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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-27 · 13 (27.3.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
13 (27.3.1896)
Date
1896-03-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sir. 13 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 261 Doetores Philvsophiae, die Dispens de» "Nachweise-? des allgemeinen Bildungsgrades erbitten zu müssen. Breslau, 7. März. (B chottländ e v e 2 y u agvgeugemeind e.) Einen Rechtsstreit von priueiitpieller Bedeutung erledigte am 4. d. M. der II. Senat des Obcrverrvaltnngsgerichts zu Berlin. Diesem Rechtsstreit, welchen der Rirtergutsbesitzer Schottlander ans Breslau gegen den Vorstand der Synagogengemeinde zu Breslau angestrengt harre, lag folgender Thatbestand zu Grunde. Zur Synagogengemeinde Breslau gehören sowohl die jüdischen Einwohner der Sradt als auch de-? Landkreises Breslau. Das Beitragsverhältnis; ist nun derart geregelt, daß diejenigen Mitglieder der Synagvgengemeinde, welche in der Stadt Breslau wohnen, 'Peree.lt in cd diejenigen, welche im Landkreise Breslacc ihren Wohnsitz haden, 7:> Pereeat vom Ein kommen als Synagogenbeiträge zu entrichten haben. Der Kgl. Regierungspräsident hat für diesen Vertheilnugsmodus auch die erforderliche Genehmigung ertheilt. Rittergutsbesitzer Schottländer verfiigt nun iiicht nur über ent Einkommen von jährlich über 500.000 Mr., sondern hat auch einen doppelten Wohnsitz und zwar sowohl in Breslau selbst als auch im Landkreise Breslau. Da man einen solchen Fall bei Aufbringung der Synagogenbeiträge iui Statut nicht vorgesehen hatte, so zog der Vorstand der Syna gvgengemeinde den Rittergutsbesitzer Schottländer mit Percent von seinem Einkommen aus dem Landkreise und mir 7, Pereeat von seinem Einkommen in der Stadt Breslau zn den Synagogeabeiträgen heran. Gegen diese Heranziehung erhob Schottländer Einspruch und machte geltend, daß der Vorstand der Syuagogengemeinde nicht berechtigt sei, das Einkommen des Ee rsiten derart zu theilen, er behauptete, er könne nur mit Pereent von seinem gesammten Einkommen zu den Synagogenbeiträgen herangezvgen werden. Der Vorstand der Synagogengemeinde wies aber den erhobenen Einspruch zurlick und erklärte, sein Verfahren entspreche durchaus der Billigkeit. Oiegen diesen ungünstigen Bescheid erhob Schottländer Klage beim Bezirksausschuß, welcher Beweis erhob und fifitstellte, daß Schottländer etwa die Hälfte des Wahres in der Stadt nild die andere Hälfte auf feinem Oint in der blähe von Breslau lebte. Sodann wurde die Klage abgewiese i. Gegen diese Entscheidung legte der Kläger Schottländer Berufung beim Oberverwaltnngsgericht ein und erklärte, der getroffene Ausweg finde im Statut eine gesetzliche Stütze: das Statut sei lückenhaici Im Salle des Zweifels sei nur der Eensit berechtig! zn erklären, ob cw als Städter oder als Landbewohner zu den Beiträgen mr dce Synagvgengemeinde herangezogen werde wolle. Der beinagte Vorstand der Synagoge beantragte 'Abweisung der Klage und führte aus, Kläger könne von seinem Oint ans in zwanzig Meinten die Stadt Breslau mit der Egilipage erreichen, und daher fast ebenso leicht, tute die Bewohner von Breslau die Synagoge besuchen. — Nach langer Berathnng bestätigte das Oberverwaltnngsgericht die Vorentscheidung lind sührte ans, Kläger habe icicht das Recht, zu wählen, ob er 7ä oder 7.