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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 272 Nr. 14 Dr. Vloch's WochrnschrM. dige Menschen leiden müssen, schrieb ich unter diesem Eindrücke den Brief an die Redaction des „Magyar Allam". Präsident: Wie kam es, daß Sie sich nicht, bevor Sie den Artikel schrieben, an Ort und Stelle über die Richtigkeit einer solch schweren Beschuldigung persönlich informirten? — Angeklagter: Ich habe die Sache von einer vertrauenswürdigen Person. Präsident: Wer war diese Person? — Angeklagter: Die Mutter des kleinen Mädchens. Präsident: Haben Sie mit dem Artikel den Ignaz Adler beschuldigen wollen oder die Behörde der Lässigkeit zeihen wollen? — Angeklagter: Ich habe den Thatbestand, so wie er war, niedergeschrieben. Privatklägerischer Vertreter Dr. G u 1 h i: Sie sagten vorhin, daß Sie unter dem Eindrücke, daß die beiden Värady unschuldig seien, den ineriminirten Artikel geschrieben haben? — A n g eklagter: Ich wußte bestimmt, daß die beiden Värady unschuldig sind und wollte die Untersuchung von ihnen abwälzen. P r ä s i d e n t: Ich fordere hiermit die Parteien auf, ihre Beweise iu wertto vorzubringen. Bertheidiger Dr. HortovLnyi will jene Thalumstände, unter welchen der incriminirte Artikel geschrieben wurde, beweisen. Zu diesem Behufe bittet er, da er mit seinem Ersuchen um Vernehmung von Zeugen im Laufe der Untersuchung abgewiesen worden, um Verlesung der im Fundamentalprocesse aufgenommenen Acten, der einzelnen Zeugenaussagen, des Protokolls über die Lacalaugenscheinnahme, des Obductronsprotokolls, des die Untersuchung anordnenden und des die Untersuchung einstellenden Beschlusses des königlichen Gerichtshofes in Jpolysagh u. s. w. Privatklägerischer Vertreter Dr. G u t b i wünscht selbst, daß der Gerichtshof die Beweisführung in vollem Umfange zulasse, damit die Geschwornen klar sehen. Falls dies aber nicht in vollem Umfange gestaltet werden könnte, bittet er die vom Bertheidiger berufenen Zeugenaussagen zu verlesen, auf die er sich übrigens auch selbst berufen hätte, denn diese Zeugen desavouiren jede einzelne Behauptung des Angeklagten, namentlich die Zeugin Esther Kristof, die bei Adler bedienstet war, wird über die Richtigkeit der Behauptung, ob zur fraglichen Zeit drei Juden bei Adler waren, Aufschluß geben können. Seinerseirs bittet er um Vernehmung der Moralitätszeugen. Der Gerichtshof beschließt die Verlesung des ^instellungsbeschluffes und aller jener Acten, auf welche in der Begründung dieses Beschlusses Berufung geschieht, ferner die Vernehmung der Moralitätszeugen des Privatklägers. Bartholomäus Nigrovics, pensionirter Oberstuhlrichter des Honler Comitats, hat den Gastwirth Ignaz Adler seit vielen Jahren stets als sanften, friedlichen und braven Mann gekannt. Gegen Adler ist niemals auch nur die geringste Klage eingelaufen. Präsident: Hat Adler so viel Vermögen besessen, um seine Kinder erziehen zu lassen? — Zeuge: Er ließ seine Kinder sehr anständig erziehen. Präsident: War Adler rin „düster gefärbter" Jude oder huldigte er der modernen Richtung? — Zeuge: Er war kein düsterer Mensch, gehörte aber auch nicht zu den modernen Leut.n. Präsident: War er aufgeklärt: — Zeuge: Ich weiß nur, daß er ein sehr einfacher Mensch war. Präsident: Kannten Sie ihn als wohlthätigen Menschen? — Zeuge: Ich hörte in der Gemeinde stets nur Lobenswertes über ihn. Andreas Fuchs, Kreisnotar in Garam-Kis-Sallo, kannte den Ignaz Adler seit langer Zeit, den er häufig besuchte und stets für einen sehr braven, ehrlichen Mann hielt. Präsident: War Adler als Jude fanatisch oder modern? — Zeuge: Er war eher ein moderner Jude und kannte keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Präsident: Lebte Adler auf gutem Fuße mit den Leuten im Dorfe? — Zeuge: Auf dem besten. Präsident: Sprach man im Dorfe davon, daß Ignaz Adler die kleine Juliska zu sich gelockt und gemordet habe? — Zeuge: Es wäre dies Niemandem eingefallen, wenn der hochwürdige Herr (auf den Angeklagten deutend) nicht davon gesprochen hätte. (Bewegung.) Präsident: Deshalb sitzt ja der hochwürdige Herr jetzt hier auf der Anklagebank. Pr äsid ent: Haben Sie je gehört, daß Ignaz Adler kleine Ehristenkinder in seine Wohnung zu locken versucht hätte? — Zeuge: Davon habe ich nie etwas gehört. Präsident: Wie lange wohnte Adler im Orte? —Zeuge: Länger als- 40 Jahre. P r ä si d e n t: Ist die Meinung der Bewohner von Giram- Kis-Sallo seit der Zeit, seit welcher Ignaz Adler der Blutnahme verdächtigt wurde, über Adler nicht eine andere geworden? — Zeuge: Ich weiß nur, daß alle Welt seinen Selbstmord herzlich bedauert. Geschworner Dr. F i t 1 l e r : Was für eine Frau