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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-27 · 13 (27.3.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
13 (27.3.1896)
Date
1896-03-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 266 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Nr. 13 Ein schwerer, grauer Giebel, aus welchem die Umrisse der Bäume und Sträucher nur undeutlich austauchten, hing in der Lust. Aus der Straße versank man im Schmittz dis an die Knöchel. Bis zum Städtchen waren es zwei Meilen und heute war Freitag. Iudka rechnete aber ans seine Leichtsüßigkeit, ans die Hvlzelle, die ihm als Stütze diente, und schließlich auch darauf, daß ihm möglicherweise ein Bauer begegnen und ihn aus seinem Leiterlvagen ein Stück des Weges mitnehmen werde. Kannten ihn doch alle Leute in dieser Gegend. Tie Schöße seilles Rockes hatte er, um leichter ansschreiten zu können, rückwärts ausgesteckt; dadurch erhielt derselbe die Form eines Fracks, dessen Schleppe mit dem Straßenschmutz häufig in nahe Berührung gerieth. Eine Fußwanderung aus schlechtem Wege ist keine leichte Ausgabe, besonders wenn man eine schwere Last trügt. Aber Iudka wurde von einem großen Glücksgesühl nach Hause getrieben. Er hatte eine so schöne Woche gehabt! Holz, Borräthe, vier Rubel in barem Gelbe und einen Sack Kartoffeln aus dem Stücken! Wie sollte man da nicht nach Hause eilen! So ging er denn und dachte nach. Anfänglich beschäftigten sich seine Gedanken nur mit seinem Erwerb. Er rechnete, was er für vier Rubel kaufen könne, welchen Werth wohl Holz und Borräthe betragen, und ging dabei so rasch, daß ihm ganz heiß wurde. Seine Wangen brannten, seine Brust arbeitete heftig. . .. Er mußte seinen Schritt mäßigen, zuletzt ganz stehen bleiben und die Last auf die Erde legen. Als er nun um sich zu schauen begann, ob nicht vielleicht ein Bauer in derselben Richtung fahre, wurde er zu seiner Betrübnis; gewahr, daß er erst zwei Werst zurückgelegt hatte. Wie weit das Auge blickte, war der Weg öde*und leer... nur in die entgegengesetzte Richtung fuhren einige Leiterwagen und ein lahmer Bettler eilte raschen Schrittes zur Kirchweih. Er hatte feine Krücken unter den Arm genommen und fang ein Lied, dessen Inhalt nichts weniger als erbaulich war! Alle in die entgegengesetzte Richtung! Iudka dachte an sein Gespräch mit Frau Margret. Er hatte selber zugestanden, die Armen seien immer gierig; wie sollen sie es aber nicht fein, wenn sie sind immer hungrig? Und weil dem so ist, haben die Reichen ordentlich genähte ititfr pünktlich abgelieserte Kleider. Das ist wahr, dachte er, die Armuth ist ein schlechtes Geschäft und der Hunger hat auffallende Aehnlichkeit mit einer Peitsche. Er schlägt und wie weh' thun seine Schläge! Das Pferd, welches den schweren Wagen zieht, bekommt viele Peitschenhiebe, schleppt große Lasten, erhält aber dafür ein bischen Heu. In so schweren Zeiten macht das Pferd gar kein schlechtes Geschäft. Ter Flickschneider hat es viel schlimmer. Warum? Weil das Pferd nur Heu braucht und weder eine Frau noch acht Kinder zu ernähren, keine Sabbathmahlzeit zu bestreiten, keine Töchter zu verheiraten hat.Iudka war schon im Begriff, das Pferd zu beneiden, doch erschrack er, als er sich des süirdhasten Gedankens bewußt wurde. Pfui! was wieder? Das Pferd ist ein Thier und er ist der erste Schneider in ganz Losice und dankt Gott täglich dafür, daß er ihn als Menschen geschaffen hat. Das Pferd ist dumm und er hat fünf Jahre aus der Weisheitsquelle von Reb Jojne geschöpft. Das Pferd wird, wenn es sein Leben beschließt, von Hunden gefressen werden, und ihn, Iudka, wird man feierlich in die Erde betten und aus dem Denkmal zu seinen Häupten wird ein siebenarmiger Leuchter dargestellt sein. Nein! Ter Flickschneider beneidet das Pferd nicht um dessen Schicksal. Hat er doch während dieser Woche so reichlichen Verdienst gehabt'. Iudka hat ausgeruht und fetzt seinen Weg fort. Eine eigenthümliche Müdigkeit bemächtigt sich seiner. Gedankenlos blickt er in den grauen Nebel, mechanisch bewegt er sich vorwärts und fetit Schritt wird immer langsamer, langsamer. . . . Seine Füße sind schwer und wollen den geraden Weg nicht einhalten; sie beschreiben Kreise, wie bei Betrunkenen. Und doch ist Iudka nicht betrunken, er wankt nur, weil er sich ein wenig schwach fühlt. Aber das ist eine Kleinigkeit und wird bald vorübergehen. Hat es doch schon so häufig stattgesunden! Es ist nur eine Müdigkeit, mit Kopfschmerzen und Schüttelfrost verbunden. Manchmal kann sich daraus eine Krankheit entwickeln, aber mcistentheils geht es nach einiger Zeit vorüber. Iudka kennt diesen Zustand, er weiß, daß man sich daran gewöhnen kann. Uebrigeus kommt vielleicht noch ein Wagen. Ach nein! Leider ist keiner zu sehen. (Schluß