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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-20 · 12 (20.3.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 12 Dr Vlvch » Wochrnschrist Seite 235 Der Jahresbericht des „Ferienheim"'' pro 1895. Dieser unseren Lesern wohlbekannte Bereit: versendet eben seinen vierten Jahresbericht, aus welchem wir eine Fülle interessanter Mittheilungen über das Entstehen, die Entwicklung und die umfassende Wirksamkeit desselben entnehmen. Schon die Zusammensetzung des Vorstandes ist geeignet, nufer Interesse zu fesseln. An dessen Spitze steht mit dem ersten Tage der Gründung die für ihre Schöpfung unermüdlich thätige Präsidentin Frau Sofie Grünfeld. Hart an ihrer Seite, stets bereit, Armuth und Elend unserer Glaubensbrüder in Wort und Schrift zn bekämpfen, sehen wir die edelmüthige und federgewandte Schriftführerin Frau Antonie Graf. In der Vicepräsidentschaft theileu sich die als fromme Jüdin ebenso wie als grvstmüthige Wvhlthäterin bekannte Frau Clara Berger mit der liebenswürdigen und hochherzigen Frau Julie Fialla. Neben ihnen die edle Gattin unseres verehrten Oberrabbiners Frau Jda Güdemann. Frau Eleonore Pechkranz, die Leiterin des Jnrassvs und Frau Jenny Schur, die Cassierin des Vereines, bekunden ebenfalls durch eifrige Mitarbeit und durch oftmals bethätigten Edelsinn ihr warmes Interesse fiir die Zwecke des so heilsam wirkenden Vereines. Aber mit den Namen der genannten Funrtivnäre ist die Liste der Vorstandsdamen nicht erschöpft; die übrigen Mitglieder des Vorstandes, worunter sich fast lauter Namen mit gutem Klang befinden, wie -Fran Philippine Gelbhans, Frau Rosa Freyberg, Frau Antonie Passaner, Frau Regine Reichel, Fran Regine Heit, Frau Adele Friedmann, Frau Antoinette Schwarzmann, Frau Caroline Rvsenbanm, Frau Lea Jaiteles, sowie der unermüdliche Beirath Herr S. Heit entwickeln eine stets weiter ausgreifende Propaganda, in» dem Verein Gönner zu genünnen und ihn dadurch in seinem Bestände zu stärken. Und wie sehr er dessen würdig ist, dafür sollen nicht Worte, sondern Zahlen sprechen. Der Verein entsendete znm Landaufenthalte im Jahre 1892— 45 Kinder, „ „ 1898 - 188 1894 — 227 „ „ 1895 — 880 „ In der ersten, im Jahre 1892 gegründeten Evlonie Schattin annsdvrf (nächst Preßbnrg) wurde im darauffolgenden Jahre 1898 die zweite in Petrau (Mähren) ins Leben gerufen, im nachfolgenden Jahre 1894 kam zu den besteheilden noch die kleine Versuchscolonie Straßnitz und endlich im abgelaufeuen Jahre 1895 wurde die geradezu musterhaft vrganisirte Colonie in Theresienfeld (nächst Wr.-Renstadti eingerichtet, bei welcher znm ersten Male das Experiment einer eigenen Regie unternommen und mit dem glänzendsten Ergebniß durchgeführt wurde. Der Gesundheitszustand in allen Evlvnien des Vereines war Dank der sorgfältigen Ueberwachnng seitens der jede Abtheilung begleitenden Lehrpersonen, ein ganz vortrefflicher, so daß nur in ganz vereinzelnten Fällen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Bei der Theresienfelder Colonie war es Herr Dr. Keßler in Wr.-Neustadt, bei der Petraner Herr Dr. Auffärber in dem nahegelegenen Straßnitz, rvelche in ebenso uneigennütziger als gewissenhafter Weife die ärztliche Ueberwachnng führten. Die Kinder der Armen und Aermsten unseres Stammes — denn nur solche sind es, die dieser Wvhlthat theilhastig werden — werden auf diese Weise für die Dauer eines Monates hinausgeführt in die ihnen, den Stadtkindern, fast fremden Herrlichkeiteil der schönen Natur, bewährte Lehrkräfte leiten sie zu gutem Thun, zu harmlosen Kinderspielen an; ist es da ein Wunder, wenn sie, die vor wenigen Wochen noch so Bleichen, Matten, schon nach kurzer Zeit mit glänzenden Augen, rothen Wangen und strammen Wesen heimkehren, so daß gar manche Mutter ihr eigenes Kind fast nicht wieder erkennt und daß zahllose Freudenthränen durch ein solches Wiedersehen hervorgernfen werden. Der Berein, der von fv freisinnigen und edelherzigen Frauen des Jndenthums geleitet wird und den diese nicht nach einem schablonenhaften System, sondern mit warm empfindenden Herzen führen, beschränkt sich nicht blvs darauf, die von den wackeren Bereinsärzten Dr. Jos. Grünfeld, Dr. I. Schnabl und Tr. Otto Pollak sorgfältig ausgewählten Kinder auf's Laird zu entsenden, rvo sie gut gerlährt, mit Ordnung und Reinlichkeit vertraut gemacht rverden, nein, er hat feine Aufgabe auch dahin erweitert, daß jene arnien Kinder, welche wegen mangelhafter Ausrüstung mit Schuhen, Wäsche, Kleidern in eine Colonie gar nicht mitgenommen werden könnten, auch mit diesen Gegenständen