Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 13 (27.3.1896)
- Date
- 1896-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 260 Dr. Bloch's Wochen IrliriN Nr. 13 Wieliezker, 20. März. Man jchr ibt uns aus Wieliczka mir Bezugnahme auf den in unserer vorwöchentlichen Nummer erschienenen Bericht Folgendes: „Es wäre im Interesse unserer Glaubensgeuvssen zu wünschen, das; mit der Bezeichnung „antisemitisch'" größere Borsicht geübt werde. Es gibt leider nur zu oft dringliche Nothmendigkeit, den vorhandenen Antisemitismus zu bekämpfen, als daß man ibn auch dort suche, wo er nicht ist. Der Ausgang unserer Gemeinderathswahleu nürd auch ungerechtfertigter Weife als antisemitisch verschrieen. Das Gros der hiesigen Gemeinde hat meines Erachtens durchaus teuren Grund, mit dem Ausgange der Wahlen unzufrieden zu fein, denn anstatt der drei am?getretenen jüdischen Gemeinderäthe wurden vier neue jüdische Gemeinderäthe g e w ä h l t. Aber auch die gewählten christlichen Gemeinderäthe dürfen nicht als Mtisemiten bezeichnet werden, sie sind achtbare Bürger, die mit ihren jüdischen Mitbürgern in bester Eintracht leben. Gegentheilige, durch nichrs bestätigte Behauptungen könnten allerdings noch dazu führen in unserer Stadt antisemitischen Teirdenzen Eingang zu verschaffen und deshalb möchte ich herzlichst wünschen, daß solche nicht unwidersprochen bleiben. Was die Wiederwahl des Herrn Seidensrau betrifft, der zu den achtbarsten und schätzenswerthesten Mitgliedern unserer jüdischen Gemeinde zählt, so hängt diese mit ganz anderen Umständen zusammen. Die Meinungsverschiedenheit über die Nothmendigkeit des Baues einer Synagoge hat in der That eine scharfe Opposition gegen ihn hervorgerusen. Das bedeutet aber etwas ganz anderes, als daß die Juden — antisemitische Siege herbeisührten." 8. W—r. Brünn. (M ä h ris ch-jü d i s ch er Landesmassasond.) Am Montag wurde die diesjährige Telegirtenversammlung, zu der 40 Gemeindevertreter erschienen, unter Vorsitz des Obmann-Stellvertreters kaiserl. Rathes Mandel abgehalten. Der Rechenschaftsbericht für 1895 bezeichnet die Gebahrung dieses Jahres als die bisher ungünstigste seit dem Bestände der autonomen Verwaltung, indem außer den laufeirden Eimrahmen vom vorjährigen Ueberschuffe 1437 sl. 38 kr. ausgebraucht wurden. Das Erträgniß des Fondes vermindert sich infolge des stetig sinkenden Zinsfußes, die Ansprüche der Gemeinden hingegerr werden immer dringlicher und größer. Es wurden verausgabt: an Schulsubventionen (60) 14.220 fl., Gemeindeunterstützungen (46) 13.020 fl., die trotz der Einstellung neuer Bewilligungen nur um 205 fl. zurückgingen, Personalunterstützungen 10.640 fl., Stipendien 600 sl., Bildungs- und Humanitäts-Anstalten 4465 sl. Der Bericht, sowie die Uebertragung des Saldo per 3534 sl. 75 kr. auf die Erträgnisse des Jahres 1896 werden genehmigt und nach Verlesung des Revisionsberichtes, gemäß dem Anträge der Revisoren, auch der Rechnungsabschluß für 1895 genehmigt und dem Curatorium die Entlastung ertheilt. Der Voranschlag für 1896 beziffert die Eimrahmen mit 49.126 sl. 25 kr., die Ausgaben mit 49.091 sl. 21 kr. und wird postemveise, sowie im Ganzen einstimmig genehmigt. Bei der Post „Bildungs- und Humanitäts- Anstalten" wird beschlossen, dem israelitischen Handwerker-Besörderungsverein statt 200 sl. 300 sl. zu bewilligen. Ein Antrag aus percentuelle Kürzung der Gemeindeunterstützungen, um das Gleichgewicht in den Einnahmen und Ausgaben herzustellen, wird abgelehnt, ebenso ein Antrag aus namentliche Veröffentlichung der den Gemeinden gewährten Subventionen. Nachdem Georg Fischer, Max K o h u und Jakob Redlich auch für das Jahr 1896 zu Revisoren gewählt worden waren, werden die vom Curatorium vorgelegten Grundzüge des laut Beschlusses der vorjährigen Versammlung zu gründenden Kaiser-Jubiläums- Pensionssondes zur Berathung gebracht. Das Curatorium hat ursprünglich diesen Fond aus affecnrauzmäßiger Grundlage unter Beitragsleistung des Fondes, der Gemeinden und der Cultussunctionäre in Aussicht genommen. Da dieser Plan aus große Schwierigkeiten stieß, wurde davon Abstand genommen und dahin abgeändert, daß die Functivnäre von Beitrügen befteit und die Beiträge der Gemeinden durch einen 3percentigen Abzug von ihren jährlichen Subventionen (für Schule und Gemeinde! hereingebracht werden, während der Landesmassasond diesem Zwecke den jährlichen. Abfall an den Personalunterstützungen zuwende. Ter Grundstock soll durch fteiwillige Widmungen der Gemeinden und einzelner Wohlthäter anläßlich des 50jährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers gebildet, durch Spenden, Legate u. s. w., sowie durch die obigen ständigen Zuflüsse vermehrt und ehestens nach fünf Jahren mit der Auszahlung von Pensionen begonnen werden. Anspruch auf eine solche