Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 13 (27.3.1896)
- Date
- 1896-03-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Wochrnschrifi. Seite 267 Geldern wird itmt auch die der Evitegüanvs gläuzeu, u>elche den Namen des Iudenthluns auf einen'. Gediere zn Effren brachte, auf das nufere Glanbensgeitoffeil ooch mir durch „Hinten treppen" zn gelangen vermachten, auf dem Gediere der Staatskunst. — Tue Republik Venedig und die despotisch regierte Türkei waren es, wv die Inden m dieser Zeit allein ihre Fähigkeiten bethätigen kannten. In Venedig bewirkte dies die durch kein Varurtherl behinderte Verfolgung der kaufmännischen Interessen, in der Türkei der Islam, welcher Juden und Eyristeu gleich dtlldsam, das heißt gleich besangen gegenüberstand, llnd hier waren es besonders dw medieinischen Fähigkeiten der Inden, welche ihnen Eingang auch zur Ttaarstnnst gervährten. Sv gibt uns der Evnegliano Kansmann's ein Beispiel, wie unter günstigen llmständen die schwer bedrückten jüdischen .Eammerknechte nach alleir Richtnitgen hin ihrem Staate Dienste zu enveisen vermvcyteu und auch erwiesen. Tr. Max G r ii n s e l d. Bickell, Gustav, D a s Buch joo uuu) ’JWucuuiuj oet Strvphik und der Septuaginta aus seine ursprüngliche Form zmückgesuhrl und iin Versmaße deS Urtextes üdersetzt. Wien 1604, Carl Gerold'S Sohn (08 S. gr. 8). 2 Mk. Das Uureriiehmen des gelehrten Versaffers, den vielfach korrumpirten Text des Buches Job in seiner ursprünglichen Schönheit und Reinheit wiedeiyerzusrellen und eine dem Originale in Form wie in Inhalt sich anschmtegende, deutsche Uebersetzung zu schassen, darf das Interesse nicht nur der Fachkreise erwarten. Dem Kenner der biblischen Literatur drängt sich freilich die Frage ans, ob diu sulche Wiederherstellung möglich, oder auch nur denkbar sei, oder ob es nicht bei einem Suchen nach der Wahrheit bleiben mny. Rnckhaltslos.müssen wir den großen Fleiß anerkennen, mit dem der Verfasser das Menschenmögliche zu erreichen bestrebt war. Die Septnaginia, diele älteste und glaubwürdigste Zeugin des Bibeltextes, hat er in eisler Linie zu Rathe gezogen, und zwar nicht in der durch Origenes verschlimmbesserten Gestalt, sondern in ihrer Urform, wie sie uns noch in einer alten coprisch-sardischen Version erhalten ist. Durch ZnsaU in den Besitz dieses so wertyvollen Exemplars gekommen, hat er die Mühe nichc gescheut, das ihm bis dahin fremde oberegypllsche Idiom 511 erlernen, um den Schatz Heden zu können, den der Alexandriner für die Herstellung des Textes birgt. Es war ferner ein zweifellos richtiger Blick des Autors, datz er bei den poetischen Erzeugnissen der hebräischen Literatur der Slrophik und Metrik eine besonders ausschlaggebende Bedeutung für die Reconstruction des Originals zntheilt. Bickell geht davon aus, daß im Buche Job durchgängig je zwei siebensilbige, rhythmisch-jambische, inhaltlich parallele Verszcrlen zu einem Doppelverse, zwei von diesen wieder zu einer Strophe verbunden seien und betrachtet demnach alle diesem 'Metrum sich inchr fügenden Verse, wie zum Beispiel die zahlreichen Tristichen, als secundär. Findel sich nun ein Vers von abweichendem Metrum, der überdies in dem copiijchsardischen Alexandriner nicht steht, so gilt derselbe infolge des zwiefachen Kriteriums Bickell als „zweifellos" unecht. Ter Verfasser versagt ihm in seiner Ausgabe die Ausnahme, wie er umgekehrt einige Male rhythmisch-jambische Verse ans dem Alexandriner in den Text aufnimmt. Rill diesen Retroversionen hat er jedoch wenig Glück gehabt und tyeiliveise ganz unhebräisch klingende Phrasen zu Tage gesörden. die deril geübten Kenner d-s alllestamentlichen Idioms ohne Eommentar kaum verständlich sind, so zum Beispiel III. 23; VI, 10c-d- X, 8b; XII, 18a.