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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Reiches' 'f lassen'! eine' solche Gelegenheit^ als sehr: nahe bevorstehend erscheinend." Man mache Pälcisttnä zu' einem'jüdischen- Reiche, einem' Mittelpunkte des Friedens und der Sicherheit imd ein großer Schritt: zurUeberwindurig der Schwierigkeiten im Osten ist gethan. Wenn man M Juden ein Land gäbe,- das sie ihn eigenes nennen dürften, so würde durch die Auswanderung dahin die Judenfrage, die besonders' Rußland und Deutschland angeblich so viel zu schassen gißt,1 mit einem Schlage gelöst. Wie herrlich es wäre, wenn die biblische Verheißung in Erfüllung ginge, wie ergreifend^ die JudeN in das gelobte Land einziehen'zu sehen — das braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Die gegenwärtige Lage der Juden und die, der wir uns zu nähern scheinen, machen die Schöpfung einer jüdischen Nation in Palästina zu einer förmlichen Naturnothwendigkeit. Interviewer: Wann haben Sie Ihren Plan veröffentlicht? > Holman Hunt: Ich schrieb vor einigen Wochen einen Brief an einen Juden. Einige Zeit nachher veröffentlichte Dr. Theodor Herzl in Wien ähnliche Vorschläge. Man fragte mich, warum ich den Brief nicht veröffentliche, da das Thema doch jedenfalls die Juden ganz besonders interessire, und so wurde der Brief in einer jüdischen Zeitung abgedruckt. Ich muß gestehen, daß ich den Plan durchaus nicht als einen unausführbaren, als Utopie betrachte. Interviewer: Wie würden Sie die Sache in's Werk setzen? H o l m a n H u n t: Wenn einige hervorragende Juden sich der Sache thatkrüftig annähmen, so würde eine Anleihe von hundert Millionen Pfund zweifellos zustande kommen. Mit dieser oder der erforderlichen Summe wendet man sich — selbstverständlich mit Einwilligung der Großmächte — an den Sultan, dem man Palästtna ganz und gar abkauft. Ich erinnere mich, daß ich mit Laurence Oliphant einmal im Athenäum-Club ein interessantes Gespräch hatte. Oliphant hatte damals die Idee, man sollte Geld aufbringen und mit Hilfe desselben Ländereien in Palästina für die Juden ankaufen. Wie ich höre, proponirt Dr. Herzl Aehnliches. Doch bin ich der Ansicht, der Türke dürfe keinerlei Oberaufsicht über das zu erwerbende Reich haben, denn in dem Falle würden die Juden nicht gedeihen. Man muß sie zu einer selbstständigen, unabhängigen Nation machen, zu einen: Staate, dessen Existenz ganz Europa sozusagen garantirt. Interviewer: Wie groß würde das Land nach Ihren Begriffen sein? H o l m a n H u n t: Ich würde das gelobte Land nehmen, ganz, wie Moses es den Juden verheißen hat. Doch könnte es auch größer sein. Die Araber, wie überhaupt die Unterthanen des Sultan, wären glücklich, kämen sie unter andere Herrschaft. Interviewer: Wenn Palästtna in Ihrem Sinne den Juden geöffnet würde, glauben Sie, daß es schwierig sein wird, es zu bevölkern? Holman Hunt: Schwierig! Die Juden würden von allen Welttheilen dahinströmen, und das Land könnte mindestens eine zehnfach so große Bevölkerung erhalten als die jetzige. Die Araber müßten, da sie weiter nichts sind als Holzfäller und Wasserträger, nicht einmal depossedirt werden, ja, ich glaube, sie würden den Juden sehr nothwendig sein für viele Arbeiten. Ich glaube ferner, daß Palästina eine reich mineralische Ausbeute verspricht, Jaffa könnte ein großer Hafen werden — kurz Palästtna könnte nicht mir an und für sich ein blühendes Land, sondern ein Mittelpunkt des Handels zwischen dem Osten und Westen werden. Interviewer: Die Rechte der gegenwärttgen Grundbesitzer in Palästina würden unter jüdischer Herrschaft dieselben bleiben? Holman Hunt: Gewiß. Eine Art Rath könnte die Angelegenheit der neuen Natton leiten, bis diese selbst stark genug dazu ist. Interviewer: Wenn der Sultan sich weigerte, Palästina zu verkaufen, was dann? Holman Hunt: Der Türke befindet sich in einem Zustande chronischen Bankerotts. Wenn er sich anfangs weigern sollte, so wird er es sicher später thun. Ich bin fest davon überzeugt, mit der Bewilligung der Großmächte und den vereinten Bestrebungen der Juden ist Alles