Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021130--05496-3029734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
„Magyar Allam" contra Hortövanyi Man kann ein sehr \ gesunder Mensch seist, ohne den „Magyar Ällani^ je geleseN! zu-hüben,; und ebenso kennen wir Leutt von ausgezeichneter Gesundheit^ die! vielleicht erst aus dieser Aeilungsnoliz erfahr en werden, daß es-einen ' Herrn Dr. Joseph Horlovanyi oib: und daß dieser Herr.--von .- der weisen Vorsehung zur,vornehmen Uolle-bes'Chefresacteurs des! obbenannten Blattes ausersehen wurde. Minder HricntirtkU .zuli-be hat noch kurz bemerkt zu werden, daß „Magyar Allam" l>as täglich erscheinende Organ der Wer i ca len und Ultramontänen--Ungarns ist und aus der Stirne — und es hat eine Stirne — nicht den Kuß. der, Muse, sondern den päpstlichen Segen trägt. £ rinn bringt besagte fromme Zeitung einen auf die Garam-Äis-Salloer Blutmärchen-Berhandlung bezüglichen Leitartikel, in welchem mit dem gesammten Apparat der christlichen Nächstenliebe nachgewiesen und steif und fest behauptet wird, daß die Juden um Ostern heruin nicht nach Rothwein, sondern nach möglichst jungfräulichkm Christenblut dürsten. In dem liebenswürdigen Artikel heißt es unter Anderem wortwörtlich: „Es gab und gibt also Ritualmorde. Ja, es wird auch fürderhin solche geben. Je größer die Macht des JuLenthums über die christliche Gesellschaft wird, desto häufiger werden solche Fälle, Vorkommen." So steht's geschrieben im Leitartikel - des „Magyar Allam", und wer's nicht glaubt, der zahlt einen Thaler. Der Ei sie aber, der an den Ritualword dennoch nicht zu glauben scheint, ist der Chefredacteur der selbigen Zeitung Herr Dr. Josef Hortovanyi. In der nämlichen Nummer des frommen Blattts ist nämlich die Bertheidigungsrede wörtlich reproducirt. die Herr Chefredacteur Dr. Josef Hortovanyi zu Gunsten seines Clienten, des hochwürdigen Caplans Fuß, vor dem Schwuraer'chte gehalten hat. Und da heißt es wieder wortwörtlich: „Ich erkläre, meine Herren Geschwornen, ganz entschieden und rundweg, daß es nicht nur meine Ueberzeugung, sondern mein festes Wissen ist, daß die Bezichtigung, wonach das Dogma oder der Ritus des Judenthums Christenblut fordern würde, überhaupt unwahr, ja daß selbst die Möglichkeit dieser Sache ausgeschlossen ist." So sprach vor öffentlichem Forum der Chefredacteur des „Magyar Allam", der also in seinem eigenen Blatte an leitender Stelle in w glänzender Weise desuvouirt wird. Herr Dr. Hortovanyi wird sich nun jedenfalls denken müssen, daß der Papst und sein Segen zwar unfehlbar sind, daß aber diese Unfehlbarkeit auf den Leitartikler des gesegneten Blattes sich nicht zu erstrecken scheint. Ahlwardt als Schnorrer. Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht die New-Dorker Staatszeitung vom 15. d. Ai. Folgendes : Im antisemitischen Lager in Brooklyn ist gestern eine Revolution ausgebrochen. Gegen keinen Geringeren als den Häuptling selbst, den dicken Rector Hermann A h l w a r d t, rebelliren die Anhänger der Lehre, welche die Juden vom Erdboden vertilgen will. Gestern wurde von I. Hessel und I. Schwer tf e g e r, dem Bice-Präsidenten resp. Secretär der „Amerikanischen Antisemiten-Associativn" in Brooklyn, ein Pronunciamento gegen den Heerführer erlassen und der Gehorsam gekündigt. Das Schriftstück, in welchem Herr Ahlwardt von seinen treuesten Verbündeten als Blutegel geschildert wird, hat folgenden Wortlaut: „I n A :: b e t r a ch t der T h a t s a ch e, d a ß d i e v o n Herrn Ahlwardt in Scene gesetzte Agit ation weniger den Zweck hat, unlautere Praktiken der Semiten zu bekämpfen, vielmehr es nunmehr für uns f e st st e h t, daß diese ganze Agitation von Herrn Ah l w a r'd t als ein C i r c ns betrachtet wird, in de ln die künstlich e n t h u si a s m i r t e n A n h ä n g tx n u r als Statisten f u n g i r e n sollen, um He r r n Ahlw a r d t's unersättlichen Säckelzu füllen, haben die Unterzeichneten es mit ihrer persönlichen Würde unvereinbar geftmden, länger Aeniter in der „amerikanischen Antisemiten-Assvciation" zu bekleiden, und ihre Resignation eingereicht. Indem wir von der Ansicht ausgehen, daß Derjenige, welcher unlautere Praktiken bekämpfen will, doch mrbedingt selbst von denselben frei sein muß, Herr Ahlwardt aber dadurch, daß er alle besser s i t u i r t e n P -e r s o n e n, w e l ch e e r i n den von n n s e i n b e r u f e n e n V e r s a m ml u n g e n kennen lernte, sofort a m n ä ch st e n Tage um größere oder kleinere Beträge an bettelte, sich solcher Mittel bediente, die selbst dem ärmsten Juden zu niedrig s i n d, a u f d i e U n t e t1 ft ützung und Symp a. t hie aller aus AnstandAnspruch machendenMenschen begreiflicherweise nicht mehr rechnen, kann. Obwohl derselbe für alle Vorstellungen, die er uns hier gegeben, stets in anständiger Weise bezahlt wurde und