-. Percent von seinen Einkomme'n an Syuagvgenbeiträgen zahleil wolle. Auch habe der Vorstand der Synagoge keine Veranlassung gehabt, das Einkommen des Klägers zu-theilen und denselben teilweise mit 7-Percent, theilweise mit 7.=. Percent zu^ den Beiträgen für die Synagvgengemeinde herauzuziehen. Entscheidend sei, daß Schottländer eine Wohnung in Breslacc habe: daher koicnte er mit lg Percent seines ge samnlteic Einkommens zic deil Syicagogenbeiträgen herangezvgeil werden; daß er außerhalb von Breslau auch noch eine Wohnung habe, berechtige ihn nicht, eine Ermäßigung zic beailsprnchen: nur solche Mitglieder der Synagvgengemeinde, die ausschließlich im Landkreise wohnen, hätten auf die Ercnäßigung Allfprnch. »Brest. Geueralanzeig.» Warschau, den 16. März 1<S‘K5. Am;>. d. M. feierte der Redactenr der „Hazfirah", Eh. S. S l v n i m s k i icn Kreise seiner Familie und zahlreicher Freunde seinen sechsnndachtzigsten Geburtstag. Auch aus der Fremde erhielt der berühmte Gelehrte zahlreiche Oilückcvünsche. Die Verdieicste von S l on i m s k i hier hervorzuheben, wäre zum Mindesten überflüssig, da sie Jedem, der mit der netleren hebräischen Literatur auch nur einigermaßen vertrant ist, zur Oienüge bekannt sind, blicht so bekannt jedoch ist der Einfluß, den die pvpnlärwisse'aschaftlicheu blrtikel aus seiner Feder, welche die „Hazfirah" zic einem so geschätzten Blatte machten, auf das Gros der jüdischen Bevölkernclg in Polen ausübten. Das Volk, dem jede moderne Sprache verschlossen, wurde durch die literarische ccild publicistische Tyätigkeir von Ch. S. S l v n i m s k i auf ein höheres, geistiges Niveau erhoben, mit den neuesten Errungenschafteil der Wissenschaft bekannt gemacht. Daß ihm dies in so hohem Oirade gelungen, verdankt der Oielehrte außer eigenem Fleiß icnd anerkannten eminenten Oieistesgaberc auch der Mithilfe seiner Gattin, die eilte Tochter von Abraham Stern Ges berühmten Mathematikers und Mechanikers, der, trotzdem er lauggeröckter altgläubiger Jude, zrun bNitglied der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften in Warschau ernannt wurde» das Streben ihres Mannes theilte und durch verftändllißinlliges Eülgeheu auf dasselbe ihm das Erreichen des gesteckten Zieles erleichterte, Auch nm die Verbreitung der hebräischen Sprache, diesem .Kirt zwischen den Inden aller Länder, hat sich S l v n i m s k i verdient gemacht, da die Um Wandlung der „Hazfirah" von einem Wochenin eilt Tagesblatt nicht wenig dazu beitrug. — Mir Befriedigung blickt der greise Oielehrte heilte auf die Früchte seines arbeitsamen Lebens. Möge es ihm gegönnt sein, sich noch lauge derselben zic ersreuen. — Die blffaire des Rabbiners von Servck, über die seinerzeit alle Zeitungeic schrieben, hat einen traurigen Epilog gefunden, über den nun wieder alle Zeitungen schweigen müssen. Der arme Mann büßt nämlich seine Uebereilnng im zehnten Pavillon der Warschaccer Eitadelle. Bei Nennung dieses 'Namens überlänft Jedem ein leises, leider nur zu berechtigtes Grauem Der 'Aufenthalt icc diesem Gefängniß, das man in den meisten Fällen an Oieist und .Körper gebrochen verläßt, bildet gewöhnlich den Acls-ang von einem sehr traurigen Ende. X . . . Odessa. Montag fand die Trauung des Baron G. O. Oi li n z v cc r g