*) Doch abgesehen hiervon können wir dieser ausschließlichen Bevorzugung des Alexandriners überhaupt nicht das Wort reden. Wir werden nicht alle die — im Job besonders zahlreichen — Verse nnd Berstheile, welche in der alten Septnaginta fehlen, blas ans diesem Grunde schon mit Haut und Haar für unecht erklären; dem masoretischen Text ist doch nicht alle Autorität abzusprechen, «und) auch ist der Alexandriner dem Jrrthnme zugänglich gewesen. Bei gar vielen Versen des masorelischen Texies kann man wenigstens zweifelhaft sein, ob sie nicht eine berechtigte Stille im Jobbuche beanspruchen dürfen, nnd nicht Wenige werden nach unserer Ueberzeugnng den strengsten Anforderungen eines logischen Znsammenhanges, eines brauchbaren Gedankens gerecht. Hälte Professor Bickell die jüdischen Exegeten des Mittelalters gelesen — ich venire mir Serachjah ben Sch'alrrel-Cheii, einen der freisinnigsten, fast modern zu nennenden Libdcommentatoren (e. a. I29u in Italien), er würde manchem Berse trotz des Alexandriners in seinem Buche Gastrecht ciewährt haben. Selbst das Zusammentreffen der beiden oben genannten Kriterien ist unseres Erachtens ein nicht absolut ausschlaggebender Beweis für seine Unechtheit. Das von Bickell angenommene rhythmischjambische Metrum herrscht im Job atterdings vor, die Einheitlichkeit und Unveränderlichkeit desselben kann für das ganze Buch nicht nachgewiesen werden. Wenn Bickell in seiner Einleitung kurzweg behauptet, diese „von ihm nachgewiesene Strvphik sei eine durchgängige; es sei'dies *) Die hier nnd im Folgenden angeführten Stellen ans Job eitiren wir immer nach Bickell, „Kritische Bearbeitung des Jobdialoges'P veröffentlicht in der „Wiener Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes", 1892, 11—1893, II und 1694, II am Schlüsse der „Klagelieder". übrigens die bei den hebräischen (!) und syrischen Dichte in üblichste Strophenbildnng", so ist er uns oen Beweis dasür schuldig geblieben. Und in dieser durch nichis bewiesenen, irrigen Prämisse liegt wohl der Hauptfehler dieser sonst so gründlichen Arbeit. — Bdrachten wir diesen Punkt genauer. Selost der oberflächlichen Betrachtung des Jvbbuches dürste es klar werden, daß, wie die feelffchen Schmerzen des Leidenden durch die kränkenden Reden der „Freunde" tiefer, urhaltsvoller werden, so auch seine Klage fortschreitend sich volltönender gestaltet. Was sollte den doch zweifellos genialen Verfasser des Buches gehindert haben, für verschiedene Stimmnugen auch verschieoene Knnslsormen zu wählen und etwa die bittere Kränkung über den Verdacht der Freunde in anderem Versmaße anszudrücken, als die Bersichernngeii seines nnstrüflichen Lebenswandels oder die endliche Resignation in den unbegreiflichen, ewig gerechten Willen Gottes?! Wenn Bickell hierauf antwortet, die jambische Slrophik sei die bei den syrischen Dichtern üblichste gewesen, so involviri diese Behauptung doch noch keine Gewähr, daß es mit dem hebräischen Dichter eo ipso nichl anders stehen tönne. Trotz unserer Werthschätzung der zweiselios bedeutenden 'Arbeiten Bickelt's auf dem Gebiete der semitischen Metrik «vergleiche auch seine neueste Bearbeitung des Liedes Rahum 1, 2—II, 3 ed. in „Sitzungsberichte der K. Akademie der Wissenschaften in Wien", Bd. EXXXI) können wir doch das bis heute vorliegende Material nicht für hinreichend erklären, um eine solche klebereinstimmung der syrischen und hebräischen Metrik so auf eine bloße Versicherung hin anzunehmen. Diese falsche Voraussetzung hat naturgemäß zn irrigen Consegnenzen geführt. Ileberall, wo ein VerS durch den Alexandriner in Bitell's rängen als echt legirimirt erscheint, sich aber gegen das jambische Versmaß hartnäckig sträubt, hat Verfasser nach Art