gethan, Palästtna zur Wiege eines jüdischen Reiches zu machen. Es wird ihnen in den Schoß fallen, wie eine reife Frucht. Kurz, diese Bewegung verspricht, die besten Erfolge für die Zukunft. Das Wenige, das ich dazu besagen kann, werde ich mit Vergnügen thun, imd hoffe, daß die Anderen die Sache nicht fallen lassen werden. _ »jmJUii E Seite 277 Von den Ufern der Newa. v. Petersburg, den 27. März 1896. In seinem jüngst dem Kaiser erstatteten Berichte erwähnte der Oberprocurator der hiesigen Synode, daß die bei Juden im Dienste stehenden Christen sehr häufig in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten gestört werden. Dieser Umstand hat vielen unserer Pessimisten zu Befürchtungen Grund gegeben, es werde binnen Kurzem ein neues, die Arbeitsvertragsverhältnisse zwischen Christen und Juden streng regelndes Gesetz erlassen werden. Diese Befürchtungen aber haben sich, Gott sei Tank, nicht bewährt. Ein am 5./17. März hier promulgirter allerhöchster Befehl ändert die bisher obligatorischen diesbezüglichen Bestimmungen (laut Gesetz von 1890 hat der jüdische Arbeitgeber, der seine christlichen Arbeiter in der Ausübung der Vorschriften ihrer Religion verhindert, fünfzig Rubel Geldstrafe zu entrichten) nur insofern, daß er statt j üd i s ch e Arbeitgeber den Ausdruck nichtchrist> liche Arbeitgeber setzt, also dm Begriff erweitert. Der hier vor einiger Zeit veröffentlichte Rechenschaftsbericht der Central-Aufsichtsbehörde über die Verwaltung von Kronsgeldern (des Controlchefs) für das Jahr 1894 bringt einige für den Verlauf der jüdischen Frage in Rußland höchst interessante Zahlen. So zum Beispiel erfahren wir aus demselben, daß das Ackerbauministerium über ein seit vielen Jahren unbenutztes, durch den seligen Baron Josef von Günzburg zu Prämien für jüdische Ackersleute geopfertes Capital von 21.533 Rubel verfügt; daß der unter der Leitung des Cultusministeriums stehende, zu Zwecken jüdischer Volksaufklärung bestimmte und aus speciell jüdischen Abgaben aufgehüufte Fond 785.531 Rubel beträgt; daß das aus Gehaltsabzügen der jüdischen Schullehrer sich bildende und zu Gnadensolde für diejenigen unter ihnen, die ihre Dienstzeit bereits absolvirt, angesammelte Capital zu 82.000 Rubel heranwuchs u. s. w., u. s. w. In Betreff der jüdischen Aufklärungsfrage und derspeeiell jüdischen Abgaben in Rußland verdienen zweifelsohne große Beachtung die im Marzhefte der hiesigen pädagogischen Wochenschrift „R u s k a j a S z k o t a“ (Russische Schule) angeführten Worte des berühmten Professors N. I. P i r o g o f f. In den Achtziger-Jahren schrieb Pirogoff an den nun auch verewigten Dr. I. W. Bertenson, kaiserlichen Leibarzt, der nie seine jüdische Herkunft verleugnete, folgende Zeilen: „Meiner Ansicht nach ist der noch bestehende Anachronismus, das Territorial-Ghetto sammt Kahal und speciellen Abgaben, nicht nur inhuman, sondern auch irrationell und vor Allem unpraktisch. In einem weiten, wenig bevölkerten, intellectuelle und moralische Capitalien benöthigenden Staate gehört wirklich die Unterdrückung und Beschränkung durch Polizei- und Administrativ-Maßregeln des sparsamen und eben Dank diesen Maßregeln und seiner Jahrhunderte zählenden Erfahrung gutgeschulten semitischen Stammes zu den größten politischen Absurden, das sowohl die Bedrückten, als Bedrücker im höchsten Grade demoralisirt." Aus Anlaß des bei Calvary in Berlin erscheinenden Pracht-Werkes des Baron David von Günzburg: ,.Le Divan d’Ibn Guzman en arabe". kann ich nicht umhin zu bemerken, daß Herr David v. Günzburg, Orientalist vom Fache, zu den eifrigsten Mitgliedern der hiesigen Gesellschaft für Verbreitung der Aufklärung unter den Juden gehört und durch sein der strengen Wissenschaft gewidmetes Leben am besten beweist, wie sehr materieller Wohlstand mit edler Gesinnung und frischer Thatkraft gepaart sein kann. G. M o r. Zwei Geschichten. In Taganrog, einer Stadt in Südrußland, starb vor Kurzem ein hochbetagter Mann. Dieser Mann war reich, nicht nur an Tagen, sondern auch an irdischen Gütern, denn er hinter-

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