mit Fräulein bl s ch k e n a z i statt. Unter den vielecc sremden Oiästen befanden si.fi auch Vertreter der Familien Baron Hirsch und Baron Rothschild. Das Fest zeichnete sich durch große Pracht aus. Cambridge. »D i e neue P rose s s u r s ü r e n g l i s ch e Sprache ll n d L i t e r a t n r.i Es ist jahrelang als eine btnomalie betrachtet worden, daß — abgesehen von der Professur für Angelsächsisch — die nationale Sprache und Literatur in Eambridge keinen vssiciellen Vertreter besaß, nild die Ereirnng des neuen Lehrstuhls bildet ein interessantes Eapirel in der Geschichte der Universität. Unter denen, die sich besonders bemüht haben, auf die Anomalie hinzuweisen und dem Mangel aozuhelfen, stand in erster Reihe der berühmte Professor Skeats. Schott vor zwei Jahren erging ein öffentlicher blufrnf mit Bei träge zur Oiründnng einer Professur für Englisch au das Land, und es war ein offenes Geheimnis; unter den Gelehrten Englands, daß dieser Bewegung besonders der Umstand dienlich war, daß Eambridge einen Mann besaß, der wie geschaffen war für den 'aeuen Lehrstuhl. Die Wähler haben auch fast einstimmig Herrn Israel Gollanez. M. bl. Master of blrrs-, unseren geehrten Glaubensgenossen, ihre Stimmen gegeben und im „E a m br id g e bk e p o r r e r" ist diese Woche die Ernennung bereits bekanntgegeben worderr. Selten ist eine solche blltszeichnuug einem verhältnißmäßig so jungen Oielehrtea verliehen worden i feilt erstes literarisches Werk erschien erst vor fünf Jahren itnd hatte damals den großen Eriolg. daß Lord Tennyson. der verstorbene Puete Laureare es in Verseil pries», und wir können stolz darauf sein, daß ein Oilaubeilsgenvsse die direete Veranlassung zur Gründung eines Lehrstuhles au der Universität Eambridge war, noch dazu eines Lehrstuhles für nationale Sprache nrtd Literarur. Sein berühmter Lehrer, Professor Skeat, hak ihn vvrgeschlagen, unterstützt von den erstell Gelehrten Englands, wie Dr. Abbott. Dr. Furaivall, Professor Ker, Ntr. Henny Bradlep, Mr. Sydney Lee itnd andere ulehr. Mit welcher Freude Gollanez's Ernennung von den ersten Autoritäten begrüßt worden ist, mag folgender blnsfpruch des weltbekanutell Herausgebers des großen „New Englische Dictionary" Dr. Murray beweisen. „Eambridge kann ich gratnliren," sagt er. „einen Geleyrteit hervorgebracht zu haben, der so viele Verdienste besitzt und so sehr dazu geeignet ist, die Tradition englischer Oie lebrsamkeit in seiner ahna mater forrzusetzen. Es ist eine Ehre für die nenereirte Professur, als ersten Vertreter eineil so ausgezeichneten bNanil bekommen zu habeil: möge sie nie in weniger unirdige Hände übergeheil! Constantinopel. Ein entsetzliches Unglück hat über 'Nacht einen großen Theil der jüdischen Bevölkerung in Eonstautinopel getroffen. In Balata, iu diesem fast ausnahmslos von Juden bewohnten Viertel, wv Armuth und Elend, Thür bei Thür, jchvil sonst in schrecklichster Weise Hansen, hat eine furchtbare Feuersbrnnst nahe an die vierzig Wohnungen eingeäschert. Ungefähr zweihundert Familien haben Hab und Oint verloren und nichts als das nackte Leben gerettet. Zwei Todesfälle find vorgekvmmen: ein Mädchen von zwanzig Jahren, das sicfi durch'einen Sprung ans dem Fenster retten wollte, und eine alte Frau, die erstickt ist.

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