. Erklärungen in diesem Sinne wurden bereits von den an der Sache betheiligten Herren v. Langen und v. d. Groben veröffentlicht. In der Langen'schen Erklärung heißt es: „Die Broschüre gibt sich als eine Fortsetzung der Angriffe, die Herr Paasch gegen den kaiserlichen Gesandten Herrn v. Brandt, den ehemaligen Justizminister Herrn v. S ch e l l i n g und eine Reihe namhafter Persönlichkeiten gerichtet hat. Wegen dieser Angriffe ist Herr Paasch durch ein rechtskräftiges Erkenntniß des königlichen Landgerichtes in Berlin zu dreizehn Monaten Gesang n iß verurtheilt worden; dieser Strafe hat er sich durch die Flucht nach der Schweiz entzogen und wird gegenwärtig von der königlichen Staatsanwaltschaft verfolgt. Diese Thatsache und die Aussagen der ärztlichen Sachverständigen, die in ihren gerichtlichen Gutachten die G e i st e s k r a n k h e i t des Herrn Paasch festgestellt haben, entheben mich der Pflicht, mich auf irgend welche öffentliche Polemik mit Herrn Paasch einzulassen, was er auch immer über mich behaupten und verbreiten möge. Ich beschränke mich deshalb auf die Erklärung, daß die Angaben des Herrn Paasch lediglich Producte der krankhaften Wahnvorstellungen sind, von denen der Unglückliche, wie gerichtsnotorisch, heimgesucht wird." Herr von der Grüben erklärt, alle Aeußerungen, die ihm Paasch in seiner Broschüre zufchreibt, seien „lediglich Producte der ü b e r r e i z t en Phantasie des Paasch, der, wie gerichtlich zurEvidenz festgestellt worden, geisteskrank ist". „Mit jedem Geisteskranken habe ich von vornherein warmes Mitleid; constatiren muß ich jedoch — unter nochmaligem Hinweis auf mein Schreiben vom 21. er. — daß ich in v o l l e r Uebereinstimmung mit den gerichtlichen Gutachten den p. Paasch nunmehr für gemeingefährlich irrfinnig erachte und mich daher auf keinerlei Polemik mit demselben einlasfen kann!" Genehmigen Sie die Versicherung vollkommener Hochachtung v. d. Grüben-Arenstein Mitglied des Herrenhauses und des Reichstages. Ein jüdisches Bergvolk. Die „Leipziger Jllustrirte Zeitung" vom 25. Jänner 1896 Nr. 2743 bringt einen reich ausgestatteten Bericht über die Expedition, welche Graf Tugen Zichy im Sommer des JahreS

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