Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 282 Dr. Vloch's WochrnfchrM. Nr. 14 ein W o h l t h ä t i q k e i t s f e st. „B u d a p e st i H i r l a p" meldet nun, daß zu dem auch heuer in Aussicht genommenen Feste Prinz Alois Liechtenstein und Dr. Lueger Einladungen erhalten haben sollen und bestimmt zu demselben e rscheinen werden. Prinz L i e ch t e n st e i n wird als Gast des Grasen Ladislaus H u n y a d y bei diesem absteigeu, während Dr. Lueger «Einladungen in mehrere Paläste erhalten habe. Die Meldung macht den Eiirdruck des Abenteuerlichen und bleibt eine Bestätigung noch abzuwarten. Trenesin 30. März. (B e r u r t h e i l u n g eines Pfarre r s.) Josef B a d i k, katholischer Pfarrer in Szkalite im Trencsiner Comitate, ein enragirter Agitator der a n t i s e m itischen B o l k s p a r t e i, wurde wegen aufreizender Predigten gegen die jüdische Confession vom hiesigen Gerichtshöfe zu eine m Monate Staatsgefängniß und 25 fl. Geldstrafe, im 4iichteinbringungsfalle zu weiteren drei Tagen Staatsgefängniß verurtheilt. Budapest, 31. März 1896. (Ein toleranter Seelsorge r.) Dem „Pesti Hirlap" wird aus Fülek- Püspöki geschrieben: „Am 22. d. M. starb hier der Sohn eines armen Juden. Pfarrer Kornel Fabian, welcher von der Nothlage der Familie erfuhr, bestritt sofort die Begräbnißkosten, besuchte das Trauerhaus, tröstete den trauernden Vater und händigte ihm eine Geldunterstützung ein. — (Auszeichnung eines j ü d i s ch e n G r o ßh ä n d l e r s.) Seine Majestät der König hat dem Stuhlweißenburger Großhändler Ignaz Herczeg das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. — (Dem ungarisch-israelitischen öffentlichen L a n d e s s o n d) wurden in der zweiten Hälfte des Monats März 60.200 fl. gespendet. Derselbe hat bereits die Höhe von 339.400 fl. erreicht. — (Die P e st e r israelitische Cultusgemeinde) hat vor den diesjährigen Pessach-Feiertagen an 2600 nothleidende Familien 20.000 Kilo Mazzoth und 5000 fl. in Baarem vertheilt. — (Die N y i r e g y h a z a.e r „C h e w r a - K ad i s ch a") hat in ihrer dieser Tage stattgefundenen Ausschußsitzung auf Airtrag des Präsidenten Samuel Friedlieber beschlossen, zur Verewigung des Andenkens des kürzlich verschiedenen Dr. Ignaz Heumann ein beit Namen des Verblichenen führendes Spital in Nyiregyhaza zu errichten, in welchem Kranke ohne Unterschied d e r C o n f e s s i o n aufgenommeir werden sollen. Berlin. Eine vom- Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Donnerstag einberufene Versammlung nahm folgende Protestresolution gegen die neueren Verfügungen in Betreff der Verwendung jüdischer Lehrkräfte an Berliner Gemeindeschulen an: „Die heutige, vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung bedauert die in jüngster Zeit getroffenen Anordnungen der staatlichen Schulaufsichtsbehörden, besonders des Provinzialschulcollegiums bezüglich der Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte. Die Versammlung erklärt: 1. Daß diese Anordnungen mit der in Landesgesetz und Reichsverfassung aller religiösen Bekenntnisse verbürgten Gleichberechtigung nicht vereinbar und auch durch Rücksichten auf confessionelle Interessen nicht geboten sind. 2. Daß sie eine Unbilligkeit gegenüber den bereits angestellten jüdischen Lehrkräften enthalten, deren Amtsführung nach dem Zeugniffe ihrer Vorgesetzten zu dem von der Schulverwaltung