Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 13 (27.3.1896)
- Date
- 1896-03-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Bloch's VochenschrM Seite 262 Die Unglücksstätte macht einen schaudererregenden Eindruck. Das Feuer, das um Mitternacht ausgebrochen, konnte noch iticfjt ganz gelöscht rverden: es raucht und flimmert noch da und dort in Besorgnis; hervorruiender Weise. Indessen macht sich das eingebrvchcne Elend schon furchtbar bemerkbar. Die Aermsten wissen nicht, wo sie ihr gerettetes Leben unterbringen sollen. Biele haben vorläufig im großen Gebäude der Alliance-Schule, die wie durch ein Wunder den rundherum züngelnden Flammen entrissen wurde, ein Unterkommen gesunden. Jede Elafse ist zu einer Massemvohnung umgestaltet, wo die Unglücklichen in herzzerreißendem Weinen ihr schreckliches Ungemach beklagen. Sie waren schon arm und elend genug, aber nun Nüssen sie nicht, wo sie ihr Haupt niederlegen, wo sie Brvd für die schreienden Kleinen hernehmen sollen! Dabei stehen die Feiertage vor der Thür, und die meisten hatten schon angefangen, sich zu ihren Empfange vorzubereiten. Aus Neugierde — die armen Leute haben mir immer ein großes Interesse abgewonnen — hatte ich einige Tage zuvor hie und da ein paar Seitenblicke hiueingeuwrseu, um etwas von den Vorbereitungen zum hohen Feste wahrzunehmen. Und es machte mir Freude, zu sehen, wie überall, trotz unsäglicher Armuth, die größte Reinlichkeit herrschte. Tie Wände waren frisch getüncht, die Fensterscheiben glitzerten und funkelten im Sonnenscheine des anbrechenden Frühlings, um später vom grausigen Lichte himmelhoch schlagender Flammen beleuchtet und verbrannt zu werden! Nun ist Alles ein ungeheurer Haufen Schutt und Asche! Und die Feiertage rücken heran! Was werden indessen die armen Abgebrannten machen, die dem Verhungern ausgesetzt sind? Doch nein, sie werden nicht vor Hunger, noch vor Durst sterben Es wird ihnen geholfen werden! Schon wird von Seiten Sr. Majestät des Sultans Brvd an die Unglücklichen vertheilt. Aber auch unsere Glaubensgenossen im Auslande weiden ihre furchtbar heimgefuchten Brüder in der Türkei nicht ohne Hilfe lassen. Im Namen der Abgebrannten, die wie versteinert vom Schlage, der sie getroffen, noch ihr Unglück nicht ganz ermessen haben, richte ich an alle Juden, die ein warmes und mitfühlendes Herz für das entsetzliche Mißgeschick ihrer Stammesgenvffen haben, die innige Bitte, schnellen Beistand zu bringen! Gebet, Ihr Damen und Herren, Ihr Fräuleins und jungen Leute! Gebet für die armen Unglücklichen! Doch gebet schnell! Wer schnell gibt, hat immer doppelt gegeben! Wer Zutrauen hat, kann seine Gabe direct an mich senden. Ich werde über das erhaltene und vertheilte Geld an dieser Stelle Rechnung ertheilen. Oscar H o r a w i tz. Barnathan - Han dir. 2, 1. Pc-ra-Teke. ♦ 4* Wien. Mittwoch den 25. März, Nachmittags 1 Uhr, fand im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Universitäts-Dvcenten, Phil, und Jur. Dr. Samuel Stcinherz mit Frl. Sophie Kestel statt. Der Trauung wohnte ein zahlreiches distinguirres Publicum bei. Am 22. d. M. fand in Brünn im engsten Familienkreise dies Verlobung des Fräuleins Irene Horvwitz, Tochter des Industriellen Herrn Philipp H v r v w i tz in Brünn, mit Herrn Robert L ö w y, Fabrikanten in Znaim, statt. Wien. („R u d o l f s b n n d.") Am 21 d. M. beschloß dieser Verein die diesjährige Saison mit einer Maskenredonte in Brüder Abel's Hotel Central, H., Taborstraße der. 8, zu welcher Karten, nur auf Namen lautend, ansgegeben wurden und kann diefe Schlußfeier, zu welcher die Capelle des Iufr.-Regt. dir. 61 die Musik beistellte, sich würdig den anderen heurigen Veranstalrungen anreihen. Der Reinertrag wird wie immer dem Kinderbekleiduugsfonde dieses Vereines zugeführt werden. Am 24. März hielt dieser Verein seine diesjährige sechste Generalversammlung ab. Wien. kB e r i ch t i g u n g.) Herr F. F e i ch t i n g e r, II. Schöllerhoi, berichtigt gegenüber der Meldung in der vorletzten Nummer unseres Blattes auf Grund 1!) des Pr.