Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-20 · 12 (20.3.1896) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021128--05454-3029690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 240 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 12 London. (Baron Will y R o t h s ch i l d.) Es ist bekannt, mit welcher peinlichen Genauigkeit Baron Wilhelm Rothschild alle jüdischen Gebräuche befolgt. Seine Frömmigkeit gehr so weit, daß er sein eigenes Kochgeschirr aus Reisen mit sich führt, und vor einigen Jahren, als er gezwungen war, mehrere Wochen in Amsterdam unter ärztlicher Behandlung zuzubringen, wurde im Amstel Hotel, in welchem er wohnte, eine Küche eigens für ihn engerichtet. Jüngst erkrankte Baron Rothschild bedenklich und sein Arzt verordnete ihm alten Tokayer. Aber der Patient weigerte sich, ihn zu trinken, da er von diesem keinen koscheren Wein in seinem Keller hatte. Dr. Rosenbaum bestand darauf, daß seine Anordnung befolgt wurde, Baron Wilhelm Rothschild weigerte sich beharrlich. Ties kam Herrn Moßbacher, einen wohlhabeirden Frankfurter Juden, zu Öhren, welcher vier Flaschen koscheren Tokayer vom Jahre 1845 besaß, die er dem Baron Rothschild zum Geschenke machte. Der Patient war außerordentlich erfreut über die Aufmerksamkeit des Herrn Moßbacher und sandte diesem nach seiner Genesung 5000 Mark zur Bertheilung an Arme. Gleichzeitig erhielt Herr Moßbacher als persönliches Geschenk ein schweres silbernes Präsentirbrett mit seltenen Früchten und dazu eine eigenhändig geschriebene Karte des Barons mit dem hebräischen Spruche, daß eine freundliche Handlung manchmal werthvoller fei als Wohlthätigkeit. London. Unter den Gästen bei dem Empfange der Markgräfin von Londonderry im Londonderry Hause befand sich auch der Friedensrichter und Londoner Gemeinderath Mr. Nathan Moß sammt Gemahlin. London. (Noch einmal S i r I u l i a n G o l df m i d's letzter Wille.) Das Testament Sir Julian Goldsmid's enthält folgende interessante Bestimmung: „Ich erkläre hiermit, daß, wenn eine meiner Töchter einen Mann nichtjüdischen Glaubensbekenntnisses heiratet, dieselbe nur die Hälfte ihres Erbtheiles erhält; die andere Hälfte ist zu gleichen Theilen an meine anderen Töchter zu vertheilen." London. Die Königin hat Mr. Sidney Hoffnung und seiner Gemahlin (der ältesten Tochter des verstorbenen Sir Julian Goldsmid) gestattet, den Namen und das Wappen Goldsmid's annehmen und in Verbindung mit ihrem eigenen fuhren zu dürfen. London. An dem Empsangstage (Drawing Room) Ihrer Majestät der Königin Victoria, welchen die Prinzessirr von Wales abhielt, wurden folgende Damen vorgestellt: Fräulein Fandel- Phillips und Fräulein Norah Fandel-Phillips (von Frau Fandel- Phillips); Fräulein Violet Stern - (von ihrer Mutter Jamas Stern). Bialystok, 26. Februar. Die B n e i-B r i t H-L o g e zu Jerus alem hat die Errichtung einer Bibliothek, welche den Namen „Beth-Midrasch-Abarbanel" führen soll, in Angriff genommen und verfügt Dank der munisicenten Gabe eines wackeren. bewährten Zionsfreundes bereits über eine stattliche Anzahl werthvoller Bücher. Der hiesige Arzt Herr Dr. Josef Chasanowitz hat nämlich seine 8800 Bände umfassende Büchersammlung jener Bibliothek zugehen lassen. Es wäre aufrichtig zu wünschen, daß dieses edle Beispiel in weitesten Kreisen Nachahmung finden möge. Zum Ausbau der Abarbanel-Bibliothek sind nöthig: 1. Hebräische Werke älterer und neuerer Zeit von talmudisch-halachischem, homiletischem, philosophischem oder exegetischem Inhalt. 2. Nichthebräische Bücher und Publicatinnen älterer und neuerer Zeit, welche jüdisch-wissenschaftlichen Inhaltes sind, welcher Richtung sie auch angehören mögen. 3. Artistisch-graphische Werke als: Ansichten, Bilder, Illustrationen von Cultusinstituten (Schulen, Tempel, Kranken- und Versorgungshäuser), sowie Porträts der berühmten Rabbiner, Prediger, Dichter, Schriftgelehrter jüdischer Nation. 