gezeigten Mißtrauen keinerlei Anlaß geboten hat. Die Versammlung beauftragt den Bereinsvorstand, im Sinne dieser Erklärungen eine Vorstellung an den Herrn Cultusminister zu richten. Brcslan, 29. März. (Wucherproceß Sedlatzek) Vor der hiesigen Strafkammer begann am 27. d. M. der Proceß gegen den als Antisemiten bekannten Graveur Fritz Sedlatzek und dessen Bruder Paul. Beide sind wegen Betruges, der Letztere noch wegen Wuchers angeklagt, Fritz Sedlatzek war nach der Schweiz entflohen und von dort nach dem deutsch-schweizerischen Vertrage zur Aburtheilung wegen Betruges ausgeliefert worden; die Anklage wegen Wuchers konnte dem Auslieferungs-Verträge gemäß gegen ihn nicht erhoben werden. Die strafrechtliche Verfolgung gegen das Brüderpaar wurde eingeleitet, weil sie Beide die Unerfahrenheit und den Leichtsinn Minderjähriger sich zunutze gemacht haben. Sie verschafften sich Vermögensvortheile, indem sie jungen unreifen Burschen Waaren zu unglaublich hohen Preisen verkauften und sich Schuldscheine über die Beträge ausstellen ließen. Es waren 43 Zeugen und 6 Sachverständige geladen. Unter den Zeugen befanden sich junge Studierende, Kaufleute, Apotheker; ferner stellten verschiedene Fähnrichspressen und ähnliche Anstalten ein bedeutendes Contingent der Kundschaft. Unter Anderen waren die beiden Prinzen Sulkowski erschienen, von denen einer bei den Thile'schen Husaren dient. Die Geschäftsmanipulation des Brüderpaares war folgende: In der ersten Etage des Sedlatzek'schen Hauses war ein besonderes Zimmer für den Verkauf von „Studenten- und Officiers- Bedarfsartikeln" vorhanden. Die jungen Leute wurden von Sedlatzek durch Verabreichung geistiger Getränke in eine animirte Stimmung versetzt, um sie zu geradezu unsinnigen Kaufabschlüssen geneigt zu machen. Auch hübsche Verkäuferinnen waren angestellt, vor denen die stolzen Herrchen natürlich als zahlungsfähig erscheinen wollten. Das Geschäft wickelte sich meist glatt ab. Die Kunden waren häufig noch nicht 18 Jahre alt. Nach kurzer Zeit empfingen sie Mahnbriefe unter der Drohung, den Eltern Mittheilung von den Ankäufen zu machen, wenn die Bezahlung nicht erfolgte. Die jungen Herren besaßen keinen Heller; sie hatten die gekauften Gegenstände theils versetzt oder verschenkt. Um den Gläubiger zu beruhigen, mußten die leichtsinnigen Burschen noch Wechsel unterschreiben, deren Betrag der Kaufsumme zugeschrieben wurde. Gewöhnliche Spazierstöcke, welche jeder Hausirer für 50 bis 75 Pfennige verkaufte, berechnete Sedlatzek mit 25 Mark. Fritz Sedlatzek bestreitet alle ihm zur Last gelegten Uebervortheilungen. Er will nur die besten Waaren geliefert und meist weniger für dieselben genommen haben, als sie werth waren. Paul Sedlatzek will genau die Aufträge seines Bruders ausgeführt haben und daher keine Schuld tragen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Fritz Sedlatzek wegen Betruges die höchste Strafe von fünf Jahren Gefängniß und Ehrverlust auf die gleiche Dauer, gegen Paul Sedlatzek wegen Beihilfe zum Betrüge und verschleierten Wuchers drei Jahre Gefängniß und fünf Jahre Ehrverlust. Wie uns aus Breslau telegraphirtwird, wurde FritzSedlatzek wegen Betruges in 11 Fällen zu drei Jahren Gefängniß, 1000 Mark G e l d st r a f e und fünfIa h reu E h rv e r l u st, P a u l S e d l a tz e k tvegen Beihilfe in Verbindung mit Betrug zu einjährigem Gefängniß, 