-Gef., es sei unwahr, daß er ostentativ seine antisemitische Gesinnung offenbare und es sei unwahr, daß er seinen Leuten verboten, habe, bei Juden etwas^ einznkanfen. E B. Wien. iG v l d m a r k's n e u e O p e r „H e i mchen am Herd") hat einen durchschlagenden Erfolg, einen der größten Triumphe erzielt und die Hofoper hat ein kräftiges Zugstück gelvvnnen. Possirlich ist, wie sich die Kritik der antisemitische!; Blätter gegenüber der neuen Oper Gold m a r k's benimmt. Ein Theil derselben ignvrirt sie, die „Reichspvst" ist gerecht genug, auszusprechen, mit der Aufführung der Oper „Heimchen am Herd" habe unser erstes Kuustiustitut einen glücklichen Wurf gethan. Dagegen ist die „Ostdeutsche Rundschau" voll Gift und Galle, sie schreibt nämlich: Nachdem es neulich mit der Entdeckung eines jüdischen Wagner nichts wurde, hat man gestern wenigstens einen jüdischen Hnmperdinck gemacht. Ter bisher als Ballet-„Dichter" bekannte Journalist Alfred M. (?) Will;; er hat aus Dickens' reizender Novelle „Das Heimchen am Herd" die äußeren sentimentalen Vorgänge losgeschält und dramatisirt und Carl G old m a r k hat dazu in theilwcise geschickter, theilweise matter, aber getreuer Nachahmung von Huinperdinck's „Hänsel und Gretel" die Musik geschrieben. Den überreichen Beifall und die vielen Hervorrufe hat er einerseits seiner zahlreich erschienenen „Gemeinde", andererseits der Freundschaft Directvr Iahn's zu verdanken, welcher kein Mittel unversucht ließ, um einen starken Theatererfolg herauszuschlagen. Er hat das Werk ungewöhnlich sorgfältig ciustudirt,^ eigenhändig geleitet, stimmungsvoll und reich aus gestattet, mnstergiltig besetzt und endlich ganz gegen die Neberlieferungen unserer Hofoper ohne innere Berechtigung das Vorspiel zum dritten Act mit überraschender Bereitwilligkeit zur Wiederholung gebracht." Der gelbe Neid, welcher in dieser „teutonischen" Kritik zum Ausdrucke gelangt, wird zweifelsohne nicht verhindern, daß die neue Oper Goldmark's die Repertoires aller Bühnen beherrschen wird. Wien. Aus Pari s wird uns geschrieben : Einige cvucertsreie Tage, welche Alfred G r ü n f e l d nach einem Concerte in Genf vor sich hatte, benützte der Künstler, uni in Paris^Erholung zu suchen und alte Erinnerungen an die Hauptstadt Frankreichs anfzufrischen, wo sich vor sieben Jahren mit großem Erfolge seine Kunst bewährt hatte. G r ü n f e l d spielte diesmal nicht öffentlich, aber dennoch sah ihn jeder Abend am Clavier, an welches ihn die Bitte des Freundeskreises führte, der er nicht widerstand, Alired G r ü n f e l d spielte diesmal auch p seinem Vergnügen. Im Hanse M u n k a c s y's, in welchem G r ü n f e ld frenudschastlich verkehrt, ließ er sich zweimal im kleinen Kreise hören, und die anwesenden Pariser Künstler, Schriftsteller, die Persönlichkeiten der Gesellschaft, die sich in den Salons M u nk a c s y's versannnelt, waren wirklich entzückt von G r ü n f e l d's hinreißenden; Spiele, von dem individuellen Reize desselben. Ein wahrhaft rührender Moment, welcher auf alle Anwesenden große Wirkung übte, war es, als M n n k a c s y, der Keruungar, sich dem Eindrücke der ungarischen Weisen hingab, die G r ü nf e l d so meisterhaft interpretirt. Ai n n k a c s y brach in Thräneu aus, als die Zigeunermelodien ihren Weg von seinem Ohr zu seinem Herzen nahmen. In einem echt französischen Salon, in; Hause M e n a r d - T v r i a n, hatte G r ü n f e l d's Kunst Gelegenheit, ans einen exclusiv französischen künstlerischen Kreis zu wirken. Seine Jnterpretirung von Chopin, Wagner, Schumann riefen das Entzücken der Franzosen hervor, sowie seine Strauß'schen Walzer und sein ungarischer Csardas. Fräulein Dein a, der neueste Pariser Opernstern, wurde uicht müde, inaner wieder Zugaben zu erbitten und Georges Clem e n c e a u als großer Wagner- Enthusiast schwelgte im Genüsse des „Walkürei;-Rittes"unddes „Feuerzaubers". Die anwesende, ehemals gefeierte Pianistin, Wilhelmine K l a u s (jetzt Madame ^zarvady), die schon vor langer Zeit ihre österreichische Heimat verlassen, begrüßte den Landsmann und Kunstgenossen mit echten; Enthusiasmus. — Am Mittwoch hat Alfred G r ü n s e l d Paris verlassen, um seine Tournee in; Süden Oesterreichs fvrtzusetzen. Die Unterbrechung derselben durch den dlnfenthalt in Paris wird sicher eine angenehme Erinnerung für den Kiinstler bilden. Prag, den 23. März 1896. Herr Dr. S. W. Link ans Neutra ist in Tvbrifch einstimmig zun; Rabbiner gewählt worden. Chyrow, 18. März. Gestern veranstaltete hier der Verein „Kinja Sfurim" zu Ehren seines Mitgliedes, des tüchtigen und würdigen Gelehrten M. S e i d n; a u n, der nach seiner Heimat Wisnitz in der Bukowina zurückkehrt, eine solenne Abschiedsfeier. Raudnitz (Böhmen), den 19. März. Die Martha Pollak'sche Heiratsansstattnngsstiftung im Betrage von 120 fl. ist an eine würdige israelitische Braut, Verwandte der Stifter, eventuell auch nur nach Randnitz zuständig, zu verleihen. Gesuche sind bis Ende März an den israelitischen Cultnsvorstand zu richten. E. B. Graz. (D i e Grazer Che w r a - K a d i s ch a) feiert das silberne Jubiläum ihres Bestandes. Der Verein kann mit