obwohl die mit der Unverfrorenheit eines Handwerksburschen ausgeführten persönlichen Schnorrereien des Herrn Reichstagsabgeordneten ihm in Brooklyn allein inWochensrist über 60 Dollars eingetragen, war derselbe immer in angeblicher Geldnoth. Bald war der Wzng öder die Uhr?'versetzt,, bald war die'KosthäusrechMG'zn eDauMcher Höhe attgelauM 'und immei: wiedsr suchte'neue Grüivel zu stndenj die deM/Mrdigen 'ReMstagsäbtzeordneten -ans der Klemme Helsen' sollten.' Ist Anbetracht solcher/ - alle'M-Heren Gerüchte in Schatten stellender Zustände kann-'es. uns'wohl keiner-'Lttser^'FreMde''--verdeicken)'..'daßr-Mr mcht - nurarff die Ehre, - Beamte einer, in - Schnorrereiausartenden .Organisation zu sein/'verzichten, sondern auch überhaupt mit dem ganzen Ahlwardt- Rummel--nichts.mehr--.zu thun haben wollen. .I. Hessel, ehem. Secretär.-F. Schwertfeger, ehem. Bice-Präsid'ent. - " - Von einem antifemtischen DenuneiantenStücklein berichtet der „Socialist". Danach kam vor einiger Zeit ein Mann in.das „Deutsche Wirthshaus" in der Dresdenerstraße nahe am -Oranienplatz in Berlin, in welcher die Antisemiten aus jener Gegend zu verkehrenjpflegen, und präsentirte eine Sammelliste für die Familien inhastirter Genossen. Die Antisemiten veranlaßten den Wirth, den Mann aus dem Local zu verweisen, folgten ihm dann auf die Straße, bis sie einen Schutzmann fanden,- welcher aus die Dermnciation der „teutschen" Helden den Mann mit der Sammelliste festnahm. Auf der Wache wurde nach Feststellung der Personalien auch die Liste beschlagnahmt. Dann wurde der Festgenommene wieder entlassen. Die Antisemiten aber kehrten zu ihrem Bier zurück und schimpften auf die — Inden. Für die armen Brustleidenden! Die harte Hand des Schicksales lastet schwer auf dem Armen, der für sich und die Seinen um das tägliche Brot ringt. Aber unendlich grausamer noch, mit Worten kaum zu schildern, ist das Los des Armen, der überdies von Krankheit heimgesucht ist. Bedarf es da noch weitläufiger Erörterungen, um das Verdienst jener Wohlthätigkeitsinstitute zu kennzeichnen, die durch die Munificenz edler, warmfühlender Menschen gegründet, das Ziel anstreben, armenK ranken Hilfe und Rettung zu schaffen? Unter den vielen Wohlthätigkeits-Bereinen, die Wien zählt, nimmt einen der würdigsten, hervorragendsten und edelsten Plätze jener ein, der sich die Aufgabe gestellt hat, die unentgeltliche Verpflegung Brust leidender in Kierling zu ermöglichen. Der XXIV. Jahresbericht liegt uns vor, der uns ein Bild humanen, philantropftchen Wirkens entrollt, das jeden Menschenfreund aus das Innigste ergreife:: muß. Zahlreiche Personen, die das Glück hatten, in der wohlthuendei: Landluft sich zu kräftigen, richteten an die Vereinsleitung rührende Schreiben, in welchem sie über eine merkbare Besserung ihres Lungenübels berichteten und den Segen Gottes auf die hochherzigen Spender herabflehten, denen sie dies dankten. Leider aber ist die heilbringende Thätigkeit des Vereines in dem letzten Jahre durch die verringerte materielle Unterstützung, die er fand, beeinträchtigt worden. Während derselbe im Jahre 1894 in der Lage war, 75 Personen die unentgeltliche ärztliche Behandlung und Verpflegung zu Theil werden zu lassen, konnte er im letzten Jahre blvs 29 Frauen und 27 Männer::, also zusammen 56 Brustkranken diese Wohlthat erweisen. Die zur Aufnahme Bestimmten nahmen eine Berpflegsdauer von 2045 Tagen in Anspruch, so daß der Einzelne 35—36 Tage in Verpflegung blieb. Die Gesammtkosten während der Svmmersaison beliefen sich aus 2062 fl. 73 kr., und um diese ganze. Summe aufbringen zu können, mußten auch die dem Jahre 1896 g u t k o m m e nd e n Zinsen des V e r e i n s v e r m ö g e n s, 158 fl. 70 kr., herangezogen werden, welche durch mittlerweile einlangende Spenden ersetzt wurden. Es ergibt sich nach alldem die betrübende Thatsache, daß, obwohl nach statistischen Ergebnissen die Zahl der Brustkranken in fortwährender Zunahme begriffen ist, die Bereinsleitung ihre .Wirksamkeit einschränken und Hunderte v o n P e t e n t e n schweren Herzens n b w e : s e n mußte. Wir richten daher einen dringenden Appell an die Glücklichen und Reichen, die in der Fülle des Wohlstandes und der Gesundheit das Mitgefühl für ihre armen und kranken Mitmenschen nicht eingebüßt haben,, sie mögen jeder ihr Scherflein beitragen, damit diese b eftüb ende Thatsache aus der Welt geschaffen werde. Es gibt viele Wunden zu heilen, viele Thränen zu ftocknen, und wer der hohen Freude des Wohlthuns theilhäftig werden will, kann nichts Besseres thun, als wenn er in die Liste der Humanitäts-Institute, die er fördern will, auch jenes aufnimmt, das den armen Brustkranken Rettung oder zu-! mindest Linderung ihres Leidens bringen will. Die Vereinsleitung hat hohe und edle, aber nur mit namhaften Mitteln zu erreichende Ziele vor Augen. Sie möchte, um