nach Bedarf und Würdigkeit ansgestattet rverden, sv daß der zehrende Neid gegen ihre besser gestellten Kameraden von den Kinderseelen möglichst serngehalten wird. Allerdings sind es gar viele Faeroren, welche da znsammenwirken, um diese Wnnderwelt der Kleinen lebendig werden zu lassen, und rvir wollen an der Hand des Jahresberichtes den Wohlthätern danken, welche dabei im abgelansenen Jahre redlich mitgethan haben. Wir übergehen hiebei die Spenden an Waaren und Utensilien, rvelche zahlreiche Private und Kailfleute dem Unternehmen zufließen ließen. Herr rrnb Fran Levp. Reicht rvidmeten anläßlich der Genesung ihres Enkelkindes den Sriitungsbeitrag von IOOii fl., Herr Mar Ritter v. Gutmailn und Herr Gustav Baron Springer traten mit je 500 fl. dem Vereine als Stifter bei. Die Witrve des Herrn Professors Dr. Lrrdwig Manrhner ehrte das "Andenken ihres edlen Gatten durch eine auf dessen "Namen lautende Stiftung von 800 fl. Rente. Mit dem statutenmäßigen Beitrag von 100 fl. traten: dem Vereine bei: Fran Sofie Abeles (znm Andenken an ihren seligen Mannt, Tischgesellschaft Hasenfeld, Herr Moritz Hirsch, Herr Hermann Krön, Herr und Fran Leop. Landeis, Frau Baronin Amalie Löwenstein, Herr Kammer rath Leopold Pollack und Herr Carl Wittgenstein. In Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens wurde der Verein mit folgende!: Subventionen bedacht: Löblicher Magistrat der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien 100 fl., Chewra- Kadischa in Wien fl. im, Israelitische Eultnsgemeinde in Wien 50 fl., Damen-Cvmits lou fl. Der Tribut des Dankes wird ferner gezollt beit Herren Em. und Ed. Schweinbnrg für die unentgeltliche Ueberlaffnng des Schlosses Theresienfeld, wo l i>9 Kinder untergebracht wurden: den Beamten der Staats-, Süd und "Nordbahn, sowie den betreffenden Verkehrsdireetionen. rvelche durch ihr liebenswürdiges Entgegenkommen die schwierige Expedition der Kinder wesentlich erleichert haben; der Wiener Tramway-Gesellschaft für unentgeltliche Ueberlassnng von 850 Fahrkarten für die Kinder: der Direcüvn des Etablissement Rvnacher für die unentgeltliche Ueberlassnng des Saales für das anläßlich des Namensfestes des Kaisers am 4. October stattgehabte Kinderfest: den Journalen, welche bereitwilligst die Pnblicationen des Vereines aufnahrnen: dem ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. I. S. Bloch, welcher wegen Arbeitsüberhänfnng auf seine Stelle als Beirath des Vereines resignirte, dessen Proponent und Mitbegründer er gewesen. Die alljährlich stattfindende Wvhlthätigkeits-Akademie fand, etwas verspätet, am 7. Jänner 1890 mit glänzendem sveialen und finanziellen Erfolge statt. Der Verein verausgabte im letzten Jahre für feine Coloilieil die bedeutende Summe von 8<>10 fl. Das Hanptstreben des Vorstandes geht dahin, ans den ungewissen Verhältnissen herauszncvmmen, int nicht genöthigt zu sein, stets neue Unrerknnftsorte für seine Schützlinge suchen zu müssen. Dieses schöne Igel ist jedoch nur zu erreichen, wenn es dem Verein durch bedeutendere Arte der Wohlthätigkeit möglich gemacht wird, sein eigenes „Heim" zu erbauen. Darum wollen wir ans dem "Artikel des Jahresberichtes „Unsere Ferienrvlonie in eigener Regie", verfaßt von der Schriftführerin Fran Antonie Graf, das Schlußwort hier anfügen, es rede für sich selbst. „Theresienfeld ist leider auf einen anderen Besitzer übergegangen: wir befinden uns daher heuer in derselben Situation wie in: Vorjahre, ja in einer schlimmeren, denn nach unserem progressiven "Anfsteigen rechnen heute schon 88<> Kinder bestimmt ans Aufnahme. Es darf das Schicksal unserer Colonisten nicht länger einem bloßen Zufälle anheiingegeben werdet:: wir dürfen lticht länger von der Gefahr bedroht sein, unsere Kinder obdachlos zu sehen, oder jede:: Sommer die Calamität des Asylwechsels vor Angen zu habet:. Vor nnseret: Blicket: weilet sich eit: großes Feld, wem: wir einmal durch Hilfe und Ut:terstützt:ng edelherziger, grvßmüthiger Menschei: in die Lage gesetzt seit: werdet:, eit: „Heim" tunet eigen zu nennet:: dem: nicht m:r auf die beiden Ferialmonate würden tvir uufere Thätigkeir beschränken, nein, wir würdet: unsere Räume imtner bevölkert: mit blasset:, schwächet: Kindern, ob sie tun: der Schule entwachset: oder noch tücht schulpflichtig wäret: iReconoalescentenheinn. Möge es Wirklichkeit werdet:, daß das Jubeljahr des großen Volkes znm Jubeljahr des Hatten Volkes werde, und dieses im Jahre 1898 in die Hallet: des eigetten „Franz Josef Ferienheim" jttbelttd eii:,ziehet: könne."

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