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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-20 · 12 (20.3.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Vlorh's Wmtzrnsthrifr. Scire 230 Landesmassasondes und der hiesigen Cultusgemeinde von 200 fl. abgesehen, sehr gering und beiragen nur 263 fl., ein Umstand, der eine bedauerliche Gleichgiltigkeit gegen diesen so segensreich wirkenden Wohlthätigkeitsverein beweist. Die Spenden von 651 sl. übertrasen diesmal die Ziffer der Vorjahre, Dank einer außerordentlichen Spende der Frau Therese Schwarz von 300 fl. Das Ertragnis; der Stiftungen ging stark zurück, weil das Konigsche Siiftnngshans in Folge Leerstehnng nichts abwars. In Berichtjahre wurden 5880 sl. für die Wagenpflege verausgabt, um 660 sl. mehr als im Vorjahre. Ja der Obhut des Vereines standen im Sommercnrse 33 hiesige und 47 auswärtige, zusammen 80 Waisen; im Wintercnrse sind 32 hiesige und 51 auswärtige, zusammen 83 Waisen in Pflege. Die hiesigen Kinder erhalten je 80 sl., die ganz verwaisten mehr, die auswärtigen je 60 fl. jährlichen Erziehnngsbeitrag. Die Waisen besuchen die Volks- und Bürger-, die älteren Mittel- oder Fachschulen und werden auch über das 14. Lebensjahr hinaus unterstützt. Die Pflege und Erziehung derselben wird auswärts von Waisenvätern überwacht. Der Rechenschaftsbericht und der vom Cassier L. L v w B e e r vorgetragene Rechnungsabschluß werden genehmigt und nach dem Richtigbesnnd seitens der Revisoren dem Vorstande die Entlastung ertheilr. Der Voranschlag, der für die Waisenpflege 5000 sl. für 1800 in Aussicht nimmt, wird gleichfalls angenommen, worauf die ansscheidenden Vorstandsmitglieder B. Morgenstern u ad L. Löw Beer wiedergewählt, ebenso Jg. Hörrig und Alois Witrossky abermals zu Revisoren bestimmt werden. Nach einer Anregung Rudolf H e r s ch m a n n's bezüglich Sammlung eines großen Banfonds, worüber sich eine eingehende Debatte entspann, wurde die Versammlung mit den üblichen D.ankesworten geschlossen. Lemberg. (E i n e nachträgliche B e r i ch t ig u n g d e s „P r z e g l a d".) Mit welcher Frivolität beunruhigende und aufhetzende Nachrichten öffentlich verbreitet werden, beweist eine Notiz in dem hiesigen clerical-conservatrv-antisemitischen Länderbankorgane. In der Sonntags-Nummer dieses Blattes vom 8. März war unter der Spitzmarke »Ostro5:iie z o£niem;< eine Sch auergeschichte von der Schändung eines Heiligenbildes seitens jüdischer Arbeiter enthalten, eine Nachricht, welche geeignet war, die Gemüther der vorwiegend katholischen Bevölkerung aufzuregen und sie mit Haß gegen ihre jüdischen Mitbürger zu erfüllen. Mit frommem Augenausschlag ertheilt der „Przeglad", indem er diese vermeintliche Thatsache seinen gläubigen Lesern erzählt, den Inden, die er alle ohne Ausnahme für dieses Verbrechen verantwortlich macht, den aufrichtig sein sollenden Rath, ja nicht mit dein Feuer zu spielen; sie könnten sonst in diesem Brande, den sie muthwillig entfachen, zu Grunde gehen. Dabei kann dieses fromme Organ nicht umhin, einen hämischen Seitenhieb gegen unsere Glaubensgenossen zu führen, indem ihnen vorgeworseu wird, daß sie nicht „m i t" sondern „v o n n n d z w i s ch e n" der christlichen Bevölkerung leben. Soweit die Auslassungen des „Przeglad", ein