300 Mark Geld st rase und e i n j ä h r i g e m Ehrverlust verurtheilt. Berlin, im März 1896. Am Sonntag den 22. d. M. fand die III. Generalversammlung des im Jahre 1804 gegründeten „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin", unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Alb. Phil. Meyer statt, welcher den erfreulichen Fortschritt in der Entwicklung des Vereins bestätigte, wie solcher bereits in dem ausführlichen Jahresbericht zur Kenntniß der betheiligten Kreise gebracht worden war. Einige hervorragende Aerzte, welche au der Generalversammlung theilgenommen und die Schwestern verschiedentlich in der Privatpflege zu beobachten Gelegenheit hatten, bestätigten, daß sich dieselben nach jeder Richtung bewährt haben, ihren Pflichten in vorzüglicher Weise Nachkommen und daß nur zu bedauern sei, daß bei der noch geringen Zahl von 10 ausgebildeten Schwestern soviele Wünsche, Vereinsschwestern für die Außenpflege zu erhalten, unberücksichtigt bleiben müssen. Nachdem dem Vereine für jüdische Krankenpflegerinnen die Rechte einer juristischen Person allerhöchst ertheilt worden sind, erklärte sich die Generalversammlung einstimmig zur Annahme der Louis und Rosa Sachs'schen Schenkung, betreffend die Zuwendung des Hauses Auguststraße 17 als Schwesternheim des Vereins, bereit. Ebenso wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder die Herren M. Metzenberg, Alb. Phil. Meyer, geheimer Medicinalrath Professor Dr. Senator, sowie die Damen Frau Dr. Frankl und Frau Stadtrath Dr. Weigert wiedergewählt. London, 20. März. Negus Menelik von Abessynien hat an den englischen Missionar F. S. R. Clarke ein Schreiben gerichtet, in welchem folgende auf die Juden bezügliche Stelle enthalten ist: „Was Ihr das Alte Testament nennt, ist ebenso wahr wie das Neue, und waS darin steht, muß von denen geachtet und gehalten werden, die Christus und den von den Propheten verkündeten Aposteln folgen. Niemals hat Christus das ewige Merkzeichen seiner Race abgeschafft, denn er selbst ist ihm am achten Tage von seiner heiligen Mutter unterzogen worden. Wenn man daher dasjenige unterdrückt, was Gott ausgestellt hat „von Zeit zu Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit", so schwächt man den Glauben und gibt ein Schauspiel, wie es die Christen Europas geben. Sie üben Gewaltthätigkeiten nicht allein draußen, sondern auch bei sich gegen die Juden, die trotz alledem christliche Seelen sind und denen wir unseren Heiland verdanken. In meinem Reich gibt es deren 300.000, und sie sind, obwohl sie in fast vollständiger Unabhängigkeit leben, willige und arbeitsame Unterthanen. Sie stiften nie Verschwörungen , an, zahlen alle Abgaben und achten unfern Abuna (das Oberhaupt der äthiopischen Kirche) ebenso \oÜ die Christen. Wenn sie in Europa schlechter sein sollten, so kommt das daher, daß dort auch die Christen schlechter sind. Unser Herr Christus hat ihnen am Kreuze verziehen, weshalb werden sie also noch verfolgt? Freilich Sie verfolgen sie nicht; mögen die andern Christen Europas Ihnen nachahmen! Was Euch noththut, ist, wieder zu unserem Gott zurückzukehren, alle seine Gebote zu achten, nicht mehr MoseS und die Propheten von den Aposteln oder den heiligen Petrus vom heiligen Paulus zu trennen". London. Das Bankhaus der Brüder Rothschild hat der . Pariser Universität die Summe von 800 Pfund Sterling zu dem