Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021130--05497-3029735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 Seite 281 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi das Andenken ihres unvergeßlichen Präsidenten des kaiserlichen Rathes Dr. Bernhard W ö l f l e r zn ehren, der bis zu seinen letzten Athemzuge für die Interessen des Vereines wirkte, den Pflegerinnen ein e i ge n e s Heim e rbauen. Dieses soll den Namen „Dr. 'Wölsler-Heim" tragen. Diese schöne Idee hat bereits Wurzel gefaßt und ans dem Cassaberichte ist zu ersehen, daß großherzige Wohlthäter ihren Zympathien für dieselbe bereits thatkräftigen Ausdruck verliehen. Ein erst angesammelter Betrag in der Höhe von 2350 fl. ist bereits fruchtbringend angelegt. Mögen diese Wohlthäter, es sind dies die Herren Freiherr Alexander Popper v. Podraghi, Salo C v h n, Moriz Edler von K u f f n e r, Wilhelm K u f f n e i\ Ernst Back Edler von BAzvvlr, Hermann B a ck, Realitätenbesitzer, Dr. B e r l, Commercialrath, Alois Reich, Commercialrath, zahlreiche Nachahmer finden, d a n n wird b a l d der B a u e r st e h e n, de r Unglückliche n Heil u n d A l l e n, die zu feiner E r m ö g l i ch u n g beitrugen, E h r e und A n e r k e n n n n g b r i n g e n wird. Der Vereinsleitung niuß das ehrende Zeugniß ausgestellt lverden, daß sie Alles, was in ihren Kräften liegt, versucht, um ihr edles Ziel zn fördern. Dank und 'Anerkennung verdienen auch die Herren Dr. Adolf Hoff in a n n und Dr. Marcus K o r a n y i, die schon während der langen Krankheit Dr. W ö l f l e r's in aufopfender selbstloser Weife dem Vereine sich widmeten. Herr Dr. Hoff m a n n, der dem Vereine seit seiner Gründung angehört, hat nunmehr auch das Präsidium in der VereinsLeitung angenommen und auch Herr Dr. K o r a n y i hat einer Berufung in das Präsidium Folge geleistet und in uneigennützigster Weise erklärt, die Aufnahme der Bewerber in seine Obhut zu nehmen. Herr Sigmund W ö l s l e r ist dem Vorstände beigetreten und" hat das Amt eines Eassaverwalters übernommen. Wie in früheren Jahren ist auch jetzt Dr. Franz Ries in Kierling der humane 'Arzt für die Schützlinge des Vereines. Correspondenzen. Wien. (F e r i e n h e i m.) Donnerstag den 20. März l. I. Hielt der Verein für israelitische Feriencvlonien im Sitzungssaale der israelitischen Cnltusgemeinde unter ungemein lebhafter Betheiligung seiner Mitglieder und vieler geladener Ehrengäste seine zweite ordentliche Generalversammlung ab. Unter den 'Anwesenden bemerkte man Herrn Gustav Simon, Vicepräsidenten des Cnltusvvrstandes, Frau Jda Güdemann, Herrn Baurath Theodor Ritter von Gvldschmidt, Herrn Architekten Max Fleischer, Herrn Dvcenten Dr. Joses Grünfeld, die Bezirksausschüsse Herren Ludwig Waldstein und Dr. Oscar Hein, Herrn S. Heit und viele Delegirte anderer Wohlthätigkeitsvereine. Den Vorsitz führte die Präsidentin, Frau Sofie Grünseld, welche die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste herzlichst begrüßte und nach Constatirung der Beschlußfähigkeit der Generalversammlung einen in großen Zügen gehaltenen Bericht entwarf über die segensreiche Wirksamkeit des Vereines „Ferienheim", über die Zunahme der Zahl der Vereinsmitglieder und über die Stifter und Gründer, welche im Vereinsjahre 1895 beigetreten sind. Ter Name eines jeden Gönners, eines jeden Förderers wurde genannt und ihnen allen der Dank vvtirt. Mit ganz besonderer Befriedigung qnittirte die Frau Präsidentin die Zuwendung einer Subvention von 100 fl. seitens des Mag istrates der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, welches als ein beredtes Zeichen dafür anzusehen sei, wie an dieser Stelle die Thätigkeit des so ungemein wührigen Vereines anerkannt werde. Anläßlich des Dankes an die Presse, welche die edlen Bestrebungen des „Ferienheim" eifrigst unterstütze, gedachte die Vorsitzende in besonders ehrenvoller Weise der „Oesterreichischen Wochenschrift" und ihres Herausgebers des Herrn Dr. I. S. Bloch, welcher der geistige Urheber dieses Vereines sei; er gab den Anstoß zur Gründung der israelitischen Feriencvlvnie, er wurde nicht müde, dem Unternehmen fördernd beizustehen und die Propaganda, welche er in Wort und Schrift bei den mannigfachsten Gelegenheiten dafür entfaltete, steht bei Allen in zn frischer Erinnerung, als daß der Vorstand jemals glauben könnte, seiner Dankesschuld gegen diesen unerschrockenen Kämpfer für die Interessen des Judenthums ledig zu sein. Ta Herr Dr. Bloch wegen Geschäftsverbindung die innegehabte Stelle eines Beirathes niedergelegt habe, so müsse nebst dem Ausdrucke des innigsten Dankes für die großen Verdienste, die er sich um das „Ferienheim" erworben, auch der Zuversicht Raum gegeben werden, daß er nach wie vor ein treuer Freund und Förderer des Vereines bleiben werde. 