Elaborat, würdig eines blutrünstigen Schneider. Jeder Mensch, dem das Gefühl des Anstandes und der Gerechtigkeit nicht ganz abhanden gekommen ist, wird doch mit Bestimmtheitannehmen dürfen, daß eine solche Nachricht früher aus ihre Wahrheit streng geprüft werden sollte, bevor sie in die Oeffentlichkeit gelangt. Doch was geschah? Man höre und staune. Gleich in der nächsten Nummer war dieses Blatt gezwungen, eine Berichtigung aufzunehmen, welche klar und deutlich besagte, daß an der ganzen so aufgebauschten Sache nicht ei u w a h r e s W o r t i st und auch nicht die geringste Spur einer Wahrscheinlichkeit vorliegt!! Begreiflicherweise sind wir und jeder Jude über dieses schmähliche Treiben entrüstet, unsere Gegner kämpfen gegen uns mit vergifteten Pfeilen. »Lalnmniars audacter semper aliquid haeret«. Nur immer kühn, frisch, frei und fromm verleumdet, etwas bleibt immer hängen. Die Herren vom „Przeglad" haben sich die Kampsesweise des Herrn Schneider angeeignet und können es noch sehr weit aus diesem Gebiete bringen. Wir geben ihnen aber die Versicherung, daß wir uns dabei nicht resignirt verhalten, sondern uns energisch dagegen wehren und unsere Leser und die Oeffentlichkeit mit ihren wahren Zielen bekannt machen werden. - Wir glauben ein solches Vorgehen am besten mit einem kräftigen „Pfui!" zu charakterisiren. M -r. ' Neunkirchen. In dem niederösterreichischen Marktorte Krumbach. in der sogenannten „buckligen Welt" gelegen, wo einst die wegen ihrer verübten Grausamkeiten in der Sage des Volkes noch sortlebenden Ritter von Puchheim hausten und wo der „Hauptzeuge" des Ritualmordes Walter Ritter von Troll wohnt, wurde gegen den dortigen jüdischen Kaufmann und Hausbesitzer Max Reininger die Beschuldigung des Ritnalmordes erhoben. Bei genanntem Kaufmann war ein Dienstmädchen aus Pernftein in Ungarn in den Dienst getreten. Nach einiger! Tagen entfernte sich jedoch heimlich das Mädchen und begab sich in ihre Heimat, wo sie sich, wie behördlich iestgestellt ist, wohl und gesund befindet. Im Orte entstand jedoch das Gerücht, das Mädchen sei abgeschlachtet worden und eine Inwohnerin, Aloisia Wohlfahrt, gab an, ein entsetzliches Wehgeschrei gehört zu haben. Durch einen anonymen Brief wurde die Gendarmerie verständigt. Ein Gendarm, der mit dem Bürgermeister in der Wohnung des Reininger erschien, war so naiv, zn fragen, ob das, was man sich erzähle, wahr sei. Reininger blied ans freiem Fuße. Derselbe klagte die Urheberinnen des Gereichtes wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung und dieselben wurden, und zwar Frau Aloisia Wohlfahrt zu 14 Tagen, Anna Uhreich und Johanna Wallner zn je 8 Tagen, Maria Wallner u rd Theresia Lnibenbäck zu je 3 Tagen Arrests vernrtyeilt. Der Gerichtsverhandlung beim Bezirksgerichte in Kirchnhlag hatte ein zahlreiches Pnblirnm beigewohnt. Dieser Vorfall ist olme Zweifel in Verbindung zu bringen mir jenen Artikeln, welche seit langer Zeit in der antisemitischen „Neunkirchner Zeitung" erscheinen. Ja dem gelaunten Zchmierblärrchen wird iorrlanfend, weger Mangel an Srost. das bekannte Buch von Eisenmenger abgedrnck.'