Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14 Seite 279 Dr. Vlortz's Woltzenfitzrift Gemüthern angerichtet hat. Die Franzosen, eines der aufgeklärtesten Völker der Welt, werfen sich mir schwärmerischem Entzücken den Russen in die Arme, während diese in unerhörter Brutalität Tausende und Abertausende unschuldiger Menschen von Herd und Heimat vertreiben." - Eine heitere Ehren-Affaire des Dr. Getzmann. Die ehrlichen, wenn auch nicht liebenswürdigen Auseinandersetzungen der verpsafften Christlich-Socialen und pfaffenseindlichen Deutschnationalen beim Wimberger haben als nächste Folge eine Ehrenafsaire veranlaßt, die einzelner komischer Details nicht entbehrt. Einer ans der Studentengruppe, die Dr. Geßman n, gereizt über die Zurufe: „Racejude, Judenstämmling", als „dumme Jungen" bezeichnete, hatte die Absicht, von Dr. mann ritterliche Genugthuung zu fordern. Er machte seinen Couleurbrüdern hievon Mittheilung, die jedoch erklärten, es müsse zunächst mit Rücksicht auf die bisher unwiderlegt gebliebene Behauptung, Dr. Geßmann stamme von Inden ab, die Vorfrage der Satisfactionsfähigkeit entschieden werden. Unter Zuziehung von Vertretern mehrerer Burschenschaften wurde allen Ernstes eine längere Berathung gepflogen, deren Ergebniß schließlich darin bestand, die Forderung habe auf Grund des Beschlusses der deutschnationalen Verbindungen vom 11. März, der das Princip „den Juden keine Waffenehre" aufgestellt habe, zu unterbleiben. , Dem Herrn Dr. Geßmann ist es somit erspart geblieben, die Forderung mit Hinweis auf seine religiöse Ueberzeugung — abzulehnen. Ein Duell. Mit dem Säbel in der Hand hat kürzlich der Schriftsteller Hermann B a h r die geschriebene Ueberzeugnng vertreten. In der „Zeit", der von Hermann Bahr herausgegebenen Wochenschrift, erschien in einer der letzten Nummern ein Artikel, der sich mit den jüngsten Vorgängen an der Universität befaßte. Der Autor, der übrigens nichtBahr ist, belegte in seinem Unnruthe über die Stellungnahme der Deutschnationalen gegen die Satisfactionsfähigkeit der Inden die Urheber des ganzen Rummels mit einem Kraftworte, das nun Hermann Bahr mit seiner Klinge deckte. Bei ihm als verantwortlichem Redacteur 'der' „Zeit""erschienen nämlich zwei Leute, welche sich als Cartellft träger eines dritten deutschnationalen Antiliberalen vorstellten und in dessen Namen Gemrgthuung für das Schimpfwort, von dem auch ihr Mandant sich getroffen fühle, verlangten. Herr Bahr fand sich bereit, diese Satisfaction selbstverständlich in ritterlichster Weise geben zuwollen, obwohl er nach den folgenden Eröffnungen der Secundanten diese Affaire kurzweg hätte erledigen können. Ganz gegen die Bestimmungen des Duellcodex und die herrschende Norm erklärten nämlich die Cartellträger, daß sie, falls Herr Bahr ihnen unter seinen Vertretern einen jüdischen oder getauften Secundanten senden sollte, dies als Satisfactions- Verweigerung ansehen würden. Herr Bahr betonte, seines Wissens sei es in einer Ehrenaffaire noch niemals der Fall gewesen, daß Secundanten im vorhinein die Qualificativn der gegnerischen Vertreter, ohne noch deren Namen zu wissen, bestimmt hätten, und er nehnie diese Beeinflussung in der Wahl seiner Vertreter zur Kenntniß. Später sandte der Schriftsteller einen Vertreter zu den Secundanten des Förderers und verlangte eine principielle Erklärung, ob sie die Betrauung eines jüdischen activen Officiers mit der Vertretung in der Affaire ebenfalls als Satisfactions-Verweigerung ansehen würden, worauf die jeden Commentars überflüssige Antwort erfolgte, vom deutschnationalen Standpunkte müsse auch ein jüdischer activer Officier als ehrlos angesehen werden und die Entsendung eines solchen als Secundanten als Satisfactions-Verweigerung gelten. Unter protokollarischer Aufnahme seines Protestes nominirte nun Herr Bahr zwei arische Herren'als seine Zeugen und er fügte sich nur deshalb den Intentionen der Gegner, um diesen die Möglichkeit zu nehmen, ihn einer Feigheit zu zeihen. Das Duell fand nun vor einigen Tagen statt. Nach dreiviertelstündiger Fechtdauer endete der Kämpft durch die Verwundung beider Gegner. Der Deutschnationale erhielt zwei Hiebe über das Gesicht, während Herr Bahr zwei Verletzungen am rechten Oberarme und eine an der Innenseite der linken Hand erlitt. Die Wunden sind keine ernsten, doch werden sie immerhin den Schriftsteller mehrere Tage an jeder Arbeit hindern. Eine Scene im modernen Wien. Ein Freund unseres Blattes theilt uns nachstehende charakteristische Scene mit, die sich neulich Abends in der Rothenthurmstraße abspielte. An der Wand des erzbischöflichen Palais stand ein jüdischer Hausirer und bot Kinderuhren seil. Es war eine mitleiderregende Gestalt, gebeugt