haben die Beamten, d. i. Rabbiner, Cantoren und nicht staatlich angestellte Lehrer in den beitragenden Gemeinden, sobald dieselben für dienstunfähig erklärt werden, ferner die Witwen und Waisen der Cultusfunctionäre überhaupt. Das nähere Organisationsstatut wird erst abgesaßt werden, wenn der Fond, beziehungsweise die Erträgnisse desselben eure derartige Höhe erreicht haben, daß an die Reälisirmrg der Pensionen geschritten werden kann. Der Fond selbst ist gesondert anzrrlegen urrd zu verwalten und alljährlich über seinen Stand Rechnung zu legen. Die Grundzüge dieser Einrichtung wurden mit Acclamation zum Beschlüsse erhoben und hieraus die Versammlung geschlofferr. ■ Budapest. (Ein toleranter Ki r ch en für st.) Der Bischof von W a i tz e n, Constantirr S ch u st e r, spendete dieser Tage 100.000 Gulden zur Errichtung eines Spitals, irr welchem Kranke ohne Unterschied der Confessio n Ausnahme finden sollen. Einem Mitarbeiter des „Pesti Naplo" gegenüber, der über letzteren Umstand seine Bewunderung aussprach, sagte der greise Bischof unter Anderem Folgendes: „Vor dem Richterstuhle Gottes und in meinen . Augen sind alle Menschen gleich. Soll ich mich etwa vor das Thor des Krankenhauses stellen, in das man einen verlassenen Schwerkranken bringt und ihn etwa fragen: Weß Glaubens bist Du? Das wäre, weder menschlich, noch christlich. In meinem Herzen findet jeder gottessürchtige Mensch den gleichen Platz und ich danke dem Allmächtigen, daß die verschiedenen Consessionen meines Bischvfsbezirkes in Friede und Eintracht leben. Glauben Sie mir, ich kenne in meiner Diöcese Hunderte und Hunderte Bekenner anderer christlicher Cvufeffionen und Juden, die ums tägliche Brot kämpfen, aber dasselbe ehrlich verdienen. Diese Leute stehen meinem väterliche:: Herzen ebenso nahe, und ich schließe ihr Glück ebenso in mein tägliches Gebet, als dasjenige meiner Gläubigen. Es wäre keine gottgefällige Handlung gewesen, wenn ich ihnen die Wohlthat nur deshalb entzogen hätte, weil sie Anhänger eines anderen Bekermtnisses sind." Die Nyiregyhazaer israelitische Cultusgemeinde richtete anläßlich des Jnslebentretens des Receptionsgesetzes an alle jene activen und gewesenen Minister, welche an dem Zustandekommen desReceptionsgesetzes theilgenommen hatten,DankundBegrüßungsadreffen. Der gewesene Cultus- und Unterrichtsminister beantwortete diese Kundgebung durch folgendes Schreiben: „Sehr geehrter Cultusgemeinde-Vorstand! Mit Dank und Freude erhielt ich den Beschluß Ihrer am 9. Februar l. I. gehaltenen Repräsentanten-Versammlung, und das nicht darum, weil sich dieser Beschluß auf meine Person bezieht, sondern weil er den Beweis dafür bildet, daß auch Sie in gehörigem Maße den jüngsten Sieg des Princips der Rechtsgleichheit wiirdigen. Stark ist meine Ueberzeugung, daß die Anwendung jenes großen Princips Ihrer Confeffion gegenüber, jener Vaterlandsliebe uird jenem patriotischen Eifer, den Sie auch bisher schon so oft und so glänzend bezeugt haben, nur neue Nahrung zuführen wird. Mich Ihrem freundlichen Gedenken empfehlend, verbleibe ich der geehrten Vorstehung ergebenster Diener Graf Albin Csaky." Der ehemalige Justizminister und derzeitige Abgeordnetenhaus-Präsident curtwortete mit folgendem Telegramm : „Für Ihre guten Wünsche empfangen Sie meinen wärmsten Dank und meinen patriotischen Gruß. Desider SzilLgyi." Der jetzige Cultus- und Unterrichtsminister antwortete: „Ich danke dem. geehrten Herrn Präsidenten für seine fteundliche Erinnerung und bitte diesen, meinen Dank jedem einzelnen Mitgliede der Gemeinde zu verdolmetscheu. Ihr ergebenster Dr. Julius Wlassits." Prineipielle Entscheidung. Es dürfte vielleicht für die P. T. Herren Collegen der Budapester Landes-Rabbinerschule von Interesse sein, zu erfahren, daß das hohek.u.k.Ministerium für Cultus und Unterricht die Giltigkeit der u n g a r i s ch e n Doctorate der Philosophie in Oesterreich anerkennt und deren Führung fürder gestattet. Der Erlaß lautet: Z. 5622. An Se. Ehrwürden den Herrn Dr. Emanuel Lenke, Rabbiner in Ung.-Ostra. Das hohe k. u. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat mit dem Erlasse vom 18. Februar 1896, Z. 2010, über Ihren Recurs, betreffend Ihre Berechtigung zur Führung Ihres an der Universität zu Budapest erworbenen Titels als „Dvctvr der Philosophie" die Entscheidung der hohen k. u. k. Statthalterei Brünn vom 12. September 1895, Z. 31334, respective den hierörtlichen Bescheid vom 26. Juni 1895, Z. 2368, zu beheben und zu eröffnen befunden, daß die Führung Ihres an der Universität in Budapest erworbenen philosophischen Doctorgrades mit Rücksicht auf die diesfalls, derzeit bestehende Reciprocität mit Ungarn keinem Anstande unterliegt. Ung.-Hradisch 6. März 1896. Der k. u. k.Bezirkshauptmann. Dieser Erlaß enthebt endlich die ungarischen