folgt.) Literatm;. Dr. Israel Conegliano und seine Verdienste um die Republik Venedig bis nach dem Frieden von Carlowitz. Von Professor Tr. David K a n f m a n n, Wien, E. Konegen, 1805. Ter kühne Pfadfinder auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte des 17. Jahrhunderts, Professor Kaufmann in Budapest, hat uns üt diesem feinem gelehrten Bnche ivieder mit einem ireuen Namerr bekanntgemacht, den er ans dem Moder Vvir Archivalien, wie unsere Archäologen versirnkene Städte alter Zeiten, förmlich ansgegraben rrnd iir plastischer Form vor mrs hingestellt hat. Seine gelehrte Arbeit, rvelche in dem vorjährigen Jahresberichte des Pester Rabbiner-Seminars erschienen ist, liegt nun auch als selbstständiges Buch vor und läßt uns den erstaunensrverthen Fleiß, die seltene Hingabe air den Gegenstand, die gewissenhafteste Forschung und die glänzende Darstellungsweise des Gelehrten erkenneir. Hier geht wirklich der Mann der Wissenschaft Haird in Haird mit dem Schriftsteller, die doch sonst nicht gar zu oft im freundschaftlichen Bunde gefunden werden. Das schier überreiche Aeteumateriale, entnommen dem k. venetianischen Staatsarchive, welches die zweite Hülste unseres Buches einnimmt, gibt so recht Zeugniß davon, was für eine Arbeit unser gelehrter Forscher da gethan. Dr. Israel Conegliano — wer hat diesen Namen je gehört oder wer hat seine Bedeutung gekannt? Und doch, welch' bedeutende Rolle spielte dieser jüdische Staatsmann in den verschlungenen Gängen der venetianischen Politik des 17. Jahrhunderts! Ans dem Felde der Staatsknnst hat er den Flamen der Familie Conegliano zn Ehren gebracht, ans welcher auch der Librettist des Mvzart'schen „Don Juan" gestammt haben soll, Denn Don Einannel Conegliano aus Ceneda soll der Name des Mannes gewesen sein, des Vielgewandten, der erst, als er das Iudenthum verließ, sich Lvrenzo da Ponte nannte. Die Familie Conegliano, in hebräischen Quellen gewöhnlich Cvirian genannt, führt ihren Namen von der vormals znm Festlande der venitianischen Republik gehörenden Stadt, welche die Deutschen Koniglain oder Küniglein zu nennen pflegten. Der Ruhm dieser Familie wurde besonders gehoben durch den Zweig, welcher in Padua zur Blüthe gelangte, durch die Söhne des Josef b. Jehuda Conegliano Salomo und Israel, welche Beide in dem ehrwürdigen Collegio Beneto dieser Stadt, und zwar der eine am 22. Jänner 1660, der andere am 8. Juni 1673 den Dvctorgrad der Medicin und Philosophie erlangten. Jung und thatkrästig, wie Israel Conegliano war, begab er sich bald, nachdem er den Dvctorgrad erlangt hatte, nach der Türkei (1676). Ties war die Zeit des überschäumenden Kraftgefiihles des türkischen Reiches, die Zeit, iit welcher man in Cvnstantinvpel die Nachbarländer fast als Satrapieen des Sultanates betrachtete, die Zeit, in welcher Muhammed IV. am 7. November 1676 das Reichssiegel Kara Mustapha übergab. Die Kunst des Arztes hatte unseren Israel Conegliano zum Günstlinge der Allgewaltigen des Hofes erhoben. Den Gesandten Venedigs, welchen auch das kleinste Ereigniß an dem Hofe, an welchem sie beglaubigt waren, nicht entging, und aus deren Relationen Geschichtsschreiber wie ein Ranke das ganze Bild der Zeit zusammengestellt haben, diesen scharfblickenden, schlauen Diplomaten ihrer Zeit entging es nicht, zu welchem Ansehen ihr junger Landsmann mit fast unglaublicher Schnelligkeit gelangt war, sie waren bemüht, die Beobachtungen und Erfahrungen des Arztes in ihren Dieifft zu stellen und Israel Conegliano zum Vertrauensmann der venetianischen Gesandtschaft zu machen. Ta war es zunächst der Bailo Giovanni M o r v s i n i, dessen Relationen von Ranke so vielfach benützt wurden, welcher die außerordeittliche Fähigkeit des jiidischen Arztes wahrnahm, später waren Pietro C i v r a n v und noch später Giambattista Tvnato, der seit 1680 die Interessen Venedigs als Bailo in der Türkei zu vertreten hatte, Gönner und Förderer der staatsmännischen valente Conegliano's. — Es ist nun nicht Sache dieser anspruchslosen Anzeige, den labyrinthischen Wandlungen der türkisch-venetianischen Beziehungen nachzugehen, nur wollen nur daraus Hinweisen, wie das Buch Kansmann's eine wissenschaftliche Vervollständigung der Werke von Zinkeisen „Geschichte des vsmanischen Reiches" und von Hammer „Geschichte des venetianischen Reiches" ist, wie es auch Ranke's einschlägige Arbeiter: nicht unwillkommen ergänzt. So treten auch in diesem Werke unseres Geschichtsschreibers seine beiden Vorzüge hervor: er will nicht nur ein Bild der Zeit geben, welche er schildert, sondern auch ein Bild der betreffenden jüdischen Familie, welche sich von dein geschichtlichen Untergründe der Zeit abhebt. Neben den Familien Oppenheimer und Wertheimer, Bacharach und

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