des Pcocrnstes die hebräischen Verszeilcu bald ausgcreckt, bald wieder rersiüinmelt nnd verkürz!, bis sie sich, oft recht widerwillig und unbeholfen, seinem Versmasse anpaßten. Ta werden unter Mißachtung aller hebräischen Lautgesetze die Endsilben abgeschlissen, Femininalansgäiige, Nominal- und Verbalsnssixe, Patachsnrtiv, Schwa mobile, Dages forte beim Lesen einfach ausgelassen und gar nicht berücksichtigt, zahlreiche Synizesen und Elisionen — auch wo keine Bvcale zusammentrefsen — angewandt, überhaupt mit so großer Willtür verfahren, daß man sich vergeblich umsiehl „nach dem ruhenden Pol in o r Erscheinungen Flucht". Wie es dabei um die Aussprache der hebräischen Wörter steht, kann man sich denken. Schreiber dieser Zeilen war oft außer Stande, die lateini,ch transscribirten Wörter zu verstehen oder auch nur zu erratheu, so verstümmelr, so gänzlich von der masoretischen Aussprache abweichend waren sie. Glaubt nun Professor Bickell wirklich, daß man zwei verschiedene Aussprachen des Hebräischen gehabt habe, eine prosaische und eine poetische, daß die letztere sich wesentlich von der ersteren unterschieden habe, und daß die Masoreten die poetische entweder nicht gekannt oder doch bei der Vvcalisirnng des hebräischen Textes völlig unberücksichtigt gelassen haben? Glaubt er wirklich, daß man jemals ’CwiV jechesqu’ gesprochen hat?! Bei der Textconstruction hat Bickell vielfach Conjectnren gemacht. indem er sowohl die schon von früheren Errlürern gemachten gewissenhaft benutzte, als auch neue hinzusügte. Die letzteren aber schweben manchmal sehr in der Lust oder erweisen sich als unhebrälsch, z. B. VI, 14a,b; VII, 19b; X, 17a; XII, 18a; XIII, 5a; XVI, 7; XVII, 11a; XVIII, 12a; XIX, 26; XXI, 22, 25a; XXIX, 4a; XXX, i, 2 n. A. An einigen Stellen müssen wir die deutsche lieber» tragiiiig bemängeln, welche auch Bickell's hebräischem Texte gar nicht recht enlspricht, beziehungsweise unklar ausgedrückt ist (so VI. 25; VII, 22; XVIII. 9, 20; XX, 2bb; XXX, 17; XXIV, 19 u. A.). Unbedingte Anerkennung dagegen verdienen zahlreiche rmrklich treffende Textconjectnren, welche unseres Wissens zum größten «Lcheile durchaus originell sind. Vielfach verdautt Bickell dieselben der richtigen Erkennung des Metrums nnd der Hilfe des Alexandriners; einige Male seiner eigenen richtigen Auffassung, z. B. XI,, 3—7. Da nun das von Bickell für das ganze Buch postulirte jambische Metrum thalsächlich stellenweise in ganzen Capiteln sich Nachweisen läßt, so ist die Zahl drr ans Grund desselben richtig hergestellten Verse oder Verstheile eine sehr beträchtliche. Wir Heven ans der großen oülle nur die folgenden Stellen hervor: IV, 5, 6, 8; V, 5; VI, 27; VII, 11, 15; VIII. 6a lA.) 13 (A.); IX, 19; X, 16a, 20a (A.); XI, 6b; XIII, 6; XIV, 7; XV, 8b; XVI, ob - A.); 9c (A); XVII, 14; XIX, 23 (A); XXII, 23 (A); XXIV, 2ö (eigener Vers); XXX, 24; XXXVIII, 11b; XXXIX, 24; XL, 5; XXXIII, 12 (A.); XL, 32a; XLI. 24 u. v. a. 'Auch die geänderten L'ersverbindungcn, welche sehr häufig zu einem guten Sinn und Berständniß verhelfen, sowie die theils im Alexandriner schon vorhandenen, iheils ans Grund des richtig erkannten Metrums vorgenommenen Umstellungen von Versen oder Verstheilen erscheinen sehr beachtenswerth. An manchen bis dahin nur unbefriedigend erklärten Stellen hat Bickell unseres Erachtens zweifellos das Richtige getroffen, man sehe z. B. nur seine Ldearrcn in XVI, 7, 8; XVII. 11b; XVIII, 11. 12; XIX, 13. 14; XXXVI, 2!a, 22b, ivo er ohne Veränderung des metrischen Textes nur die Verse anders verbindet, und nach XVIII, 14b; XXI, 20; XXV, 3; XXVI, 4; XXXI, 14b; XXXVIII, 18; XL, 14; XXXVI, 15b a (nach Alexandriner), wo er durch Umstelllingen einen iveit vernünftigeren Sinn erzielt.