4. Geldspenden zum Bau eines Hauses. (Die Bibliothek befindet sich vorläufig in einem gemietheten Raum.) Nur durch die Mitwirkung aller Kräfte können wir hoffen, daß mit der Zeit in der heiligen Stadt ein Centralinstitut entstehen wird, welches die ganze literarische und culturelle Entwicklung des Judenthums vom Mittelalter bis auf unsere Tage zur vollen Anschauung bringt. Bücher und Geldspenden nehmen entgegen die Herren Director Ephraim Cohn in Jerusalem, Dr. Joses Chasanowitz in Bialystok und Bibliograph Ch. D. Lippe in Wien (11., Praterstraße 13). C. H. New Hork, im Februar. Am 12. Jänner fand die Jahresversammlung der jüdischen Gewerbeschule Hebrerv Technical Institute in New - Nork statt. Das Einkommen des letzten Jahres .im Betrage von 26.696 Dollars blieb hinter dem Bedürfe (28.173) zurück, obwohl die Zahl der Mitglieder von 660 auf 850 und die der Patrone von 218 auf 241 stieg. Der Bericht weist ferner aus die Schuldenlast hin, welche 38.000 Dollars beträgt. Die Schülerzahl (200) ist die größte, welche im Institut Unterkunft finden kann, und viele Bewerber um Zlufnahme mußten zurückgewiesen werden. Von den 34 absolvirten Schülern des letzten Jahres haben 32 sofort Stellung gefunden, lieber den Ertrag des im December abgehaltenen Bazars, von dem die Hälfte dem Institut zugute kommen soll, ist noch keine Verfügung getroffen worden. — Die Einwanderung nimmt wieder zu. In New-Aork landeten während des Monats December 1900, in Philadelphia 256 Einwanderer; die weitaus größte Mehrzahl derselben kommt aus Rußland. — Tie Gemeinde Knesset!) Israel in Philadelphia Hat, offenbar um ihr Vertrauen zu ihrem Rabbiner Dr. Krauskops zu manifestiren, denselben zwei Jahre vor Ablauf seiner vertragsmäßigen Amtsperiode auf weitere fünf Jahre gewählt. Krauskopf hat ftir die Zwecke der von ihm geplanten jüdischen Ackerbauschule eine Farm in Doylestown im Ausmaße von 118 Acres für 10.000 Dollars gekauft. Die zum Beginne nöthige Summe hofft Dr. Krauskopf durch eine Vorlesungstour aufzutreiben. Chicago, 20. Februar. Mit dem Sonntags-Judenthnm d. h. dem Judenthum, welches am Sonntag den Sabbath feiern will, scheint es nicht recht vorwärts gehen zu wollen.' Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch und wendet sich an Menschen, die eigentlich weder Juden noch Christen sind. Der Chicagoer Rabbiner Dr. Emil E. Hirsch, der ein glänzender Redner ist, aber das Judenthum zu einer Art ästhetischen Angelegenheit umgestaltet sehen möchte, dürfte das wohl auch bald einsehen. In einer seiner jüngsten Sonntags-Predigten klagte er wehmüthig, daß die Synagoge, in der er so schöne Essays predigt, leer bleibt. Ein Rabbiner, der sich nicht an Gläubige wenden will, sollte nicht verwundert sein, wenn man auch ihm keinen — Glauben entgegenbringt. Der Herr „Rabbiner" des Sonntags-Judenthums muß sich überdies in den Tagesblättern eine nichts weniger als schmeichelhafte Kritik seines Wirkens gefallen lassen. Am Ende werden vielleicht auch diese „Rabbiner" erkennen, daß ihr Beruf imr dann kein verfehlter ist, wenn sie vorerst auch — Juden, sein wollen, die für und mit Juden wirken. Wien. (Oesterreichisch - israelitische Union.) Dienstag den 24. d. M., ya8 Uhr, findet im Restaurant Khuner,!.,Schottenring 19, eine Plenarversammlung dieses Vereines statt mit folgender Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des k. k. Professors, Herrn Ph. Dr. Leon Kellner: „Das Urbild Shylock's". 3. Anträge und Interpellationen. Damen und Gäste überhaupt sind willkommen. Wien. (E i n l a d u n g) zu der am Sonntag den 22. März 1896 um 10 Uhr Vormittags abzuhaltenden Generalversammlung des Wiener Bet-Hamidrasch Vereines im Locale II. Tempelgasse 3. lvPM Wien. Der in weiten Kreisen bestbekannte Philantrop Herr Leop. Gomperz feierte vorige Woche das Fest des 80. Geburtstages in seltener Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit. Der geschätzte Jubilar erhielt von vielen Seiten freundliche Begrüßungen und der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde ehrte chn durch eine die humanitären langjährigen Leistungen warm anerkennende Gratulationsadresse. — Herr Gomperz hat sich insbesondere der verschämten Armuth eiftigst angenommen und vielen Zerrütteten Existenzen wieder emporgeholfen. — Möge ihm deshalb im Kreise der Seinen ein freundlicher Lebensabend beschieden sein! —n. Wien. (Ferienheim.) Die zweite ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, am Donnerstag den 26. März, Präcise Y25 Uhr, statt. — Nach der Generalversammlung wird der Schriftsteller Herr Heinrich Glücksmann über „Die Poesie des Helsens" einen Vortrag halten. Wien—Mariahilf. Der Vorstand des Talmud-Thora und Bethausvereines VI., Stumpergasse 42, veranstaltet Donnerstag den 26. März um halb 7 Uhr Früh in feierlicher Weise einen Sijum. Wien. Sonntag fand im Seitenstettentempel die Vermählung des Herrn Emerich L e s s n e r mit dem anmuthigen Fräulein Dora Dukes, Tochter des Chef-Administrators des „Neuen Wr. Tagblatt", M. Dukes, ftüheren Besitzers der best-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.