ist die Mutter der Juliska BalLzs? — Zeuge: Eine gewöhnliche Bäuerin. Stefan Takäts, Dorfrichter in Giram-Kis-Sallo, kannte den Ignaz Adler 42 Jahre lang als sehr braven, ehrlichen und anständigen Mann. Präsident: Zeigte sich Adler als fanatischer Jude, der die Christen haßte? — Zeuge: Durchaus nicht; Adler haßte Niemanden. Präsident: Sind Ihre Kinder auch zu Adler gegangen? - Z e u g e: Ja, sehr oft sogar. Präsident: Pflegte Adler Ihre Kinder niemals zu sich zu locken? — Zeuge: Niemals. Präsident: Haben Sie je Juden mit Schläfenlocken und im Kaitan bei Adler gesehen: Zeuge: Niemals. Geschworner K e m p n e r: Pflegte Adler auch in christliche Kreise -zu kommen? — Zeuge: Oester. Johann N a g y, gleichfalls Richter in Giram-Kis-Sallo, äußert sich über Ignaz Adler in der schmeichelhaftesten Weise. Adler war ein friedliebender, wackerer Mensch. Präsident: Zeigte sich Adler als alter, verstockter Jude, der nur nach materiellem Gewinn hascht, oder bewies er eine patriotische und moderne Gesinnung? — Zeuge: Adler bewies stets eine sehr anständige ungarische Gesinnung. Präsident: Aenderte sich seit der Verdächtigung Adler's die öffentliche Meinung in Giram-Kis-Sallo über ihn?— Zeuge: Durchaus nicht. Geschworner V 6 g h: Haben Sie den Brief des Fuß im „M. A." gelesen? — Zeuge: Nein. Geschworner V 6 g h : War Hilfsseelsorger Fuß bei Ihnen und stellte er auch Fragen an Sie? — Zeuge: Bei mir war er nicht. Hiemit war das Zeugenverhör zu Ende. Es gelangten nunmehr die einzeltren Actenstücke zur Verlesung, so in erster Reihe der Einstellungsbeschluß des königlichen Gerichtshofes in Jpolysagh, sowie die einzelnen Zeugenaussagen, auf welche in diesem Beschlüsse Berufung geschieht. Dies beansprucht mehrere Stunden. Gegen 2 Uhr tritt eine längere Pause ein. Kurz vor 4 Uhr wurde die Verhandlung in dem bis aus das letzte Plätzchen gestillten Saale wieder ausgenommen. Es gelangten fortsetzungsweise mehrere Actenstücke aus der beim Jpolysagher königlichen Gerichtshöfe durchgefiihrten strafgerichtlichen Untersuchung zur Verlesung. Unter diesen befindet sich auch 'ein Brief, welchen der Müllerbursche Stefan Kakodi an Ignaz Adler richtete und in welchem Kakodi droht, daß er, falls er kein Geld erhalten würde, die Anzeige gegen Adler wegen Ermordung der kleinen Juliska Balüzs erstatten werde, was zur Folge haben werde, daß man Adler und die übrigen Juden hängen werde. Diesen Brief übergab Adler der Behörde. Kakodi wurde verhaftet; er gab an, den Brief deshalb geschrieben zu haben, damit er, wenn er von den Juden Geld erhalten sollte, gegen sie die Anzeige erstatten könne. Damit war die Verlesung der Acten beendet. Es folgte die Vernehmung des Privatklägers Alexander Adler. Präsident: Der Bertheidiger erwähnte in einer Eingabe, daß Sie zur Zeit, als die Leiche der kleinen Juliska BalLzs aufgefunden wurde, das ist am 6. September v. I., in der Nähe in Begleitung mehrerer Juden gesehen wurden. Ist dies richtig? — Adler: Das ist nicht richtig, denn ich war zu jener Zeit im Wirthshause, wo ich Bier trank. Präsident: Hiemit erkläre ich das B e w e i s v e rfahren für geschlossen. Es folgen nunmehr die Schlußreden. Ich ertheile dem Vertreter der Privatklage das Wort. . Privatklägerischer Vertreter Dr. Soma G u t h i führt in seiner Anklagerede etwa Folgendes aus: Auf's Neue ist die Blutbeschuldigung gegen die Juden ertönt, und daß das von den Hetzern gewünschte Resultat auch nicht ausgeblieben ist, dies beweist der Umstand, daß der Privatkläger und dessen Familie in der Gemeinde mit dem Tode bedroht, daß sie am helllichten Tage auf der Straße angegriffen, in ihrer Wohnung überfallen und mit Spottliedern die Straße entlang überhäuft wurden, so daß der in Ehren ergraute Mann genöthigt war, Garam-Kis-Sallü zu verlassen, weil die Sicherheit seines Lebens dort gefährdet war. Und doch ist auch nicht ein einziger plausibler Verdachtsgrund gegen ihn aufgetaucht, und wiewohl nach der Auffindung der Leiche der kleinen Juliska BalLzs eine strenge Untersuchung eingeleilet wurde, konnte man diese auf Adler auch nicht einmal ausdehnen. Ein Seelsorger war's, der die aus der Luft gegriffene Anklage gegen Ignaz Adler erhob, ein Seelsorger, der aus seiner antisemitischen Gesinnung gar kein Hehl macht und der die Verbreitung des Märchens vom Ritualmord als Werkzeug des Antisemitismus benützt; ein Seelsorger, der den Brand der Verheerung in die Gemeinde schleudert, um die Leidenschaften der Bürger verschiedener Confessionen anzufachen. Am 14. December v. I. veröffentlichte „Magyar Allam" unter dem Titel „Der rituelle Mord" zu Garam-Kis-Sallo" eine längere

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