. Der eige ttliche D uiter ist also doch nicht getroffen worden. Berlin, 10. Mürz. Der Berliner Magistrat har sich in einer erneuten Vorstellung an den Cultusminister gegen denen Erlaß über die jüdischen Lehrkräfte an den Berliner Volksschulen gewandt und stellt darin fest, daß die Ansführungen jenes Erlasses sich mit den in Berlin gemachten Erfahrungen in Widersprnch befinden: Es heißt in der Eingabe: Wnin die Schule in den Geoankenkreis der Erwachsenen elnfnhren soll, wenn in unserer Stadt das gewerbliche, das wissenschaftliche und das öffmtliche L.ben zwischen Christen und Inden Wenbewn'b und gemeinsames Trachten noch gemeinsamen Zielen erzeugt und die ethischen Genndanschaaungen ausgeglichen hat, wen:', der erwachsene Christ den Inden als vollw nthigen Mitbürger ansehen, umer Umständen als Compagnon, Vorgesetzten oder N ch:er achten, wenn in Wohlthätigkeitsbcstrebnngen und in B.thätignng vaterländischer Gesinnung der Gegensatz der Bekenntnisse und Racen überwunden werden soll, zu dem vollen Bewußtsein der alle Bevölkerungselemente verschmelzenden Staats- und Richseinheit — dann kann bei uns, wie in anderen Landern, ein Caristenkind zeitweise der Lntung eines Faden anvertraut werden, ohne Schaden für seine religiöse Entwicklung und mit dem Erfolge, daß es ln früher Ersahrnng erkennen lernt, die Wege der Vorsehung, die dem Volke, welchem das Alle Testament vssenbart wurde, nach Irrungen und Beriolgnng'n in der Zerstreuung zwischen den Völkern der Erde, Dauer, Begabung und culturelle W rknngsfähigkeit bewahrt hat. Ter Versuch ist bei uns gemacht und trotz mancherlei Gezenagitationen gelungen; die klrtheile der Schnlinsoectoren geben über den Erfolg der jüdrschen Lehrkräfte Auskunft, welche, obschon mit oem jnoisrhen ll lterrich: betraut, doch nicht nach dem Typus Shylock geformt sind und den etwaigen mir ch.istlihen Anschauungen im Widerspruch stehenden Lehren des S hnlchin Aruch nicht unterliegen. Vielmehr hat sich der jüdisch.' Religionsunterricht nach den Formen des Christlichen dahin entwicklt, daß im Wesentlichen dieselben biblischen Geschichten des Alten Testaments mit den Kindern dnrchgenommen werden, die auch für die christlichen Kinder ansgewählt sind. Die Eingabe bezeichnet es weiterhin als unzutreffend, daß die Zahl der jüdischen Lehrkräfte eine unverhältnißmäßige Vermehrung erfahren har; das Umgekehrte ist der Fall, da jenr nur ans 630>7 jüdische Kinder ein jüdischer Lehrer kommt, während 1883 das Verhältnis; wie 1 : 44 war. Schließlich wird darauf hingewiefen, daß die Asrsfiihrnngshestimmungen des Proviucialcolleginms weit über den Erlaß tünansgehen und zum Doe-l unausführbar sind. So soll für die zur Anstellung vorgesthlagenen Religionstehrer der Nachweis der Onalineation erbracht werden, während tharsächlich keine staatliche Veranstaltung zmn Nachweis dieser Onalisieation für jüdische Lehrkräfte besteht. Der Magistrat beruft sich darauf, daß bisher nie eine von ihm gewählte jüdische Lehrkraft abgelehnt worden sei, und ersucht datier, den dirrch eime zwanzigjährige Praxis geordneten Zustand auch ferner zn erhalten, und damit alich das Fundament des cvnsessiouellen Friedens mis dem Gebiet der Berliner Volksschule. — Der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung bat in ähnlichem Sinne der Versammlung die Absendung eines Protestes gegen den Erlaß vvrgeschlagen.

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