'An Stelle des ansgeschiedenen Beirathes Herrn Dr. I. S. Bloch wurde Herr Banrath Theodor Ritter v. Goldschmidt in den Vorstand berufen, und fand diese Wahl die einhellige Genehmigung der Generalversammlung. Schließlich gedachte die Präsidentin der im abgelaufeuen Jahre dahingeschiedenen Mitglieder und Gönner iutt> erwähnte besonders den großen und schmerzlichen Verlust, welchen die Humanitären Vereine durch das 'Ableben des edlen Wohlthäters Wilhelm Ritter v. Gutmann erlitten haben. Der Aufforderung der Vorsitzenden folgend, erhebt sich die Versammlung zum Zeichen der Trauer von t>eu Sitzen. Sodann erstattet die Schriftführerin, Frau Antonie Gras, einen ausführlichen Geschäftsbericht über die Organisation der einzelnen Cvloniestationen, über den Versuch der eigenen Regie in der Eolonie Theresienseld und gelangt zu der Schlußfolgerung daß das einzig erstrebenswerthe Ziel des Vereines die Erbauung eines eigenen „Heim" sein müsse, das in der Ferialzeit als Colvnie und in den übrigen Monaten als Recouvalescentenheim zu dienen hätte. Das 50jährige Regierungsjubiläum unseres geliebten Monarchen böte die schönste Gelegenheit zur Schaffung eines „F r a u z I v s e s - F e r i e n h e i m". Die Vicepräsideutin, Frau Julie Fialla verliest an Stelle der indisponirteu Eassierin den Cassabericht, aus welchem zn ersehen ist, daß der Verein für seine Eolonceu im abgelausenen Jahre 8010 fl. verausgabt hat. Herr S. Heit cvnstatirt im Namen des Revisions-Comitss die vollkommene Richtigkeit der Cassagebahrung, woraus dem Vorstande einhellig das Absvlutvrium ertheilt wird. Nachdem die ansgelvsten Vorstandsdamen auf Vorschlag des Herrri Baurathes Theodor Ritt. v. Gvldschmidt einstimmig wiedergewählt waren, genehmigte die Versammlung noch die vom Vorstände mitgetheilte Berufung der Herren Friedrich Fanto, W. Frehberg und N. Schefflet als Rechnungsrevisoren, woraus die Vorsitzende dem Schriftsteller Herrn Heinrich Glücksmann zu seinem Vorträge „Die Poesie des Helsens" das Wort ertbeilt. In musterhafter Weise entledigt sich Herr H. Gliicksmann seiner Ausgabe; er versteht es, wunderbare Gedanken in herrliche Worte zu kleiden und riß die Zuhörer zn stürmischem Bei fall hin. Die Vorsitzende dankte nach beendetem Vortrage Herrn Heinrich Glücksmann im 'Namen der ganzen Versammlung und richtete zum Schluß noch die Bitte an die Anwesenden, dem Vorstande behilflich zu sein, welcher unablässig aus der Suche nach einenl passenden Uuterkunstsvrte für eine neue Feriencolvnie sei. Damit schloß die Generalversammlung. Ein humaner Priester. Man schreibt uns aus Pardubitz : In unseren Tagen, wv so viele katholische Priester den Haß gegen die Juden predigen, thut es wohl, auf das Beispiel eines Pfarrers Hinweisen zn können, der die Nächstenliebe ohne Unterschied der Evnfession bethätigt. Es ist dies der Pfarrer in K unetrtz bei Sasmitz, der seit Jahren in der rührendsten Weise einen armen greisen Juden unterstützt. Eine nothleidende Familie. Wir werden um Aufnahme nachstehender Zeilen ersucht: Die Familie Nathan R v s e n s e l d, II., Krummbaumgasse 0, befindet sich in der drückendsten 'Nochläge nad ist von der Delogirung bedroht. Ter Mann hat stets seine Familie ehrlich erhalten. Durch eine schwere tuberculöse Erkrankung ist er aber jetzt außer Stande gesetzt, einem Erwerbe nachzugehen. Mögen edle Wohlthäter sich der armen Familie annehmen! - Josias Go ldschmidt Juwelen-, Goldu. Zilberarbeiter II.. Große 'Schissgasse 4. Budapest, 25. März 1890. > E i n e i n t e r e s s ante B ü r g e r m e i st e r w a h l) fand vorgestern in G y ö n g y ö s statt. An Stelle des bisherigen, vom Amte suspendirten Bürgermeisters Julius Ballvg wurde unser Glaubensgenosse Herr Adolf Deutsch-iDudas) mir großer Majorität zum Bürgermeister gewählt. Bemerkenswerth ist, daß mit Ausnahme von circa 200 Juden und ebensvvieleu Bekennern eines anderen christlichen Glaubens, circa 18.000 Bewohner des Ortes Katholiken sind. Budapest, 30. März. Einige Damen der 'Aristokratie veranstalten alljährlich am 28. Mai in der Ofener Fe st u n g