vom Alter und Elend; plötzlich trat ein junger, anständig gekleideter Mann auf ihn zu und — versetzte ihm einen heftigen Schlag i n's G e s i ch t. Der Greis wankte und fast wäre sein armseliger Vorrath seinen Händen entglitten; der Angreifer verschwand unter der Menschenmenge, und konnte nicht mehr eruirt werden. Das wandernde Heine-Denkmal. Aus N e w - A o r k schreibt man: Die Freunde des Heine-Denkmals, des Loreley- Brunnens von Professor H e r t e r in Berlin, lebten der Hoffnung, die städtische Aufstellung gesichert zu haben, nachdem sie die Stadtverordneten anscheinend auf ihre Seite gebracht hatten. Tie Gegner des Denkmals gingen mm aber nach 'Albany und setzten einen Beschluß der Staatslegislatur durch, der die Aufstellung von Denkmälern von der künstlerischen Begutachtung der „Federation of fine Arts" und der „National-Sculpture-Society" abhängig macht. Von diesen Kunstvereiiren war der Loreley-Brunnen aber auf's Heftigste befehdet worden, und da Mayor Strong die betreffende Bill durch Unterzeichnung rechtskräftig gemacht hat, so ist an ein Heine-Denkmal in New-Iork nicht mehr zu denken, es müßten sich denn plötzlich Mittel zur Erwerbung eines angemessenen, umfangreichen Platzes im Privatbesitze finden. Bei dem hohen Preise von Grundeigenthum in so vorzüglicher Lage, wie sie für ein Denkmal in Aussicht genommen werden muß, würde aber eine so bedeutende Summe zu beschaffen sein, daß das Heine-Comit6 schwerlich an den Gedanken der öffentlichen Sammlung dieser Summe herantreten kann. Bermuthlich werden frühere Verhandlungen mit Baltimore, Chicago und Milwaukee mm wieder aufgenommen werden, um dem Heine-Denkmal dennoch einen Standpunkt in den Bereinigten Staaten zu verschaffen. Wenn nicht eher, wird auf dem Deutschen Sängerfefte in Pittsburg, das im Juni 1896 stattfindet, ein definitiver Beschluß über das Schicksal des unterstandslosen Denkmals gefaßt werden. Antisemitismus — ««christlich. Nach Eugen D ü h rin g „kann ein Christ, wenn er sich selbst versteht, kein ernsthafter Antisemit sein." Dieser einzige richtige Satz des gesummten Dühring'schen Antisemitismus wird im „Modernen Bölkergeist" (März 1896. 2. 46), dem Organ der Dühringianer, wie folgt erläutert: „Christlich g?sinnte Leute müssen bei der Bekämpfung der Juden einen Eiertanz aufführen, damit sie nicht ihre Grundsätze zertreten. Das Christenthum als Ableger des Jndenthums kann selbstverständlich nicht in Gegensatz zu dem letzteren gebracht werden; wer als Christ seine Mitmenschen und sogar Feinde lieben soll, kann nicht gleichzeitig Haß gegen Juden predigen, ohne sich der Zweideutigkeit schuldig zu machen. Es würde indessen zu weit führen, wenn wir abermals beweisen würden, was im modernen Völkergeistsschon so ost bewiesen wurde, daß nämlich das Christenthum nur eine neuere Art Judenthum ist, keinerlei Culturfortlchritt bedeutet, sondern nur die Entfaltung des Geistes der modernen Völker aufgehalten und gelähmt hat". Juden in der Geschichte der Nordpolfahrten. Zu dem Artikel in Nr. 94 der „Mitth." schreibt Dr. Fr. S. K. im Wiener „Fr. Blatt": „Ungleich wichtiger und in der Wissenschaft von bedeutenderem Werthe als alle die eben angeführten Bemühungen der gedachten Nordpolreisenden sind die Forschungsergebnisse eines aus Berlin stammeuden jüdischen Ethnographen und Sprachforschers, Doctor F. Boa s, der gegenwärtig Professor der Clark-Universität zu Worcester. Maff., ist und eine ungewöhnlich umfangreiche wissenschaftliche Thätigkeit im Dienste des »Lureau of American Ethnology« entfaltet. Boas verweilte drei volle Jahre unter den nördlichsten Eskimostämmen Amerikas und den Chinook-Indianern, er ergründete deren Sprachen, Sitten und Gebräuche und beschreibt sie wie noch Niemand vorher mit einer Sachkenntniß und Wissenschaftlichkeit, die unter allen Ethnographen der Welt ungetheilte Anerkennung findet. Die gewaltigen physischen Beschweroen seiner Reisen schildert er nur einmal, kurz und trocken. Für seine außerordentlichen Erfolge zeugt auch der Umstand, daß Dank seinen Forschungen die Eskimos in den Vordergrnnd ethnographischer Behandlung gerückt erscheinen. Flora Gatz als Schriftstellerin. Die vielgenannte „Freundin" des Herrn v o n H a m m e r st e i n, Flora Gaß aus Basel, gibt, wie man der „Frkf. Ztg." ans Hasel schreibt, zwecks Bertheidigung gegen die ihr gemachten Borwürfe, von denen sie viele als ungerechtfertigt bezeichnet, eine Broschüre heraus, die sich durchwegs auf Documente, in erster Linie auf Briefe v. Hammerstein's, stützen soll. Das ca. 50 Seiten starke Büchlein, das demnächst in einem süddeutschen Verlag erscheinen wird, führt den Titel: „Meine Bertheidigung in Zachen v. Hammerstein's. Bon Flora Gaß in Basel."